- Einstiegsstellen in der Schweiz seit 2022 um 32 Prozent gesunken
- 14 Prozent der deutschen Unternehmen setzen KI bereits für Einstiegsaufgaben ein
- Bundesregierung soll Gegenmaßnahmen und Monitoring erläutern
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7421 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Zwei aktuelle Studien liefern den konkreten Anlass für die Anfrage: Das ifo Institut hat im Januar und Juni 2026 Unternehmensbefragungen zu KI und Berufseinsteigern veröffentlicht. Die Schweizer Plattform JobCloud berichtet zusätzlich, dass die Zahl der Stellenausschreibungen für Berufseinsteiger seit der breiten Einführung generativer KI Ende 2022 um 32 Prozent zurückgegangen ist. Ob dieser Rückgang ursächlich auf KI oder auf konjunkturelle Faktoren zurückzuführen ist, ist laut Drucksache bislang nicht abschließend geklärt.
- 14 % — der deutschen Unternehmen setzen KI laut ifo Institut bereits für Aufgaben ein, die typisch für Berufseinsteiger sind.
- 40 % — der befragten Unternehmen erwarten, dass KI innerhalb von drei Jahren solche Einstiegstätigkeiten übernehmen wird.
- ca. 20 % — der KI-nutzenden Unternehmen halten es für leicht, Hochschulabsolventen teilweise durch KI-gestützte, geringer qualifizierte Beschäftigte zu ersetzen.
- 15 % — sehen die Möglichkeit, Berufserfahrung durch KI-Unterstützung teilweise zu kompensieren.
- 32 % — Rückgang der Einstiegsstellen in der Schweiz seit Einführung generativer KI Ende 2022 (Quelle: JobCloud AG).
Im Detail
Weitere 40 Prozent erwarten, dass KI innerhalb der kommenden drei Jahre Tätigkeiten übernehmen wird, die bislang häufig von Berufseinsteigern ausgeführt wurden.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7421, Verweis auf ifo Institut
Der Arbeitsmarkteinstieg für junge Menschen steht unter wachsendem Druck — und KI könnte dabei eine zentrale Rolle spielen. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7421 vom 30. Juli 2026 verlangt die AfD-Fraktion von der Bundesregierung Auskunft darüber, was die Regierung über die Auswirkungen von KI auf den Berufseinstieg weiß und was sie dagegen zu tun gedenkt.
KI und Arbeitsmarkteinstieg: Was die Studien zeigen
Zwei Studien bilden den konkreten Hintergrund der Anfrage. Das ifo Institut hat im Januar und Juni 2026 Unternehmensbefragungen veröffentlicht, die ein deutliches Bild zeichnen: Bereits 14 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen KI für Aufgaben, die typischerweise von Berufseinsteigern erledigt werden. Weitere 40 Prozent erwarten, dass diese Entwicklung innerhalb von drei Jahren eintreten wird. Knapp 20 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen halten es zudem für leicht oder sehr leicht, Hochschulabsolventen teilweise durch KI-gestützte, geringer qualifizierte Beschäftigte zu ersetzen — ein Signal, das für Lohndruck bei Einstiegsgehältern sprechen könnte.
Noch deutlicher sind die Zahlen aus der Schweiz: Das Dienstleistungsunternehmen JobCloud AG berichtet, dass die Zahl der ausgeschriebenen Einstiegsstellen seit der breiten Einführung generativer KI Ende 2022 um 32 Prozent gesunken ist. Besonders betroffen sind laut dieser Studie Berufsfelder in Administration, Marketing, Finanzen und IT. Ob der Rückgang allein auf KI oder auch auf konjunkturelle Faktoren zurückzuführen ist, bleibt laut Drucksache ungeklärt.
Was gilt aktuell?
Eine systematische, bundesweite Erfassung der KI-Auswirkungen auf den Arbeitsmarkteinstieg existiert nach Kenntnis der Anfragesteller bislang nicht — zumindest ist keine öffentlich dokumentiert. Das KI-Observatorium des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales beobachtet grundsätzlich KI-Effekte auf die Arbeitswelt, ob es dabei explizit Einstiegspositionen analysiert, ist unklar. Genau das ist einer der Kernpunkte, nach denen die AfD-Fraktion fragt. Die Anfrage thematisiert damit eine Regelungslücke im Monitoring: Wer schaut systematisch hin, wenn KI typische Lernfelder für Berufseinsteiger wegrationalisiert?
Neun Fragen zum KI-Effekt auf Berufseinsteiger
Die Abgeordneten Gerrit Huy, Carsten Becker, Achim Köhler, Lukas Rehm und Thomas Stephan stellen insgesamt neun Fragen an die Bundesregierung. Im Mittelpunkt stehen folgende Punkte:
Erkenntnislage: Liegen der Bundesregierung Hinweise vor, dass sich die in der Schweiz beobachtete Entwicklung rückläufiger Einstiegspositionen auch in Deutschland abzeichnet? Gibt es branchenspezifische Beobachtungen?
Veränderungen in der Einstellungspraxis: Haben Unternehmen infolge von KI ihre Ausbildungs- oder Einarbeitungspraxis verändert? Die Frage zielt darauf ab, ob KI nicht nur Stellen verdrängt, sondern auch den Weg in die Berufswelt strukturell verändert.
Psychische Belastung: Die Fraktion fragt nach Erkenntnissen zu möglichen Zusammenhängen zwischen verändertem Arbeitsmarkteinstieg und psychischen Belastungen oder Zukunftsängsten bei jungen Menschen. Das Thema psychische Gesundheit junger Menschen ist auch andernorts im Parlament aktuell.
Lohndruck auf Hochschulabsolventen: Konkret fragt die Fraktion, ob sich die Bundesregierung mit der Gefahr befasst hat, dass Akademiker zunehmend durch KI-gestützte, geringer qualifizierte Arbeitskräfte substituiert werden — und welche Schlussfolgerungen sie daraus zieht.
Monitoring und Gegenmaßnahmen: Werden die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkteinstieg systematisch erfasst, etwa durch das KI-Observatorium des BMAS? Und welche Vorsorgemaßnahmen hat die Bundesregierung getroffen oder geplant?
KI und Arbeitsmarkteinstieg: Politische Einordnung
Die Anfrage greift ein strukturelles Problem auf, das über Parteigrenzen hinaus relevant ist: Wenn KI klassische Einstiegstätigkeiten übernimmt — Datenpflege, einfache Texterstellung, Recherche, Routineanalysen — dann fehlen jungen Menschen genau jene Aufgaben, an denen sie bisher berufliche Grundkompetenzen erwerben konnten. Das betrifft nicht nur individuelle Karrierechancen, sondern auch die Frage, wie Unternehmen mittelfristig qualifizierten Nachwuchs aufbauen. Ähnliche Fragen zu den Konsequenzen technologischen Wandels auf die Arbeitswelt — etwa beim Thema Altersteilzeit — beschäftigen den Bundestag auch in anderen Zusammenhängen.
Ob die Bundesregierung diese Entwicklung bereits systematisch im Blick hat und welche Maßnahmen sie gegebenenfalls plant, wird die Antwort zeigen, die bis zum 20. August 2026 vorliegen muss. Die Erkenntnisse aus dieser Antwort dürften auch für die Debatte über Kostenkontrolle und Effizienz staatlicher Institutionen im digitalen Wandel relevant sein.
Weiterlesen:
- Kinder-Psychotherapie: 34 Fragen zur Versorgungslage 2026
- Altersteilzeit-Reform: Linke stellt 26 Fragen zu Blockmodell-Abschaffung
- Entwicklungszusammenarbeit: GIZ und KfW unter Kostenkontrolle
Betroffen sind vor allem junge Menschen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt — insbesondere Hochschulabsolventen sowie Ausbildungsabsolventen in den Bereichen Administration, Marketing, Finanzen und IT. Unternehmen, die bereits KI einsetzen, sehen für rund 20 Prozent der Fälle die Möglichkeit, Absolventen teilweise durch geringer qualifizierte, KI-gestützte Kräfte zu ersetzen.
Die Kleine Anfrage ist am 30. Juli 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat 21 Tage Zeit für eine schriftliche Antwort; die Frist läuft bis zum 20. August 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- KI-Observatorium
- Einrichtung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt beobachtet und auswertet.
- Substitution
- Ersatz von menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen oder Software — hier: KI übernimmt Tätigkeiten, die bislang Menschen ausgeführt haben.
- Einstiegsposition
- Stelle für Berufsanfänger ohne oder mit wenig Berufserfahrung, dient dem Kompetenzerwerb und der Einarbeitung.
Was zeigt die ifo-Studie zum Thema KI und Berufseinsteiger?
Laut ifo Institut setzen bereits 14 Prozent der Unternehmen KI für Aufgaben ein, die typischerweise von Berufseinsteigern erledigt werden. Weitere 40 Prozent rechnen damit, dass KI solche Tätigkeiten innerhalb von drei Jahren übernehmen wird.
Welche Branchen sind laut Anfrage besonders betroffen?
Die in der Drucksache zitierte JobCloud-Studie nennt Administration, Marketing, Finanzen und Informationstechnologie als besonders betroffene Berufsfelder.
Was genau fragt die AfD die Bundesregierung?
Die Fraktion stellt neun Fragen zu Erkenntnissen über KI-Effekte auf Einstiegsjobs, zu möglichem Lohndruck auf Hochschulabsolventen, zu psychischen Belastungen von Berufseinsteigern sowie zu geplanten Gegenmaßnahmen und systematischem Monitoring.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7421 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































