- 442 bewirtschaftete und 878 unbewirtschaftete Rastanlagen mit WC bundesweit
- Toilettenpreise an Tank & Rast: Bundesregierung hat keine standortbezogenen Daten
- EU-Abwasserrichtlinie verpflichtet Deutschland bis Januar 2029 zu kostenlosem WC-Zugang
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7329 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland verfügt laut Drucksache 21/7329 über 442 bewirtschaftete und 878 unbewirtschaftete Rastanlagen mit Toiletten entlang der Bundesautobahnen (Stand 2023). An unbewirtschafteten Anlagen ist die Nutzung stets kostenlos; an bewirtschafteten Raststätten liegt die Entscheidung über Entgelte bei den Konzessionsnehmern, vor allem bei der Tank & Rast-Gruppe. Seit 2021 ist die Autobahn GmbH des Bundes für den Betrieb der Toiletten auf unbewirtschafteten Rastanlagen zuständig, die Finanzierung erfolgt aus dem Bundeshaushalt. Die EU-Kommunalabwasserrichtlinie (Richtlinie 2024/3019) schreibt erstmals auf europäischer Ebene vor, dass Mitgliedstaaten bis Januar 2029 Maßnahmen für kostenlosen Sanitärzugang ergreifen müssen.
- 442 — bewirtschaftete Rastanlagen bundesweit (2023), an denen Konzessionsnehmer über Toilettenpreise frei entscheiden.
- 878 — unbewirtschaftete Rastanlagen mit WC (2023); Nutzung dort stets kostenlos.
- 12. Januar 2029 — EU-Frist, bis zu der Deutschland kostenfreien Sanitärzugang in Siedlungsgebieten ab 10.000 Einwohnern sicherstellen muss.
- 31. Juli 2027 — Frist zur Umsetzung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie in nationales Recht.
- 2038 — Jahr, in dem die Konzessionsverträge mit der Tank & Rast Gruppe auslaufen.
Im Detail
Mit dem neuen Standard sollen zukünftig allen Verkehrsteilnehmenden ganzjährig saubere WC-Gebäude auf unbewirtschafteten Rastanlagen an Autobahnen kostenlos zur Verfügung stehen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7329, S. 4
An deutschen Autobahnen stehen Reisenden insgesamt 1.320 Rastanlagen mit Toiletten zur Verfügung — 442 bewirtschaftete und 878 unbewirtschaftete Standorte (Stand 2023). Wie viel die Nutzung an bewirtschafteten Raststätten kostet, weiß die Bundesregierung nicht: Die Preisgestaltung liegt allein bei den Konzessionsnehmern, und standortbezogene Daten liegen ihr nach eigenen Angaben nicht vor. Das geht aus der Antwort des Bundesministeriums für Verkehr vom 23. Juli 2026 auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor (BT-Drs. 21/7329).
Was gilt aktuell an Autobahn-Toiletten?
Toiletten auf unbewirtschafteten Rastanlagen sind grundsätzlich kostenlos nutzbar. An den 442 bewirtschafteten Raststätten — betrieben überwiegend von der Tank & Rast-Gruppe — entscheiden die Konzessionsnehmer frei, ob und welchen Preis sie für die Toilettennutzung verlangen. Die Konzessionsverträge mit dem Bund verpflichten lediglich dazu, sanitäre Einrichtungen täglich 24 Stunden zugänglich zu halten; Kostenregelungen sind darin nicht enthalten. Für Reisende bedeutet das: An vielen bewirtschafteten Raststätten fällt ein Entgelt an, etwa über das Pfandsystem SANIFAIR — genaue Zahlen zu Preishöhe oder Anteil kostenpflichtiger Anlagen nennt die Bundesregierung jedoch nicht.
Autobahn-Toiletten: Koalitionsversprechen ohne Zeitplan
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist vereinbart, die Sanitärinfrastruktur auf Park- und Rastplätzen an Bundesautobahnen mit kostenfreiem Zugang auszubauen. Auf die konkrete Frage nach gesetzlichen Rahmenbedingungen, Zeitplan und eingeplanten Mitteln zur Umsetzung dieses Ziels verweist die Bundesregierung lediglich auf bestehende Regelungen. Einen Fahrplan oder Finanzierungsansatz benennt sie nicht. An bewirtschafteten Rastanlagen sieht die Regierung ausdrücklich keinen Handlungsbedarf.
Immerhin bei unbewirtschafteten Rastanlagen gibt es konkrete Maßnahmen: Die Autobahn GmbH des Bundes hat ein neues Standardkonzept für WC-Gebäude entwickelt. Der neue Typ umfasst drei Unisex-Kabinen, eine Kabine mit Urinalen und eine barrierefreie Kabine. Geplant sind geschlossene Bauweise, Wärmedämmung und eine Verdoppelung der Reinigungshäufigkeit von bisher ein- bis zweimal auf künftig zwei- bis fünfmal täglich. Wie viele bestehende Anlagen derzeit geschlossen sind, kann die Autobahn GmbH des Bundes laut Drucksache nicht sagen.
EU-Richtlinie setzt neue Mindeststandards bis 2029
Zusätzlichen Druck erzeugt die EU-Kommunalabwasserrichtlinie (Richtlinie 2024/3019, kurz KARL). Artikel 19 verpflichtet Mitgliedstaaten, bis zum 12. Januar 2029 Maßnahmen zu ergreifen, die kostenfreien Sanitärzugang in Siedlungsgebieten ab 10.000 Einwohnern sicherstellen — und in öffentlichen Gebäuden bereits ab 5.000 Einwohnern. Die Richtlinie ist bis zum 31. Juli 2027 in nationales Recht umzusetzen. Die Bundesregierung teilt dazu mit, sie prüfe derzeit, inwieweit die Anforderungen in Deutschland bereits hinreichend umgesetzt sind und wie sie gegebenenfalls rechtlich und administrativ umgesetzt werden können. Ein konkretes Ergebnis dieser Prüfung liegt noch nicht vor.
An Bahnhöfen betreibt die DB InfraGO AG Toilettenanlagen, die barrierefrei ausgestaltet und mindestens während der Zugbetriebszeiten zugänglich sind. Für WC-Anlagen, die Dritte, Kommunen oder Gemeinden betreiben, liegen der DB AG nach eigenen Angaben keine systematisch erhobenen Daten vor. Für Städte und Gemeinden im öffentlichen Raum enthält die Drucksache keine eigenen Erhebungsdaten — die Zuständigkeit liegt dort bei den Kommunen selbst.
Entwicklung seit 2008: Mehr unbewirtschaftete WC-Anlagen
Die verfügbaren Daten zeigen eine leichte Zunahme unbewirtschafteter Rastanlagen mit WC: Von 821 im Jahr 2013 stieg deren Zahl auf 878 im Jahr 2023. Die Zahl bewirtschafteter Anlagen blieb im selben Zeitraum mit 433 bzw. 442 nahezu konstant. Bayern verzeichnet mit 154 unbewirtschafteten WC-Anlagen den höchsten Wert, gefolgt von Niedersachsen (123) und Nordrhein-Westfalen (132). Zahlen für die ursprünglich angefragten Jahre ab 1990 liegen der Bundesregierung nicht vor; Daten existieren lediglich für 2008, 2013, 2018 und 2023. Die Konzessionsabgaben der Tank & Rast-Gruppe lagen bis zur Corona-Pandemie auf stabilem Niveau, haben sich seitdem aber noch nicht vollständig erholt — die genauen Ursachen sind der Bundesregierung nicht bekannt.
Hintergrund der Anfrage ist auch die Frage nach der Marktstellung von Tank & Rast. Zur Frage einer Monopolstellung verweist die Bundesregierung auf frühere Drucksachen und betont, dass die zahlreichen kostenlosen Toiletten auf unbewirtschafteten Rastanlagen den Wettbewerb ergänzen.
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Betroffen sind alle Autobahnreisenden, insbesondere Familien mit Kindern, Schwangere, Menschen mit Inkontinenz, Menschen ohne festen Wohnsitz sowie Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer, die auf öffentliche Toiletten angewiesen sind. Darüber hinaus betrifft die EU-Vorgabe zur Sanitärversorgung die Bevölkerung in allen Siedlungsgebieten ab 5.000 bzw. 10.000 Einwohnern.
Bei mehreren zentralen Fragen weicht die Bundesregierung aus: Preise an kostenpflichtigen Anlagen sind ihr nicht bekannt, Zahlen zu aktuell geschlossenen Toiletten liegen ihr nicht vor, und zur Umsetzung des Koalitionsvertrags-Ziels (kostenfreier Zugang) verweist sie lediglich auf bestehende Regelungen ohne Zeitplan oder Finanzierung. Zur EU-Richtlinien-Umsetzung heißt es nur, man prüfe derzeit den Handlungsbedarf.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Autobahn-Toiletten: Kostenfreier Zugang und EU-Abwasserrichtlinie →
- Konzessionsnehmer
- Unternehmen, das vom Bund das Recht erhält, eine bewirtschaftete Rastanlage zu betreiben. Tank & Rast ist der größte Konzessionsnehmer an deutschen Autobahnen.
- KARL (Kommunalabwasserrichtlinie)
- EU-Richtlinie 2024/3019 vom November 2024, die neben Abwasserbehandlung erstmals auch Anforderungen an kostenlose öffentliche Sanitärversorgung enthält und bis Juli 2027 in nationales Recht umzusetzen ist.
- ERS (Empfehlungen für Rastanlagen an Straßen)
- Seit 2011 geltendes Regelwerk, das Mindestausstattung von WC-Gebäuden an Rastanlagen vorschreibt, u. a. getrennte Sanitärbereiche und Barrierefreiheit.
Sind Autobahntoiletten in Deutschland kostenlos?
Toiletten auf unbewirtschafteten Rastanlagen sind grundsätzlich kostenlos. An den 442 bewirtschafteten Raststätten entscheiden die Konzessionsnehmer frei über Preise — konkrete Daten dazu liegen der Bundesregierung nicht vor.
Was schreibt die EU zur kostenlosen Toilettenversorgung vor?
Artikel 19 der EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verpflichtet Mitgliedstaaten, bis zum 12. Januar 2029 Maßnahmen zu ergreifen, die kostenfreien Zugang zu Sanitäranlagen in Siedlungsgebieten ab 10.000 Einwohnern sicherstellen.
Was steht im Koalitionsvertrag zu kostenlosen WCs an Autobahnen?
CDU, CSU und SPD haben vereinbart, die Sanitärinfrastruktur auf Park- und Rastplätzen an Bundesautobahnen mit kostenfreiem Zugang auszubauen. Einen konkreten Umsetzungsplan oder Zeitplan nennt die Bundesregierung in ihrer Antwort nicht.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7329 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































