- Katarische LNG-Exporte sanken in 6 Monaten um rund 96 Prozent
- Gasspeicher-Befüllung für Winter 2026/2027 könnte gefährdet sein
- Chemie, Automobil und Mittelstand unter erhöhtem Kostendruck
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8039 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der meistbefahrenen Energietransportrouten der Welt. Vor dem gegenwärtigen Konflikt flossen über diese Route rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und LNG-Exporte. Seit Beginn der Kampfhandlungen ist der Schiffsverkehr dort erheblich eingeschränkt. Die Bundesregierung hatte am 15. Juni 2026 anlässlich eines US-iranischen Rahmenabkommens erklärt, die freie Durchfahrt müsse dauerhaft gewährleistet werden. Ende August 2026 lagen die täglichen Schiffsdurchfahrten nach Kpler-Daten jedoch weiterhin weit unter dem Schnitt der Vorwochen.
- 20 % — Anteil der Straße von Hormus an den weltweiten Öl- und LNG-Transporten vor Konfliktbeginn laut Drucksache.
- 5 Schiffe — Zahl der Warenschiffe, die laut Kpler-Daten am 25. August 2026 die Meerenge passierten (Zehntages-Schnitt: 15 Schiffe).
- 96 % — Rückgang der katarischen LNG-Ausfuhren in den ersten sechs Konfliktmonaten nach Reuters-Berechnungen.
- Winter 2026/2027 — Zeitraum, für den die Anfrage explizit die Auswirkungen auf die Gasspeicherbefüllung thematisiert.
Im Detail
Nach Berechnungen von Reuters gingen die katarischen LNG-Ausfuhren in den ersten sechs Monaten des Konflikts um rund 96 Prozent zurück; zugleich stiegen die LNG-Ausfuhren der Vereinigten Staaten nach Europa.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/8039
Die Straße von Hormus steht im Zentrum einer der gravierendsten Energieversorgungskrisen, mit denen Deutschland seit Jahren konfrontiert ist. Die rund 54 Kilometer schmale Meerenge zwischen Iran und Oman ist die einzige Seeverbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Ozean — und damit eine unverzichtbare Route für Öl- und LNG-Exporte aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Irak und vor allem Katar. Vor Beginn des gegenwärtigen Konflikts flossen über diese Route rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransporte.
Dramatischer Einbruch der Katar-Lieferungen
Die Folgen der eingeschränkten Schifffahrt zeigen sich in konkreten Zahlen: Nach Berechnungen des Nachrichtendienstleisters Reuters sanken die katarischen LNG-Ausfuhren in den ersten sechs Monaten des Konflikts um rund 96 Prozent. Gleichzeitig stiegen die LNG-Exporte der Vereinigten Staaten nach Europa deutlich an — ein Versorgungsersatz, der jedoch mit höheren Kosten und längeren Lieferwegen verbunden ist. Analysedaten des Unternehmens Kpler zeigen, dass am 25. August 2026 nur noch fünf Warenschiffe die Meerenge passierten, während der Zehntages-Durchschnitt zuvor bei 15 Schiffen gelegen hatte.
15 Fragen an die Bundesregierung
Vor diesem Hintergrund hat die AfD-Fraktion am 15. September 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8039 eingereicht. Die 15 Fragen richten sich auf vier Themenbereiche: erstens die Auswirkungen auf Energiepreise (Rohöl, Mineralölprodukte, Erdgas, LNG), zweitens die Entwicklung von Frachtraten, Versicherungsprämien und Kriegsrisikozuschlägen, drittens die Lage der deutschen Gasspeicher vor dem Winter 2026/2027 und viertens die Folgen für energieintensive Branchen der deutschen Wirtschaft.
Konkret erkundigt sich die Anfrage danach, welche Mengen an Rohöl, LNG und petrochemischen Grundstoffen im Jahr 2025 über die Straße von Hormus für den deutschen Markt transportiert wurden. Außerdem fragt die Fraktion nach Ersatzbeschaffungen — etwa aus den USA, Norwegen, Algerien oder Nigeria — und nach deren Mehrkosten gegenüber den ursprünglich geplanten Lieferungen.
Gasspeicher und Versorgungssicherheit im Fokus
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Versorgungssicherheit für den Winter 2026/2027. Die Anfrage fragt explizit, ob die Bundesregierung ihre Planungen zur Gasspeicherbefüllung seit Konfliktbeginn angepasst hat und welche Zielwerte nun gelten. Zudem sollen Szenarien für den Fall offengelegt werden, dass die Einschränkungen weitere drei Monate, bis Ende 2026 oder sogar über den gesamten Winter hinaus bestehen bleiben. Für den Fall einer erneuten vollständigen Sperrung der Meerenge fragt die Drucksache nach den erwarteten Auswirkungen auf Energiepreise, Importmengen und Gasspeicherstände.
Belastungen für Industrie und Mittelstand
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Anfrage den wirtschaftlichen Folgen für energieintensive Branchen. Ausdrücklich genannt werden die chemische Industrie, die Grundstoffindustrie, die Automobilindustrie, die Logistik- und Transportwirtschaft sowie energieintensive mittelständische Unternehmen. Für jede dieser Branchen soll die Bundesregierung konkrete Erwartungen zu Produktion, Wettbewerbsfähigkeit, Exporten und Beschäftigung darlegen. Erhöhte Frachtraten und Kriegsrisikozuschläge verteuern Importe aus der Golfregion unmittelbar — Kosten, die energieabhängige Unternehmen letztlich an Kunden oder den Arbeitsmarkt weitergeben.
Politischer Kontext: Rahmenabkommen und offene Fragen
Die Bundesregierung hatte am 15. Juni 2026 anlässlich eines zwischen den USA und Iran vereinbarten Rahmenabkommens erklärt, die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus müsse dauerhaft gewährleistet werden. Bundeskanzler Friedrich Merz verband die Umsetzung des Abkommens dabei mit einer möglichen Erholung der Weltwirtschaft. Zum Zeitpunkt der Einreichung der Anfrage war der Schiffsverkehr durch die Meerenge jedoch weiterhin erheblich eingeschränkt — das Rahmenabkommen hatte den Rückgang der Durchfahrten bis Ende August 2026 nicht aufgehalten. Zu den Sicherheitsfragen rund um kritische Infrastruktur und digitale Risiken der Energieversorgung laufen parallel weitere parlamentarische Anfragen im Bundestag.
Die schriftliche Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/8039 steht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags noch aus.
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Unmittelbar betroffen sind deutsche Energieversorger und Industrieunternehmen, die auf LNG- oder Öllieferungen aus der Golfregion angewiesen sind. Mittelbar treffen höhere Energie- und Transportkosten auch Verbraucherinnen und Verbraucher über steigende Heiz- und Kraftstoffpreise. Besonders exponiert sind laut Drucksache energieintensive Branchen wie die Chemie-, Grundstoff- und Automobilindustrie sowie der Mittelstand.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8039) ist am 16. September 2026 im Deutschen Bundestag eingegangen. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Gemäß § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- LNG (Flüssigerdgas)
- Auf minus 162 Grad Celsius abgekühltes Erdgas, das sich so auf rund ein Sechshundertstel seines ursprünglichen Volumens reduzieren lässt und per Tankschiff transportiert wird.
- Frachtraten
- Preise für den Seetransport von Gütern oder Energieträgern; sie steigen in Krisenzeiten stark an, wenn Routen unsicher oder blockiert sind.
- Kriegsrisikozuschlag
- Zusätzliche Versicherungsprämie, die Reedereien und Verlader zahlen, wenn Schiffe durch Konfliktgebiete navigieren.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig für Deutschland?
Über diese Meerenges wurden laut Drucksache vor dem Konflikt rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransporte abgewickelt, darunter erhebliche LNG-Mengen aus Katar für europäische Abnehmer.
Wie stark ist der Schiffsverkehr eingebrochen?
Laut Analysedaten des Unternehmens Kpler passierten am 25. August 2026 nur fünf Warenschiffe die Meerenge, während der Zehntages-Durchschnitt zuvor bei 15 Schiffen lag.
Wann muss die Bundesregierung die Anfrage beantworten?
Für Kleine Anfragen sieht § 104 GO-BT grundsätzlich eine Antwort innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vor.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8039 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































