- Europaweite DAK-Umrüstung kostet 6,4 bis 8,6 Mrd. Euro
- Bis zu 500.000 Güterwagen in Europa müssten umgerüstet werden
- AfD hinterfragt Wirtschaftlichkeit und fragt nach Förderdetails seit 2020
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7537 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) ist ein europäisches Großprojekt zur Modernisierung des Schienengüterverkehrs. Seit dem Start des Förderprojekts DAC4EU im Jahr 2020 erprobt ein internationales Konsortium unter Führung der DB AG die Technologie. Frühere Antworten der Bundesregierung bezifferten die europaweiten Gesamtkosten einer Migration auf 6,4 bis 8,6 Milliarden Euro (BT-Drs. 19/31824). Das politische Ziel, den Schienengüterverkehr bis 2030 auf einen Marktanteil von 25 Prozent zu steigern, erhöht den Druck, die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die konkrete Finanzierungsstrategie zu klären.
- 6,4–8,6 Mrd. Euro — Geschätzte Gesamtkosten für die europaweite Migration auf die Digitale Automatische Kupplung (frühere Regierungsangabe, BT-Drs. 19/31824).
- 500.000 Güterwagen — Geschätzte Anzahl der europaweit umzurüstenden Wagen laut Anfrage.
- 25 Prozent — Angestrebter Marktanteil des Schienengüterverkehrs bis 2030 (BT-Drs. 21/3155).
- Seit 2020 — Projektstart DAC4EU; die Anfrage erfragt alle seitdem bis 2025 ausgereichten Fördermittel.
Im Detail
Während die technische Machbarkeit erprobt wird, bleiben für die Fragesteller Fragen zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit, zur Finanzierung der Umrüstung von bis zu 500 000 Güterwagen in Europa und zum globalen Marktpotential offen.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7537
Die europaweite Umrüstung von bis zu 500.000 Güterwagen auf die Digitale Automatische Kupplung (DAK) steht vor grundlegenden Fragen zur Wirtschaftlichkeit und Finanzierung. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7537 vom 10. August 2026 verlangt die AfD-Fraktion von der Bundesregierung Auskunft über Kosten, Fördermittel und das internationale Marktpotential dieser Technologie. Bisherige Regierungsschätzungen beziffern die Gesamtkosten der europaweiten DAK-Migration auf 6,4 bis 8,6 Milliarden Euro.
Was ist die Digitale Automatische Kupplung?
Die Digitale Automatische Kupplung ersetzt die seit Jahrzehnten übliche manuelle Schraubenkupplung an Güterwagen. Anders als bei der herkömmlichen Methode, bei der Rangierer Wagen von Hand verbinden, kuppelt die DAK mechanisch, elektrisch und digital automatisch. Das spart nicht nur Arbeitszeit, sondern ermöglicht auch die Übertragung von Betriebs- und Sensordaten zwischen Wagen — eine Grundvoraussetzung für weitere Automatisierungsschritte im Schienengüterverkehr. DB Cargo AG, die Gütertochter des mittelbar in Bundesbesitz stehenden Deutschen Bahn-Konzerns, setzt auf die Technologie als zentralen Baustein für mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Digitale Automatische Kupplung: Förderung seit 2020
Das europäische Förderkonsortium DAC4EU (Digital Automatic Coupling for Europe) wurde 2020 gegründet. Konsortialführerin ist die DB AG; weitere Partner sind DB Cargo AG, Rail Cargo Austria AG, SBB Cargo AG sowie die Wagenhalter Ermewa SA, GATX Rail Europe GmbH und VTG Rail Europe GmbH. Die Anfrage erkundigt sich konkret danach, wie viele Fördermittel aus dem Bundeshaushaltstitel 1210 683 51 bisher geflossen sind — sowohl bis zum 30. Juni 2026 insgesamt als auch kumuliert seit Projektbeginn bis Ende 2025. Außerdem fragt die Fraktion, ob Mittel nur an die Konsortialführerin DB AG ausgereicht wurden oder auch direkt an die übrigen Konsortialpartner, und ob es eine EU-Kofinanzierung gibt.
Wirtschaftlichkeit und Skaleneffekte
Ein Kernpunkt der Anfrage ist der sogenannte Business Case der DAK — also ob sich die Investition betriebswirtschaftlich rechnet. Angesichts gestiegener Zinsen und höherer Materialkosten fragen die Abgeordneten nach den Anschaffungs- und Instandhaltungskosten im Vergleich zur Schraubenkupplung sowie nach dem Kostensenkungspotential pro Trassenkilometer durch den Wegfall manueller Kuppelvorgänge. Besonderes Interesse gilt den Skaleneffekten: Die Anfrage unterscheidet explizit zwischen Szenarien mit 5.000, 50.000 und 500.000 umgerüsteten Wagen. Auch die Zeiteinsparung bei der Zugbildung eines 740-Meter-Standardgüterzugs sowie der Instandhaltungsaufwand der modernsten DAK-Generation (Generation 4) sind Gegenstand der Fragen. Zum Bundesfinanzplan 2026–2030 mit einem Gesamtvolumen von 555 Milliarden Euro für 2027 gehört auch die Förderung von Infrastrukturprojekten dieser Art.
Globales Marktpotential und Alternativen
Die Anfrage thematisiert auch das internationale Potential der in Europa entwickelten DAK vom Typ Scharfenberg. Die Fragesteller wollen wissen, ob Transportunternehmen oder staatliche Bahnen außerhalb der EU bereits konkretes Interesse angemeldet haben und ob Schätzungen zum möglichen Auftragsvolumen vorliegen. Daneben erkundigt sich die Anfrage nach konkurrierenden Ansätzen: vollautomatisierte Rangierloks, alternative Kupplungssysteme, digitale Begleitzertifikate sowie Projekte im Kombinierten Verkehr. Eine besonders weitreichende Frage betrifft die Nutzung von Robotaxi-Technologien — also fahrerlose Fahrzeugkonzepte aus den USA und China — für autonom fahrende Einzelwagen im Schienennetz als mögliche Alternative zur kostenintensiven DAK-Nachrüstung. Auch der Investitionsbedarf an Güter- und Rangierbahnhöfen sowie mögliche Migrationsstrategien zum Markthochlauf sind Gegenstand der zwanzig Fragen.
Politischer Kontext: 25-Prozent-Ziel bis 2030
Der Hintergrund der Anfrage ist das Ziel der Bundesregierung, den Schienengüterverkehr bis 2030 auf einen Marktanteil von 25 Prozent zu steigern — ein Vorhaben, das massive Investitionen in die Modernisierung der Infrastruktur und des rollenden Materials voraussetzt. Ob die Digitale Automatische Kupplung dabei tatsächlich der entscheidende Hebel ist oder ob günstigere Alternativen existieren, ist politisch umstritten. Die Anfrage steht in einer Reihe parlamentarischer Initiativen zum Thema: Schon BT-Drs. 19/31824 enthielt Fragen zur DAK, und BT-Drs. 21/3155 thematisierte das 25-Prozent-Ziel. Ähnlich grundlegende Fragen zur Infrastrukturfinanzierung stellt auch die Anfrage zum Gebäudemodernisierungsgesetz, bei der es ebenfalls um Milliardeninvestitionen und deren Wirtschaftlichkeit geht.
Weiterlesen:
- Bundestag 14.08.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Schriftliche Fragen KW 28/2026: 251 Antworten im Überblick
Betroffen sind vor allem Güterbahnen wie DB Cargo AG, Rail Cargo Austria AG und SBB Cargo AG sowie private Wagenhalter (Ermewa SA, GATX Rail Europe GmbH, VTG Rail Europe GmbH), die ihre Flotten umrüsten müssten. Mittelbar sind auch Verlader und Unternehmen betroffen, die auf Schienentransporte angewiesen sind, da die Umrüstungskosten die Transportpreise beeinflussen können.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7537) ist am 10. August 2026 beim Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung muss nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen antworten. Mit der Veröffentlichung der Antwort als neue Drucksache ist in Kürze zu rechnen.
- DAK (Digitale Automatische Kupplung)
- Automatisches Kupplungssystem für Güterwagen, das die bisher übliche manuelle Schraubenkupplung ersetzt und digitale Datenübertragung ermöglicht.
- Einzelwagenverkehr (EWV)
- Betriebsform im Schienengüterverkehr, bei der einzelne Güterwagen verschiedener Absender zu Zügen zusammengestellt werden — im Gegensatz zum Ganzzugverkehr.
- DAC4EU
- Europäisches Förderkonsortium (Digital Automatic Coupling for Europe), das seit 2020 die DAK-Technologie entwickelt und erprobt.
Was ist die Digitale Automatische Kupplung (DAK)?
Die DAK ersetzt die bisher manuelle Schraubenkupplung an Güterwagen durch ein automatisches, digitales System, das Kupplungsvorgänge beschleunigt und Betriebskosten senken soll.
Wie viel kostet die europaweite DAK-Einführung?
Laut früheren Angaben der Bundesregierung (BT-Drs. 19/31824) werden die Gesamtkosten auf 6,4 bis 8,6 Milliarden Euro geschätzt.
Welches Ziel verfolgt der Schienengüterverkehr bis 2030?
Laut BT-Drs. 21/3155 soll der Schienengüterverkehr bis 2030 einen Marktanteil von 25 Prozent erreichen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7537 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































