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- 18,9 Mio. Euro Zusatzkosten für Bundeswehr-Einsatz 2026/2027
- Bis zu 350 Soldaten schützen Handelswege im Roten Meer
- 15 Prozent des Welthandels verlaufen durch das bedrohte Seegebiet
Hintergrund
Die Huthi-Miliz aus dem Jemen greift seit Mitte November 2023 wiederholt Handels- und Marineschiffe im Roten Meer und der Meerenge Bab al-Mandab an. Der VN-Sicherheitsrat verurteilte die Angriffe mit Resolution 2722 (2024) und verlängerte das Berichterstattungsmandat zuletzt mit Resolution 2826 (2026) bis Januar 2027. Die EU startete EUNAVFOR ASPIDES im Februar 2024 als defensive Marineoperation; Deutschland beteiligt sich seit Beginn mit Stabspersonal und seit Oktober 2024 zusätzlich mit einem Aufklärungsflugzeug. Im September 2026 hat die Huthi-Miliz nach eigenen Angaben die jemenitische Rotmeerküste am Bab al-Mandab vollständig unter ihre Kontrolle gebracht, was die Sicherheitslage weiter verschärft.
- 18,9 Mio. Euro — einsatzbedingte Zusatzausgaben für den Zeitraum November 2026 bis Oktober 2027
- 350 Soldatinnen und Soldaten — maximale Personalobergrenze des Mandats
- 15 % des Welthandels — Anteil des maritimen Welthandels, der vor Krisenbeginn durch das Rote Meer verlief
- 5,9 Mio. Euro — von Deutschland 2026 bisher bereitgestellte Mittel für Krisenprävention und Friedensförderung in Jemen
- 49 Mio. Euro — deutsche Mittel für Kriseninstrumente der Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2025
Im Detail
Die Handelsroute durch das Rote Meer ist die kürzeste Verbindung zwischen Asien und Europa mit einem Volumen von 15 Prozent des weltweiten maritimen Handels vor Beginn der Angriffe.
— Begründung BT-Drs. 21/8294, Abschnitt I. Politische Rahmenbedingungen
Handelsschiffe, die von Asien nach Europa fahren, nehmen seit über zwei Jahren einen gewaltigen Umweg auf sich: Statt durch das Rote Meer und den Suezkanal umfahren viele Reedereien das Kap der Guten Hoffnung — wegen der Huthi-Miliz. Um dieser Bedrohung entgegenzutreten, beantragt die Bundesregierung mit BT-Drs. 21/8294 vom 30. September 2026 die Fortsetzung des Bundeswehr-Einsatzes im Rahmen der EU-Marineoperation EUNAVFOR ASPIDES bis zum 31. Oktober 2027.
EUNAVFOR ASPIDES: Auftrag und deutsche Beteiligung
EUNAVFOR ASPIDES ist eine seit Februar 2024 laufende, rein defensive EU-Marineoperation. Ihr Auftrag besteht darin, die Freiheit der Schifffahrt im südlichen Roten Meer, der Meerenge Bab al-Mandab, dem Golf von Aden, dem Arabischen Meer, dem Golf von Oman und dem Persischen Golf zu schützen. Deutschland beteiligt sich seit Beginn mit Stabspersonal; seit Oktober 2024 stellt die Bundeswehr zusätzlich ein Flugzeug für die luftgestützte Seeraumüberwachung. Die Personalobergrenze des beantragten Mandats liegt bei bis zu 350 Soldatinnen und Soldaten — eine Größe, die auch den Einsatz einer seegehenden Einheit ermöglicht.
18,9 Millionen Euro Zusatzkosten
Die einsatzbedingten Zusatzausgaben für den Mandatszeitraum November 2026 bis Oktober 2027 veranschlagt die Bundesregierung auf rund 18,9 Millionen Euro. Davon entfallen rund 3,1 Millionen Euro auf das Haushaltsjahr 2026 und rund 15,8 Millionen Euro auf das Haushaltsjahr 2027. Die Mittel werden aus dem Verteidigungsetat (Einzelplan 14, Kapitel 1401, Titelgruppe 08) bestritten.
Warum das Rote Meer für Deutschland so wichtig ist
Vor Beginn der Huthi-Angriffe im November 2023 liefen rund 15 Prozent des weltweiten maritimen Handels durch das Rote Meer — es ist die kürzeste Seeverbindung zwischen Asien und Europa. Der Schiffsverkehr durch das Einsatzgebiet liegt trotz zwischenzeitlicher Entspannung nach wie vor bei etwa der Hälfte des Vorkrisenniveaus. Reedereien, die auf die längere Route ausweichen, geben die entstehenden Mehrkosten an Unternehmen und letztlich an Verbraucher weiter. Die Drucksache warnt zudem vor einem möglichen zusätzlichen Energiepreisschock durch die Verlängerung der Transportwege. Über das Rote Meer und den Golf von Aden verlaufen außerdem wichtige Unterseedatenkabel zwischen Asien und Europa, deren Beschädigung erhebliche digitale Folgen hätte.
Lage im Roten Meer: erneute Eskalation seit 2026
Nachdem die Huthi-Miliz ihre Angriffe auf die internationale Schifffahrt zeitweise reduziert hatte, hat sie diese nach Angaben der Bundesregierung wieder aufgenommen — zunächst gegen Schiffe mit Israel-Bezug, seit Juli 2026 auch gegen Schiffe mit Bezug zu Saudi-Arabien. Im September 2026 brachte die Huthi-Miliz im Rahmen einer Militäroffensive den bislang noch unter Regierungskontrolle stehenden Teil der jemenitischen Rotmeerküste am Bab al-Mandab unter ihre Kontrolle. Saudi-Arabische Schiffe meiden die Meerenge inzwischen vollständig und exportieren Öl über den Suezkanal oder das Kap der Guten Hoffnung. Die Miliz wird politisch und militärisch von Iran unterstützt, das sie als einziges Land als legitime Regierung Jemens anerkennt. Der VN-Sicherheitsrat verlängerte mit Resolution 2826 (2026) sein Berichterstattungsmandat zu Huthi-Angriffen bis Januar 2027.
Breites deutsches Engagement in der Region
Der militärische Beitrag zu EUNAVFOR ASPIDES ist laut Drucksache in einen umfassenderen Ansatz eingebettet. Deutschland beteiligt sich an der zivilen Ausbildungsmission EUCAP Somalia und unterstützt regionale Initiativen wie den Djibouti Code of Conduct. Für Friedensförderung und humanitäre Maßnahmen in Jemen hat Deutschland im Jahr 2026 bisher rund 5,9 Millionen Euro bereitgestellt; für humanitäre Hilfe sind 2026 bis zu 20 Millionen Euro vorgesehen. Rund zwei Drittel der jemenitischen Bevölkerung — etwa 22,3 Millionen Menschen — sind laut Drucksache von Armut und Hunger betroffen. Das bilaterale Engagement über die GIZ in den von der Huthi-Miliz kontrollierten Gebieten wurde jedoch eingestellt und teilweise in den Süden des Landes verlagert.
Der Auftrag von EUNAVFOR ASPIDES wurde zuletzt erweitert: Mit dem EU-Ratsbeschluss vom März 2026 wurde die Mission auch mit der Erfassung verdächtiger Aktivitäten im Zusammenhang mit kritischen Unterseeinfrastrukturen betraut — ein Hinweis auf die wachsende Bedeutung des Schutzes von Datenkabeln am Meeresgrund. Wer sich für ähnliche Fragen der Sicherheitspolitik interessiert, findet bei Debatten rund um Bundeswehr-Ressourcen weitere Einordnungen.
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Direkt betroffen sind Reedereien und Unternehmen, die ihre Schiffe bereits weiträumig um das Kap der Guten Hoffnung umleiten — was höhere Frachtkosten verursacht, die letztlich an Endverbraucher weitergegeben werden. Rund 22,3 Millionen Jemeniten sind laut Drucksache durch den anhaltenden Bürgerkrieg von Armut und Hunger betroffen und auf humanitäre Hilfe angewiesen. Deutsche Soldatinnen und Soldaten im Einsatzgebiet unterliegen den Bedingungen einer besonderen Auslandsverwendung gemäß § 56 Bundesbesoldungsgesetz.
Der Antrag der Bundesregierung (BT-Drs. 21/8294) wurde am 30. September 2026 eingebracht. Die Ausschusszuweisung und Beratung im Deutschen Bundestag stehen noch aus. Für den Einsatz ist die konstitutive Zustimmung des Bundestages erforderlich; das Mandat soll spätestens zum 31. Oktober 2027 enden.
- EUNAVFOR ASPIDES
- European Union Naval Force ASPIDES — eine seit Februar 2024 laufende, defensive EU-Marineoperation zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer und angrenzenden Gewässern.
- Konstitutive Zustimmung
- Auslandseinsätze der Bundeswehr bedürfen nach dem Parlamentsbeteiligungsgesetz der vorherigen Zustimmung des Deutschen Bundestages — ohne diesen Beschluss ist der Einsatz nicht zulässig.
- Bab al-Mandab
- Strategisch bedeutsame Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden; zentrales Nadelöhr auf der Handelsroute zwischen Asien und Europa.
Was ist EUNAVFOR ASPIDES?
EUNAVFOR ASPIDES ist eine defensive EU-Marineoperation, die seit Anfang 2024 Handelsschiffe im Roten Meer, Golf von Aden und angrenzenden Gewässern vor Angriffen der Huthi-Miliz schützt.
Wie viele Soldaten beteiligt Deutschland?
Laut Antrag können bis zu 350 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt werden; aktuell beteiligt sich Deutschland mit Stabspersonal und einem Aufklärungsflugzeug.
Was kostet der Einsatz den deutschen Steuerzahler?
Die einsatzbedingten Zusatzausgaben für November 2026 bis Oktober 2027 belaufen sich auf rund 18,9 Millionen Euro aus dem Verteidigungsetat (Einzelplan 14).






























































