- 30 Mio. Euro Förderung für DAK-Erprobung bis Juni 2026 ausgezahlt
- Europaweite Umrüstung kostet schätzungsweise 6,4 bis 8,6 Mrd. Euro
- Kein bekanntes internationales Marktinteresse außerhalb der EU
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7661 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) soll die seit dem 19. Jahrhundert verwendete Schraubenkupplung im europäischen Schienengüterverkehr ersetzen. Das Forschungskonsortium DAC4EU lief von Juni 2020 bis Juni 2026 in mehreren Phasen. Konsortialführerin war die DB AG; beteiligt waren außerdem DB Cargo AG, Rail Cargo Austria AG, SBB Cargo AG sowie die Wagenhalter Ermewa SA, GATX Rail Europe GmbH und VTG Rail Europe GmbH. Die Auswahl des Kupplungstyps (Scharfenberg Typ 10) erfolgte im Herbst 2021 im Rahmen des European DAC Delivery Programmes, an dem mehr als 100 Unternehmen und europäische Eisenbahnverbände beteiligt waren. Das politische Ziel ist es, den Marktanteil des Schienengüterverkehrs bis 2030 auf 25 Prozent zu steigern.
- ~30 Mio. Euro — Vom Bundesministerium für Verkehr bis Juni 2026 erstattete Fördermittel für das DAC4EU-Projekt.
- 6,4–8,6 Mrd. Euro — Geschätzte Gesamtkosten für die europaweite DAK-Migration laut früherer Bundesregierungsschätzung (BT-Drs. 19/31824).
- 817 Euro — Prognostizierter jährlicher Instandhaltungsaufwand je Güterwagen für das DAK-Basispaket (BMV-Studie 2024).
- 5.000 Euro je Prellbock — Angenommene Umrüstkosten bei EU-weit ca. 83.000 Prellböcken.
- +45 °C bis −45 °C — Einsatztemperaturbereich der DAK Generation 4.
Im Detail
Mit Abschluss des Projekts am 30. Juni 2026 sind durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) Kosten von rund 30 Mio. Euro durch Fördermittel erstattet worden, wobei die Prüfung der Abschlussdokumente noch erfolgt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7661, S. 1
Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) gilt als eines der ambitioniertesten Modernisierungsprojekte im europäischen Schienengüterverkehr. Bis zum Abschluss des Erprobungsprojekts DAC4EU am 30. Juni 2026 hat das Bundesministerium für Verkehr (BMV) rund 30 Mio. Euro an Fördermitteln erstattet — die Prüfung der Abschlussdokumente ist laut Bundesregierung noch nicht abgeschlossen. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/7661, veröffentlicht am 19. August 2026) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor.
Was ist die Digitale Automatische Kupplung?
Die DAK soll die seit dem 19. Jahrhundert gebräuchliche manuelle Schraubenkupplung im europäischen Schienengüterverkehr ersetzen. Sie ermöglicht das automatische Verbinden und Trennen von Güterwagen sowie die digitale Datenübertragung zwischen den Fahrzeugen. Das spart Arbeitszeit bei der Zugbildung, weil das manuelle Kuppeln, die Erfassung der Wagenreihung und die Bremsprobe entfallen. Konkrete Prozentangaben zum Kostensenkungspotenzial pro Trassenkilometer liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben jedoch nicht vor.
Was gilt aktuell?
Im europäischen Güterverkehr ist die Schraubenkupplung noch der Standard. Güterwagen müssen von Rangierern manuell verbunden werden — ein zeit- und personalintensiver Vorgang. Die DAK-Generation 4, die im Rahmen von DAC4EU erprobt wurde, ist laut Bundesregierung im Temperaturbereich von +45 °C bis −45 °C einsatzfähig und damit für europäische Verhältnisse geeignet. Die jährlichen Instandhaltungskosten werden in einer BMV-Studie aus 2024 mit 817 Euro pro Güterwagen angesetzt.
Finanzierung und Konsortium
Das Erprobungskonsortium DAC4EU bestand aus der federführenden DB AG sowie DB Cargo AG, Rail Cargo Austria AG und SBB Cargo AG als Güterbahnen sowie den Wagenhaltern Ermewa SA, GATX Rail Europe GmbH und VTG Rail Europe GmbH. Fördermittel flossen vom BMV an die Konsortialführerin DB AG; die Aufwände der Partner wurden intern verrechnet. Eine Ko-Finanzierung durch die EU gab es laut Bundesregierung nicht. Investitionen in die Kupplungskomponenten selbst trug das Konsortium aus eigenen Mitteln.
Die Auswahl des Kupplungstyps traf nicht allein die Bundesregierung, sondern das European DAC Delivery Programme (EDDP) auf EU-Ebene — mit mehr als 100 beteiligten Unternehmen und europäischen Eisenbahnverbänden. Im Herbst 2021 fiel die Entscheidung für den Scharfenberg Typ 10 gegenüber den Alternativen SA3 und Schwab-Kupplung.
Milliardenschwere Umrüstung ohne klare Kostenantwort
Die europaweite Umrüstung von bis zu 500.000 Güterwagen ist das eigentliche finanzielle Kernthema. Frühere Schätzungen der Bundesregierung bezifferten die Gesamtkosten auf 6,4 bis 8,6 Mrd. Euro (BT-Drs. 19/31824). Eine aktualisierte Zahl nennt die Bundesregierung in der vorliegenden Antwort nicht explizit — sie verweist stattdessen auf eine BMV-Studie zu nationalen Fördermöglichkeiten sowie auf das laufende EU-Programm „DAC Fleet Retrofitting and Retrofit Capacity Plan“. Skaleneffekte bei der Umrüstung wirken laut Bundesregierung eher über günstigere Komponentenbeschaffung als über sinkende Fertigungskosten.
Hinzu kommen Investitionen an Güter- und Rangierbahnhöfen, die bislang nicht abschließend quantifiziert sind. Für die Umrüstung von EU-weit rund 83.000 Prellböcken werden je 5.000 Euro angesetzt. Das allein ergibt einen Aufwand von rund 415 Mio. Euro — zusätzlich zu Investitionen in Zugbildungsanlagen, Rangierbahnhöfe und Gleisanschlüsse. Zum Schienennetz und dessen Ausbaubedarf liefert auch der Beitrag Schienennetz Ostdeutschland: 2.600 km stillgelegt seit 1990 relevanten Kontext.
Internationale Perspektive und Alternativtechnologien
Ob die in Europa entwickelte DAK auch außerhalb der EU Absatzmärkte finden könnte, beantwortet die Bundesregierung mit einem einzigen Wort: „Nein.“ Weder liegen ihr Einschätzungen zum Exportpotenzial vor, noch hat sie eigene Analysen durchgeführt. Konkrete Kaufinteressen staatlicher Bahnen außerhalb der EU sind nicht bekannt.
Zur Frage, ob Robotaxi-Technologien aus dem Straßenverkehr die DAK ersetzen könnten, erklärt die Bundesregierung, dass ihr derzeit keine solchen Konzepte für autonome Einzelwagen im Schienennetz bekannt sind. Die Förderung alternativer Kupplungssysteme oder Automatisierungsverfahren unter Beibehaltung der Schraubenkupplung findet im Bundesprogramm Z-SGV bisher nicht statt. Ergänzende Projekte im Kombinierten Verkehr werden separat gefördert: Für das KV-Hub-Projekt wurden rund 11,8 Mio. Euro bewilligt, für den Helrom Trailer Wagen rund 15 Mio. Euro.
Weiterlesen:
Direkt betroffen sind Eisenbahnunternehmen und Wagenhalter im europäischen Schienengüterverkehr, die ihre Flotten umrüsten müssten. Mittelbar betroffen sind Güterversender, Verlader und Unternehmen, die auf den Einzelwagenverkehr angewiesen sind. Da die Umrüstungskosten europaweit auf 6,4 bis 8,6 Mrd. Euro geschätzt werden, ist eine öffentliche Mitfinanzierung wahrscheinlich, von der auch Steuerzahler betroffen wären.
Bei mehreren zentralen Fragen zur Wirtschaftlichkeit (Fragen 6, 7, 8, 9, 10) verweist die Bundesregierung auf externe Studien oder erklärt, keine eigenen Berechnungen zu besitzen. Zu Frage 1 wird lediglich auf eine Website verwiesen, ohne konkrete Zahlen zu nennen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Digitale Automatische Kupplung: 6,4 Mrd. Euro Umrüstung →
- Digitale Automatische Kupplung (DAK)
- Technologie, die die manuelle Schraubenkupplung zwischen Güterwagen ersetzt. Sie ermöglicht automatisches Kuppeln und Entkuppeln sowie die digitale Datenübertragung zwischen Wagen.
- Einzelwagenverkehr (EWV)
- Betriebsform im Schienengüterverkehr, bei der einzelne Wagen verschiedener Absender zu einem Zug zusammengestellt werden — im Gegensatz zum Ganzzugverkehr.
- European DAC Delivery Programme (EDDP)
- EU-weites Industrie- und Verbändeprogramm mit mehr als 100 Unternehmen, das die technischen Standards und Migrationsstrategien für die DAK-Einführung in Europa entwickelt.
Wie viel hat Deutschland für die DAK-Erprobung ausgegeben?
Das Bundesministerium für Verkehr hat bis zum Projektabschluss am 30. Juni 2026 rund 30 Mio. Euro Fördermittel erstattet. Die Abschlussprüfung steht noch aus.
Gibt es eine EU-Kofinanzierung für DAC4EU?
Nein, laut Bundesregierung gab es für das Projekt DAC4EU keine Ko-Finanzierung durch die EU.
Was kostet die europaweite Umrüstung auf die DAK?
Frühere Schätzungen beziffern die Gesamtkosten auf 6,4 bis 8,6 Mrd. Euro. Eine aktualisierte Schätzung nennt die Bundesregierung nicht explizit, verweist aber auf laufende EU-Programme.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7661 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































