- 28 Fragen zu rechtsextremer Gewalt in Fußballstadien seit 2023
- Kein bundesweites Monitoring rechtsextremer Fußballfälle vorhanden
- Organisationen wie IBD und Generation Deutschland im Fokus der Anfrage
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7944 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Rechtsextreme Einflussversuche auf Fußballfanszenen werden seit Jahren von Sicherheitsbehörden und Fanprojekten beobachtet. Frühere Kleine Anfragen der Linksfraktion aus vergangenen Wahlperioden (BT-Drs. 18/13068, 20/8377, 20/8937) haben das Thema bereits aufgegriffen. Der Verfassungsschutzbericht des Bundesamts für Verfassungsschutz für das Jahr 2025, der am 30. Juni 2026 vorgestellt wurde, thematisiert den Bereich Fußball im Phänomenbereich Rechtsextremismus laut den Fragestellern nicht. Straftaten im Fußballkontext werden im Kriminalpolizeilichen Meldedienst Politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK) nicht mittels bundesweit vereinbarter Katalogbegriffe erfasst.
Im Detail
Es fehlt weiterhin ein vergleichbares bundesweites sowie zentralisiertes unabhängiges, wissenschaftliches Monitoring sowohl zu rechten, rassistischen und antisemitischen Vorfällen als auch zu weiteren Varianten der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in und um Fußballstadien in Gänze.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7944
Rechtsextreme Gewalt und Vernetzung im deutschen Fußball beschäftigen den Bundestag erneut. Die Fraktion Die Linke hat am 9. September 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7944 eingereicht und stellt der Bundesregierung 28 detaillierte Fragen zu rechtsextremen Strukturen, Straftaten und Gegenmaßnahmen im Fußballumfeld.
Rechtsextremismus im Fußball: Lücken in der Erfassung
Ein zentrales Problem, das die Anfrage adressiert: Rechtsextreme Vorfälle in und um Fußballstadien werden in Deutschland derzeit nicht bundesweit systematisch erfasst. Im Kriminalpolizeilichen Meldedienst Politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK) fehlen bundesweit vereinbarte Katalogbegriffe für derartige Vorkommnisse. Die einzige bekannte Meldestelle, die solche Fälle strukturiert aufzeichnet, ist die Meldestelle für Diskriminierung im Fußball NRW (MeDiF-NRW) — deren Berichte beschränken sich jedoch ausschließlich auf Nordrhein-Westfalen. Eine vergleichbare bundesweite Stelle existiert bisher nicht, wie die Fragesteller unter Verweis auf Fanprojekte und Medienberichte darlegen.
Auch der Verfassungsschutzbericht des Bundesamts für Verfassungsschutz für 2025, der am 30. Juni 2026 vorgestellt wurde, thematisiert den Bereich Fußball im Phänomenbereich Rechtsextremismus nach Angaben der Fragesteller nicht. Dabei zeigen Recherchen und wissenschaftliche Publikationen laut Vorbemerkung der Fraktion, dass rechtsextreme Organisationen Fankurven zunehmend als strategisches Rekrutierungs- und Aktionsfeld nutzen — besonders in der 3. Fußball-Liga.
Welche Organisationen stehen im Fokus?
Die Anfrage richtet den Blick auf mehrere konkrete Organisationen. Dazu gehören die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD), die Jungen Nationalisten (JN) als Jugendorganisation der Partei Die Heimat, Der III. Weg mit seiner Jugendorganisation Nationalrevolutionäre Jugend (NRJ) sowie die Generation Deutschland — die neugegründete Jugendorganisation der AfD. Für jede dieser Gruppen fragt die Linke separat, ob die Bundesregierung Erkenntnisse über Einflussversuche auf Fangruppen, konkrete Aktivitäten im Stadionumfeld und eingeleitete Ermittlungsmaßnahmen besitzt.
Darüber hinaus erfragt die Fraktion Informationen zu explizit rechtsextremen Hooligan- und Ultragruppen: seit wann diese existieren, welche Vereinskontakte sie unterhalten, ob Vereinsverbote oder Selbstauflösungen bekannt sind und ob Nachfolgeorganisationen tätig sind. Ein eigener Fragenkomplex widmet sich Drohungen und Übergriffen auf antirassistisch orientierte Fan- und Ultragruppen seit 2023.
Rechtsextreme Gewalt im Stadion: 28 Fragen im Überblick
Die 28 Fragen der Anfrage lassen sich thematisch in mehrere Blöcke gliedern. Zunächst fragt die Linke nach PMK-rechts-Straftaten innerhalb und im Umfeld von Fußballstadien seit 2023, aufgeschlüsselt nach Jahren, Bundesländern und Straftatbeständen. Ein weiterer Block betrifft die Datei Gewalttäter Sport: Wie viele der dort gespeicherten Personen haben einen rechtsextremen Hintergrund, und in welchen weiteren Polizei- und Verfassungsschutzdateien sind sie erfasst?
Die Fraktion erkundigt sich auch nach Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung (§ 130 StGB) und Verbreitung verfassungswidriger Propagandamittel (§ 86 StGB) im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen sowie nach der Beteiligung von Hooligans und Ultras an rechtsextremen Aufmärschen, antisemitischen und fremdenfeindlichen Demonstrationen sowie an Kampfsportveranstaltungen der rechtsextremen Szene wie dem „Kampf der Nibelungen“.
Besonderes Interesse gilt auch Ordnerdiensten: Die Anfrage fragt nach Unterwanderungsversuchen durch Rechtsextreme bei Fußballspielen eingesetzter Sicherheitsdienste. Schließlich thematisiert die Anfrage internationale Vernetzung — konkret Kontakte rechtsextremer Hooligan- und Ultragruppen ins Ausland seit 2023.
Bundesweites Monitoring und Fanprojekte gefordert
Im letzten Teil der Anfrage geht es um strukturelle Maßnahmen. Die Fraktion fragt, ob es Anträge auf Förderung über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ für eine bundesweite Meldestelle gab und wie diese beschieden wurden. Sie fragt zudem, ob die Bundesregierung plant, Programme wie MeDiF-NRW auf Bundesebene auszuweiten — und wenn nicht, warum. Auch die Förderung antirassistisch orientierter Fanprojekte über Bundesprogramme ist Gegenstand der Anfrage. Parallel dazu interessiert die Linke die Zahl der Eintragungen in sogenannte SKB-Fandatenbanken sowie die Entwicklung dieser Zahlen.
Das Thema rechtsextremer Strukturen im Fußball ist kein neues parlamentarisches Feld. Bereits in der 18. und 20. Wahlperiode gab es entsprechende Kleine Anfragen. Dass das Thema erneut aufgegriffen wird, spiegelt nach Einschätzung der Fragesteller einen anhaltenden und wachsenden Handlungsbedarf wider. Ähnliche Fragestellungen zu politisch motivierter Gewalt und staatlichen Reaktionen finden sich auch bei Rechtsrock-Konzerten 2026, wo die Linke ebenfalls nach behördlichen Erkenntnissen gefragt hat.
Weiterlesen:
- Bundestag 10.09.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Sexismus in der Bundeswehr: 430 Meldungen im Jahr 2025
Betroffen sind Fußballfans aller Ligen, insbesondere antirassistisch orientierte Ultra- und Fangruppen, die laut der Anfrage Ziel von Einschüchterungen sein können. Auch Vereine, Ordnerdienste und die Öffentlichkeit bei Sportveranstaltungen sind von rechtsextremer Gewalt und Vernetzung im Stadionumfeld betroffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7944) wurde am 9. September 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat die Anfrage gemäß § 104 der Geschäftsordnung des Bundestages grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt zu beantworten. Die Antwort steht noch aus.
- PMK-rechts
- Politisch motivierte Kriminalität mit rechtsextremem Hintergrund — eine statistische Kategorie der deutschen Polizeistatistik.
- Datei Gewalttäter Sport
- Bundesweite Polizeidatei, in der Personen gespeichert sind, die bei Sportveranstaltungen durch gewalttätiges Verhalten aufgefallen sind.
- KPMD-PMK
- Kriminalpolizeilicher Meldedienst Politisch motivierter Kriminalität — das zentrale Erfassungssystem für politisch motivierte Straftaten in Deutschland.
Was ist die Datei Gewalttäter Sport?
Die Datei Gewalttäter Sport ist eine polizeiliche Datei, in der Personen erfasst werden, die im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen durch Gewalt oder entsprechende Straftaten aufgefallen sind.
Welche rechtsextremen Organisationen werden in der Anfrage genannt?
Die Anfrage nennt unter anderem die Identitäre Bewegung Deutschland (IBD), Generation Deutschland, Der III. Weg, die Jungen Nationalisten (JN) sowie die Nationalrevolutionäre Jugend (NRJ).
Gibt es bereits ein bundesweites Monitoring rechtsextremer Vorfälle im Fußball?
Laut den Fragestellern existiert bisher nur die Meldestelle für Diskriminierung im Fußball NRW (MeDiF-NRW), die sich auf Nordrhein-Westfalen beschränkt. Eine bundesweite Stelle fehlt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7944 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































