- Nur 4 Prozent der Notaufnahmen können Patienten per Ganzkörperimmersion kühlen
- 81 Prozent der Krankenhäuser haben keine Klimatisierung auf Normalstationen
- 57 Prozent der Notaufnahmen meldeten Überlastung am Hitzewochenende Juni 2026
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7940 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Sommer 2026 war von schweren Hitzewellen geprägt. Eine bundesweite Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) und der Deutschen Gesellschaft für internistische Intensiv- und Notfallmedizin (DGIIN) unter ärztlichen Leitungen von 329 Notaufnahmen legte gravierende strukturelle Defizite offen. Bereits 2023 hatte das Bundesgesundheitsministerium einen Hitzeschutzplan veröffentlicht und Musterhitzeschutzpläne vorgegeben — deren tatsächliche Umsetzung blieb jedoch nach Einschätzung der Fragesteller ohne systematische Überprüfung und ohne belastbare Finanzierungswege.
- 9 % — Anteil der Krankenhäuser, die Hitze im Krankenhausalarm- und Einsatzplan verankert haben
- 4 % — Anteil der Notaufnahmen mit Möglichkeit zur Ganzkörperimmersion (effektivste Kühlmethode beim Hitzschlag)
- 81 % — Anteil der untersuchten Krankenhäuser ohne Klimatisierung auf Normalstationen
- 57 % — Anteil der Notaufnahmen, die am Hitzewochenende 27./28. Juni 2026 Überlastungssituationen meldeten
- 12 % — Anteil der Notaufnahmen mit verbindlichem Behandlungspfad für schwere hitzebedingte Erkrankungen
Im Detail
Nur 9 Prozent der Krankenhäuser hatten Hitze im Krankenhausalarm- und Einsatzplan verankert, nur 12 Prozent verfügten über einen verbindlichen Behandlungspfad und lediglich 4 Prozent hielten eine Möglichkeit zur Ganzkörperimmersion vor.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7940, unter Verweis auf DGINA/DGIIN-Umfrage unter 329 Notaufnahmen
Das deutsche Gesundheitssystem war auf den Sommer 2026 nicht vorbereitet. Das zeigen Daten einer bundesweiten Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) und der Deutschen Gesellschaft für internistische Intensiv- und Notfallmedizin (DGIIN) unter ärztlichen Leitungen von 329 Notaufnahmen: Lediglich 4 Prozent der Häuser verfügen über eine Möglichkeit zur Ganzkörperimmersion — der nach aktuellem Fachstandard wirksamsten Methode zur Notfallkühlung beim Hitzschlag. Nur 9 Prozent haben Hitze überhaupt als Szenario in ihrem Krankenhausalarm- und Einsatzplan verankert. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat am 9. September 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7940 eingereicht und stellt dazu 27 Fragen an die Bundesregierung.
Hitzschutz in Notaufnahmen: Die wichtigsten Zahlen
Das Bild, das die Umfragedaten zeichnen, ist eindeutig: 76 Prozent der Notaufnahmen halten zwar Kühlpacks vor, 54 Prozent gekühlte Infusionslösungen — doch diese Maßnahmen allein reichen nach medizinischem Fachstandard nicht aus, um die Körperkerntemperatur beim Hitzschlag schnell genug zu senken. Das Konsensuspapier von DGIIN und DGINA legt fest, dass der Körper innerhalb von 30 Minuten auf unter 39 Grad Celsius gekühlt werden muss. Nur 12 Prozent der Notaufnahmen verfügen über verbindliche Behandlungspfade für schwere hitzebedingte Erkrankungen. Auf Normalstationen fehlt in 81 Prozent der untersuchten Krankenhäuser jede Klimatisierung — ein Zustand, den internationale Studien als eigenständigen Risikofaktor für schlechte Behandlungsergebnisse beim Hitzschlag einstufen.
Was gilt aktuell?
Das Bundesgesundheitsministerium hat 2023 einen nationalen Hitzeschutzplan veröffentlicht und Musterhitzeschutzpläne vorgegeben. Eine verbindliche Pflicht zur Umsetzung besteht jedoch nicht; die Anfrage verweist darauf, dass die tatsächliche Implementierung bislang nicht systematisch überprüft wurde. Investitionen in baulichen Hitzeschutz und Klimatisierung sind im Krankenhausbereich grundsätzlich über die Krankenhausfinanzierung nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) denkbar, doch konkrete Förderprogramme und deren Mittelabfluss für die Jahre 2024 bis 2026 sind Gegenstand der Anfrage — die Antwort steht noch aus. Die Hitzeschäden 2026 betreffen nicht nur die Gesundheitsversorgung, sondern auch die Verkehrsinfrastruktur.
Hitzewochenende Juni 2026: Versorgung am Limit
Am 27. und 28. Juni 2026 erreichte die Belastung ihren Höhepunkt: 57 Prozent der Notaufnahmen meldeten Überlastungssituationen, 55 Prozent Versorgungsengpässe, 32 Prozent sogenannte Boarding-Situationen — also Patienten, die mangels freier Betten in der Notaufnahme verbleiben mussten. In 27 Prozent der Häuser gab es hitzebedingte Personalausfälle. Besonders drastisch: In 15 Prozent der Krankenhäuser waren die Kapazitäten zur gekühlten Aufbewahrung Verstorbener erschöpft. Die Anfrage fragt nach einer länderspezifischen Aufschlüsselung dieser Daten durch die Bundesregierung.
Vulnerable Gruppen: Pflege, Kinder, ältere Menschen
Die Kleine Anfrage geht über die Akutversorgung in Krankenhäusern hinaus. Mehrere Fragen betreffen stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen. Konkret fragt die Fraktion, welche Maßnahmen im Sommer 2026 ergriffen wurden, um alleinlebende ältere Menschen und ambulant versorgte Pflegebedürftige gezielt zu erreichen. Für Säuglinge und Kleinkinder fragt die Anfrage nach altersspezifischen Behandlungsstandards in pädiatrischen Notaufnahmen. Ein weiteres Thema sind hitzebedingte Arzneimittelrisiken: Patientinnen und Patienten, die Diuretika, Betablocker, Psychopharmaka, Lithiumsalze oder anticholinerge Mittel einnehmen, sind bei Hitze besonders gefährdet — die Anfrage will wissen, ob die Bundesregierung hierzu Informations- und Aufklärungsmaßnahmen ergriffen hat.
Finanzierung und Mindeststandards: Die offenen Fragen
Bauliche Anpassungen und der Betrieb von Klimaanlagen in Krankenhäusern verursachen dauerhafte Kosten. Die Anfrage thematisiert, wie die laufenden Betriebskosten im Vergütungsrahmen abgebildet werden sollen und welche Bundesmittel in den Jahren 2024, 2025 und 2026 für Hitzeschutzmaßnahmen bereitstanden. Darüber hinaus fragt die Fraktion, ob die Bundesregierung verbindliche Mindeststandards für Kühlausrüstung, Klimatisierung und Behandlungspfade plant — und über welchen rechtlichen oder förderrechtlichen Weg sie diese gegebenenfalls durchsetzen will. Auch die Frage nach einem ressortübergreifenden Vorgehen und einer Fortschreibung des Hitzeschutzplans 2023 ist Teil der 27 Fragen.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind Patientinnen und Patienten in deutschen Krankenhäusern und Notaufnahmen sowie Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Pflegebedürftige in der eigenen Häuslichkeit, Säuglinge und Kleinkinder in Kitas sowie Personen mit Dauermedikation. Auch das Personal in Rettungsdiensten und Notaufnahmen ist betroffen, da hitzebedingte Personalausfälle während der Hitzewelle 2026 in 27 Prozent der Notaufnahmen gemeldet wurden.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7940) wurde am 9. September 2026 eingereicht. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Nach § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen.
- Ganzkörperimmersion
- Kühlmethode beim Hitzschlag, bei der der gesamte Körper in kaltes Wasser getaucht wird — gilt als besonders effektiv zur schnellen Senkung der Körperkerntemperatur.
- Krankenhausalarm- und Einsatzplan (KAEP)
- Verbindliches Planungsinstrument für Krankenhäuser, das Szenarien wie Massenanfall von Verletzten oder Extremereignisse regelt — Hitze war laut Umfrage nur in 9 Prozent der Häuser darin verankert.
- Hitzschlag
- Lebensbedrohliche Überhitzung des Körpers mit einer Kerntemperatur über 40 Grad Celsius; ohne sofortige Kühlung drohen Organversagen und Tod.
Was ist ein Hitzschlag und warum ist schnelle Kühlung so wichtig?
Ein Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Zustand mit gefährlich erhöhter Körperkerntemperatur. Laut dem zitierten Konsensuspapier von DGIIN und DGINA muss die Temperatur innerhalb von 30 Minuten auf unter 39 Grad Celsius gesenkt werden — je schneller, desto besser das Behandlungsergebnis.
Warum fehlt in so vielen Krankenhäusern die nötige Kühlausrüstung?
Laut der Anfrage erfordern bauliche Anpassungen und Klimatisierung dauerhafte Investitions- und Betriebskostenfinanzierung, die im Kontext bestehender Sparvorgaben im Krankenhaussektor gefährdet ist.
Was fragt die Grünen-Fraktion die Bundesregierung konkret?
In 27 Fragen geht es um Sterbestatistiken aus dem Sommer 2026, Zustand der Kühlinfrastruktur, Finanzierungswege, Mindeststandards für Behandlungspfade sowie den Schutz vulnerabler Gruppen in Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7940 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































