Bundestag-Digest – 13. September 2026
Der heutige Drucksachentag wurde von der AfD dominiert, die mit 15 Anfragen ein breites Themenspektrum abdeckte – von NGO-Förderung über Wohnungsbau bis hin zu Entwicklungszusammenarbeit. Daneben sorgten Anfragen der Linken zu Rüstungsexporten nach Israel und Zurückweisungen an Binnengrenzen für politischen Gesprächsstoff, während die Grünen den Fokus auf Bahninfrastruktur und die wirtschaftlichen Folgen des Hitzesommers 2026 legten.
AfD
Die AfD stellte heute die meisten Anfragen und griff dabei mehrere Dauerthemen auf. Besonders auffällig: eine Serie von vier Anfragen zum Bundesprogramm „Demokratie leben!“, in denen die Fördergelder für einzelne Kommunen und Wahlkreise in Rheinland-Pfalz detailliert aufgeschlüsselt werden. Daneben thematisierte die Fraktion:
- Den schleppenden Ausbau des Ganztagsanspruchs – 3,5 Mrd. Euro Bundesinvestitionshilfen, die viele Kommunen nicht abrufen können, während das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen beim seriellen Bauen weit verfehlt wurde.
- Die Lage der Schweinehaltung mit Schlachtpreisen unter 1,50 Euro pro Kilogramm infolge der Afrikanischen Schweinepest.
- Den Gesamtwert der deutschen Ukraine-Hilfen seit 2022 sowie die Finanzierung der Hightech Agenda Bayern aus dem Sondervermögen in Höhe von 5,5 Mrd. Euro.
- Die seit 2024 offene Förderprüfung der Desiderius-Erasmus-Stiftung und das Mandat des Investitionsbeauftragten Blessing.
- Ausländische Direktinvestitionen auf einem 17-Jahres-Tief mit lediglich 548 Projekten sowie ein BMZ-Fischereiprogramm in Eritrea mit einem Volumen von 8,33 Mio. Euro.
Die Linke
Die Linke legte heute fünf Anfragen vor, die inhaltlich deutlich konzentrierter ausfielen. Im Mittelpunkt standen:
- Ein Datenleck beim Welternährungsprogramm (WFP), das 600.000 Gaza-Haushalte betrifft – Deutschland zahlte seit 2019 über 180 Mio. Euro ans WFP, ohne Datenschutzauflagen zu vereinbaren.
- Rüstungsexporte nach Israel: Im zweiten Quartal 2026 wurden Genehmigungen im Wert von 735 Mio. Euro erteilt, davon 508 Mio. Euro für Kriegswaffen. Tatsächliche Lieferungen von Kriegswaffen wurden laut Bundesregierung nicht gemeldet.
- Zurückweisungen an deutschen Binnengrenzen: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 17.935 Fälle registriert, die Mehrkosten der Bundespolizei belaufen sich seit September 2024 auf 194,7 Mio. Euro.
- Anti-Schwarzer Rassismus sowie ein geplantes Bundesgesetz, das die Vergesellschaftung von Mietwohnungen bundesweit verbieten soll – bei der letzteren Anfrage verweigerte die Bundesregierung bei 18 von 29 Fragen eine inhaltliche Antwort.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen reichten vier Anfragen ein und konzentrierten sich auf zwei Themenbereiche. Beim Schienenausbau fragten sie nach dem Planungsstand von 27 Projekten aus dem Bedarfsplan Schiene sowie den Zeitplänen für 36 Bahngroßprojekte der Deutschen Bahn – Kostendaten wurden in beiden Fällen als vertraulich oder als Geschäftsgeheimnis eingestuft und nicht veröffentlicht. Die Fehmarnbelt-Hinterlandanbindung hat weiterhin keinen konkreten Fertigstellungstermin. Zusätzlich fragte die Fraktion nach den wirtschaftlichen Schäden des Hitzesommers 2026, die auf 36 bis 42 Mrd. Euro geschätzt werden, sowie nach einem nationalen Hitzeschutzplan, den die Bundesregierung bislang nicht vorgelegt hat.
Ausblick
Parlamentarisch relevant bleiben in den kommenden Wochen vor allem die noch unbeantworteten Kleinen Anfragen – darunter die Fragen zu Ukraine-Hilfen, zur Desiderius-Erasmus-Stiftung, zu ausländischen Direktinvestitionen und zum Hitzesommer 2026. Sobald die Bundesregierung antwortet, dürften insbesondere die Themen Investitionsklima, Stiftungsfinanzierung und Klimafolgenkosten erneut auf die Tagesordnung rücken.
- Ganztagsanspruch: Kosten und Umsetzung belasten Kommunen
Drs. 21/7794 · Vorgang VO338289 - Demokratie leben! Worms: NGO-Förderung 2020–2024 offengelegt
Drs. 21/7777 · Vorgang VO337539 - Serielles Bauen: 24,2 Mio. Euro für 90 Forschungsprojekte
Drs. 21/7792 · Vorgang VO338396 - WFP-Datenleck Gaza: 600.000 Haushalte betroffen
Drs. 21/7787 · Vorgang VO338297 - Bahnprojekte: Zeitpläne für 36 Großprojekte der DB
Drs. 21/7793 · Vorgang VO337397 - Schweinehaltung: Preisverfall und ASP-Krise unter 1,50 Euro/kg
Drs. 21/7914 · Vorgang VO338845 - Anti-Schwarzer Rassismus: Bundesregierung antwortet auf 16 Fragen
Drs. 21/7790 · Vorgang VO338294 - Desiderius-Erasmus-Stiftung: Förderprüfung seit 2024 offen
Drs. 21/7923 · Vorgang VO338866 - Ukraine-Hilfen: AfD fragt nach Gesamtwert seit 2022
Drs. 21/7912 · Vorgang VO338843 - Hitzesommer 2026: 36–42 Mrd. Euro Schaden und kein Schutzplan
Drs. 21/7915 · Vorgang VO338847 - AfD-Auslandskontakte: Bundesregierung verweigert viele Antworten
Drs. 21/7783 · Vorgang VO338296 - Hightech Agenda: 5,5 Mrd. Euro aus SVIK unter Beschuss
Drs. 21/7913 · Vorgang VO338844 - Demokratie leben!: NGO-Förderung im Kreis Kreuznach aufgelistet
Drs. 21/7780 · Vorgang VO337549 - Ausländische Direktinvestitionen: 548 Projekte – 17-Jahres-Tief
Drs. 21/7917 · Vorgang VO338849 - Fischereimanagement Eritrea: 8,33 Mio. Euro, 79.120 Begünstigte
Drs. 21/7786 · Vorgang VO337953 - Investitionsbeauftragter: Mandat und Kosten unter der Lupe
Drs. 21/7922 · Vorgang VO338865 - Vergesellschaftungsverbot: Bundesregierung verweigert Auskunft
Drs. 21/7781 · Vorgang VO338266 - Zurückweisungen: 17.935 Fälle an Binnengrenzen im 1. Halbjahr 2026
Drs. 21/7782 · Vorgang VO337486 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Rheinland-Pfalz aufgelistet
Drs. 21/7779 · Vorgang VO337546 - Rüstungsexporte Israel: 735 Mio. Euro im zweiten Quartal 2026
Drs. 21/7784 · Vorgang VO338014 - Demokratie leben!: NGO-Förderung in Mainz aufgelistet
Drs. 21/7776 · Vorgang VO337532 - Demokratie leben!: Kein Fördergeld für Wahlkreis Bitburg
Drs. 21/7778 · Vorgang VO337543 - Bahnausbau: Planungsstand von 27 Schienenprojekten 2026
Drs. 21/7788 · Vorgang VO337394 - Transparenzportal Entwicklungszusammenarbeit: 421.788 Euro Kosten
Drs. 21/7785 · Vorgang VO337632
































































