- 8,33 Mio. Euro ausgezahlt, 79.120 Menschen erreicht
- Marine Fischereiproduktion von 850 auf 2.400 Tonnen gestiegen
- Langfristige Wirksamkeit nach Programmende nicht evaluiert
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7786 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das BMZ-Programm ‚Management von Fischerei-Ressourcen in Eritrea‘ wurde im Rahmen der BMZ-Sonderinitiative ‚EINEWELT ohne Hunger‘ aufgelegt und vom International Fund for Agricultural Development (IFAD) umgesetzt. Es lief von 2018 bis 2024 und zielte auf die Verbesserung der Ernährungssicherung und Einkommenslage armer Bevölkerungsgruppen in dem ostafrikanischen Land. Eritrea gilt als einer der am wenigsten entwickelten Staaten der Welt mit starken Einschränkungen durch staatliche Strukturen. Die AfD-Fraktion stellte mit Drucksache 21/7438 zwanzig Detailfragen zum Programm; die Bundesregierung antwortete am 28. August 2026.
- 8,33 Mio. Euro — von insgesamt 10 Mio. Euro Programmbudget wurden laut Transparenzportal ausgezahlt.
- 79.120 Begünstigte — davon 49 Prozent Frauen und 33 Prozent junge Menschen; Zielwert lag bei jeweils 30 Prozent Frauenanteil.
- 18.432 Tonnen/Jahr — Fischereiproduktivität am Programmende gegenüber einem Zielwert von 16.000 Tonnen (115 Prozent).
- 266 Genossenschaften — wurden im Rahmen des Programms gegründet, um die wirtschaftliche Nachhaltigkeit nach Programmende zu sichern.
- 21 Einzugsgebietsmanagementpläne — wurden zur Stärkung der Binnenfischerei erarbeitet und umgesetzt.
Im Detail
Insgesamt belegt das Programm, dass wirkungsorientiertes Fischereimanagement in fragilen Staaten einen substanziellen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten kann und nachhaltige Praktiken entscheidend sind, um die Lebensbedingungen der betroffenen Gemeinschaften zu verbessern.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7786, Antwort zu Frage 20
Ein mit 8,33 Mio. Euro gefördertes Fischereiprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Eritrea hat nach Angaben der Bundesregierung seine meisten Zielindikatoren erreicht oder übertroffen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7786, 31. August 2026) hervor. Insgesamt 79.120 Menschen — darunter 49 Prozent Frauen und 33 Prozent junge Menschen — wurden durch das Programm erreicht; die ursprüngliche Zielgröße lag bei 90.000 Personen.
Fischereimanagement Eritrea: Programm und Finanzierung
Das Programm ‚Management von Fischerei-Ressourcen in Eritrea‘ lief von 2018 bis 2024 und wurde vom International Fund for Agricultural Development (IFAD) umgesetzt. Es war Teil der BMZ-Sonderinitiative ‚EINEWELT ohne Hunger‘. Das Gesamtbudget betrug 10 Mio. Euro; ausgezahlt wurden laut Bundesregierung 8,33 Mio. Euro. Eritrea zählt zu den ärmsten und politisch repressivsten Staaten Afrikas, was die Programmdurchführung nach eigenen Angaben der Evaluierung erschwerte. Herausforderungen im Beschaffungs- und Zahlungswesen sowie die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie schränkten die Effizienz ein.
Was gilt aktuell? Ergebnisse des Fischereimanagement-Programms
Die marine Fischereiproduktion in Eritrea stieg im Programmzeitraum von 850 Tonnen (2018) auf 2.400 Tonnen (2024). Die Fischfänge aus Binnenstauseen erhöhten sich von 6,1 auf 8,7 Tonnen pro Jahr. Die Fischereiproduktivität insgesamt erreichte 18.432 Tonnen jährlich und übertraf damit den Zielwert von 16.000 Tonnen um 15 Prozentpunkte. Rund 63 Prozent der befragten Haushalte berichteten über einen verbesserten Zugang zu Märkten — der Zielwert lag bei 60 Prozent. Der Anteil der Haushalte mit verbessertem Vermögensbesitz lag mit 54,08 Prozent über dem Zielwert von 50 Prozent.
Nicht alle Indikatoren wurden vollständig erfüllt: Im Trockenfischhandel wurden lediglich 47 Prozent des angestrebten Handelsvolumens erreicht. 48,8 Prozent der ländlichen Produzentenorganisationen berichteten über gestiegene Fischverkäufe — was 82 Prozent des Zielindikators entspricht. Das Programm hat laut Bundesregierung zudem keine spezifischen Daten zu Beschäftigungseffekten erhoben, da diese nicht Bestandteil des direkten Entwicklungsziels waren. Auch die Frage nach der Reduktion von Überfischung wurde von der Bundesregierung mit dem Hinweis beantwortet, dass die Messung dieser Aspekte nicht Teil des Vorhabens gewesen sei.
Maßnahmen und institutioneller Aufbau
Im Bereich des Fischereimanagements in Eritrea wurden 21 Wasser-Einzugsgebietsmanagementpläne erarbeitet. Ein Überwachungssystem für Fischereifahrzeuge in marinen Gewässern soll illegale, ungemeldete und unregulierte Fischerei (IUU) reduzieren. 266 Genossenschaften wurden gegründet, die mit Ausrüstung ausgestattet und in Unternehmensführung sowie Fischverarbeitung geschult wurden. Zudem wurde ein revolvierender Fonds eingerichtet, der eine selbsttragende Finanzierung ermöglichen soll. Eritreische Partner waren das Ministerium für marine Ressourcen (MMR) und das Institut für nationale Gesundheitsbildung und Forschung (NHERI).
Zur ökologischen Nachhaltigkeit trugen Mangrovenaufforstung, Küsteneinzugsgebiets-Management und Maßnahmen zur Küstensanierung bei. Wissenschaftliche Grundlagen für den maximalen nachhaltigen Ertrag (Maximum Sustainable Yield, MSY) lieferten Daten der FAO.
Langfristige Wirkung: Datenlücke nach Programmende
Eine wesentliche Einschränkung benennt die Bundesregierung selbst: Zur langfristigen Wirksamkeit der Maßnahmen nach Abschluss der Förderung liegen keine Evaluierungsergebnisse vor. Eine Mid-Term Review (2021) sowie ein finaler Bericht zur deutschen Finanzierung (2024) dokumentierten Fortschritte während der Laufzeit, eine Ex-post-Evaluierung wurde bislang nicht durchgeführt. Damit bleibt offen, ob die erzielten Wirkungen im Fischereimanagement Eritreas dauerhaft sind. Die Bundesregierung zieht dennoch ein positives Fazit: Wirkungsorientiertes Fischereimanagement könne in fragilen Staaten einen substanziellen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten.
Einen ähnlichen Fokus auf die Wirksamkeit und Transparenz von Förderprogrammen zeigt auch der Bericht zur Klimafinanzierung aus dem Bundeshaushalt 2024.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen waren kleinbäuerliche und handwerkliche Fischer sowie Fischerinnen in Eritrea, insbesondere Frauen und junge Menschen in Küsten- und Binnengewässerregionen. Das Programm richtete sich an Haushalte mit geringem Einkommen, die auf Fischerei als Einkommens- und Nahrungsquelle angewiesen sind. Durch den Aufbau von 266 Genossenschaften wurde eine breitere Bevölkerungsgruppe eingebunden.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen substantiell beantwortet. Bei Frage 8 (Reduktion von Überfischung) und Frage 11 (Marktzugang) wurde auf andere Antworten verwiesen bzw. erklärt, dass die Messung dieser Aspekte nicht Teil des Vorhabens war. Bei Frage 19 zur langfristigen Wirksamkeit räumte die Regierung offen ein, dass keine Evaluierungsergebnisse vorliegen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Entwicklungshilfe Eritrea: 8,33 Mio. Euro für Fischereimanagement →
- IFAD
- International Fund for Agricultural Development — ein Sonderfonds der Vereinten Nationen, der ländliche Armut in Entwicklungsländern bekämpft und das Programm in Eritrea umsetzte.
- MDD-W
- Minimum Dietary Diversity for Women — ein international anerkannter Indikator zur Messung der Ernährungsvielfalt von Frauen im reproduktiven Alter (15–49 Jahre).
- IUU-Fischerei
- Illegale, ungemeldete und unregulierte Fischerei (Illegal, Unreported and Unregulated Fishing) — ein globales Problem, das Fischbestände gefährdet und durch das Überwachungssystem des Programms reduziert werden sollte.
Wie viele Menschen hat das Fischereiprojekt in Eritrea erreicht?
Das Projekt hat laut Bundesregierung 79.120 Menschen erreicht, darunter 49 Prozent Frauen und 33 Prozent junge Menschen. Die ursprüngliche Zielgröße lag bei rund 90.000 Personen.
Wie viel Geld hat Deutschland für das Projekt ausgegeben?
Das Programm hatte ein Finanzierungsvolumen von 10 Mio. Euro; ausgezahlt wurden laut Transparenzportal 8,33 Mio. Euro.
Wurde die Fischereiproduktion tatsächlich gesteigert?
Ja. Die marine Fischereiproduktion stieg von 850 Tonnen (2018) auf 2.400 Tonnen (2024). Die Stauseen-Fischfänge stiegen von 6,1 auf 8,7 Tonnen pro Jahr.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7786 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































