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- Deutsche Gasspeicher zum Heizstart bei nur 54 Prozent gefüllt
- Spotmarktpreis für Erdgas lag bei rund 75 Euro je Megawattstunde
- 18 Fragen zu Szenarien, LNG-Kapazitäten und Notfallmaßnahmen für den Winter
Hintergrund
Zum Start der Heizperiode 2026/2027 lagen die deutschen Erdgasspeicher mit rund 54 Prozent deutlich unter den Füllständen vergleichbarer Vorjahreszeiträume. Der europäische Spotmarktpreis für Erdgas notierte laut Börsen-Zeitung bei rund 75 Euro je Megawattstunde. Zusätzlich berichten die Fragesteller von eingeschränkten LNG-Lieferungen aus Katar sowie von Angriffen auf Energieinfrastruktur im Nahen Osten, darunter die East-West Crude Oil Pipeline in Saudi-Arabien. Seit dem 1. Juli 2025 gilt in Deutschland die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas. Eine vorangegangene Anfrage der gleichen Fraktion (BT-Drs. 21/7879) hatte nach Ansicht der Fragesteller wesentliche quantitative Fragen zur Speicherentwicklung und LNG-Beschaffungssicherheit offen gelassen.
- 51,2 % — Füllstand der deutschen Gasspeicher am 26. August 2026 laut Bundesregierung (126,8 TWh)
- 66 % — Durchschnittlicher Füllstand der europäischen Gasspeicher zum Vergleichszeitpunkt, Deutschland lag damit deutlich darunter
- 75 Euro/MWh — Europäischer Spotmarktpreis für Erdgas im September 2026 laut Börsen-Zeitung
- 3,8 % — Anteil der Golfregion an den EU-Gasimporten vor der Blockade der Straße von Hormus
- 30 % — Mindest-Füllstandsvorgabe für deutsche Gasspeicher zum 1. Februar 2027 laut Bundesnetzagentur
Im Detail
Für die Beurteilung der Versorgungssicherheit ist nach Auffassung der Fragesteller nicht allein der prozentuale Speicherfüllstand maßgeblich. Entscheidend sind das tatsächlich verfügbare Arbeitsgasvolumen, die Ausspeicherleistung, die verfügbaren Pipeline- und Flüssigerdgasimporte, der Umfang bereits abgesicherter Lieferungen, die Importinfrastruktur sowie Verbrauch und Temperaturverlauf.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/8255, AfD-Fraktion
Die deutschen Erdgasspeicher sind mit Beginn der Heizperiode 2026/2027 deutlich schlechter gefüllt als in vergleichbaren Vorjahreszeiträumen. Laut Bundesregierung lagen sie am 26. August 2026 bei 126,8 Terawattstunden — das entsprach 51,2 Prozent der Gesamtkapazität. Europäische Speicher waren im gleichen Zeitraum im Durchschnitt zu rund 66 Prozent gefüllt. Der Spotmarktpreis für Erdgas notierte nach einem Bericht der Börsen-Zeitung bei rund 75 Euro je Megawattstunde. Vor diesem Hintergrund stellt die AfD-Fraktion mit BT-Drs. 21/8255 vom 29. September 2026 insgesamt 18 Fragen zur Erdgas-Versorgungssicherheit im Winter 2026/2027.
Erdgas-Versorgungssicherheit: Was steht konkret auf dem Spiel?
Millionen Haushalte und große Teile der deutschen Industrie sind auf eine stabile Erdgas-Versorgungssicherheit angewiesen. Stockt die Versorgung oder steigen die Preise weiter, trifft das Privathaushalte über höhere Heizkosten sowie gasintensive Branchen — Chemie, Glas, Keramik, Papier — über Produktionskosten und mögliche Ausfälle. Frage 11 der Anfrage erkundigt sich daher ausdrücklich, welche Auswirkungen anhaltende Großhandelspreise von 75, 100 und 150 Euro je Megawattstunde auf Produktion und Bruttowertschöpfung der gasintensiven Industrie hätten.
Drei Winter-Szenarien und offene Mengenfragen
Kern der Anfrage sind detaillierte Szenarioanalysen. Die Fragesteller verlangen von der Bundesregierung quantifizierte Angaben zum Speicherverlauf für einen durchschnittlichen Winter (Frage 4), einen kalten Winter (Frage 5) und einen außergewöhnlich kalten oder langen Winter (Frage 6). Für das Extremszenario soll die Bundesregierung angeben, ab welchem Zeitpunkt eine Verbrauchsreduktion nötig wäre, um physische Lieferunterbrechungen zu vermeiden — und in welchem Umfang, gemessen in Gigawattstunden pro Tag.
Parallel dazu fragt die Anfrage, welcher Anteil des deutschen Gasbedarfs für den Zeitraum Oktober 2026 bis April 2027 bereits vertraglich durch Pipeline- oder LNG-Lieferungen abgesichert ist und welcher Anteil noch kurzfristig am Spotmarkt beschafft werden muss (Frage 7). Ähnlich konkret sind die Fragen zu den deutschen LNG-Terminals: Für jedes einzelne Terminal soll die verfügbare Regasifizierungskapazität sowie der bereits gebuchte oder vertraglich unterlegte Anteil dargelegt werden (Frage 8).
Naher Osten und LNG-Transportwege als zusätzlicher Risikofaktor
Neben dem Speicherstand thematisiert die Drucksache geopolitische Risiken. Nach Angaben der Fragesteller wurde die East-West Crude Oil Pipeline in Saudi-Arabien im September 2026 durch Angriffe beschädigt. Ähnliche Angriffe auf die parallel verlaufende East-West Gas Pipeline könnten das globale LNG-Angebot weiter verknappen. Hinzu kommt nach Darstellung der Fragesteller eine zunehmende Gefährdung der Meerenge Bab al-Mandab durch Huthi-Milizen im Jemen — einem wichtigen Transitweg für LNG-Tanker aus dem Golf.
Frage 17 will wissen, ob die Bundesregierung ihre Lagebeurteilung nach der September-Eskalation im Nahen Osten aktualisiert hat und welche Annahmen zur LNG-Verfügbarkeit gegebenenfalls angepasst wurden. Frage 18 verlangt eine quantifizierte Einschätzung, welche Gasmengen im Fall gleichzeitiger Einschränkungen durch die Straße von Hormus und das Rote Meer ausfielen und wie diese ersetzt werden könnten.
Was gilt aktuell zur Gasversorgung?
Seit dem 1. Juli 2025 gilt in Deutschland die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas — die erste von drei Krisenstufen. Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgung laut Stand 12. September 2026 gleichwohl als stabil; die Gefahr einer angespannten Gasversorgung schätzt sie demnach als gering ein. Sie legt bei ihrer Lagebewertung besonderes Gewicht auf die Füllstandsvorgabe von 30 Prozent zum 1. Februar 2027. Die Bundesregierung hatte in ihrer Antwort auf BT-Drs. 21/7879 mitgeteilt, auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar; für die Annahme einer Versorgungskrise bestehe aktuell kein Anlass.
Die AfD-Fraktion bemängelt in der Vorbemerkung, dass diese Einschätzung keine quantifizierten Szenarien für Speicherentwicklung, vertraglich abgesicherte Importmengen oder kombinierte Stressszenarien enthält. Sie fragt zudem nach dem industriellen Gasverbrauchsrückgang seit 2021: Welcher Anteil entfällt auf Effizienzgewinne, welcher auf Produktionsrückgänge oder Verlagerungen ins Ausland (Frage 12)? Diese Frage zielt auf ein strukturelles Problem der deutschen Industrie, das über die kurzfristige Versorgungssicherheit hinausgeht.
Weitere Fragen betreffen die konkreten Schwellenwerte, bei denen die Bundesnetzagentur und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie von der Frühwarnstufe in die Alarm- oder Notfallstufe wechseln würden (Frage 13), sowie die vorbereiteten Notfallmaßnahmen und deren Rechtsgrundlagen (Frage 14). Frage 15 erkundigt sich nach den erwarteten Kosten einer Notfallbeschaffung durch Trading Hub Europe und danach, ob diese Kosten aus dem Bundeshaushalt oder per Umlage auf Gasverbraucher gedeckt werden sollen.
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Unmittelbar betroffen sind Millionen Haushalte, die mit Erdgas heizen, sowie gasintensive Industriezweige wie die Chemie-, Glas- und Keramikindustrie. Bei anhaltend hohen Gaspreisen oder Versorgungsunterbrechungen drohen erhöhte Heizkosten für Privathaushalte sowie Produktionsausfälle und Wertschöpfungsverluste in der Industrie.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8255) ist am 29. September 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung muss die Anfrage nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen beantworten. Eine Antwort lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Drucksache noch nicht vor.
- LNG (Flüssigerdgas)
- Auf minus 162 Grad Celsius abgekühltes Erdgas, das per Schiff transportiert und an Importterminals wieder vergast wird.
- Notfallplan Gas
- Dreistufiger Krisenplan (Frühwarnstufe, Alarmstufe, Notfallstufe), der gestaffelte Maßnahmen zur Sicherung der Gasversorgung vorsieht.
- Trading Hub Europe (THE)
- Der deutsche Marktgebietsverantwortliche, der das Gasnetz bilanziert und im Notfall am Markt Gas beschafft.
Wie voll waren die deutschen Gasspeicher vor der Heizperiode 2026/2027?
Laut Börsen-Zeitung vom 8. September 2026 lagen die deutschen Speicher bei knapp 54 Prozent. Am 26. August 2026 meldete die Bundesregierung 126,8 Terawattstunden, entsprechend 51,2 Prozent der Kapazität.
Was ist die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas?
Sie ist die erste von drei Stufen des gesetzlichen Gasnotfallplans und zeigt an, dass eine mögliche Störung der Gasversorgung vorliegt. Seit dem 1. Juli 2025 gilt diese Stufe in Deutschland.
Was ist LNG und warum ist es für Deutschland wichtig?
LNG (Flüssigerdgas) wird per Schiff importiert und an Terminals wieder in Gas umgewandelt. Es ersetzt seit dem Wegfall russischer Pipelinelieferungen einen wachsenden Teil des deutschen Gasbedarfs.




























































