- 190,8 Mio. Euro Gesamtausgaben für vier abgeschlossene GIZ-Vorhaben
- 913 Fachkräfte in 1.361 Einsätzen in 87 Ländern weltweit
- Detailauswertung nach Ländern und Kosten wegen Unzumutbarkeit verweigert
Hintergrund
Das Programm „Integrierte Fachkräfte“ war ein Personalinstrument der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, das von 1980 bis 2022 unter der Marke CIM (Centrum für internationale Migration und Entwicklung) gemeinsam von der Bundesagentur für Arbeit und der GIZ bzw. ihrer Vorgängerin GTZ gesteuert wurde. Das BMZ entschied 2011, das Programm nicht mehr eigenständig zu führen, sondern in bestehende Länderprogramme zu integrieren. Die vier im Transparenzportal verzeichneten Vorhaben mit einer Laufzeit von 2008 bis 2018 waren die letzten Vorhaben dieser Art im Zuwendungsverfahren. Sie hatten ein Finanzierungsvolumen von rund 197,8 Millionen Euro bei Ausgaben von rund 190,8 Millionen Euro.
- 190.839.858,39 Euro — Gesamtausgaben der vier abgeschlossenen Vorhaben laut Bundesregierung
- 913 Fachkräfte / 1.361 Einsätze — Umfang des Personalinstruments über alle vier Vorhaben in 87 Ländern
- 75.000 Euro pro Jahr — Durchschnittliche Kosten je Integrierter Fachkraft inklusive Verwaltungsgemeinkosten
- 80,7 % — Grad der Zielerreichung laut Evaluierungen für die Jahre 2011 bis 2013
- 520 Arbeitsstunden — Geschätzter Aufwand für die vollständige Beantwortung aller Detailfragen; von der Bundesregierung als unzumutbar eingestuft
Im Detail
Der geschätzte Aufwand für die Bereitstellung der abgefragten Details betrüge insgesamt mehr als 520 Arbeitsstunden bzw. 65 Arbeitstage. Aus Sicht der Bundesregierung ist damit das Maß der Zumutbarkeit überschritten.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8807
Rund 190,8 Millionen Euro hat Deutschland über vier Haushaltsjahre für das GIZ-Programm „Zuschüsse an Integrierte Fachkräfte“ ausgegeben. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat am 26. Oktober 2026 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion geantwortet und damit das parlamentarische Verfahren zur BT-Drs. 21/8229 abgeschlossen. Die Antwortdrucksache 21/8807 liefert erstmals gebündelte Zahlen zu einem Programm, das über vier Jahrzehnte lief und 2018 endgültig auslief.
Integrierte Fachkräfte: Was steckt hinter dem GIZ-Programm?
Integrierte Fachkräfte sind Fachleute aus Deutschland oder der EU, die bei lokalen Partnerorganisationen in Entwicklungsländern direkt angestellt werden und dort ortsübliche Gehälter erhalten. Die GIZ zahlt einen Zuschuss zur Vergütung — ein sogenanntes „Top-up“. Sie sind damit keine GIZ-Beschäftigten, sondern Teil der Partnerinstitution. Ziel des Instruments ist der Know-how-Transfer: Die Fachkräfte sollen die Steuerungs- und Handlungskompetenzen öffentlicher und privater Akteure in Partnerländern stärken. Eingesetzt wurden sie in Bereichen wie Gesundheit, Erneuerbare Energien, Öffentliche Verwaltung, Klimaschutz, Biodiversität und soziale Sicherung.
Die vier abgeschlossenen Vorhaben umfassten insgesamt 913 Personen in 1.361 Einsätzen, verteilt auf 87 Länder von Afghanistan bis Vietnam. Besonders häufig vertreten waren Vietnam (67 Einsätze über alle Vorhaben), Äthiopien (56) und die Ukraine (47). Die durchschnittlichen Kosten des Personalinstruments betrugen laut Bundesregierung rund 75.000 Euro pro Fachkraft und Jahr inklusive Verwaltungsgemeinkosten.
Was wurde erreicht — und was bleibt unklar?
Bis 2013 bewertete das CIM (Centrum für internationale Migration und Entwicklung) die Einsätze in jährlichen Erfolgsberichten. Für 2008 bis 2010 galten demnach 7,5 Prozent der Fälle als nicht erfolgreich. Für die Jahre 2011 bis 2013 ergab die indikatorenbasierte Bewertung einen Grad der Zielerreichung von 80,7 Prozent; die fachliche Qualifikation der Fachkräfte wurde mit 93 Prozent bewertet, der Beitrag zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit 72 Prozent. Als wesentliche Wirkung wurde der Transfer von Fachwissen mit 89,3 Prozent und die Etablierung von Partnerschaften mit 79,8 Prozent eingestuft. Ab 2014 erfolgte keine gesonderte Evaluation mehr; die Beiträge Integrierter Fachkräfte flossen in die reguläre GIZ-Evaluierung der jeweiligen Länderprogramme ein.
Auf mehrere Detailfragen — darunter Kostenaufschlüsselungen nach Einsatzländern, konkrete Tätigkeiten einzelner Fachkräfte und Mittelverwendung je Partnerorganisation — verweigert die Bundesregierung eine Antwort. Sie verweist auf einen geschätzten Aufwand von mehr als 520 Arbeitsstunden bzw. 65 Arbeitstagen, den sie als unzumutbar einstuft. Dies stützt sie auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE 147, 50, Rn. 249), wonach das parlamentarische Informationsrecht unter dem Vorbehalt der Zumutbarkeit steht. Reduzierte Strukturen und abgelaufene Aufbewahrungsfristen machen eine maschinelle Auswertung laut Regierung unmöglich.
Transparenzportal ohne Detailtiefe
Das Bundesportal transparenzportal.bund.de weist für die vier Vorhaben lediglich Gesamtvolumen und Laufzeiten aus. Angaben zu einzelnen Einsatzländern, Partnerorganisationen oder Fachkräften fehlen. Dies liegt laut Bundesregierung an den Grenzen des IATI-Datenstandards (International Aid Transparency Initiative), der keine standardisierten Felder für Einzeleinsätze vorsieht. Eine nachträgliche Ergänzung des Portals ist weder möglich noch geplant. Zu Rückforderungen, Fehlverwendungen oder Unregelmäßigkeiten bei der Durchführung der Vorhaben sind der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Fälle bekannt. Die Kontrolle der Mittelverwendung erfolgte über das haushaltsrechtliche System der Bundeszuwendungen, Verwendungsnachweissprüfungen im BMZ sowie ein mit dem Bundesrechnungshof abgestimmtes Stichprobenkonzept.
Das eigenständige GIZ-Programm existiert seit 2011 nicht mehr. Integrierte Fachkräfte werden heute dezentral über Länder- und Regionalprogramme sowie das Globalvorhaben „Fachkräftefonds für kommunale Partnerschaften weltweit“ eingesetzt. Die Bundesregierung sieht das Instrument weiterhin als wichtigen Baustein der Entwicklungszusammenarbeit. Ähnliche Fragen zur GIZ-Kostenstruktur behandelten bereits die Drucksachen 19/8074 und 19/4490.
Mehr zum Thema Entwicklungszusammenarbeit und internationale Partnerschaften findet sich im Bericht zu den Indienbeziehungen der Bundesregierung und EU-Handelsabkommen.
Weiterlesen:
- Bundestag 31.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Wasserstoff-Müllfahrzeuge: 140 Mio. Euro, hohe Ausfallzeiten
Das Programm betraf 913 Fachkräfte aus Deutschland und der EU, die in 87 Partnerländern eingesetzt wurden. Die Partnerorganisationen vor Ort — öffentliche und private Akteure in Entwicklungsländern — profitierten direkt vom Know-how-Transfer. Auf lokale Beschäftigte dieser Länder hatten die Vorhaben keine direkte Auswirkung, da sie sich ausschließlich an deutsche und europäische Fachkräfte richteten.
Die Bundesregierung beantwortet Grundsatzfragen zum Programm vollständig, verweigert aber für mehrere Fragekomplexe (u. a. Fragen 12–15, 5) detaillierte Aufschlüsselungen nach Ländern, Fachkräften und Kostenpositionen mit dem Argument der Unzumutbarkeit (über 520 Arbeitsstunden). Eine nachträgliche Ergänzung des Transparenzportals lehnt sie ebenfalls ab.
Mit der Antwort vom 26. Oktober 2026 (BT-Drs. 21/8807) ist die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8229 beantwortet. Das parlamentarische Verfahren zu dieser Anfrage ist abgeschlossen. Das Programm selbst ist seit 2018 vollständig ausgelaufen; Integrierte Fachkräfte werden seither im Rahmen anderer GIZ-Vorhaben eingesetzt.
- Integrierte Fachkraft (IF)
- Fachkraft aus Deutschland oder der EU, die direkt bei einer Partnerorganisation in einem Entwicklungsland angestellt ist und dort ortsübliches Gehalt plus einen GIZ-Zuschuss erhält.
- IATI
- International Aid Transparency Initiative — ein internationaler Standard für die Veröffentlichung von Daten zur Entwicklungszusammenarbeit, auf dem das deutsche Transparenzportal basiert.
- Technische Zusammenarbeit (TZ)
- Oberbegriff für Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, die auf Wissens- und Kompetenzaufbau in Partnerländern abzielen und überwiegend durch die GIZ umgesetzt werden.
Was sind Integrierte Fachkräfte in der Entwicklungszusammenarbeit?
Integrierte Fachkräfte sind Fachleute aus Deutschland oder der EU, die direkt bei lokalen Partnerorganisationen in Entwicklungsländern angestellt werden und dort ortsübliche Gehälter erhalten. Die GIZ zahlt einen Zuschuss zur Vergütung (sogenanntes Top-up).
Wie viel kostete ein Fachkrafteinsatz im Durchschnitt?
Laut Bundesregierung betrugen die durchschnittlichen Kosten des Personalinstruments rund 75.000 Euro pro Fachkraft und Jahr, inklusive Verwaltungsgemeinkosten.
Wurde das Programm evaluiert?
Bis 2013 bewertete das CIM die Einsätze jährlich. Für 2011–2013 lag der Grad der Zielerreichung bei 80,7 Prozent. Ab 2014 wurden Integrierte Fachkräfte nicht mehr gesondert evaluiert, sondern als Teil der jeweiligen GIZ-Vorhaben bewertet.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8807 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































