- 55% weniger Schengen-Visa an Botschaft Teheran im Jahr 2025
- Iranische Studierende verlieren Studienplätze durch fehlende Termine
- TLScontact löscht Wartelistenplätze nach drei Monaten Inaktivität
Hintergrund
Die deutsche Botschaft in Teheran operiert seit dem Ausbruch des Krieges in Iran unter erschwerten Bedingungen im Notbetrieb. Nach Angaben des Auswärtigen Amts, die in der Vorgänger-Drucksache 21/2486 dokumentiert sind, wurden 2025 rund 55 Prozent weniger Schengen-Visa und etwa 20 Prozent weniger nationale Visa bearbeitet als im Vorjahr. Strukturelle Probleme wie lange Wartezeiten und Schwierigkeiten bei der Terminbuchung bestehen laut den Fragestellern bereits seit Jahren — berichten über Terminhandel gehen bis 2015 zurück. Die aktuelle Krise verschärft diese Situation zusätzlich: Internetausfälle in Iran haben dazu geführt, dass TLScontact-Konten von Antragstellenden wegen dreimonatiger Inaktivität automatisch gelöscht wurden, was den Verlust bereits erreichter Wartelistenplätze bedeutete.
- 55% — weniger Schengen-Visa wurden 2025 an der Botschaft Teheran bearbeitet als im Vorjahr (laut Auswärtigem Amt, BT-Drs. 21/2486).
- ~20% — Rückgang bei nationalen Visa an der Botschaft Teheran im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr.
- 3 Monate — nach dieser Inaktivitätsfrist löscht TLScontact automatisch Konten von Antragstellenden, was zum Verlust von Wartelistenplätzen führt.
- 25 Fragen — umfasst die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke, eingereicht am 2. November 2026.
Im Detail
Wie viele Wartelistenplätze gingen durch die automatische Löschung von TLScontact-Konten nach dreimonatiger Inaktivität verloren?
— BT-Drs. 21/8863, Frage 18
Die Visavergabe der deutschen Botschaft in Teheran ist seit Jahren eingeschränkt — doch die aktuelle Krise in Iran hat die Situation erheblich verschärft. Im Jahr 2025 wurden laut Angaben des Auswärtigen Amts rund 55 Prozent weniger Schengen-Visa und etwa 20 Prozent weniger nationale Visa bearbeitet als im Vorjahr. Diese Zahlen gehen auf eine frühere Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/2486) zurück und bilden den Ausgangspunkt der neuen Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/8863), die die Fraktion Die Linke am 2. November 2026 eingereicht hat.
Die Botschaft in Teheran operiert derzeit im Notbetrieb. Die iranische Seite hat die Zahl der in der Visastelle eingesetzten deutschen Entsandten reduziert. Gleichzeitig sorgen wiederkehrende Internetausfälle in Iran dafür, dass viele Antragstellende nicht auf ihre Konten beim externen Dienstleister TLScontact zugreifen konnten. Dieser löscht Konten automatisch nach dreimonatiger Inaktivität — mit der Folge, dass Betroffene ihren bereits erreichten Wartelistenplatz verloren haben. Eine Wiederherstellung der Daten ist laut Auswärtigem Amt technisch nicht möglich.
Visavergabe Teheran: Wer ist besonders betroffen?
Besonders hart trifft der Einbruch bei der Visavergabe in Teheran zwei Gruppen: iranische Studierende, die ihr Studium in Deutschland beginnen wollten, und Fachkräfte wie Ärztinnen und Ärzte, die für die Anerkennung ihrer Berufsqualifikation nach § 16d AufenthG auf ein nationales Visum angewiesen sind. Studierende, die das Wintersemester 2026/27 angestrebt hatten, können dieses Ziel durch fehlende Termine nun nicht mehr erreichen. Fachkräfte wiederum sehen ihre berufliche Perspektive in Deutschland auf unbestimmte Zeit verschoben.
Hinzu kommt, dass die Legalisierungsstelle bei TLScontact in Teheran vollständig geschlossen ist, was Visumverfahren, die auf die Legalisierung von Dokumenten angewiesen sind, zusätzlich blockiert. Auch über den Handel mit Visaterminen — ein Problem, das laut Medienberichten seit Jahren besteht — enthält die Anfrage eine explizite Frage (Frage 25).
Was gilt aktuell?
Derzeit befinden sich die Botschaft und der Dienstleister TLScontact im eingeschränkten Notbetrieb. Neue Termine sind für viele Antragstellende weder buchbar noch ist eine Eintragung auf die Warteliste möglich. Das Auswärtige Amt hat laut den Fragestellern mitgeteilt, dass Personen, die von der Kontolöschung betroffen waren, neue Termine erhalten können, sofern sie einen Nachweis über ihre frühere Registrierung bei TLScontact erbringen. Wie viele Menschen diesen Nachweis erbringen konnten und ihren Platz zurückerhalten haben, ist bislang nicht bekannt.
Die 25 Fragen der Kleinen Anfrage zielen darauf ab, Transparenz über Personalentwicklung, Bearbeitungsrückstände, Wartezeiten, Priorisierungskriterien und mögliche Ausweichoptionen — etwa eine Verlagerung der Bearbeitung auf Botschaften in Nachbarstaaten wie Armenien — zu schaffen. Auch die Frage, ob Antragstellende digital über das Auslandsportal oder an anderen Auslandsvertretungen Visumanträge stellen können, ist offen.
Zum strukturellen Kontext: Die Abschiebungspraxis nach Zentralasien und die Frage des Schutzes für Deutsche im Ausland zeigen, dass konsularische Kapazitäten und diplomatische Beziehungen in der aktuellen Legislaturperiode verstärkt parlamentarisch begleitet werden. Die Visavergabe in Teheran ist dabei ein besonders drängender Einzelfall, weil sie unmittelbar Bildungs- und Berufsbiografien beeinflusst.
Besonders betroffen sind iranische Studierende, die ihr Studium in Deutschland beginnen oder fortsetzen wollen und durch ausbleibende Visatermine ihren Studienplatz verlieren könnten. Ebenfalls betroffen sind Fachkräfte — darunter Ärztinnen und Ärzte —, die für die Anerkennung ihrer Berufsqualifikation ein Visum nach § 16d AufenthG benötigen. Darüber hinaus sind Familien betroffen, denen durch den eingeschränkten Botschaftsbetrieb verlängerte Trennungszeiten drohen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8863) wurde am 2. November 2026 eingereicht und ist beim Bundeskanzleramt zugeleitet worden. Die Bundesregierung hat die 25 Fragen noch nicht beantwortet. Für die tatsächliche Beantwortung ist das zugehörige Antwortdokument zu prüfen.
- TLScontact
- Externer Dienstleister, der im Auftrag der deutschen Botschaft Teheran Termine zur Visabeantragung entgegennimmt und Unterlagen sammelt.
- § 16d AufenthG
- Aufenthaltstitel zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen; relevant für Fachkräfte wie Ärztinnen und Ärzte, die ihre Abschlüsse in Deutschland anerkennen lassen wollen.
- Schengen-Visum
- Kurzaufenthaltsvisum für den Schengen-Raum, das für Aufenthalte bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen gilt.
Warum bearbeitet die Botschaft Teheran weniger Visa?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller hat die iranische Seite die Zahl der entsandten deutschen Mitarbeitenden in der Visastelle reduziert; zudem laufen Teile des Betriebs nur noch eingeschränkt.
Was ist TLScontact und warum ist es relevant?
TLScontact ist ein externer Dienstleister, über den Termine zur Visabeantragung gebucht werden müssen. Konten werden nach dreimonatiger Inaktivität automatisch gelöscht, was zum Verlust von Wartelistenplätzen führt.
Können Iraner ihr Visum an anderen Botschaften beantragen?
Die Kleine Anfrage stellt genau diese Frage (Fragen 12–14) an die Bundesregierung; eine offizielle Antwort liegt noch nicht vor.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8863 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































