- 58 Prozent der Grundschulkinder sind unsichere Schwimmer
- 393 Ertrinkungstote in deutschen Gewässern im Jahr 2025
- Nationale Schwimmstrategie bis 2027 und 35 Prozent weniger Todesfälle bis 2035 gefordert
Hintergrund
Eine repräsentative forsa-Befragung im Auftrag der DLRG aus dem Jahr 2022 ergab, dass 20 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren gar nicht schwimmen können. Die DLRG schätzt auf Basis erworbener Schwimmabzeichen, dass 58 Prozent der Grundschulkinder am Ende der Grundschulzeit keine sicheren Schwimmer sind. Die Hälfte der DLRG-Ortsvereine, die Anfängerschwimmkurse anbieten, führt Wartelisten; Kinder warten dort durchschnittlich ein halbes Jahr auf einen Kursplatz. Im Jahr 2025 kamen mindestens 393 Menschen in deutschen Gewässern ums Leben, bis Ende Juli 2026 wurden bereits 261 Todesfälle registriert – 15 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
- 58 % — So viele Grundschulkinder gelten laut DLRG am Ende der Grundschulzeit als unsichere Schwimmer.
- 393 Tote — Mindestens so viele Menschen kamen 2025 in deutschen Gewässern ums Leben.
- 261 Tote (bis Ende Juli 2026) — 15 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum, 90 % davon in Binnengewässern.
- 916 Mio. Euro — Für das Bundesprogramm Sanierung kommunaler Sportstätten wurden 2025 und 2026 insgesamt so viele Mittel bereitgestellt, davon 250 Mio. Euro speziell für Schwimmbäder.
- 50 % der DLRG-Ortsvereine — Die Hälfte der Vereine mit Anfängerkursen führt Wartelisten; Kinder warten durchschnittlich ein halbes Jahr auf einen Kursplatz.
Im Detail
Schwimmen zu können schützt Leben und eröffnet Teilhabe. Wer nicht sicher schwimmen kann, ist bei Freizeitaktivitäten im und am Wasser einem höheren Risiko ausgesetzt und kann an vielen gemeinsamen Aktivitäten nur eingeschränkt teilnehmen.
— Begründung BT-Drs. 21/8908
Schwimmfähigkeit ist in Deutschland ungleich verteilt – und das kostet Menschenleben. Laut einer repräsentativen forsa-Befragung im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus dem Jahr 2022 konnten 20 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren gar nicht schwimmen. Die DLRG schätzt auf Basis erworbener Schwimmabzeichen, dass 58 Prozent der Grundschulkinder die Schule verlassen, ohne sicher schwimmen zu können. Im Jahr 2025 kamen mindestens 393 Menschen in deutschen Gewässern ums Leben; bis Ende Juli 2026 waren es bereits 261 Todesfälle – 15 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Vor diesem Hintergrund hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen am 3. November 2026 den Antrag BT-Drs. 21/8908 in den Bundestag eingebracht. Er trägt den Titel „Schwimmen können, Wasser erleben, Leben schützen – Schwimmfähigkeit und Schwimmkultur in Deutschland stärken“ und enthält zwölf konkrete Forderungen an die Bundesregierung.
Schwimmfähigkeit: Soziale Ungleichheit als Kernproblem
Der Antrag betont, dass Schwimmfähigkeit keine Frage von Talent, sondern von sozialen Ressourcen ist. In Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.500 Euro konnte nahezu die Hälfte der Kinder nicht schwimmen; bei einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 4.000 Euro waren es nur zwölf Prozent. Trotz dieser Befunde nannten laut DLRG-Befragung nur 13 Prozent der Eltern die Schule als Ort, an dem ihr Kind schwimmen gelernt hat – deutlich häufiger wurden Eltern selbst (42 %), private Schwimmschulen (24 %) und Vereine (21 %) genannt. Schwimmunterricht in der Schule erreicht damit bislang nur einen Bruchteil der Kinder.
Was gilt aktuell?
Die Kultusministerkonferenz, die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft und der Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung haben 2017 gemeinsam empfohlen, dass Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis zwölf Jahren sicher schwimmen können sollen. Eine verbindliche bundesweite Umsetzung dieser Empfehlung fehlt jedoch. Das Modellvorhaben „Deutschland lernt Schwimmen“ läuft bis 2029 und greift Kooperation, regionale Koordination und Qualifizierung auf. Für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ wurden in den Wirtschaftsplänen 2025 und 2026 insgesamt 916 Millionen Euro bereitgestellt, davon 250 Millionen Euro für eine Förderrunde speziell für Schwimmbäder. Dennoch führt die Hälfte der DLRG-Ortsvereine Wartelisten – Kinder warten dort durchschnittlich ein halbes Jahr auf einen Kursplatz.
Nationale Strategie und messbare Ziele bis 2035
Der Antrag fordert, dass die Bundesregierung gemeinsam mit Ländern, Kommunen und Verbänden bis Ende 2027 eine nationale Strategie für Wassersicherheit und Ertrinkungsprävention vorlegt. Diese soll das Ziel verfolgen, dass bis 2035 alle Kinder spätestens im Alter von zehn bis zwölf Jahren sicher schwimmen können – unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Behinderung. Zudem soll die Zahl tödlicher Ertrinkungsunfälle bis 2035 gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025 um mindestens 35 Prozent sinken. Rund 90 Prozent der bisherigen Todesfälle im Jahr 2026 ereigneten sich in frei zugänglichen Binnengewässern – ein Befund, der gezielte Präventionskampagnen für offene Gewässer verlangt.
Weitere Forderungen des Antrags umfassen die Verankerung der Schwimmfähigkeit im Gesundheitsmonitoring des Robert-Koch-Instituts (mindestens alle vier Jahre), den Ausbau von Ausbildungskapazitäten für Übungsleitende und Lehrkräfte, ein bundesweites Modellprogramm für nachholendes Schwimmenlernen bei Jugendlichen und Erwachsenen sowie ein digitales Wasserflächen- und Wasserzeitenmanagement in Modellregionen. Auch die dauerhafte Finanzierung von Wasserrettungsorganisationen und die Einführung einer Helfergleichstellung für Ehrenamtliche sind Teil des Forderungskatalogs.
Für die Erforschung der gesundheitlichen Hintergründe von Ertrinkungstoten – aktuelle Studien deuten auf unerkannte Herzrhythmusstörungen hin, die insbesondere junge Männer betreffen – fordert die Fraktion zusätzliche Forschungsmittel. Ähnlich wie beim Antrag zum Völkerrecht zeigt auch dieser Vorstoß, dass die Grünen-Fraktion im November 2026 mehrere übergeordnete Strategiepapiere gleichzeitig einbringt, die auf langfristige Strukturveränderungen abzielen.
Der seit August 2026 schrittweise geltende Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung wird im Antrag als Hebel gesehen: Ganztagsangebote sollen den schulischen Schwimmunterricht ergänzen, ohne ihn zu ersetzen, und Kooperationen mit DLRG, Wasserwacht und Schwimmvereinen stärken. Das Startchancen-Programm, insbesondere das Chancenbudget (Säule II), soll ebenfalls für Kooperationen mit Schwimmvereinen genutzt werden.
Besonders betroffen sind Kinder aus einkommensschwachen Familien, da in Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.500 Euro nahezu die Hälfte der Kinder nicht schwimmen kann. Darüber hinaus sind Menschen mit Behinderung sowie Personen in Regionen mit mangelnder Badeinfrastruktur unterversorgt. Rund 90 Prozent der Ertrinkungstode ereignen sich in frei zugänglichen Binnengewässern und betreffen überproportional junge Männer.
Der Antrag (BT-Drs. 21/8908) wurde am 3. November 2026 eingebracht und ist noch nicht im Ausschuss beraten worden. Als nächste Schritte stehen die Zuweisung an den zuständigen Ausschuss sowie die Ausschussberatung und anschließende Abstimmung im Bundestags-Plenum aus.
- DLRG
- Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft – die größte Wasserrettungsorganisation Deutschlands, die Schwimmausbildung anbietet und an Gewässern Rettungsdienste leistet.
- Ertrinkungsprävention
- Maßnahmen zur Verhinderung von Ertrinkungsunfällen, z. B. Aufklärungskampagnen, Schwimmunterricht und Aufsicht an Gewässern.
- Startchancen-Programm
- Gemeinsames Programm von Bund und Ländern zur gezielten Förderung von Schulen in benachteiligten Lagen, dessen Chancenbudget u. a. für Kooperationen mit außerschulischen Akteuren genutzt werden kann.
Wie viele Kinder können laut DLRG nicht sicher schwimmen?
Nach einer forsa-Befragung im Auftrag der DLRG aus dem Jahr 2022 konnten 20 Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn Jahren gar nicht schwimmen. Die DLRG geht davon aus, dass 58 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule noch keine sicheren Schwimmerinnen und Schwimmer sind.
Welches Ziel setzt der Antrag für die Ertrinkungsprävention?
Die Zahl tödlicher Ertrinkungsunfälle soll bis 2035 gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025 um mindestens 35 Prozent gesenkt werden.
Wie hängen Einkommen und Schwimmfähigkeit zusammen?
In Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.500 Euro konnte nahezu die Hälfte der Kinder nicht schwimmen. Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 4.000 Euro waren es nur zwölf Prozent.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8908 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































