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- Psychische Erkrankungen führen zu längsten Krankschreibungen
- Zu wenig ambulante psychiatrische Versorgung verfügbar
- Grüne fordern flexiblere Behandlungsmodelle statt Krankenhaus
Psychiatrische Versorgung: Grüne fordern mehr ambulante Strukturen
Hintergrund
Die psychiatrische Versorgung ist historisch stark stationär geprägt, obwohl die WHO Deinstitutionalisierung und gemeindenahe Strukturen empfiehlt. Psychische Erkrankungen nehmen besonders bei Kindern und Jugendlichen zu. Eine Regierungskommission hatte 2023 sektorenübergreifende Versorgung gefordert.
Psychische Erkrankungen verursachten im Jahr 2024 mit durchschnittlich 28,5 Arbeitsunfähigkeitstagen die längsten Ausfallzeiten. Zudem stellen sie die häufigste Ursache für vorzeitige Verrentungen in Deutschland dar.
— Begründung BT-Drs. 21/5995
Die Grünen-Fraktion im Bundestag fordert eine grundlegende Reform der psychiatrischen Versorgung in Deutschland. In einer Kleinen Anfrage vom 19. Mai 2026 (BT-Drs. 21/5995) stellt sie der Bundesregierung 33 detaillierte Fragen zu Wartezeiten, Kosten und flexiblen Behandlungsmodellen.
Die psychiatrische Versorgung ist nach Ansicht der Fraktion zu stark stationär ausgerichtet. Ambulante Strukturen sind oft effektiver. Dies ist bemerkenswert, da psychische Erkrankungen mit durchschnittlich 28,5 Arbeitsunfähigkeitstagen die längsten Ausfallzeiten verursachen und die häufigste Ursache für vorzeitige Verrentungen in Deutschland darstellen.
Strukturelle Defizite führen zu Fehlversorgung
Besonders in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind zahlreiche Facharztsitze unbesetzt. Dies führt zu Notaufnahmen und stationären Aufenthalten. Nach Einschätzung der Grünen wären diese vermeidbar.
Einfach erklärt: Patienten landen oft im Krankenhaus, obwohl eine ambulante Behandlung zu Hause oder in Praxen ausreichen würde.
Die Fraktion verweist auf WHO-Empfehlungen zur Deinstitutionalisierung und den Ausbau gemeindenaher Versorgungsstrukturen. Bereits existierende flexible Modelle wie stationsäquivalente Behandlungen (StäB) oder Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA) werden noch zu wenig genutzt.
Bewertung der regulatorischen Vorgaben
Starre regulatorische Vorgaben der PPP-Richtlinie sieht die Fraktion als hinderlich für innovative Versorgungsformen an. Hintergrund ist, dass geplante Rückzahlungspflichten bei unbesetzten Personalstellen flexible, ambulant ausgerichtete Strukturen zusätzlich erschweren könnten.
Etablierte Versorgungsmodelle sollten als Blaupause genutzt und höher skaliert werden, fordern die Grünen. Sie fragen die Bundesregierung nach konkreten Schritten hin zu einer sektorenübergreifenden Versorgung – besonders seit der Achten Stellungnahme der Regierungskommission für Krankenhausversorgung.
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Betroffen sind psychisch erkrankte Menschen aller Altersgruppen, besonders Kinder und Jugendliche. In der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung sind zahlreiche Facharztsitze unbesetzt.
Die Bundesregierung muss bis zum 9. Juni 2026 auf die 33 Fragen antworten. Die Antwort wird voraussichtlich dem Gesundheitsausschuss zur weiteren Beratung überwiesen.
- StäB
- Stationsäquivalente psychiatrische Behandlung im häuslichen Umfeld statt im Krankenhaus
- PIA
- Psychiatrische Institutsambulanzen bieten ambulante Hilfe für schwer psychisch erkrankte Menschen
- PPP-RL
- Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie regelt Personalvorgaben
Warum dauern psychische Krankschreibungen so lange?
Laut Grünen führen strukturelle Defizite zu Unter-, Über- und Fehlversorgung, was Chronifizierung begünstigt.
Was sind stationsäquivalente Behandlungen?
Psychiatrische Versorgung zu Hause statt im Krankenhaus – multiprofessionell und ärztlich geleitet.























































