- 12,5 Millionen Quadratmeter Büroflächen stehen bundesweit leer
- 1,4 Millionen Wohnungen fehlen nach Pestel-Institut
- 350.000 neue Wohnungen durch Büro-Umwandlung möglich
Büroleerstand: Grüne wollen 350.000 neue Wohnungen schaffen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6341 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland steckt in einer schweren Wohnungskrise. Ende 2024 fehlten bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen, während nur 200.000 neue Wohneinheiten pro Jahr entstanden. Gleichzeitig machten sich 29 Prozent der Mieter große Sorgen, ob sie sich ihre Miete künftig noch leisten können. Parallel dazu stieg der Büroleerstand auf 12,5 Millionen Quadratmeter – 1,4 Millionen mehr als 2024. In Berlin allein blieben 1,75 Millionen Quadratmeter Büroflächen ungenutzt.
- 12,5 Millionen Quadratmeter — Büroflächen stehen bundesweit leer, 1,4 Millionen mehr als 2024
- 1,4 Millionen Wohnungen — fehlen nach dem Sozialen Wohn-Monitor des Pestel-Instituts Ende 2024
- 350.000 Wohneinheiten — könnten aus 8,3 Millionen Quadratmetern Büroleerstand entstehen
- 29 Prozent der Mieter — sorgen sich, ob sie ihre Miete künftig noch zahlen können
- 88 Prozent der Bundesbürger — wünschen sich neuen Wohnraum durch Umbau ungenutzter Büroflächen
Im Detail
Das Recht auf Wohnen ist Teil des Rechts auf einen angemessenen Lebensstandard. Es ist in Artikel 11 des UN-Sozialpakts (ICESCR) festgeschrieben; unter anderem besteht ein Anspruch auf bezahlbaren Wohnraum.
— Antrag BT-Drs. 21/6341
Deutschland steht vor einer besonderen Situation: Während 1,4 Millionen Wohnungen fehlen und sich 29 Prozent der Mieter Sorgen um ihre Miete machen, stehen gleichzeitig 12,5 Millionen Quadratmeter Büroflächen leer. Die Grünen-Fraktion will diese Entwicklung mit einem umfassenden Umbau-Programm angehen, wie aus einem Antrag vom 9. Juni 2026 hervorgeht (BT-Drs. 21/6341).
Das Ausmaß der Wohnungsknappheit zeigen aktuelle Zahlen des Pestel-Instituts: Ende 2024 haben bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen gefehlt. Neubau entstehen nur 200.000 Wohneinheiten pro Jahr. Betroffen sind Auszubildende, Studierende und Rentner, die sich steigende Mieten nicht mehr leisten können. Über 12 Prozent der Bevölkerung zahlen bereits mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete.
Büroleerstand erreicht Rekordniveau
Parallel zur Wohnungsknappheit steigt der Büroleerstand. Mit 12,5 Millionen Quadratmetern stehen 1,4 Millionen Quadratmeter mehr Büroflächen leer als noch 2024. In den als „A-Städte“ klassifizierten Großstädten bleiben bis zu 12 Prozent der Büros ungenutzt. Allein in Berlin sind Ende 2025 rund 1,75 Millionen Quadratmeter Büroflächen ungenutzt geblieben. 2026 wächst diese Zahl voraussichtlich um weitere 840.000 Quadratmeter an.
Bereits 2018 berechnete das Pestel-Institut, dass aus 8,3 Millionen Quadratmetern Büroleerstand in den 15 größten Städten 350.000 Wohneinheiten entstehen können. Das Umbaupotenzial ist heute deutlich größer. Grund: Die Leerstandszahlen haben sich seit 2019 teilweise verdreifacht.
Was gilt aktuell?
Bisher können Eigentümer leerstehender Bürogebäude steuerliche Vorteile nutzen. Nach Paragraph 34 des Grundsteuergesetzes ist bei Leerstand ein Erlass wegen „wesentlicher Ertragsminderung“ möglich. Wirksame Anreize für den Umbau zu Wohnraum fehlen gleichzeitig. Das kürzlich gestartete Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ begrenzt die Förderung auf maximal 10 Wohnungen pro Projekt und läuft bereits Ende 2026 aus.
Die Grünen fordern grundlegende Änderungen: Der Grundsteuer-Erlass soll künftig nur noch bei Umbau und Zwischennutzungen gelten. Nicht mehr bei dauerhaftem Leerstand. Zusätzlich sollen Kommunen in angespannten Wohnungsmärkten einen gesonderten Hebesatz bei der Grundsteuer C für leerstehende Gebäude festsetzen können.
Förderung soll massiv ausgeweitet werden
Das Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ soll deutlich erweitert werden: Statt maximal 10 sollen auch größere Projekte gefördert werden. Die Mittel sollen „angemessen erhöht“ und das Programm über 2026 hinaus verlängert werden. Mindestens 50 Prozent des geförderten Wohnraums sollen langfristig sozial gebunden werden.
Zusätzlich fordern die Grünen eine „Umbauordnung“ statt der bisherigen Musterbauordnung, um rechtliche Hürden abzubauen. Der neue Gebäudetyp E soll mit „klaren praxistauglichen und rechtssicheren Baustandards“ den Umbau erleichtern. Auch Zwischennutzungen zu Wohnzwecken sollen vereinfacht werden.
88 Prozent der Bundesbürger wünschen sich laut Baukulturbericht der Bundesregierung, dass neuer Wohnraum durch Umbau nicht genutzter Büroflächen entsteht. Neben der sozialen Dringlichkeit sprechen auch Klimaschutzgründe für den Umbau. Die Nutzung bestehender Gebäude ist klimafreundlicher als Neubau. Gleichzeitig schont sie Flächen vor weiterer Versiegelung.
Weiterlesen:
- Wohnungskrise: Grüne wollen Baurecht komplett umkrempeln
- 350 Mio. Euro weniger: Grüne kämpfen gegen Familienkürzungen
Betroffen sind vor allem junge und ältere Menschen, insbesondere Auszubildende, Studierende und Rentner, die sich steigende Mieten nicht mehr leisten können. Mehr als 12 Prozent der Bevölkerung zahlen bereits über 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete.
Der Antrag wird zunächst den zuständigen Bundestagsausschüssen zur Beratung zugewiesen. Nach der Ausschussberatung folgt die erste Lesung im Bundestag, anschließend weitere Beratungen und die abschließende Abstimmung im Plenum.
- Büroleerstand
- Büroflächen, die dauerhaft ungenutzt bleiben, obwohl sie vermietet werden könnten. Oft aus spekulativen Gründen oder wegen zu hoher Mietforderungen.
- Grundsteuer C
- Spezielle Grundsteuer für unbebaute Grundstücke. Die Grünen prüfen, ob sie auch für leerstehende Gebäude gelten könnte.
Wie viele Wohnungen könnten entstehen?
Nach konservativen Berechnungen könnten aus 8,3 Millionen Quadratmetern Büroleerstand 350.000 Wohneinheiten entstehen. Mit den aktuell 12,5 Millionen Quadratmetern wäre das Potenzial deutlich größer.
Wie soll Leerstand besteuert werden?
Die Grünen wollen den Grundsteuer-Erlass bei Leerstand abschaffen und prüfen lassen, ob Kommunen einen gesonderten Hebesatz bei der Grundsteuer C für leerstehende Gebäude festsetzen können.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6341 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































