- 21. EU-Sanktionspaket enthält keine Fischimportbeschränkungen
- Russlands Anteil an Alaska-Seelachs-Importen: 15 % (2020) auf 60 % (2025)
- Deutschland importierte 2025 rund 100.900 Tonnen Alaska-Seelachs aus Russland
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7454 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte im Vorfeld des 21. Sanktionspakets Importbeschränkungen für russische Fischereierzeugnisse angekündigt, darunter ein vollständiges Verbot für Kabeljau ab 2028 und eine schrittweise Halbierung der Alaska-Seelachs-Importe innerhalb von zwei Jahren. Das Thünen-Institut hatte Deutschland als größten Alaska-Seelachs-Abnehmer in der EU als besonders exponiert identifiziert und auf Risiken für die Fischstäbchenproduktion hingewiesen. Das am 23. Juli 2026 tatsächlich verabschiedete Paket enthält diese Fischmaßnahmen jedoch nicht.
- 168.487 Tonnen — Gesamtimporte von Alaska-Seelachs nach Deutschland im Jahr 2025 (Höchstwert seit 2020).
- 100.900 Tonnen (59,9 %) — Davon stammten 2025 aus Russland; 2020 waren es erst 22.623 Tonnen (15,5 %).
- 228 Mio. Euro — Wert der gefrorenen Alaska-Seelachs-Filetimporte nach Deutschland im Jahr 2025 laut Vorbemerkung der Fragesteller.
- 36.294 Tonnen — Gesamtimporte Pazifischer Wildlachs 2025; russischer Anteil: 1.538 Tonnen (4,2 %).
- 23. Juli 2026 — Datum der Verabschiedung des 21. EU-Sanktionspakets durch den Rat der EU — ohne Fischmaßnahmen.
Im Detail
Im 21. Sanktionspaket, das am 23. Juli 2026 vom Rat der Europäischen Union verabschiedet wurde, sind Sanktionen auf Fisch aus russischen Fängen nicht vorgesehen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7454
Russland ist inzwischen mit Abstand der wichtigste Lieferant von Alaska-Seelachs für die deutsche Fischverarbeitungsindustrie. Laut Eurostat-Daten, die die Bundesregierung in ihrer Antwort auf BT-Drs. 21/7454 vom 31. Juli 2026 veröffentlicht hat, stieg der russische Anteil an den deutschen Alaska-Seelachs-Importen von 15,5 Prozent im Jahr 2020 auf 59,9 Prozent im Jahr 2025. Absolut entspricht das einem Anstieg von 22.623 auf 100.900 Tonnen. Deutschland bezieht damit mehr als die Hälfte seiner wichtigsten Fischstäbchen-Rohware aus einem Land, gegen das die EU fortlaufend Sanktionen verhängt.
Unmittelbarer Anlass der Anfrage war die Ankündigung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, im Rahmen des 21. Sanktionspakets gegen Russland erhebliche Einfuhrbeschränkungen für Fischerzeugnisse — darunter eine schrittweise Halbierung der Alaska-Seelachs-Importe sowie ein vollständiges Kabeljau-Importverbot ab 2028 — einzuführen. Das am 23. Juli 2026 vom Rat der EU tatsächlich verabschiedete Paket enthält jedoch keine Sanktionen auf Fisch aus russischen Fängen. Die diskutierten Maßnahmen wurden damit vorerst nicht umgesetzt.
Alaska-Seelachs-Importe: Starke Konzentration auf Russland
Die von der Bundesregierung vorgelegte Importtabelle zeigt, wie stark die Abhängigkeit von russischer Rohware in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Während die Gesamtimporte von Alaska-Seelachs von 146.336 Tonnen (2020) auf 168.487 Tonnen (2025) stiegen, wuchs der russische Anteil weit überproportional. Für das Thünen-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Fischerei, ist Deutschland der größte Alaska-Seelachs-Abnehmer in der EU. Im Land stehen nach Angaben des Instituts die weltgrößten Fischstäbchenfabriken. Ein Wegfall oder eine deutliche Reduzierung russischer Lieferungen hätte damit besondere Auswirkungen auf den deutschen Markt.
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass bei der Bewertung der Anteilswerte zu berücksichtigen ist, dass Fisch aus russischen Fängen bei einer Erstverarbeitung in Drittländern — insbesondere China — bis zum Jahr 2023 nicht konsequent als russischer Fisch eingestuft wurde. Die tatsächliche Abhängigkeit von russischer Rohware dürfte in den Jahren vor 2023 also noch etwas höher gewesen sein als die Statistik ausweist.
Bundesregierung beantwortet viele Fragen pauschal
Die AfD-Fraktion hatte insgesamt 18 Fragen gestellt, darunter detaillierte Erkundigungen nach betroffenen Betrieben, Beschäftigtenzahlen, Preisprognosen für Fischstäbchen und Schlemmerfilets sowie Reaktionen der Industrie (Iglo, Frosta, Bundesverband der deutschen Fischindustrie). Die Fragen 15 bis 18 beantwortet die Bundesregierung pauschal mit einem Verweis auf die bereits gegebene Antwort zu den Fragen 1 bis 11 — konkrete Unternehmens- oder Beschäftigtendaten sowie Preisprognosen bleiben damit aus.
Für die Alaska-Seelachs-Importe liefert die Drucksache vollständige Jahrestabellen auf Basis von Eurostat. Als zweite relevante Rohwarenkategorie nennt die Bundesregierung pazifischen Wildlachs: Auch hier stiegen die russischen Importe, von 174 Tonnen (2020) auf 1.538 Tonnen (2025), blieben aber mit einem Anteil von 4,2 Prozent deutlich kleiner als beim Alaska-Seelachs. Daten zu bereits verzehrfertigen Fischerzeugnissen aus Russland wurden nach Auskunft der Bundesregierung bislang nicht im Detail analysiert, da diese für den deutschen Markt kaum Relevanz hätten.
Bundesregierung: Wirtschaftliche Auswirkungen im Blick
Ungeachtet des Fehlens von Fischsanktionen im aktuellen Paket betont die Bundesregierung, sie unterstütze grundsätzlich die Ausweitung von Importverboten, um Russlands Kriegsfinanzierung einzuschränken. Gleichzeitig erklärt sie, die Auswirkungen auf europäische Verbraucher und die heimische Wirtschaft im Blick zu behalten und sich in einem fortlaufenden Austausch mit Wirtschaft und Wissenschaft zu befinden. Ob und wann Fischsanktionen in einem künftigen Paket kommen könnten, lässt die Bundesregierung offen. Die in Medien diskutierten Szenarien — stufenweise Halbierung der Alaska-Seelachs-Importe binnen zwei Jahren, Kabeljauverbot ab 2028 — sind damit zunächst vom Tisch, könnten aber in späteren Sanktionsrunden wieder aufgegriffen werden. Angesichts eines russischen Anteils von inzwischen 60 Prozent am deutschen Alaska-Seelachs-Import bliebe das Risiko für die Stabilität betroffener Branchen ein relevantes wirtschaftspolitisches Thema.
Zur Frage, ob die Norwegens und anderer Lieferländer die russischen Mengen ersetzen könnten, enthält die Drucksache keine konkreten Angaben. Die Bundesregierung verweist auch hier auf den laufenden Austausch mit Wirtschaft und Wissenschaft, ohne Ergebnisse zu benennen. Der Markt für Alaska-Seelachs ist global eng; die größten Alternativen zu russischen Fängen kommen aus Alaska (USA), wobei Kapazitäten und Preise von weltweiten Nachfrageverschiebungen abhängen würden.
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Betroffen sind in erster Linie die fischverarbeitende Industrie in Deutschland — darunter nach Angaben des Thünen-Instituts die weltgrößten Fischstäbchenfabriken — sowie Endverbraucher, die Tiefkühlprodukte auf Basis von Alaska-Seelachs kaufen. Da Russland 2025 fast 60 Prozent der deutschen Alaska-Seelachs-Rohware lieferte, wäre die Branche bei künftigen Sanktionen überdurchschnittlich stark betroffen.
Für die Fragen 15 bis 18 (betroffene Betriebe, Marktreaktionen, Preisprognosen, Industriestellungnahmen) verweist die Bundesregierung pauschal auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 11, ohne konkrete Einzelangaben zu Unternehmen, Beschäftigtenzahlen oder Preiserwartungen zu machen. Das ist ein teilweises Ausweichen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Alaska-Seelachs: EU-Sanktionen bedrohen Fischstäbchen-Versorgung →
- Alaska-Seelachs
- Weißfischart aus dem Nordpazifik, Hauptrohware für Fischstäbchen und Schlemmerfilets. Nicht verwandt mit dem Lachs.
- Thünen-Institut
- Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischerei; liefert wissenschaftliche Grundlagen für die Agrarpolitik.
- Sanktionspaket
- Bündel von Handelsbeschränkungen, die die EU gegen Russland als Reaktion auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine verhängt hat; das 21. Paket wurde am 23. Juli 2026 beschlossen.
Enthält das 21. EU-Sanktionspaket Fischimportverbote?
Nein. Das am 23. Juli 2026 verabschiedete Paket enthält laut Bundesregierung keine Sanktionen auf Fisch aus russischen Fängen.
Wie hoch ist Russlands Anteil an deutschen Alaska-Seelachs-Importen?
Laut Eurostat-Daten stieg der Anteil von 15,5 Prozent (2020) auf 59,9 Prozent (2025); 2025 wurden 100.900 von insgesamt 168.487 Tonnen aus Russland importiert.
Drohen höhere Fischstäbchenpreise durch Sanktionen?
Konkrete Preisprognosen nennt die Bundesregierung nicht. Da das aktuelle Sanktionspaket keine Fischbeschränkungen enthält, besteht derzeit keine unmittelbare Sanktionswirkung.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7454 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































