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- Bis zu 40 Prozent der Migräne-Fälle in Deutschland bleiben undiagnostiziert
- WHO stuft Migräne als häufigste Behinderungsursache unter 50-Jährigen ein
- 20 Fragen zu Versorgung, Forschung und sozialer Absicherung Betroffener
Hintergrund
Migräne zählt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den am stärksten beeinträchtigenden Erkrankungen weltweit und ist für Menschen unter 50 Jahren die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. In Deutschland fehlt bislang ein Disease-Management-Programm speziell für Migräne, wie es etwa für Diabetes, Asthma oder Multiple Sklerose existiert. Die Einführung einer Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag sowie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung stehen als politische Maßnahmen im Raum, die nach Ansicht der Fragesteller chronisch Erkrankte besonders belasten könnten.
Im Detail
Laut WHO ist ein schwerer Migränetag vergleichbar mit dem maximalen Beschwerdegrad, wie man ihn beispielsweise bei einer Querschnittslähmung (Tetraplegie) erlebt.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8084
Migräne ist in Deutschland eine weit verbreitete, aber nach wie vor stark unterschätzte Erkrankung. Nach Schätzungen, auf die sich die Fragesteller beziehen, bleiben fast 40 Prozent aller Migräne-Fälle undiagnostiziert — entweder weil Betroffene keine ärztliche Hilfe suchen oder weil Fehldiagnosen wie Spannungskopfschmerz gestellt werden. Die WHO stuft Migräne als eine der Hauptursachen für Behinderungen weltweit ein; für Menschen unter 50 Jahren ist sie die Erkrankung mit der stärksten Einschränkung von Lebensqualität und Leistungsfähigkeit.
Die Fraktion Die Linke hat am 21. September 2026 mit der Drucksache 21/8084 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, die in 20 Fragen den Stand der Migräne-Versorgung, -Forschung und sozialen Absicherung in Deutschland beleuchtet.
Versorgung und Diagnose: Was die Anfrage konkret fragt
Die Migräne-Versorgung in Deutschland weist nach Einschätzung der Fragesteller erhebliche Lücken auf. Die Anfrage fragt unter anderem, wie viele Menschen ausschließlich hausärztlich, fachneurologisch oder in spezialisierten Kopfschmerzambulanzen behandelt werden — und wie viele trotz Behandlungsbedarf keine fachärztliche Versorgung erhalten. Auch regionale Unterschiede bei Wartezeiten auf Facharzttermine sind Gegenstand der Fragen. Zudem erkundigt sich die Anfrage, ob die Bundesregierung plant, über die Selbstverwaltung Patientenschulungen für Migräne-Kranke zu etablieren, wie sie für Diabetes, Asthma oder Multiple Sklerose bereits existieren.
Disease-Management-Programm und GKV-Reform
Ein zentrales Anliegen ist die Frage, ob die Bundesregierung ein Disease-Management-Programm (DMP) speziell für Migräne beim Gemeinsamen Bundesausschuss beauftragen will. Darüber hinaus fragt die Linke, ob die durch die GKV-Reform entstehenden Mehrkosten bei der Zuzahlung zu Medikamenten für chronisch Erkrankte ausgeglichen werden, die körperlich nicht in der Lage sind, diese Mehrbelastung durch zusätzliche Erwerbsarbeit selbst zu tragen.
Was gilt aktuell?
Derzeit gibt es in Deutschland kein spezifisches DMP für Migräne. Die Erkrankung wird in der geltenden ICD-10-GM nicht gesondert als chronische Form abgebildet, was laut Anfrage die Versorgungsforschung und gesundheitspolitische Steuerung erschwert. Die Nachfolgeversion ICD-11 sieht eine differenziertere Klassifikation vor, ist in Deutschland aber noch nicht implementiert. Frage 7 der Anfrage erkundigt sich konkret, wann die Bundesregierung mit der Einführung des ICD-11 rechnet.
Moderne Therapien und Krankenhausreform
Die Anfrage fragt auch, wie viele gesetzlich Versicherte in den Jahren 2021 bis 2025 mit modernen Migränetherapeutika wie CGRP-Antikörpern, Gepanten oder OnabotulinumtoxinA behandelt wurden und ob es regionale Unterschiede oder Ablehnungen durch Krankenkassen gibt. Zudem soll die Bundesregierung darlegen, welche Auswirkungen die laufende Krankenhausreform auf stationäre multimodale Schmerztherapieangebote hat und ob eine eigenständige Leistungsgruppe „Spezielle Schmerztherapie“ geplant ist.
Arbeit, Rente und Behinderung
Mehrere Fragen befassen sich mit den sozialrechtlichen Folgen schwerer Migräne. Die Anfrage will wissen, wie viele Anträge auf Erwerbsminderungsrente zwischen 2019 und 2025 von Menschen mit einer Migräne-Diagnose (ICD-Code G43) gestellt, bewilligt oder abgelehnt wurden. Frage 17 fragt nach den Fallzahlen für Anträge auf einen Grad der Behinderung (GdB) wegen Migräne und nach möglichen Unterschieden zwischen den Bundesländern bei der Begutachtung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die geplante Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag: Die Anfrage fragt, ob die Bundesregierung die Auswirkungen dieser Regelung auf Menschen untersucht hat, die bei einer akuten Migräneattacke nicht in der Lage sind, eine Arztpraxis aufzusuchen.
Forschungsförderung und ressortübergreifende Strategie
Die letzte Frage zielt auf eine mögliche ressortübergreifende Strategie der Bundesregierung ab, die neben medizinischer Versorgung auch Erwerbsfähigkeit, soziale Sicherung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit chronischer Migräne berücksichtigt. Frage 19 fragt zudem, welche Bundesmittel seit 2015 gezielt für die Erforschung häufiger episodischer und chronischer Migräne bereitgestellt wurden — und wie diese Mittel im Vergleich zur Förderung anderer neurologischer Erkrankungen mit ähnlicher Krankheitslast aussehen. Vergleichend könnte dazu auch die Frage nach der Finanzierung gesundheitspolitischer Maßnahmen betrachtet werden, die derzeit im Bundestag diskutiert wird.
Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage steht noch aus. Weitere parlamentarische Vorgänge dieser Legislaturperiode finden sich in der Übersicht der wichtigsten Drucksachen vom 25. September 2026.
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Betroffen sind nach Schätzungen Millionen Menschen in Deutschland, die an episodischer oder chronischer Migräne leiden — darunter überproportional Frauen, insbesondere in hormonell sensiblen Lebensphasen wie Schwangerschaft oder Menopause. Besonders vulnerable Gruppen sind Menschen mit therapieresistenter Migräne, Personen im Erwerbsminderungsrentenverfahren sowie Patientinnen und Patienten in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu Fachärzten oder Kopfschmerzambulanzen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8084) ist am 21. September 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt grundsätzlich 14 Tage Zeit, die Fragen schriftlich zu beantworten. Eine Antwort-Drucksache liegt noch nicht vor.
- DMP (Disease-Management-Programm)
- Strukturiertes Behandlungsprogramm der gesetzlichen Krankenversicherung für chronisch kranke Menschen, das eine koordinierte und leitliniengerechte Versorgung sicherstellen soll.
- CGRP-Antikörper
- Moderne Biologika zur Migräneprophylaxe, die gezielt das Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP) oder dessen Rezeptor blockieren und dadurch Migräneanfälle reduzieren.
- ICD-11
- Die aktuelle internationale Klassifikation der Erkrankungen der WHO, die Nachfolgerin der ICD-10. In Deutschland ist die Implementierung noch nicht abgeschlossen.
Wie viele Menschen in Deutschland sind von Migräne betroffen?
Genaue Zahlen sind Gegenstand der Anfrage. Die Fragesteller verweisen darauf, dass nach Schätzungen fast 40 Prozent aller Migräne-Fälle nicht diagnostiziert sind.
Was ist ein Disease-Management-Programm (DMP)?
Ein DMP ist ein strukturiertes Behandlungsprogramm für chronisch Kranke, das von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten wird und eine leitliniengerechte Versorgung sicherstellen soll.
Warum ist die ICD-10-Kodierung für Migräne ein Problem?
Die derzeit verwendete ICD-10-GM bildet chronische Migräne nicht gesondert ab, was laut Anfrage die Versorgungsforschung und gesundheitspolitische Steuerung erschwert.


































































