- Klimawandel verstärkt Trockenheit, Niedrigwasser und Überschwemmungen in Deutschland
- Sommer 2026 zeigt historische Niedrigwasserstände an allen deutschen Stromgebieten
- Renaturierung von Mooren, Flüssen und Wäldern stärkt den Wasserhaushalt
Klimawandel und Wasser: Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im August 2026 eine Ausarbeitung zu den Folgen des Klimawandels für die Ressource Wasser in Deutschland vorgelegt. Das Dokument des Fachbereichs WD 5 (Wirtschaft, Energie und Klima) fasst den aktuellen Wissensstand zu klimabedingten Veränderungen im Wasserhaushalt zusammen und benennt Maßnahmen zur Anpassung.
Intensivierung des Wasserkreislaufs
Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Dadurch steigt die potenzielle Verdunstung, und Niederschlagsereignisse werden intensiver. Das führt gleichzeitig zu mehr Oberflächenabfluss, häufigeren Überschwemmungen und weniger Grundwasserneubildung. Die Analyse beschreibt diesen Effekt als Intensivierung des Wasserkreislaufs, die nicht zu mehr gleichmäßig verfügbarem Wasser führt, sondern zu einem ungünstigeren Verhältnis von Überfluss und Mangel.
Trockenheit, Niedrigwasser und Überschwemmungen
Deutschland erwärmt sich laut Deutschem Wetterdienst seit 1881 um rund 2,5 Grad Celsius. Die potenzielle Verdunstung hat stark zugenommen, während der Niederschlag keinen klaren Trend zeigt. Für das Sommerhalbjahr wird ein signifikant abnehmender Abfluss beobachtet. Laut dem Forschungsbericht WADKlim des Umweltbundesamtes bilden Dürren und Trockenheit die neue Normalität, auf die sich Wasserwirtschaft und wassernutzende Sektoren einstellen müssen.
Im Sommer 2026 wurden an allen deutschen Stromgebieten Niedrigwasserstände verzeichnet. Insbesondere am Rhein wurden über größere Abschnitte die niedrigsten jemals gemessenen Wasserstände unterschritten, wie die Bundesanstalt für Gewässerkunde mitteilte. Gleichzeitig belegt eine internationale Studie auf der Plattform World Weather Attribution, dass der Klimawandel die Schwere der europäischen Dürre 2026 erheblich verstärkt hat.
Scheinbar widersprüchlich ist die gleichzeitige Zunahme von Trockenheit und Überschwemmungen. Das Umweltbundesamt erklärt den Zusammenhang: Ausgetrocknete Böden können Starkregen nicht aufnehmen, das Wasser fließt oberflächlich ab und lässt Flüsse rasch ansteigen.
Grundwasser und Trinkwasser unter Druck
Langanhaltende Trockenheit reduziert die Grundwasserneubildung. Gleichzeitig steigt die Wassernachfrage, etwa durch höheren Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft. Prognosen zufolge könnte der Bewässerungsbedarf in Nordrhein-Westfalen bis 2100 auf das Zwanzigfache steigen. Die Grundwasserqualität ist laut aktueller Forschung anfälliger für klimabedingte Extreme als bislang angenommen. Für die Trinkwasserversorgung sind die Auswirkungen auf die Verfügbarkeit derzeit bedeutsamer als jene auf die Wasserqualität.
Maßnahmen zur Stärkung des Wasserhaushalts
Die Analyse empfiehlt, die Schwammfunktion der Landschaft wiederherzustellen, damit Wasser länger in der Fläche gehalten werden kann. Konkret werden genannt: die Renaturierung von Flüssen, Auen und Mooren, die Wiedervernässung entwässerter Feuchtgebiete, der Umbau von Nadelwäldern in Mischwälder sowie angepasste landwirtschaftliche Bewirtschaftungsmethoden wie Direktsaat, Zwischenfruchtanbau und Agroforstsysteme. Viele dieser Maßnahmen dienen zugleich dem Klimaschutz, weil in intakten Ökosystemen auch Kohlenstoff gespeichert wird. Entscheidend sei laut der Ausarbeitung eine möglichst flächendeckende Umsetzung.

































































