- 38,3 Mrd. Euro öffentliche Hochschulausgaben 2024 – Nutzen droht abzuwandern
- Rückkehrstipendien und Förderlinien für Nachwuchsforscher gefordert
- Bundesweite Abwanderungsstatistik soll ab 2027 jährlich erscheinen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7991 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Wissenschaftsrat hat in seinen Berichten 2025 und 2026 auf Herausforderungen bei Personalstrukturen und der langfristigen Attraktivität des deutschen Wissenschaftssystems hingewiesen. Eine 2021 veröffentlichte Auswertung von acht Millionen Scopus-Publikationen zeigte Migrationsmuster deutsch-affiliierter Forscher auf. DAAD und DZHW stellten 2024 im Bericht „Wissenschaft weltoffen“ fest, dass eine amtlich belastbare Gesamtstatistik zur Abwanderung fehlt. Vor diesem Hintergrund bringt die AfD-Fraktion den vorliegenden Antrag ein.
- 198 Mrd. Euro — Öffentliche Bildungsausgaben Deutschlands im Jahr 2024 (laut Statistisches Bundesamt, Bildungsfinanzbericht 2025).
- 38,3 Mrd. Euro — Öffentliche Ausgaben für Hochschulen im Jahr 2024.
- 30. Juni 2027 — Erster Bericht der Bundesregierung an den Bundestag laut Antragsforderung.
Im Detail
Eine evidenzbasierte Politik zur Stärkung des Wissenschaftsstandortes Deutschland erfordert daher sowohl eine umfassende statistische Erfassung einschließlich Rückkehrquoten und Verweildauern als auch die umgehende Einführung geeigneter Förderprogramme und Initiativen.
— BT-Drs. 21/7991, Abschnitt I (Feststellungsteil)
Jedes Jahr fließen Milliarden Euro in die Ausbildung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland – und ein Teil dieser Geförderten verlässt das Land dauerhaft. Die AfD-Fraktion greift dieses Problem in BT-Drs. 21/7991 (eingebracht am 11. September 2026) auf und fordert die Bundesregierung zu konkretem Handeln auf: Rückkehrprogramme, neue Förderlinien und eine verlässliche Statistik sollen den Brain Drain stoppen.
Brain Drain: Was das Deutschland kostet
Die öffentlichen Bildungsausgaben beliefen sich 2024 auf rund 198 Mrd. Euro; allein die Hochschulen erhielten 38,3 Mrd. Euro aus öffentlichen Mitteln. Wenn Wissenschaftler nach langen, steuerfinanzierten Qualifikationsphasen dauerhaft ins Ausland abwandern, verliert Deutschland nach Einschätzung der Antragsteller nicht nur Innovationskraft, sondern auch den Nutzwert dieser Investitionen. Der Antrag verweist dabei auf Berichte des Wissenschaftsrats aus 2025 und 2026, die Herausforderungen bei der Personalstruktur und Karriereplanbarkeit im deutschen Wissenschaftssystem beschreiben.
Was gilt aktuell?
Bislang existiert laut Antrag keine vollständige, bundeseinheitlich standardisierte und amtlich belastbare Statistik, die Umfang, Fachrichtung und Dynamik der Abwanderung in Deutschland ausgebildeter Wissenschaftler systematisch erfasst. Eine Auswertung von acht Millionen Scopus-Publikationen aus dem Jahr 2021 lieferte erste Hinweise auf Migrationsmuster, ersetzt jedoch keine amtliche Dauerbeobachtung. Auch DAAD und DZHW stellten in ihrem Bericht „Wissenschaft weltoffen 2024“ fest, dass eine belastbare Gesamtstatistik fehlt. Spezifische Förderprogramme zur Rückgewinnung abgewanderter Wissenschaftler bestehen auf Bundesebene nicht flächendeckend.
Drei konkrete Forderungen im Antrag
Die AfD-Fraktion verlangt von der Bundesregierung drei aufeinander aufbauende Schritte: Erstens sollen umgehend Förderprogramme und Initiativen aufgelegt werden – darunter wettbewerbliche Förderlinien mit Forschungsstartmitteln sowie ein bundesweites Rückkehrstipendien-Programm für im Ausland tätige, in Deutschland ausgebildete Forscher. Zweitens soll eine bundesweite, fortlaufende Abwanderungsstatistik eingeführt werden, die auch Rückkehrbewegungen und deren Gründe erfasst und regelmäßig veröffentlicht wird. Drittens soll die Bundesregierung dem Bundestag erstmals bis zum 30. Juni 2027 und danach jährlich einen Bericht vorlegen, der Statistikdaten und die Wirksamkeit der Förderprogramme zusammenführt.
Laut Begründung des Antrags greifen diese drei Forderungen ineinander: Sofortmaßnahmen wirken einer weiteren Abwanderung unmittelbar entgegen, die Statistik liefert die Grundlage für die laufende Bewertung, und die Berichtspflicht sichert die parlamentarische Kontrolle und politische Nachsteuerung.
Wissenschaftsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb
Der Antrag ordnet das Thema in den breiteren Kontext der internationalen Standortkonkurrenz ein. Attraktive und planbare Karrierebedingungen gewinnen laut dem zitierten Wissenschaftsrat bei der Entscheidung von Wissenschaftlern für oder gegen einen Forschungsstandort zunehmend an Gewicht. Deutschland konkurriert dabei mit Ländern, die teils höhere Vergütungen, bessere Ausstattung oder stabilere Karrierewege bieten. Wer für eine grundlegende Verbesserung der Forschungsrahmenbedingungen eintritt, stößt auf ähnliche Diagnosen: fehlende Planbarkeit und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Systems.
Die Frage, ob der Wissenschaftsstandort Deutschland strukturell attraktiver gestaltet werden kann, beschäftigt auch andere Bereiche der Forschungspolitik. Die GRW-Neuaufstellung 2026 zeigt, wie Förderpolitik regional ausgerichtet werden kann – ein Ansatz, der auch für die Bindung von Wissenschaftlern an bestimmte Standorte relevant sein könnte.
Unmittelbar betroffen sind Nachwuchswissenschaftler und etablierte Forscher, die nach ihrer in Deutschland finanzierten Qualifikation ins Ausland wechseln. Mittelbar betroffen sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie die Steuerzahler, die die öffentlichen Bildungsausgaben von 198 Mrd. Euro jährlich finanzieren.
Der Antrag wurde am 11. September 2026 in den Bundestag eingebracht und muss nun einem oder mehreren Ausschüssen zugewiesen werden. Nach den Ausschussberatungen entscheidet das Plenum über Annahme oder Ablehnung. Eine Ausschusszuweisung und ein Beratungsdatum sind noch nicht bekannt.
- Brain Drain
- Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte oder Wissenschaftler aus einem Land ins Ausland, häufig wegen besserer Karrierechancen oder Vergütung.
- Rückkehrstipendium
- Finanzielle Förderung, die im Ausland tätige Wissenschaftler bei der Rückkehr an einen deutschen Forschungsstandort unterstützt.
- Humankapital
- Das in Menschen gebundene Wissen und die Fähigkeiten, die durch Bildung und Ausbildung entstehen und wirtschaftlichen Wert haben.
Was genau wird mit dem Antrag gefordert?
Die Bundesregierung soll Förderprogramme und Rückkehrstipendien für abgewanderte Wissenschaftler auflegen, eine bundesweite Abwanderungsstatistik einrichten und dem Bundestag ab 30. Juni 2027 jährlich Bericht erstatten.
Wie viel Geld investiert Deutschland in die Wissenschaftsausbildung?
Laut Antrag beliefen sich die öffentlichen Bildungsausgaben 2024 auf rund 198 Mrd. Euro; allein die Hochschulausgaben lagen bei 38,3 Mrd. Euro.
Gibt es bereits belastbare Zahlen zur Wissenschaftler-Abwanderung?
Laut Antrag fehlt bislang eine vollständige, bundeseinheitliche und amtlich belastbare Statistik – das ist ein wesentlicher Ausgangspunkt der Forderungen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7991 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




























































