- Vollausstattung der Reserve für 200.000 Reservisten bis 2035 geplant
- Anfangsbefähigung soll bis 2032 aufgebaut sein
- Soll-Ist-Stand bleibt aus Geheimschutzgründen unveröffentlicht
Hintergrund
Die Bundeswehr hat seit 2022 ein umfassendes Ausrüstungsprogramm für die aktive Truppe angekündigt, das den Kampfbekleidungssatz Streitkräfte (KBS SK), die Modulare Ballistische Schutz- und Trageausstattung Soldat (MOBAST), Gefechtshelme und modulare Rucksacksysteme umfasst. Für die Reserve wurde das Ziel einer Vollausstattung bis 2035 formuliert. Das Beschaffungsprogramm FASER soll nach Angaben der Fragesteller mit rund 2,1 Milliarden Euro die persönliche Ausrüstung aller Reservisten bis Ende 2028 ermöglichen. Die im April 2026 veröffentlichte Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung differenziert zwischen einer Vollausstattung für nicht aktive Truppenteile und einer Mindestausstattung für Feldersatzpersonal.
- 260.000 aktive Soldaten — sollen laut Planung bis 2035 vollständig mit persönlicher Ausrüstung versorgt werden.
- 200.000 Reservisten — Zielpersonalumfang für die vollständige Ausstattung bis 2035.
- 80.000 zivile Bundeswehrangehörige — sollen Helm und Schutzweste erhalten.
- 2028 — Zieljahr für die Ausgabe persönlicher Ausrüstung an alle Reservisten im Rahmen von FASER.
- 2032 — Meilenstein für den Aufbau einer ersten Anfangsbefähigung der Reserve.
Im Detail
Eine Offenlegung der angefragten Informationen zum konkreten Personalumfang einzelner Gliederungselemente der Reserve sowie zu konkreter Art und Umfang der Ausstattung der Reservistinnen und Reservisten birgt die Gefahr, dass Einzelheiten über schutzwürdige Interessen unseres Staates sowie die künftige Arbeitsfähigkeit und Aufgabenerfüllung der Bundeswehr bekannt würden.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8764
Die materielle Ausstattung der Bundeswehr-Reserve bleibt ein politisch sensibles Thema: Bis 2035 sollen rund 200.000 Reservisten vollständig mit persönlicher Schutz- und Kampfausrüstung versorgt sein. Wie weit die Bundeswehr davon heute entfernt ist, bleibt geheim. Das Bundesministerium der Verteidigung hat am 21. Oktober 2026 auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/8248) geantwortet — und bei vier der zehn Fragen jede Auskunft verweigert.
Bundeswehr-Reserve: Vollausstattung nach Kategorien gestaffelt
Die Reserve der Bundeswehr gliedert sich laut Drucksache 21/8764 in drei Kategorien: die Verstärkungsreserve, die Personalreserve und die allgemeine Reserve. Eine eigene spezifische materielle Ausstattung ist primär für die Verstärkungsreserve vorgesehen. Die Personalreserve stützt sich auf das vorhandene Gerät der aktiven Truppe. Für das Feldersatzpersonal — also Reservisten, die im Kriegsfall Verluste auffüllen sollen — gilt ein reduzierter Standard: Vorgesehen sind lediglich persönliche Ausrüstung und eine Individualwaffe, keine Vollausstattung.
Das Beschaffungsprogramm FASER (Feldausstattung Soldat/Erweiterte Reserve) soll mit einem Volumen von rund 2,1 Milliarden Euro die Ausgabe persönlicher Ausrüstung an alle Reservisten bis Ende 2028 ermöglichen. Neben den 200.000 Reservisten sind Ausrüstungsgegenstände für 260.000 aktive Soldaten sowie Helm und Schutzweste für 80.000 zivile Bundeswehrangehörige eingeplant. Beim Vergleich mit zivilen Infrastrukturprojekten zeigt sich: Derartige Mehrjahresprogramme sind planungsseitig komplex und anfällig für Verzögerungen.
Was gilt aktuell beim Ausstattungsstand der Reserve?
Die Bundesregierung bestätigt, dass Artikel wie KBS SK (Kampfbekleidungssatz Streitkräfte), MOBAST (Modulare Ballistische Schutz- und Trageausstattung Soldat), Gefechtshelme und Rucksacksysteme für die Reserveanteile nach dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr 2023 vollumfänglich beschafft worden sind. Diese Artikel werden jedoch zentral bevorratet und erst mit der tatsächlichen Ausgabe an Reservisten personenbezogen nachgewiesen. Wie viele Reservisten zum aktuellen Stichtag über eine vollständig zugeordnete Ausrüstung verfügen, teilt die Bundesregierung nicht mit.
Geheimschutz verhindert parlamentarische Kontrolle
Vier der zehn Fragen — konkret zu Soll-Personalumfängen einzelner Reservekategorien (Frage 2), zum genauen Ausstattungsstand nach Systemen (Frage 6), zu Ersatz- und Instandhaltungsvorräten beim FASER-Programm (Frage 7) sowie zu Ausstattungsdefiziten bei Handwaffen, Fahrzeugen, Kommunikationsmitteln und Sanitätsmaterial (Frage 8) — beantwortet die Bundesregierung grundsätzlich nicht. Begründung: Eine Offenlegung würde eine detaillierte Lagedarstellung zur Einsatzbereitschaft und Kampfkraft der Bundeswehr ermöglichen und damit das Staatswohl gefährden. Selbst eine Einstufung als Verschlusssache und Hinterlegung in der Geheimschutzstelle des Bundestages lehnt das Verteidigungsministerium ab — ein in dieser Absolutheit ungewöhnlicher Schritt.
Die Defiziterfassung bei nicht aktiven Truppenteilen läuft derzeit im Rahmen der Operationalisierung des Fähigkeitsprofils der Bundeswehr 2026. Konkrete Soll-Ist-Vergleiche liegen noch nicht vor. Das Zieljahr 2035 für die vollständige Ausstattung der Reserve bleibt dennoch offiziell bestehen; bis 2032 ist zunächst der Aufbau einer ersten Anfangsbefähigung geplant. Fragen zu dauerhaften Kostenrisiken und staatlichen Finanzierungsverpflichtungen stellen sich auch in anderen Bereichen, etwa bei den Ewigkeitskosten des Steinkohlenbergbaus.
Politischer Kontext: Gesamtkonzeption militärische Verteidigung 2026
Die im April 2026 veröffentlichte Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung sieht eine grundsätzlich gleichwertige Vollausstattung für aktive und nicht aktive Truppenteile vor. Die Bundesregierung betont, dass jede beorderte Reservistin und jeder beorderte Reservist im Bedarfsfall mit moderner Bekleidung und persönlicher Ausrüstung versorgt wird — unabhängig von der Reservekategorie. Ob dieses Ziel angesichts des laufenden Aufwuchses auf 200.000 Reservisten bis 2035 ohne Engpässe erreichbar ist, bleibt offen. Das Parlament erhält dazu keine verifizierbaren Zahlen.
Betroffen sind rund 200.000 Reservisten der Bundeswehr sowie 260.000 aktive Soldaten. Darüber hinaus sollen 80.000 zivile Bundeswehrangehörige Schutzausrüstung erhalten. Für das Feldersatzpersonal gilt ein reduzierter Ausstattungsstandard, der lediglich persönliche Ausrüstung und eine Individualwaffe umfasst.
Die Bundesregierung verweigert bei vier der zehn Fragen (Fragen 2, 6, 7 und 8) die Auskunft vollständig, auch in eingestufter Form, und beruft sich auf das Staatswohl. Quantitative Angaben zum aktuellen Ausstattungsstand der Reserve nach Kategorien und Systemen werden damit nicht offengelegt.
Die Anfrage ist beantwortet. Das Beschaffungsprogramm FASER soll die Ausgabe persönlicher Ausrüstung an alle Reservisten bis Ende 2028 ermöglichen. Bis 2032 ist der Aufbau einer ersten Anfangsbefähigung vorgesehen; die vollständige Zielbefähigung soll bis 2035 erreicht werden. Die Defiziterfassung bei nicht aktiven Truppenteilen erfolgt laut Bundesregierung derzeit im Rahmen der Operationalisierung des Fähigkeitsprofils der Bundeswehr 2026.
- FASER
- Feldausstattung Soldat/Erweiterte Reserve — Beschaffungsprogramm zur persönlichen Ausrüstung aller Reservisten bis Ende 2028.
- MOBAST
- Modulare Ballistische Schutz- und Trageausstattung Soldat — moderne Schutzweste für Bundeswehrsoldaten.
- Verstärkungsreserve
- Kategorie der Bundeswehr-Reserve, die aktive Truppenteile im Mobilmachungsfall personell auffüllt und eine eigene materielle Ausstattung erhält.
Wann sollen alle Reservisten vollständig ausgerüstet sein?
Das Zieljahr für die materielle Vollausstattung der Reserve bleibt laut Bundesregierung das Jahr 2035. Bis 2032 soll zunächst eine erste Anfangsbefähigung aufgebaut werden.
Was ist das Programm FASER?
FASER (Feldausstattung Soldat/Erweiterte Reserve) ist ein Beschaffungsprogramm, das die Ausgabe persönlicher Ausrüstung an alle Reservisten bis Ende 2028 ermöglichen soll. Laut Vorbemerkung der Fragesteller umfasst das Programm rund 2,1 Milliarden Euro.
Wie gliedert sich die Reserve der Bundeswehr?
Die Reserve gliedert sich in die Verstärkungsreserve, die Personalreserve und die allgemeine Reserve. Eine spezifische eigene materielle Ausstattung ist primär für die Verstärkungsreserve vorgesehen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8764 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































