- Deutschland-App soll Verwaltungszugang per KI vereinfachen
- Pilottest in sechs Kommunen: Dortmund, Dresden, Hamburg u. a.
- SAP und Telekom entwickeln App — Kosten bislang nicht öffentlich
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8030 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, Verwaltungsleistungen für Bürgerinnen und Bürger digital zugänglicher zu machen. Als Teil dieser Digitalisierungsstrategie lässt das Bundesministerium für Digitales und Strukturwandel (BMDS) einen Prototyp der sogenannten Deutschland-App entwickeln. Die App soll mithilfe von KI, Crawler-Technologie und einem Assistenzsystem auf bestehende Behördendienste zugreifen und deren Nutzung vereinfachen. Geplant ist zudem eine Anbindung an die EUDI-Wallet, die die Bundesregierung für den 2. Januar 2027 angekündigt hat, sowie eine Verknüpfung mit der Sozialplattform des Bundes.
Im Detail
Ziel ist, dass die App mithilfe von künstlicher Intelligenz, einer Crawler-Technik und einem Assistenzsystem den Zugang zur Verwaltung erleichtert.
— Vorbemerkung, BT-Drs. 21/8030
Eine KI-gestützte App soll Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland künftig ermöglichen, Verwaltungsleistungen deutlich einfacher zu erledigen — vom Wohngeldantrag bis zur GmbH-Gründung. Die Bundesregierung hat dafür einen Prototyp in Auftrag gegeben, der derzeit von SAP und Telekom entwickelt wird. Wie weit das Projekt ist, was es kostet und wie die Vergabe lief, will die Fraktion Die Linke nun mit einer Kleinen Anfrage (BT-Drs. 21/8030, eingereicht am 4. September 2026, veröffentlicht am 16. September 2026) von der Bundesregierung wissen.
Was ist die Deutschland-App?
Die Deutschland-App setzt auf zwei zentrale technische Schichten: eine Plattform im Hintergrund und eine Benutzeroberfläche im Frontend. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz, Crawler-Technologie und einem digitalen Assistenzsystem soll die App auf bestehende Behördenportale zugreifen und Anträge für Nutzerinnen und Nutzer aufbereiten. Der Vorteil aus Sicht der Planer: Bürgerinnen und Bürger interagieren nur mit der App, nicht mit den einzelnen Behördenportalen. Geplante Funktionen umfassen laut Vorbemerkung der Drucksache die Wohnsitzanmeldung, Kindergeld-Überprüfung, Kinderzuschlag, Wohngeldantrag, GmbH-Gründung und Anträge auf Einmalleistungen.
Die Deutschland-App soll eng mit der EUDI-Wallet verknüpft werden, der europäischen digitalen Identitätslösung, deren Start die Bundesregierung für den 2. Januar 2027 angekündigt hat — allerdings zunächst mit begrenztem Funktionsumfang. Zusätzlich ist eine Anbindung an die Sozialplattform des Bundes geplant, die künftig als zentraler One-Stop-Shop für Sozialverwaltungsleistungen fungieren soll. Damit stehen mehrere parallele Digitalisierungsprojekte nebeneinander, deren Verhältnis zueinander die Fraktion Die Linke in ihrer Anfrage ausdrücklich hinterfragt.
Pilottest in sechs Kommunen
Der Prototyp der Deutschland-App soll zunächst in sechs ausgewählten Städten erprobt werden: Dortmund, Dresden, Erfurt, Hamburg, Nürnberg und Wiesbaden. Zugang zum Prototyp erhält dabei laut Presseberichten, auf die die Drucksache verweist, nur ein begrenzter Kreis von Personen. Welche Auswahlkriterien das Bundesministerium für Digitales und Strukturwandel (BMDS) bei der Bestimmung dieser sechs Kommunen angelegt hat und ob kommunale Entscheidungsgremien wie Stadtrat oder Bürgerschaft einbezogen wurden, ist eine der 18 Fragen, die Die Linke an die Bundesregierung richtet. Ebenso ungeklärt ist öffentlich, ob in allen sechs Kommunen derselbe Prototyp zum Einsatz kommt oder ob es Unterschiede gibt.
Vergabe und Kosten: Fragen ohne öffentliche Antwort
Ein zentrales Themenfeld der Anfrage betrifft die Vergabe des Entwicklungsauftrags. Die Fraktion fragt, ob die Beauftragung von SAP und Telekom durch eine öffentliche Ausschreibung erfolgt ist oder nicht. Falls nicht, will sie wissen, nach welchen Kriterien die Entscheidung gefallen ist und ob auch Gespräche mit anderen Anbietern — insbesondere solchen mit Erfahrung im Bereich digitaler öffentlicher Dienstleistungen — stattgefunden haben. Auch eine mögliche Vergabe über den GovTechCampus bzw. GovTech Deutschland wird thematisiert.
Zur finanziellen Dimension stellt Die Linke zwei konkrete Fragen: wie hoch die bisherigen Kosten für die Bundesregierung sind und welcher Anteil davon auf SAP, Telekom und weitere Firmen entfällt — sowie welche weiteren Kosten im laufenden Haushaltsjahr erwartet werden. Belastbare öffentliche Zahlen zu den Projektkosten liegen bislang nicht vor. Die Anfrage zielt darauf ab, diese Transparenzlücke zu schließen.
Deutschland-App: Technische Fragen zum Entwicklungsstand
Neben Vergabe und Kosten richtet sich ein Teil der 18 Fragen auf den konkreten technischen Stand des Projekts. Die Fraktion fragt, ob bereits eine pilotfähige Version des Prototyps existiert, welche Meilensteine für den Pilotbetrieb vereinbart sind und wann der Pilotbetrieb in den einzelnen Kommunen startet. Offen ist auch, welche Authentifizierungsverfahren — etwa die eID — neben der geplanten EUDI-Wallet akzeptiert werden. Die Linke hebt dabei hervor, dass die EUDI-Wallet als zentrale Komponente der App zum Zeitpunkt des Pilotbetriebs noch gar nicht vollständig verfügbar sein wird, und fragt nach der Aussagekraft eines Pilottests unter diesen Bedingungen. Schließlich stellt die Fraktion die Frage, ob neben der App auch ein Webinterface geplant ist — eine für viele Nutzerinnen und Nutzer ohne Smartphone relevante Frage.
Für Hintergründe zu digitalen Verwaltungsthemen und KI-bezogenen Fragestellungen im Bundestag empfehlen sich auch die Beiträge zu Zukunftstechnologien im Bundestag sowie zu Verwaltung und Klimaschutz.
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Betroffen sind zunächst Bürgerinnen und Bürger in den sechs Pilotkommunen Dortmund, Dresden, Erfurt, Hamburg, Nürnberg und Wiesbaden. Dort soll ein begrenzter Nutzerkreis Zugang zum Prototyp erhalten. Mittelfristig richtet sich das Projekt an alle, die Verwaltungsleistungen wie Wohnsitzanmeldung, Kindergeld, Kinderzuschlag, Wohngeld oder GmbH-Gründung digital abwickeln wollen.
Die Kleine Anfrage ist beim Bundestag eingegangen und wurde am 16. September 2026 als Drucksache 21/8030 veröffentlicht. Die Bundesregierung beantwortet Kleine Anfragen grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt. Sobald die Antwort vorliegt, wird sie als eigene Drucksache veröffentlicht.
- EUDI-Wallet
- Digitale europäische Brieftasche (European Digital Identity Wallet), mit der Bürgerinnen und Bürger EU-weit Ausweisdokumente und Nachweise sicher digital speichern und verwenden können sollen.
- Crawler-Technik
- Automatisiertes Verfahren, bei dem Software Webseiten oder Datenbanken systematisch durchsucht und Informationen indexiert oder abruft.
- One-Stop-Shop
- Ein zentrales digitales Portal, über das Bürgerinnen und Bürger verschiedene Verwaltungsleistungen gebündelt an einer Stelle beantragen können.
Was ist die Deutschland-App?
Eine geplante KI-gestützte App, mit der Bürgerinnen und Bürger Verwaltungsleistungen wie Wohngeldanträge oder Kindergeld-Überprüfungen digital erledigen können sollen.
Wer entwickelt die Deutschland-App?
Laut Presseberichten, auf die die Drucksache verweist, hat die Bundesregierung SAP und Telekom mit der Entwicklung beauftragt.
In welchen Städten wird die App zuerst getestet?
Der Prototyp soll in sechs Pilotkommunen erprobt werden: Dortmund, Dresden, Erfurt, Hamburg, Nürnberg und Wiesbaden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8030 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































