- Klimawandel bedroht Ernährungssicherheit in Deutschland mittelfristig
- Tierhaltung erhält 13 Mrd. Euro jährliche Subventionen aus Steuergeldern
- Bis 2040 könnten 8 Mio. Tonnen CO2 durch mehr Pflanzenkost eingespart werden
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6557 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6557 wurde am 18. Juni 2026 von der Fraktion Die Linke eingebracht. Sie steht im Kontext gestiegener Energie- und Düngemittelpreise infolge des Irankriegs sowie zunehmender Extremwetterereignisse weltweit. Das Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung benennt zwar Emissionseinsparpotenziale durch pflanzliche Ernährung, enthält laut Drucksache aber keine konkreten Maßnahmen. Gleichzeitig warnen Agrarverbände vor Preisschocks im Einzelhandel.
- 13 Mrd. Euro — Jährliche öffentliche Subventionen für die Tierwirtschaft in Deutschland (laut Quellenangabe der Fragesteller).
- 8 Mio. Tonnen CO2/Jahr — Einsparpotenzial durch Förderung pflanzlicher Proteine bis 2040 (Klimaschutzprogramm 2026).
- 1/3 der Anbaugebiete — Könnten bei ungebremstem Klimawandel laut zitierten Studien langfristig verloren gehen.
- 1. Juli 2026 — Datum der geplanten Ablösung des Bürgergeldes durch die neue Grundsicherung für Arbeitsuchende.
Im Detail
Schon jetzt wird diese schließlich mit 13 Mrd. Euro öffentlicher Gelder im Jahr bezuschusst.
— Vorbemerkung, BT-Drs. 21/6557
Die Ernährungssicherheit in Deutschland steht unter wachsendem Druck: Extremwetterereignisse, steigende Energie- und Düngemittelpreise sowie der fortschreitende Klimawandel gefährden die Lebensmittelversorgung – besonders für ärmere Bevölkerungsgruppen. Die Fraktion Die Linke hat am 18. Juni 2026 mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/6557 zwölf konkrete Fragen an die Bundesregierung gestellt und fragt nach einer Gesamtstrategie für Ernährungssicherheit und pflanzenbasierte Ernährungsweisen.
Ausgangspunkt der Anfrage ist die Einschätzung, dass das Menschenrecht auf angemessene Ernährung in Deutschland derzeit nicht vollständig verwirklicht ist: Transferleistungen für Jugendliche im Rahmen des Bürgergeldes – das zum 1. Juli 2026 durch die neue „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ abgelöst wird – reichen laut einem von den Fragestellern zitierten Rechtsgutachten nicht aus, um eine gesunde Ernährung zu finanzieren. Aktuell verschärfend wirken laut Drucksache höhere Preise für fossile Energie und Düngemittel infolge des Irankriegs, die Agrarverbände bereits mit Warnungen vor Preisschocks im Supermarkt kommentieren.
Ernährungssicherheit und Klimawandel: Was droht?
Die Anfrage verweist auf wissenschaftliche Studien, denen zufolge bei ungebremstem Klimawandel ein Drittel der heutigen Anbaugebiete weltweit verloren gehen könnte. Gleichzeitig nimmt die Häufigkeit gleichzeitiger Ernteausfälle in mehreren wichtigen Produktionsregionen der Welt zu. Für Deutschland besonders relevant: Obst und Gemüse werden häufig aus Regionen wie Südspanien importiert, die selbst besonders vom Klimawandel betroffen sind.
Die Tierhaltung steht dabei im Fokus der Anfrage – sie ist aus Sicht der Fragesteller doppelt belastet: Einerseits gefährden steigende Futtermittelpreise die Wirtschaftlichkeit, andererseits leiden Nutztiere direkt unter Hitzestress, Extremwetter und neuen Tierkrankheiten. Anpassungsmaßnahmen wie Kühlanlagen verursachen wiederum steigende Betriebskosten. Die Tierindustrie erhält nach Angaben der Fragesteller jährlich rund 13 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln – eine Summe, deren Berechtigung angesichts wachsender Klimarisiken die Anfrage hinterfragt.
Pflanzliche Ernährung als Hebel für Krisenresilienz
Ein zentrales Argument der Anfrage: Eine Umstellung auf stärker pflanzenbasierte Ernährungs- und Produktionsweisen könnte die Ernährungssicherheit erhöhen. Auf derselben Fläche ließen sich mehr Menschen versorgen, der Import von Dünger und Eiweißfuttermitteln würde sinken, der reale Selbstversorgungsgrad steigen. Das Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung erkennt dieses Potenzial an: Durch die Förderung pflanzlicher Proteine und die Stärkung des heimischen Anbaus von Eiweißpflanzen sollen bis 2040 jährlich über 8 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden. Die Fragesteller kritisieren jedoch, dass das Klimaschutzprogramm keine konkreten Maßnahmen benennt.
12 Fragen an die Bundesregierung
Die Linke stellt insgesamt zwölf Fragen, die von der akuten sozialen Dimension bis zur langfristigen Klimastrategie reichen. Gefragt wird unter anderem, wie die Bundesregierung dem Menschenrecht auf angemessene Ernährung für Transferleistungsempfänger begegnet, welche Maßnahmen bei akuten Krisen geplant sind und wie die Subventionierung von Tierhaltungsbetrieben – auch bei klimabedingten Schäden wie im Dürrejahr 2018 – künftig gestaltet werden soll. Darüber hinaus erkundigt sich die Anfrage nach dem EU-Engagement der Bundesregierung für mehr pflanzliche Produktion sowie nach messbaren Zielen bei der Reduktion der Tierhaltung.
Die Fragen richten sich auch an die Schnittstelle von Sozialpolitik und Klimapolitik: Menschen mit geringem Einkommen sind besonders vulnerabel gegenüber steigenden Lebensmittelpreisen – ein Zusammenhang, der auch in der aktuellen Debatte um die geplante Wohngeldkürzung sichtbar wird, die laut Kritikern Geringverdiener und Rentner zusätzlich belasten würde. Klimapolitik und soziale Absicherung greifen beim Thema Ernährungssicherheit also direkt ineinander.
Die Bundesregierung hat nun bis zum 9. Juli 2026 Zeit, die Fragen schriftlich zu beantworten. Wie die aktuelle Wochenübersicht im Bundestag zeigt, steht das Thema Klimaanpassung und Landwirtschaft auf der parlamentarischen Agenda – mehr dazu in der Übersicht KW26/2026.
Weiterlesen:
- Wohngeldkürzung trifft Geringverdiener und Rentner
- Kommunaler Finanzreport: Rekorddefizit der Kommunen
- Diese Woche im Bundestag – KW26/2026
Besonders betroffen sind einkommensschwache Haushalte und Bürgergeld-Empfänger, bei denen Transferleistungen für Ernährung laut Anfrage nicht ausreichen. Daneben sind landwirtschaftliche Betriebe – insbesondere Tierhaltungsbetriebe – durch steigende Futtermittelpreise und Klimarisiken gefährdet. Mittelbar betrifft das Thema alle Verbraucher über steigende Lebensmittelpreise.
AfD: Die AfD-Fraktion kritisiert die geplante Wohngeldkürzung der Bundesregierung, die ebenfalls einkommensschwache Haushalte trifft. Laut AfD fallen durch die Reform ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte aus der Förderung heraus. Pressemitteilung lesen →
Die Kleine Anfrage wurde am 18. Juni 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die Anfrage schriftlich zu beantworten – die Antwortfrist läuft bis zum 9. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Selbstversorgungsgrad
- Gibt an, wie viel Prozent des inländischen Nahrungsmittelbedarfs durch heimische Produktion gedeckt werden. Importierte Vorleistungen wie Dünger oder Futtermittel sind dabei nicht berücksichtigt.
- Eiweißpflanzen
- Pflanzen wie Erbsen, Bohnen oder Lupinen, die als proteinhaltiger Ersatz für tierische Futtermittel oder direkt als Lebensmittel genutzt werden können.
- Bürgergeld
- Die bisherige staatliche Grundsicherung für Arbeitsuchende in Deutschland, die laut Drucksache zum 1. Juli 2026 durch eine neue 'Grundsicherung für Arbeitsuchende' abgelöst wird.
Was ist das Menschenrecht auf angemessene Ernährung?
Es ist ein international anerkanntes Grundrecht, das jedem Menschen Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung garantiert. Die Anfrage stellt in Frage, ob Deutschland dieses Recht für Bürgergeld-Empfänger derzeit vollständig erfüllt.
Warum ist Tierhaltung besonders klimaanfällig?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller erfordert Tierhaltung deutlich mehr Fläche, Ressourcen und Energie als pflanzliche Produktion. Außerdem leiden Nutztiere unter Hitzestress, Extremwetter und neuen Krankheiten – was die Wirtschaftlichkeit gefährdet.
Was sieht das Klimaschutzprogramm 2026 zur Ernährung vor?
Laut Drucksache verweist das Klimaschutzprogramm 2026 auf Einsparpotenziale durch pflanzliche Ernährung, nennt aber keine konkreten Maßnahmen – dies kritisiert die Anfrage implizit.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6557 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































