- Selbstversorgungsgrad bei durchschnittlich 85 Prozent über zehn Jahre
- Notfallreserven reichen für 30 Tage und 1.000 Kalorien pro Person täglich
- Bis 2040 sollen pflanzliche Proteine über 8 Mio. Tonnen CO₂ jährlich einsparen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7191 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Fraktion Die Linke richtete die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/6557) vor dem Hintergrund gestiegener Energie- und Düngemittelpreise sowie zunehmender Extremwetterereignisse an die Bundesregierung. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) beantwortete die 12 Fragen mit Schreiben vom 16. Juli 2026. Hintergrund ist auch das Klimaschutzprogramm 2026, das Einsparpotenziale durch pflanzliche Ernährung benennt, ohne konkrete Maßnahmen festzulegen. Deutschland ist zudem verpflichtet, die EU-Richtlinie 2025/2360 zur Bodenüberwachung und Bodenresilienz vom 12. November 2025 umzusetzen.
- 85 % — durchschnittlicher Selbstversorgungsgrad Deutschlands mit Lebensmitteln über zehn Jahre
- 145 % — Selbstversorgungsgrad bei Kartoffeln; bei Getreide liegt er bei 100 %
- 20–40 % — Anteil des Obst- und Gemüsebedarfs, der aus heimischem Anbau gedeckt werden kann
- 30 Tage — Reichweite der staatlichen Notfallreserven (Erbsen, Linsen, Reis, Brotgetreide) bei 1.000 kcal/Tag für 83,5 Mio. Menschen
- über 8 Mio. Tonnen CO₂/Jahr — angestrebtes Einsparpotenzial durch mehr pflanzliche Proteine bis 2040 laut Klimaschutzprogramm 2026
Im Detail
Aus Sicht der Bundesregierung besteht für die Ernährungssicherheit in Deutschland aktuell kein Risiko.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7191, Frage 3
Die Ernährungssicherheit in Deutschland steht unter zunehmendem Druck: steigende Energie- und Düngemittelpreise, Extremwetterereignisse und geopolitische Krisen belasten die landwirtschaftliche Produktion. Die Bundesregierung beantwortet in BT-Drs. 21/7191 vom 16. Juli 2026 zwölf Fragen der Fraktion Die Linke zu Klimarisiken, staatlichen Notfallreserven, Tierhaltungssubventionen und der Förderung pflanzenbasierter Ernährung.
Ernährungssicherheit: Wie bewertet die Regierung die Lage?
Die Bundesregierung stuft die aktuelle Ernährungssicherheit in Deutschland als nicht gefährdet ein. Nach Angaben der Drucksache liegt der Selbstversorgungsgrad im Zehnjahresschnitt bei rund 85 Prozent. Bei Grundnahrungsmitteln ist die Lage besonders komfortabel: Getreide deckt Deutschland zu 100 Prozent selbst ab, Kartoffeln sogar zu 145 Prozent. Kritischer ist die Versorgung bei Obst und Gemüse: Nur 20 bis 40 Prozent des Bedarfs stammen aus heimischem Anbau. Trotz stark gestiegener Energie- und Düngemittelpreise in den zurückliegenden Monaten sei die laufende Anbausaison gesichert gewesen.
Notfallreserven für 30 Tage
Für den Krisenfall unterhält der Bund seit den 1960er-Jahren staatliche Notfallreserven. Eingelagert sind Erbsen, Linsen, Reis und Brotgetreide — mit Ausnahme einer kleinen Menge Kondensmilch durchweg pflanzenbasierte Produkte. Die Vorräte reichen laut Drucksache aus, um alle 83,5 Millionen Menschen in Deutschland 30 Tage lang mit je 1.000 Kilokalorien täglich zu versorgen. Zusätzlich empfiehlt die Bundesregierung jedem Haushalt, einen privaten Lebensmittel- und Trinkwasservorrat für zehn Tage anzulegen. Darüber hinaus plant das BMLEH den Aufbau eines dezentralen Vorrats sofort verzehrfertiger Konserven als Soforthilfe — die Finanzierung ist nach Angaben der Drucksache noch nicht abschließend geklärt.
Was gilt aktuell beim Bodenschutz?
Die zentralen Rechtsgrundlagen für den Bodenschutz bilden das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) und die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Gesunde Böden gelten als wichtigste Grundlage der Ernährungssicherheit. Die EU-Richtlinie 2025/2360 zur Bodenüberwachung und Bodenresilienz vom 12. November 2025 verpflichtet Deutschland zur Stärkung des Bodenmonitorings. Die Bundesregierung kündigt im Rahmen dieser Umsetzung eine vertiefte Überprüfung des BBodSchG an, die Erosion, Verdichtung, Versiegelung und den Eintrag persistenter Schadstoffe stärker berücksichtigen soll.
Pflanzenbasierte Ernährung: Potenziale und Grenzen der Regierungsstrategie
Im Klimaschutzprogramm 2026 benennt die Bundesregierung ein Einsparpotenzial von über 8 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen jährlich bis 2040, das durch den Ausbau pflanzlicher Proteine erreichbar wäre. Als konkretes Ziel hat sich die Regierung in der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) 2024 vorgenommen, auf 10 Prozent der deutschen Ackerfläche Leguminosen anzubauen. Zur Umsetzung dienen die Eiweißpflanzenstrategie, das Demonstrationsnetzwerk LeguNet sowie die Dialogforen FONEI und Hupro. Auf EU-Ebene unterstützt die Bundesregierung einen ambitionierten EU-Protein-Plan und setzt sich für gleichwertige Beihilfeintensitäten bei Investitionen in die Verarbeitung pflanzlicher und tierischer Produkte ein. Die Forderung der Fragesteller nach einer aktiven Reduktionspolitik für die Tierhaltung lehnt die Regierung jedoch ab: Sie bekennt sich zu einer „zukunftsfähigen landwirtschaftlichen Tierhaltung“ und plant lediglich den Abbau bürokratischer Hürden beim Stallbau.
Für die Forschungsförderung sind zwei Food Systems Research Hubs geplant, die die Wertschöpfungskette von der Pflanzenzüchtung bis zur Ernährung systemisch untersuchen sollen. Die Finanzierung ist im Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität verankert. Weitere Förderprogramme des BMFTR zielen auf die Züchtung klimaresistenter Kulturpflanzen (Programm MZF) und den Schutz vor Schadinsekten (PhytoProtect) ab — Maßnahmen, die für eine stabile pflanzliche Nahrungsmittelproduktion unter Klimawandelbedingungen zentral sind. Ähnliche Themen behandelt der Beitrag zur StGB-Reform aus einem anderen Politikfeld; zur Frage staatlicher Unterstützungsleistungen für einkommensschwache Haushalte, die von steigenden Lebensmittelpreisen besonders betroffen sind, sei auch auf die Debatte um Sozialleistungen und Schutzrechte verwiesen.
Weiterlesen:
Betroffen sind alle in Deutschland lebenden Menschen als Verbraucherinnen und Verbraucher sowie landwirtschaftliche Betriebe, die mit steigenden Betriebskosten konfrontiert sind. Besonders relevant ist das Thema für einkommensschwache Haushalte, die einen höheren Anteil ihres Budgets für Lebensmittel aufwenden, sowie für die rund 83,5 Millionen Menschen, für die die staatlichen Notfallreserven konzipiert sind.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich, weicht aber bei Frage 12 (Maßnahmen zur Reduktion der Tierhaltung) aus, indem sie keine messbaren Ziele nennt und lediglich auf Planungssicherheit und Bürokratieabbau verweist. Bei Frage 8 wird auf eine frühere Antwort verwiesen, statt konkret auf die Frage einzugehen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Ernährungssicherheit: Klimawandel bedroht Lebensmittelversorgung →
- Selbstversorgungsgrad
- Anteil der im Inland erzeugten Lebensmittel am gesamten inländischen Verbrauch, ausgedrückt in Prozent. Ein Wert über 100 % bedeutet, dass mehr produziert als verbraucht wird.
- ESVG
- Das Ernährungssicherstellungs- und -vorsorgegesetz gibt der Bundesregierung im Falle einer Versorgungskrise hoheitliche Eingriffsrechte, etwa zur Rationierung oder Lenkung von Lebensmitteln.
- Eiweißpflanzenstrategie
- Bundesstrategie des BMLEH zur Stärkung des heimischen Anbaus von Hülsenfrüchten und alternativen Proteinquellen, um Importabhängigkeiten bei Futtermitteln zu verringern.
Wie hoch ist Deutschlands Selbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln?
Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt er bei rund 85 Prozent. Bei Getreide beträgt er 100, bei Kartoffeln sogar 145 Prozent. Bei Obst und Gemüse können nur 20 bis 40 Prozent des Bedarfs aus heimischem Anbau gedeckt werden.
Wie lange reichen Deutschlands staatliche Notfallreserven?
Die eingelagerten Vorräte aus Erbsen, Linsen, Reis und Brotgetreide können alle 83,5 Millionen Menschen in Deutschland 30 Tage lang mit 1.000 Kalorien täglich versorgen.
Plant die Bundesregierung eine Ernährungswende hin zu mehr Pflanzenkost?
Die Regierung fördert den Anbau von Hülsenfrüchten und will bis 2040 durch pflanzliche Proteine jährlich über 8 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen einsparen. Eine aktive Reduktion der Tierhaltung ist jedoch nicht geplant.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7191 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































