- 3,33 Milliarden Kubikmeter Grundwasser wurden 2022 in Deutschland gefördert
- 62 von 1.291 Grundwasserkörpern verfehlen den guten mengenmäßigen Zustand
- Bis zu 97.000 Messstellen im Rohbestand — nur 7.715 für offizielle WRRL-Überwachung genutzt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7646 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Grundwasser ist in Deutschland mit 62,5 Prozent Anteil an der öffentlichen Wassergewinnung die wichtigste Trinkwasserquelle. Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU verpflichtet die Mitgliedstaaten zur Überwachung und Bewertung der Grundwasserkörper. Laut Umweltbundesamt werden dafür 7.715 Messstellen für den mengenmäßigen und 7.869 für den chemischen Zustand herangezogen. Demgegenüber verzeichnet der öffentliche Datenkatalog umwelt.info einen deutlich größeren Rohbestand von bis zu 97.000 Messstellen. Diese Diskrepanz sowie frühere Erkenntnislücken der Bundesregierung in den Jahren 2017 bis 2019 sind der Ausgangspunkt der vorliegenden Anfrage.
- 3,33 Milliarden m³ — Menge des 2022 in Deutschland geförderten Grundwassers, entspricht 62,5 % der öffentlichen Wassergewinnung.
- 62 von 1.291 Grundwasserkörpern — verfehlen den guten mengenmäßigen Zustand (4,8 %), laut Umweltbundesamt.
- 7.715 / 7.869 Messstellen — für mengenmäßige bzw. chemische WRRL-Überwachung genutzt, gegenüber bis zu 97.000 im Gesamtbestand.
- 118 Referenzmessstellen — bilden die Datengrundlage für langfristige GRUVO-Projektionen zur Grundwasserentwicklung.
- 17,9 Mrd. m³ — Gesamtentnahme aus Gewässern 2022, entspricht 10,1 % des langjährigen potenziellen Wasserdargebots.
Im Detail
Für eine sachgerechte Bewertung der Entwicklung von Grundwasserständen kommt es daher nach Auffassung der Fragesteller nicht auf pauschale Durchschnittswerte oder politische Alarmbegriffe an, sondern auf Messstellenabdeckung, Messnetzzweck, Zeitreihenlänge, Messfrequenz, Datenqualität, Metadaten, hydrogeologische Einordnung und die Trennung zwischen Messwerten, interpolierten Werten, Modellwerten und Prognosen.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7646
Deutschlands Trinkwasserversorgung hängt zu 62,5 Prozent vom Grundwasser ab. Im Jahr 2022 wurden rund 3,33 Milliarden Kubikmeter Grundwasser gefördert. Trotz dieser zentralen Bedeutung bestehen nach Ansicht der AfD-Fraktion erhebliche Datenlücken bei der bundesweiten Grundwasserüberwachung — ein Befund, der sich auf teils widersprüchliche amtliche Zahlen stützt und nun Gegenstand der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7646 vom 19. August 2026 ist.
Grundwasser-Messstellennetz: Große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Das Umweltbundesamt zieht für die Überwachung im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) 7.715 Messstellen für den mengenmäßigen und 7.869 Messstellen für den chemischen Zustand heran. Gleichzeitig verzeichnet der öffentliche Datenkatalog umwelt.info einen weit größeren Rohbestand: Genannt werden bis zu 97.000 Messstellen insgesamt, 38.436 aktive Stellen mit online verfügbaren Daten im Jahr 2007 sowie 29.380 Einträge für 2023. Die Anfrage will von der Bundesregierung wissen, wie diese erhebliche Diskrepanz zu erklären ist und nach welchen fachlichen Kriterien Messstellen für bundesweite Auswertungen aus- oder abgewählt werden.
Was gilt aktuell beim Grundwasserzustand?
Nach aktuellem Stand des Umweltbundesamtes befinden sich 62 der insgesamt 1.291 Grundwasserkörper im Bundesgebiet mengenmäßig in einem schlechten Zustand — das entspricht 4,8 Prozent. Als Ursachen gelten unter anderem Salzwasserintrusionen und bergbaubedingte Grundwasserabsenkungen. Den überwiegenden Teil stufen die Behörden mengenmäßig als gut ein. Beim chemischen Zustand — etwa Nitrat, PFAS und Arzneimittelrückstände — ist das Bild differenzierter und regional sehr unterschiedlich.
Für Prognosen zur künftigen Grundwasserentwicklung nutzt Deutschland das System GRUVO der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Es stützt sich auf rund 120 bundesweite Referenzmessstellen sowie über 4.200 Clustermessstellen. Die Anfrage bezweifelt aus Sicht der Fragesteller die Aussagekraft dieser Projektionen, soweit sie auf dem früheren Klimaszenario RCP8.5 (SSP5-8.5) beruhen, das nach Einschätzung der Fragesteller nicht mehr als plausibler Zukunftspfad gilt — und bisher lediglich 118 Referenzmessstellen als Datengrundlage nutzt.
Mängel an Messstellen und deren Folgen
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft die Qualität der vorhandenen Messstellen. Die Fragesteller verweisen auf Berichte, wonach 2020 gravierende Mängel an Grundwassermessstellen festgestellt wurden. Besondere politische Brisanz erhält dieser Punkt dadurch, dass anhand mangelhafter Messstellen sogenannte Rote Gebiete ausgewiesen wurden — Regionen mit erhöhter Nitratbelastung, die für Landwirte mit erheblichen Bewirtschaftungsauflagen und finanziellen Einbußen verbunden sind. Die Anfrage fragt, welche Maßnahmen die Bundesregierung bisher zur Behebung solcher Mängel ergriffen hat.
Nutzungskonkurrenzen und neue Wasserbedarfe
Neben der technischen Datenfrage greift die Anfrage auch politisch sensible Nutzungskonflikte auf: Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie, Energieversorgung und Naturschutz konkurrieren regional um Grundwasser. Die Fragesteller erkundigen sich, welche Priorisierungsregeln bei Knappheit gelten und ob Landesregierungen Bestrebungen verfolgen, die Wasserentnahmerechte der Landwirtschaft einzuschränken. Darüber hinaus thematisiert die Anfrage den wachsenden Wasserbedarf durch neue energie- und wasserintensive Industrien wie Rechenzentren, Wasserstoffwirtschaft und Halbleiterfertigung.
Ein eigener Fragenkomplex gilt möglichen Auswirkungen von Windenergieanlagen und Freiflächen-Photovoltaik auf den lokalen Wasserhaushalt — etwa durch Bodenversiegelung, Waldrodungen oder PFAS-Einträge aus Betriebsstoffen. Die Anfrage erkundigt sich auch nach PFAS-belasteten Talsperren im Bundesgebiet und nach Mindestabständen für Windenergieanlagen in Wasserschutzgebieten.
Frühere Erkenntnislücken sollen geschlossen werden
Die AfD-Fraktion verweist auf frühere Antworten der Bundesregierung aus den Jahren 2017 bis 2019, in denen zu lokalen Grundwasserständen, regionalen Entnahmebeschränkungen und temporären Engpässen teilweise keine eigenen oder aktuellen Erkenntnisse vorlagen. Die Anfrage will wissen, welche dieser Lücken inzwischen geschlossen wurden und welche weiterhin bestehen — und aus welchen fachlichen, rechtlichen oder föderalen Gründen. Dass Grundwasserdaten Ländersache sind und geologische Einheiten nicht an Verwaltungsgrenzen gebunden sind, hatte die Bundesregierung bereits auf eine frühere Anfrage hin eingeräumt (BT-Drs. 21/1727). Auch der Zustand der Wasserinfrastruktur in Hitze- und Trockenperioden spielt in diesem Kontext eine wachsende Rolle.
Die Drucksache umfasst insgesamt 18 Hauptfragen mit zahlreichen Unterfragen — von der Messstellenabdeckung über Datenqualität und Zeitreihenlängen bis hin zu Bevölkerungsentwicklung, Wasserwiederverwendung und der Rolle der Nationalen Wasserstrategie. Die Bundesregierung hat die Fragen nun zu beantworten.
Weiterlesen:
Betroffen sind zunächst alle Bürgerinnen und Bürger als Nutzer der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Darüber hinaus sind Landwirte direkt betroffen, etwa durch Entnahmebeschränkungen und die Ausweisung sogenannter Roter Gebiete aufgrund von Nitratbelastungen. Kommunen, Wasserversorger und wasserintensive Industrien — darunter Rechenzentren, Halbleiterfertigung und Wasserstoffwirtschaft — sind ebenfalls von der Qualität der Grundwasserdaten abhängig.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7646) ist am 19. August 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage zur Beantwortung erhalten; die schriftliche Antwort steht noch aus. Grundsätzlich sieht § 104 GO-BT eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vor.
- Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)
- EU-Richtlinie aus dem Jahr 2000, die Mitgliedstaaten verpflichtet, den guten Zustand aller Gewässer — einschließlich Grundwasser — zu erreichen und zu erhalten.
- Grundwasserkörper
- Keine geologische, sondern eine rechtliche Einheit der WRRL: ein abgegrenztes Grundwasservolumen innerhalb eines oder mehrerer Grundwasserleiter, das als Bewertungs- und Berichtseinheit dient.
- PFAS
- Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen — eine Gruppe von synthetischen Chemikalien, die im Grundwasser persistieren und schwer abbaubar sind.
Wie viel Wasser wird in Deutschland aus dem Grundwasser gewonnen?
Im Jahr 2022 wurden rund 3,33 Milliarden Kubikmeter Grundwasser gefördert, was 62,5 Prozent der öffentlichen Wassergewinnung entspricht.
Wie viele Grundwasserkörper sind in schlechtem Zustand?
Laut Umweltbundesamt verfehlen aktuell 62 der 1.291 Grundwasserkörper den guten mengenmäßigen Zustand, das entspricht 4,8 Prozent.
Was ist das Prognosesystem GRUVO?
GRUVO ist ein Prognosesystem der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, das an rund 120 Referenzmessstellen und über 4.200 Clustermessstellen Vorhersagen zur Grundwasserentwicklung erstellt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7646 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



























































