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- Projektkosten stiegen von 97 auf rund 280 Mio. Euro
- Betonage-Mängel an der Gottleubatalbrücke stoppen Fertigstellung
- Verkehrsfreigabe 2026 ist nicht mehr möglich – neuer Termin offen
Hintergrund
Die B 172 Südumfahrung Pirna ist ein rund 3,8 Kilometer langes Neubauprojekt in der Sächsischen Schweiz, das die Pirnaer Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Die vorbereitenden Maßnahmen begannen 2017, ein erster westlicher Teilabschnitt wurde bereits im Dezember 2022 freigegeben. Das Projekt wird von der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) im Auftrag des Bundes umgesetzt. Im Juni 2026 wurden öffentlich Betonage-Mängel an der zentralen Gottleubatalbrücke bekannt; die DEGES bestätigte, dass Arbeiten nicht fachgerecht ausgeführt wurden und ein Mängelbeseitigungskonzept eingefordert wurde.
- 97 Mio. Euro — ursprünglich genannter Kostenansatz laut Medienbericht (MDR)
- 280 Mio. Euro — aktuell angegebene Projektkosten (Stand März 2026)
- 3,8 Kilometer — Länge der Neubaustrecke der Südumfahrung Pirna
- 916 Meter — Länge der Gottleubatalbrücke, an der Betonage-Mängel festgestellt wurden
- 15. Dezember 2022 — Datum der Freigabe des westlichen Teilabschnitts der Ortsumgehung
Im Detail
Betonage-Arbeiten an der Gottleubatalbrücke nicht fachgerecht durchgeführt worden seien. Von der beauftragten Arbeitsgemeinschaft sei ein Konzept zur Mängelbeseitigung eingefordert worden.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8288, mit Verweis auf DEGES-Projektseite
Die B 172 Südumfahrung Pirna steht für ein typisches Problem großer Bundesinfrastrukturprojekte: Kosten, die sich auf fast das Dreifache des ursprünglichen Ansatzes erhöhen, und Fertigstellungstermine, die sich Jahr für Jahr verschieben. Nun kommen Baumängel an der zentralen Gottleubatalbrücke hinzu – und ein neues Fertigstellungsdatum ist offen.
Kostensteigerung bei der B 172 Südumfahrung Pirna
Laut der Vorbemerkung der Anfragenden wurde für die Südumfahrung Pirna ursprünglich ein Kostenansatz von rund 97 Mio. Euro genannt. Im März 2026 gab die DEGES die aktuellen Projektkosten mit rund 280 Mio. Euro an – ein Anstieg auf fast das Dreifache des Ausgangswertes. Ob dieser Anstieg auf Baupreissteigerungen, Planungsänderungen, Nachträge, technische Schwierigkeiten oder die Behebung von Baumängeln zurückzuführen ist, ist bislang nicht öffentlich aufgeschlüsselt. Die Anfrage (BT-Drs. 21/8288) fordert von der Bundesregierung genau diese Aufschlüsselung.
Das Projekt umfasst eine rund 3,8 Kilometer lange Neubaustrecke, zu deren markantesten Bauwerken der 315 Meter lange Kohlbergtunnel und die 916 Meter lange Gottleubatalbrücke gehören. Die vorbereitenden Maßnahmen begannen 2017, der Spatenstich erfolgte am 3. August 2017. Ein westlicher Teilabschnitt wurde bereits am 15. Dezember 2022 für den Verkehr freigegeben. Das Projekt wird von der DEGES im Auftrag des Bundes realisiert.
Baumängel an der Gottleubatalbrücke
Im Juni 2026 wurden Baumängel an der Gottleubatalbrücke öffentlich bekannt. Die DEGES bestätigte auf ihrer Projektseite, dass Betonage-Arbeiten nicht fachgerecht ausgeführt worden seien. Von der beauftragten Arbeitsgemeinschaft wurde ein Mängelbeseitigungskonzept eingefordert. Erst nach Vorlage und Prüfung dieses Konzepts, so die DEGES, seien weitere Aussagen zum Bauablauf und zur Terminschiene möglich. Am 24. Juli 2026 berichtete die Sächsische Zeitung, eine Freigabe im Jahr 2026 sei nicht mehr zu erwarten.
Die Anfrage stellt insgesamt 18 Fragen zu Ursachen, Verantwortlichkeiten und Kosten. Gefragt wird unter anderem, welche konkreten Bauteile betroffen sind, ob Planungs-, Ausführungs- oder Materialfehler vorliegen, ob statische Nachrechnungen veranlasst wurden und ob es bereits während der Bauphase Hinweise auf Mängel gab. Auch die Frage nach den Unternehmen, die für Planung, Bauausführung und Qualitätskontrolle verantwortlich waren, ist Teil des Fragenkatalogs.
Ungeklärte Kosten der Mängelbeseitigung
Besonderes Gewicht legen die Fragesteller auf die Frage, wer die Kosten der Mängelbeseitigung trägt. Gefragt wird, in welchem Umfang Gewährleistungs-, Schadensersatz- oder Vertragsstrafenansprüche gegenüber den verantwortlichen Auftragnehmern geprüft oder geltend gemacht werden. Zusätzlich erkundigt sich die Anfrage nach weiteren Kosten, die durch die verlängerte Bauzeit entstehen – etwa für Bauüberwachung, Projektsteuerung und Preisgleitungen. Ähnliche Fragen nach Kostenkontrolle bei Bundesinfrastrukturprojekten tauchen regelmäßig im Parlament auf, wie etwa bei der Ostbahn Berlin–Polen.
Fertigstellungstermin der B 172 Südumfahrung Pirna offen
Der zuletzt kommunizierte Termin – eine Verkehrsfreigabe im Oktober 2026 – ist laut Sächsischer Zeitung überholt. Im März 2026 hatte ein DEGES-Vertreter eine Freigabe Ende 2026 noch unter bestimmten Voraussetzungen als realistisch bezeichnet. Auf der aktuellen DEGES-Projektseite wird kein neuer verbindlicher Termin mehr genannt. Die Anfrage fragt ausdrücklich, von welchem Fertigstellungszeitpunkt die Bundesregierung nach aktuellem Kenntnisstand ausgeht und welche technischen, vertraglichen oder witterungsbedingten Risiken weitere Verzögerungen verursachen könnten.
Abschließend fordert die Anfrage von der Bundesregierung Schlussfolgerungen für künftige Bundesfernstraßenprojekte: Was bedeutet der Projektverlauf der Südumfahrung Pirna für Planung, Vergabe, Bauüberwachung und Risikomanagement vergleichbarer Vorhaben? Debatten über Kostenkontrolle und Erfolgsmessung bei öffentlichen Projekten sind aktuell auch in anderen Bereichen präsent – etwa bei der Games-Förderung mit 238 Mio. Euro oder beim Drohnenabwehr-Budget 2027.
Weiterlesen:
Direkt betroffen sind Pendler, Anwohner und der regionale Wirtschaftsverkehr in der Region Pirna und der Sächsischen Schweiz, die weiterhin auf die Entlastung der Innenstadt warten. Als Steuerzahler trägt die Allgemeinheit die gestiegenen Projektkosten, sofern Mehrkosten nicht vollständig durch Regressansprüche gedeckt werden.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8288) wurde am 30. September 2026 eingereicht und an die Bundesregierung zugeleitet. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Parallel dazu prüft die DEGES das von der beauftragten Arbeitsgemeinschaft einzureichende Mängelbeseitigungskonzept; erst danach sind Aussagen zu einem neuen Fertigstellungstermin für die Südumfahrung möglich.
- DEGES
- Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH – eine Gesellschaft, die im Auftrag des Bundes und der Länder Bundesfernstraßenprojekte plant und baut.
- Nachtrag (Baurecht)
- Vergütungsanspruch eines Auftragnehmers für Leistungen, die über den ursprünglichen Vertrag hinausgehen und zu Mehrkosten führen.
- Voute
- Konstruktiver Übergangsbereich zwischen Brückenpfeiler und Überbau, der besondere statische Anforderungen stellt.
Warum verzögert sich die Südumfahrung Pirna?
An der 916 Meter langen Gottleubatalbrücke wurden Betonage-Mängel festgestellt. Die DEGES hat ein Mängelbeseitigungskonzept eingefordert; erst nach dessen Prüfung sind Aussagen zum neuen Fertigstellungstermin möglich.
Wie stark sind die Kosten gestiegen?
Laut Medienberichten wurde ursprünglich ein Kostenansatz von rund 97 Mio. Euro genannt; aktuell werden die Projektkosten mit rund 280 Mio. Euro angegeben – ein Anstieg auf fast das Dreifache.
Wer trägt die Kosten der Mängelbeseitigung?
Die Anfrage fragt genau das: Wer die Kosten der Mängelbeseitigung zu tragen hat und ob Gewährleistungs- oder Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden, ist noch ungeklärt.


































































