- Rund 4.000 Autobahnbrücken müssen vorrangig modernisiert oder ersetzt werden
- Kommunale Brücken ohne zentrale Erfassung – fast jede zweite in schlechtem Zustand
- Engpass liegt laut Verbänden nicht bei Baukapazitäten, sondern bei Planung und Genehmigung
Zustand der Straßenbrücken in Deutschland: Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages (Fachbereich WD 5) hat im September 2026 eine umfangreiche Analyse zum Zustand der Straßenbrücken in Deutschland sowie zu den Planungs- und Baukapazitäten für deren Sanierung und Ersatzneubau vorgelegt. Die Ausarbeitung basiert auf öffentlich verfügbaren Daten, Anfragen bei Behörden und Verbänden sowie parlamentarischen Drucksachen.
Bundesfernstraßen: Statistik und Modernisierungsprogramm
Laut der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) gibt es in Deutschland 40.264 Brückenbauwerke an Bundesfernstraßen, davon rund 28.000 Teilbauwerke allein im Autobahnnetz. Die Brücken werden regelmäßig nach DIN 1076 geprüft und mit Zustandsnoten von 1,0 bis 4,0 bewertet. Rund 27 Prozent aller Teilbauwerke an Bundesfernstraßen weisen eine Zustandsnote von 2,5 oder schlechter auf, gelten also als nur ausreichend oder schlechter.
Das Bundesministerium für Verkehr hat ein Brückenmodernisierungsprogramm aufgelegt. Das sogenannte Brückenmodernisierungsnetz umfasst rund 7.000 Kilometer und etwa 10.700 Brücken-Teilbauwerke. Davon müssen rund 4.000 Bauwerke vorrangig modernisiert oder ersetzt werden. Im Jahr 2024 lagen die Ausgaben für Brückenmodernisierungen bei rund 1,37 Milliarden Euro; für die Folgejahre sind jährlich mindestens 5,5 Milliarden Euro für Erhaltungsmaßnahmen an Strecken und Bauwerken geplant.
Durch gesetzliche Änderungen – zuletzt durch das Infrastruktur-Zukunftsgesetz vom Juli 2026 – wurden Brückenersatzneubauten weitgehend von der Pflicht zur Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens freigestellt. Derzeit laufen beim Fernstraßen-Bundesamt lediglich fünf Planfeststellungsverfahren, die instandsetzungsbedürftige Brücken betreffen.
Kommunale Brücken: Datenlücken und schlechter Zustand
Für kommunale Straßenbrücken existiert keine zentrale bundesweite Erfassung. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) schätzte 2013 die Zahl der Straßenbrücken in kommunaler Baulast auf rund 66.700. Eine Folgestudie aus dem Jahr 2023 ergab, dass sich der Zustand dieser Brücken seit 2013 kaum verbessert hat: Fast jede zweite Straßenbrücke in kommunaler Baulast befindet sich in keinem guten Zustand. Die häufigsten Schäden sind Risse, Korrosion und Durchfeuchtungen. Experten schätzen den Investitionsbedarf der Kommunen bis 2030 auf knapp 49 Milliarden Euro.
Planungs- und Baukapazitäten: Engpass nicht beim Bau
Sowohl der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) als auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) sehen den Engpass nicht bei den Baukapazitäten. Die Maschinenauslastung im Bauhauptgewerbe lag im August 2026 bei rund 68 Prozent, die Auftragsbücher sind nicht gefüllt. Als eigentliche Verzögerungsursachen nennen die Verbände langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, Personalmangel in Behörden sowie fehlende Ausschreibungen. Der ZDB weist darauf hin, dass bei einem typischen Bundesfernstraßenprojekt rund 85 Prozent der Gesamtdauer auf Planung und Genehmigung entfallen, nur etwa 15 Prozent auf den eigentlichen Bau.
Der Wissenschaftliche Dienst betont, dass eine seriöse Prognose zur Anzahl der in den kommenden Jahren zu sanierenden oder zu ersetzenden Brücken aufgrund der komplexen Zusammenhänge nach Aussage von Experten des Bundesministeriums für Verkehr nicht möglich ist.





































































