- 14 % der Unternehmen setzen KI bereits für Einsteiger-Tätigkeiten ein
- Keine kausalen Belege für KI-bedingten Stellenrückgang in Deutschland
- Weiterbildungsbeteiligung soll bis 2030 auf 65 Prozent steigen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7620 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Seit der breiten Verfügbarkeit generativer KI-Systeme ab Ende 2022 diskutieren Forschung und Politik, ob Berufseinsteiger besonders stark von Automatisierungseffekten betroffen sind. Das ifo Institut veröffentlichte im Januar und Juni 2026 Umfragedaten, wonach 14 Prozent der Unternehmen KI bereits für typische Einsteiger-Tätigkeiten einsetzen und weitere 40 Prozent dies innerhalb von drei Jahren planen. Eine Schweizer Studie von JobCloud AG berichtete zudem von einem Rückgang der Einstiegsstellen um 32 Prozent seit Ende 2022. Die Bundesregierung bewertet diese Studien in ihrer Antwort vom 13. August 2026 als methodisch nicht belastbar für kausale Schlussfolgerungen.
- 14 % — der deutschen Unternehmen setzen KI laut ifo-Umfrage bereits für typische Berufseinsteiger-Tätigkeiten ein.
- 40 % — der Unternehmen erwarten, dass KI innerhalb von drei Jahren solche Tätigkeiten übernimmt.
- 32 % — Rückgang ausgeschriebener Einstiegsstellen in der Schweiz seit Ende 2022 (JobCloud-Studie; Belastbarkeit laut Bundesregierung eingeschränkt).
- 6 % / 19 % — Jugendliche, die ihre Berufspläne durch KI für sehr bzw. eher gefährdet halten (BARMER-Studie 2026).
- 65 % — angestrebte Weiterbildungsbeteiligung bis 2030, ein Anstieg um 11 Prozentpunkte.
Im Detail
KI ersetzt in aller Regel nicht ganze Berufe, sondern verändert und verschiebt Aufgaben innerhalb von Berufen.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7620
Verändert Künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkteinstieg in Deutschland nachhaltig zum Schlechteren? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Bundestagsdrucksache 21/7620 vom 13. August 2026 – einer Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion. Das Ergebnis ist vielschichtig: Belastbare Kausalbelege für einen KI-bedingten Stellenrückgang bei Berufseinsteigern fehlen in Deutschland bislang, während internationale Studien ein gemischtes Bild zeichnen.
KI-Arbeitsmarkteinstieg: Was die Daten zeigen
Laut ifo-Institut-Umfragen setzen bereits 14 Prozent der deutschen Unternehmen KI für Tätigkeiten ein, die typischerweise Berufseinsteiger übernehmen. Weitere 40 Prozent rechnen damit, dass KI solche Aufgaben innerhalb der nächsten drei Jahre übernehmen wird. Knapp 20 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen halten es für leicht oder sehr leicht, Hochschulabsolventen teilweise durch KI-gestützte, geringer qualifizierte Beschäftigte zu ersetzen – vier Fünftel sehen das dagegen nicht als einfach umsetzbar an. Eine Schweizer Studie des Unternehmens JobCloud AG berichtete zudem von einem Rückgang der Einstiegsstellen-Ausschreibungen um 32 Prozent seit Ende 2022, insbesondere in Administration, Marketing, Finanzen und IT.
Die Bundesregierung bewertet die JobCloud-Studie jedoch als methodisch nicht belastbar: Der berichtete Rückgang setzte bereits 2022 ein – und damit vor der breiten Verfügbarkeit generativer KI ab 2023. Auch eine US-amerikanische Stanford-Studie, die einen Beschäftigungsrückgang bei Berufseinsteigern auf KI zurückführte, räumt in einer Aktualisierung ein, dass sich der Effekt erst ab 2024 belastbar zeigt und eher mit der veränderten Zinspolitik zusammenhängt.
Position der Bundesregierung zum KI-Arbeitsmarkteinstieg
Das BMAS hält in seiner Vorbemerkung fest, dass KI in Deutschland „bislang nicht zu einem systematischen Beschäftigungsabbau“ führt. Stattdessen verändert der digitale Wandel Tätigkeitsprofile: KI ersetzt demnach in aller Regel keine ganzen Berufe, sondern verschiebt Aufgaben innerhalb von Berufen. Routine-Aufgaben verlieren an Bedeutung, während Bewertung, Kontrolle und Einordnung von KI-Ergebnissen wichtiger werden. Gerade weniger erfahrene Beschäftigte können laut dem seit 2021 geförderten Forschungsprojekt „ai:conomics“ von KI profitieren, weil sie schneller lernen und Leistungslücken rascher schließen.
Für die Frage eines möglichen Lohndrucks auf Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen – Thema von Frage 6 der Anfrage – erklärt die Bundesregierung, dass eigene kausale Evidenz derzeit nicht vorliegt. Ob Substitutionseffekte tatsächlich zu sinkenden Löhnen führen, hänge von betriebsspezifischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und ethischen Faktoren ab. Die Entwicklung wird im Rahmen des KI-Observatoriums weiter beobachtet.
Ängste unter Jugendlichen und psychische Belastung
Laut einer BARMER-Studie aus dem Jahr 2026 halten 6 Prozent der Jugendlichen ihre beruflichen Pläne durch KI für sehr gefährdet, weitere 19 Prozent für eher gefährdet. Dagegen sehen 43 Prozent ihre Pläne für eher nicht und 24 Prozent für überhaupt nicht gefährdet. Der vom BMAS geförderte Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz (MeMo:KI) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zeigt zudem, dass Angst und Stress gegenüber KI am Arbeitsplatz mit zunehmender eigener Nutzungserfahrung deutlich abnehmen. Jüngere Erwerbstätige nutzen KI signifikant häufiger und bewerten sie positiver als ältere – was für Berufseinsteiger tendenziell ein Vorteil sein kann.
Gegenmaßnahmen: Weiterbildung und Forschung
Die Bundesregierung setzt auf Qualifizierung als zentrales Instrument. Die Nationale Weiterbildungsstrategie, die in der 21. Legislaturperiode fortgesetzt wird (BT-Drs. 21/3730), sieht vor, die Weiterbildungsbeteiligung bis 2030 um 11 Prozentpunkte auf 65 Prozent zu steigern. Darüber hinaus sollen KI und Digitalisierung in der Fachkräftestrategie als eigenständiges Handlungsfeld verankert werden. Ein neues BMAS-Forschungsprojekt zu „Schlüsseltechnologien und neuen Arbeitswelten“ untersucht mit Methoden der Strategischen Vorausschau, wie technologische Entwicklungen den Arbeitsstandort Deutschland langfristig verändern. Die Bundesagenturen für Arbeit und die Jobcenter bieten zudem individuelle Beratung für junge Menschen am Übergang Schule–Beruf an. Wie die Haushaltsdebatte 2027 zeigt, steht die Finanzierung solcher Maßnahmen unter Druck – die Prioritätensetzung bei Bildung und Weiterbildung bleibt politisch umstritten.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind Berufseinsteiger und Hochschulabsolventen, deren Tätigkeitsprofile sich laut Bundesregierung durch KI-Einsatz verschieben. Besonders die Bereiche Administration, Marketing, Finanzen und IT gelten international als anfällig für Automatisierung von Routineaufgaben. Mittelbar betroffen sind Arbeitgeber, die Ausbildungs- und Einarbeitungsstrategien anpassen müssen, sowie die Bundesagentur für Arbeit, die Beratungsangebote am Übergang Schule–Beruf bereitstellt.
Die Bundesregierung beantwortet alle neun Fragen inhaltlich. Bei branchenspezifischen Daten (Frage 2) verweist sie auf fehlende Kausalanalysemöglichkeiten der BA-Statistik und auf öffentlich verfügbare Strukturwandel-Daten, ohne eigene Aufschlüsselungen zu liefern. Bei Lohndruck-Fragen (Frage 6) räumt sie ein, dass eigene kausale Evidenz derzeit fehlt.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. KI und Arbeitsmarkteinstieg: 9 Fragen an die Bundesregierung →
- KI-Observatorium
- Seit 2020 im BMAS angesiedelte Einrichtung zur systematischen Beobachtung und Auswertung der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Arbeit und Gesellschaft.
- Generative KI
- KI-Systeme, die eigenständig Texte, Bilder oder Code erzeugen können; seit Ende 2022 mit Systemen wie ChatGPT breit verfügbar.
- Nationale Weiterbildungsstrategie
- Bund-Länder-Programm zur Steigerung der Weiterbildungsbeteiligung; Ziel ist eine Quote von 65 Prozent bis 2030.
Gibt es Belege, dass KI Jobs für Berufseinsteiger vernichtet?
Laut Bundesregierung gibt es in Deutschland derzeit keine kausalen Belege dafür. Die Abgangsrate von unter 25-jährigen Arbeitslosen in Beschäftigung ist seit 2019 gesunken, aber parallel zur Gesamtentwicklung aller Arbeitslosen.
Was ist das KI-Observatorium?
Das KI-Observatorium ist eine seit 2020 im BMAS angesiedelte Einrichtung, die die Auswirkungen von KI auf Arbeit und Gesellschaft systematisch beobachtet und auswertet.
Wie bewerten Jugendliche ihre Berufsaussichten angesichts von KI?
Laut einer BARMER-Studie 2026 halten 6 % der Jugendlichen ihre beruflichen Pläne durch KI für sehr gefährdet, 19 % für eher gefährdet; 43 % sehen sie für eher nicht und 24 % für überhaupt nicht gefährdet.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7620 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































