- 10,8 Millionen Menschen in der Ukraine auf humanitäre Hilfe angewiesen
- Mehr als 62.000 Zivilisten getötet oder verwundet seit Februar 2022
- 1.423.278 ukrainische Staatsangehörige leben in Deutschland (Mai 2026)
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7029 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Fraktion Die Linke hatte mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/6374 insgesamt 42 Fragen zu den humanitären, demografischen und rechtlichen Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gestellt. Das Auswärtige Amt übermittelte die Antwort der Bundesregierung am 8. Juli 2026. Der Krieg dauert seit dem 24. Februar 2022 an und hat nach VN-Angaben die größte Fluchtbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Deutschland unterstützt die Ukraine nach eigenen Angaben politisch, finanziell, humanitär und militärisch.
- 16.126 — Mindestanzahl getöteter ukrainischer Zivilisten seit 2022 laut VN-Angaben (Stand: Mai 2026).
- 10,8 Millionen — Menschen in der Ukraine, die 2026 auf humanitäre Hilfe angewiesen sind (OCHA HNRP 2026).
- 6 Millionen — Menschen, die seit Februar 2022 aus der Ukraine geflohen sind; davon ca. 5,5 Mio. in Europa registriert.
- 1.423.278 — Ukrainische Staatsangehörige, die zum 31. Mai 2026 in Deutschland erfasst sind (Ausländerzentralregister).
- 10 Millionen — Menschen in der Ukraine, die laut WHO-Schätzung unter psychischen Kriegsfolgen leiden; 70 Prozent der Erwachsenen berichten von Angst, Depressionen oder extremem Stress.
Im Detail
Massive russische Bomben- und Drohnenangriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung haben immer mehr zivile Todesopfer und Verwundete zur Folge. Laut Angaben der VN wurden seit 2022 mindestens 16.126 ukrainische Zivilisten getötet.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7029, Frage 1
Mindestens 16.126 ukrainische Zivilisten sind seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 getötet worden. Allein im Mai 2026 meldeten die Vereinten Nationen 274 Tote und 1.763 Verletzte — die höchsten monatlichen Zahlen seit April 2022. Diese Daten bilden den Kern der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/6374), die das Auswärtige Amt am 8. Juli 2026 übermittelt hat (BT-Drs. 21/7029).
Ukraine-Krieg: Ausmaß der humanitären Krise in Zahlen
Laut dem Humanitarian Needs and Response Plan (HNRP) von OCHA für 2026 sind insgesamt 10,8 Millionen Menschen in der Ukraine auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die größten Bedarfe bestehen im Bereich Schutz (6,54 Millionen Menschen), Wasserversorgung (6,43 Millionen), Unterkunft (5,60 Millionen) und Gesundheit (4,47 Millionen). Die WHO schätzt, dass rund 10 Millionen Menschen unter den psychischen Folgen des Krieges leiden; 70 Prozent der Erwachsenen berichten von Angst, Depressionen oder extremem Stress. In Frontgebieten zeigen nahezu alle Kinder Anzeichen psychischer Belastung, unter vertriebenen Kindern sind es 77 Prozent.
Rund 3,9 Millionen Menschen — schätzungsweise zehn Prozent der ukrainischen Bevölkerung — sind als Binnenvertriebene registriert. Davon stammen 2,25 Millionen aus teilweise besetzten Gebieten. Die Region Donezk verzeichnete 2025 mit fast 103.000 registrierten Neuvertreibungen rund zwei Drittel aller Binnenvertreibungen im Land. Binnenvertriebene haben laut IOM deutlich seltener Zugang zu Medikamenten (47 Prozent ohne Zugang), Lebensmitteln (36 Prozent) und Einkommensmöglichkeiten (32 Prozent) als nicht vertriebene Bevölkerungsteile.
Flucht und Demografie: Größte Bewegung seit dem Zweiten Weltkrieg
Seit Februar 2022 sind rund 6 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Davon wurden ca. 5,5 Millionen in Europa als Geflüchtete registriert, 4,37 Millionen davon unter dem temporären Schutzstatus der EU. Eine Mehrheit der Geflüchteten sind Frauen und Kinder. Die Ukraine weist zudem eine Geburtenrate von 1,1 auf (vorläufige Daten UNICEF/ukrainisches Amt für Statistik, Juni 2026) — ein Wert, der die demografischen Langzeitfolgen des Krieges verdeutlicht.
In Deutschland leben zum Stichtag 31. Mai 2026 insgesamt 1.423.278 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit, wie das Ausländerzentralregister ausweist. Hilfebedürftige Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht nach der Massenzustrom-Richtlinie (2001/55/EG) haben Anspruch auf Leistungen nach dem Zweiten oder Zwölften Buch Sozialgesetzbuch und damit Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD sieht für nach dem 1. April 2025 eingereiste Flüchtlinge eine Rückkehr zum Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) vor; das entsprechende Leistungsrechtsanpassungsgesetz befindet sich noch im parlamentarischen Verfahren.
Völkerrechtsverstöße: Russland im Fokus, Datenlücken in besetzten Gebieten
Die Bundesregierung stellt in ihrer Antwort fest, dass Russland schwerwiegende Verletzungen des humanitären Völkerrechts begeht — darunter willkürliche Hinrichtungen, Folter und Misshandlungen ukrainischer Kriegsgefangener, wie die halbjährlichen Berichte der VN-Menschenrechtsbeobachtungsmission (HRMMU) dokumentieren. Die auf ukrainischer Seite festgestellten Fälle seien laut Bundesregierung weder quantitativ noch qualitativ vergleichbar. Auf ukrainischem Territorium wurden bis einschließlich Mai 2026 mehr als 62.000 Zivilisten getötet oder verwundet. Für die von Russland besetzten Gebiete und das russische Territorium existieren keine verlässlichen Daten, da internationalen Organisationen der Zugang weitgehend verwehrt wird.
Die Ukraine gehört laut Bundesregierung zu den Ländern mit der höchsten Minen- und Kampfmittelbelastung weltweit; schätzungsweise 6 Millionen Menschen sind durch Minen und Kriegsmaterial gefährdet. Zum Ukraine-Krieg und seinen Folgen für die Sicherheitsarchitektur in Europa ist auch der Beitrag zur deutschen Außenpolitik und internationalen Finanzierungsverpflichtungen relevant.
Grenzen der Auskunft: Militärische Zahlen bleiben offen
Zu den militärischen Verlustfragen — Anzahl getöteter und verwundeter Soldaten, Verhältnis von Freiwilligen zu Zwangsrekrutierten, Zahl ausländischer Kämpfer sowie Rekrutierung aus dem Gefängnismilieu (Fragen 17 bis 23) — teilt die Bundesregierung keine eigenen gesicherten Erkenntnisse mit. Auch zur Lage auf russischer Seite an der Front, zu Deserteuren und ihrer statistischen Erfassung in Deutschland sowie zu psychischen Belastungen in Deutschland lebender Ukrainer fehlen der Bundesregierung eigene Daten. Zum Thema Versorgung im Krisenfall — etwa mit Blick auf Krankenhäuser und Gesundheitsinfrastruktur — hat der Bundestag zuletzt auch die Planung für Krankenhäuser im Verteidigungsfall diskutiert.
Die Bundesregierung verweist für ihre Prioritäten 2026 auf vier Schwerpunkte: Schutz der Zivilbevölkerung (einschließlich humanitärer Minenräumung), sozialer Wiederaufbau, Winterhilfe und psychosoziale Gesundheitsversorgung. Dabei setzt sie auf sogenannte Nexus-Ansätze, die humanitäre Hilfe und Wiederaufbau miteinander verbinden.
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Unmittelbar betroffen sind Millionen ukrainische Zivilisten in der Ukraine sowie rund 1,4 Millionen ukrainische Staatsangehörige in Deutschland. Besonders vulnerable Gruppen sind Binnenvertriebene (3,9 Mio.), Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit psychischen Kriegsfolgeerkrankungen. Laut WHO leiden etwa 10 Millionen Menschen in der Ukraine unter psychischen Folgen des Krieges.
Bei sieben zusammengefassten Fragen zu militärischen Verlusten, Truppenzusammensetzung und Rekrutierung (Fragen 17–23) sowie zu Deserteuren und frontnahen Lagen auf russischer Seite verweist die Bundesregierung jeweils darauf, keine eigenen gesicherten Erkenntnisse über öffentlich verfügbare Informationen hinaus zu besitzen. Fragen zu Traumatisierungen in Deutschland lebender Ukrainer und zur Beteiligung deutscher Staatsbürger an Drohneneinheiten werden ebenfalls ohne inhaltliche Angaben beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Ukraine-Krieg: 42 Fragen nach Millionen Opfern und Traumatisierten →
- HNRP (Humanitarian Needs and Response Plan)
- Jährlicher Plan des VN-Büros OCHA, der humanitäre Bedarfe und geplante Hilfsmaßnahmen für Krisengebiete dokumentiert.
- HRMMU
- UN Human Rights Monitoring Mission in Ukraine — VN-Beobachtungsmission, die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine dokumentiert und halbjährlich berichtet.
- IOM (Internationale Organisation für Migration)
- Zwischenstaatliche Organisation, die Migrationsdaten erhebt und humanitäre Unterstützung für Vertriebene koordiniert.
Wie viele Menschen in der Ukraine brauchen humanitäre Hilfe?
Laut OCHA-Bericht 2026 sind 10,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, besonders in den Bereichen Schutz (6,54 Mio.), Wasser (6,43 Mio.), Unterkunft (5,60 Mio.) und Gesundheit (4,47 Mio.).
Wie viele Ukrainer leben aktuell in Deutschland?
Zum 31. Mai 2026 waren laut Ausländerzentralregister 1.423.278 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit in Deutschland erfasst.
Teilt die Bundesregierung Zahlen zu militärischen Verlusten mit?
Nein. Zu militärischen Verlusten, Truppenstärken und Rekrutierungszahlen auf beiden Seiten teilt die Bundesregierung keine eigenen gesicherten Erkenntnisse mit und verweist auf öffentlich verfügbare Informationen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7029 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































