- 75 % des Welt-Kobalts stammen aus der DRK — oft unter Menschenrechtsverletzungen
- 18 Millionen Menschen im Kongo auf humanitäre Hilfe angewiesen
- Bundesregierung soll Kobaltimporte und Entwicklungshilfe seit 2020 offenlegen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7832 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Demokratische Republik Kongo zählt laut UN-Angaben zu den größten humanitären Krisengebieten weltweit. Das Land ist der weltgrößte Kobaltproduzent und liefert rund 75 Prozent des global abgebauten Kobalts, das für Lithium-Ionen-Batterien und damit für die Elektromobilität unverzichtbar ist. Viele Kobaltminen werden von chinesischen Unternehmen betrieben; die Weiterverarbeitung findet überwiegend in China statt. Das Norwegian Refugee Council führt die DRK seit zehn Jahren als eine der weltweit am stärksten vernachlässigten Verdrängungskrisen.
- 75 % — Anteil der DRK an der globalen Kobaltproduktion laut USGS 2026
- 18 Millionen Menschen — auf humanitäre Hilfe angewiesen in der DRK, fast die Hälfte nicht erreicht
- 112 Millionen — Einwohnerinnen und Einwohner der DRK
- 10 Jahre — listet das Norwegian Refugee Council die DRK als vernachlässigte Krise
Im Detail
Etwa 18 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, doch fast die Hälfte von ihnen werden aktuell nicht durch humanitäre Hilfe erreicht.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7832, Fraktion Die Linke
Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) treibt die Energiewende an — und steht gleichzeitig im Verdacht, unter gravierenden Menschenrechtsverletzungen abgebaut zu werden. Die Fraktion Die Linke hat am 3. September 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7832 eingereicht und stellt der Bundesregierung 18 Fragen zur politischen, wirtschaftlichen und menschenrechtlichen Lage in der DRK.
Kobalt: Schlüsselrohstoff mit problematischer Lieferkette
Die DRK liefert rund 75 Prozent des weltweit abgebauten Kobalts — ein Rohstoff, der für Lithium-Ionen-Batterien in Elektroautos und Mobiltelefonen unverzichtbar ist. Viele Minen werden von chinesischen Unternehmen betrieben, die Weiterverarbeitung findet laut Drucksache überwiegend in China statt. Im Zusammenhang mit dem Kobaltabbau sind Zwangsarbeit, Kinderarbeit und gesundheitliche Risiken für die Bergarbeiterinnen und Bergarbeiter dokumentiert. Die Fraktion Die Linke fragt die Bundesregierung, welche Informationen ihr über diese Menschenrechtsverletzungen vorliegen und ob sie konkrete Maßnahmen ergreift, um deutschen Unternehmen Sorgfaltspflichten aufzuerlegen.
Kobaltimporte und deutsche Unternehmen
Die Anfrage erkundigt sich detailliert nach den Kobaltimporten nach Deutschland in den vergangenen zehn Jahren — aufgeschlüsselt nach Jahr, Direktimport und Import über Drittstaaten. Zudem fragt Die Linke, welche deutschen Unternehmen Kobalt aus der DRK beziehen oder am Abbau beteiligt sind. Hintergrund ist die Debatte um die EU-Konfliktmineralien-Verordnung (EU) 2017/821, die bislang Zinn, Tantal, Wolfram und Gold, nicht aber Kobalt abdeckt. Die Fraktion will wissen, ob die Bundesregierung eine Erweiterung der Verordnung auf Kobalt befürwortet. Ähnliche Fragen zur Kontrolle öffentlicher Ausgaben und Lieferketten werden auch im Zusammenhang mit der Erfolgskontrolle von Bundesinstrumenten diskutiert.
Reise des Menschenrechtsbeauftragten in den Kongo
Ein besonderes Gewicht legen die Fragesteller auf die Dienstreise von Menschenrechtsbeauftragtem Dr. Lars Castellucci in die DRK vom 26. April bis 2. Mai 2026. Die Anfrage erkundigt sich nach den konkreten Zielen der Reise, den Gesprächspartnern aus Regierung, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen sowie nach den politischen Schlussfolgerungen, die die Bundesregierung daraus zieht. Konkret fragt Die Linke nach Erkenntnissen zur Lage von Binnenvertriebenen, Frauen und Kindern sowie zu Menschenrechtsverletzungen im Osten des Landes.
Humanitäre Lage: 18 Millionen Menschen ohne ausreichende Hilfe
Laut Vorbemerkung der Fragesteller sind etwa 18 Millionen Menschen in der DRK auf humanitäre Hilfe angewiesen. Fast die Hälfte von ihnen werde derzeit nicht durch humanitäre Hilfe erreicht. Das Norwegian Refugee Council führt die DRK seit zehn Jahren als eine der am stärksten vernachlässigten Verdrängungskrisen weltweit. Die Anfrage fragt nach den konkreten Maßnahmen der deutschen bilateralen und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit seit 2020 — aufgeschlüsselt nach ausführender Organisation, finanziellen Mitteln und Zielen.
Kolonialgeschichte und strafrechtliche Aufarbeitung
Die Kleine Anfrage greift auch historische Dimensionen auf: Die Fraktion fragt nach dem belgischen Strafverfahren gegen den ehemaligen Diplomaten Etienne Davignon wegen mutmaßlicher Beteiligung an der Entführung und Ermordung des kongolesischen Premierministers Patrice Lumumba im Jahr 1961. Die Linke will wissen, welche Schlüsse die Bundesregierung aus diesem Verfahren für den Umgang mit deutschen Kolonialverbrechen zieht und ob sie koloniale Verbrechen in bilateralen Gesprächen mit Belgien thematisiert. Derartige Fragen zur deutschen Außenpolitik und historischen Verantwortung stehen auch im Kontext anderer aktueller Außenpolitik-Debatten, etwa der Ceuta-Krise 2026.
Die Antwort der Bundesregierung auf die BT-Drs. 21/7832 steht noch aus. Sobald sie vorliegt, lässt sich beurteilen, ob und in welchem Umfang Deutschland tatsächlich auf die Menschenrechtslage im Kobaltabbau Einfluss nimmt und welche konkreten Lehren aus der Kongo-Reise des Menschenrechtsbeauftragten gezogen werden. Einen Überblick über weitere aktuelle Drucksachen bietet der Drucksachen-Überblick vom 3. September 2026.
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Direkt betroffen sind die rund 112 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der DRK, darunter 18 Millionen Menschen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Mittelbar betroffen sind deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher, die Elektrofahrzeuge oder Elektronikgeräte mit Kobalt-Batterien nutzen, sowie deutsche Unternehmen, die Kobalt beziehen oder in der Lieferkette tätig sind.
Die Kleine Anfrage ist am 3. September 2026 beim Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage noch nicht beantwortet. Nach § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Antwort innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen; das genaue Datum der Zuleitung ist aus der Drucksache nicht bekannt.
- EU-Konfliktmineralien-Verordnung
- EU-Verordnung (EU) 2017/821, die Sorgfaltspflichten für Importeure von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold aus Konfliktgebieten festlegt. Kobalt ist bislang nicht erfasst.
- Entwicklungszusammenarbeit
- Staatliche Maßnahmen zur Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung in ärmeren Ländern, in Deutschland koordiniert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
- Kobalt
- Metallisches Element, das als Schlüsselrohstoff für Lithium-Ionen-Batterien in Elektroautos und Elektronikgeräten gilt. Die DRK ist der weltgrößte Produzent.
Warum ist Kobalt aus dem Kongo politisch bedeutsam?
Die DRK produziert laut Drucksache etwa 75 Prozent des globalen Kobalts, das für Lithium-Ionen-Batterien benötigt wird. Beim Abbau sind Zwangsarbeit und Kinderarbeit dokumentiert.
Was fragt Die Linke konkret von der Bundesregierung?
Die Fraktion erkundigt sich unter anderem nach Kobaltimporten der letzten zehn Jahre, beteiligten deutschen Unternehmen, Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit seit 2020 sowie den Ergebnissen der Kongo-Reise des Menschenrechtsbeauftragten.
Wann reiste der Menschenrechtsbeauftragte in den Kongo?
Menschenrechtsbeauftragter Dr. Lars Castellucci besuchte die DRK laut Drucksache vom 26. April bis 2. Mai 2026.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7832 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































