Antwort der Bundesregierung …
Linke fragt nach chemischer Unterwerfung als sexualisierter Gewalt
Hintergrund
Ausgelöst durch den internationalen Fall Gisèle Pelicot 2024 sind auch in Deutschland ähnliche Fälle von sogenannter chemischer Unterwerfung bekannt geworden. Journalistische Recherchen deckten Vergewaltiger-Netzwerke auf, die sich über Plattformen wie Telegram organisieren. Das BKA warnt seit Juni 2025 vor den Gefahren solcher Täterstrukturen.
Die Linke-Fraktion hat am 8. Mai 2026 eine umfassende Kleine Anfrage zur sogenannten chemischen Unterwerfung gestellt (BT-Drs. 21/5867). Mit 33 detaillierten Fragen fordert sie die Bundesregierung auf, Auskunft über Verbreitung und Bekämpfung dieser Form sexualisierter Gewalt zu geben.
Internationale Fälle als Auslöser
Ausgelöst worden ist die Anfrage durch den international bekannt gewordenen Fall Gisèle Pelicot 2024. Ihr geschiedener Ehemann und 50 weitere Täter haben sie über Jahre systematisch betäubt und vergewaltigt. Chemische Unterwerfung bezeichnet die gezielte Verabreichung von Substanzen, um Personen bewusst- und wehrlos zu machen. Dies ist bemerkenswert, da dieses Phänomen lange Zeit nur am Rande der öffentlichen Wahrnehmung stand.
Täter betäuben ihre Opfer heimlich mit Medikamenten oder anderen Substanzen, um sie dann zu vergewaltigen.
Die Linke verweist auf ähnliche Fälle in Großbritannien und der Schweiz. Auch in Deutschland haben Journalistinnen Vergewaltiger-Netzwerke aufgedeckt, die sich über Plattformen wie motherless.com und Telegram organisierten.
Deutsche Täterstrukturen aufgedeckt
Seit 2024 werden in mehreren Bundesländern Prozesse gegen Mitglieder solcher Netzwerke geführt. Die Täter haben sich in geschlossenen Telegram-Chatgruppen über Betäubung und Vergewaltigung ausgetauscht. Medikamente und Dosierungsanleitungen sind untereinander geliefert worden. Ihre Taten filmten sie.
Das BKA warnt seit Juni 2025 vor den Gefahren derartiger Täterstrukturen. In einer Sensibilisierungskampagne beschreibt es das Vorgehen als potenziell lebensbedrohlich für die Opfer. Hintergrund ist, dass die verabreichten Betäubungsmittel verhindern, dass sich Opfer an die Taten erinnern können, wie das BKA feststellt.
Konkrete Fragen an die Bundesregierung
Die Linke fragt unter anderem nach der Verbreitung des Phänomens in Deutschland. Weiter will sie wissen, welche Netzwerke auf Messenger-Diensten bekannt sind und welche konkreten Bekämpfungsmaßnahmen existieren. Warum es keine zentrale Stelle zur Bekämpfung solcher Täterstrukturen gibt, ist eine weitere Frage.
Regulierung sozialer Medien, Hilfsangebote für Opfer und geplante Gesetzesänderungen werden ebenfalls thematisiert. Die Linke stellt fest, dass das geltende Strafrecht die Beweislast bei den Opfern belässt, die sich aufgrund der Betäubung nicht an die Taten erinnern können.
Betroffen sind primär Frauen, die ohne ihr Wissen betäubt und vergewaltigt werden. Oft erfahren die Opfer erst durch polizeiliche Ermittlungen von den Taten, da die verabreichten Substanzen Erinnerungslücken verursachen. Auch Männer in queeren Dating-Kontexten können betroffen sein.
Die Bundesregierung muss die 33 Fragen binnen der üblichen Frist beantworten. Die Antwort wird Aufschluss über das Ausmaß des Problems und geplante Gegenmaßnahmen geben. Parallel läuft ein Gesetzgebungsverfahren zur Verschärfung der Straftatbestände.
- Chemische Unterwerfung
- Gezielte Verabreichung von Betäubungsmitteln an ahnungslose Personen, meist zu Vergewaltigungszwecken.
- K.o.-Mittel
- Substanzen wie GHB oder Ketamin, die Bewusstlosigkeit und Erinnerungslücken verursachen.
- § 177 StGB
- Sexualstrafrecht mit dem 'Nein heißt Nein'-Grundsatz – erfasst Vergewaltigung und sexuelle Nötigung.























































