Antwort der Regierung ausste…
Straftaten gegen Obdachlose steigen um 17 Prozent auf Rekordhoch
Hintergrund
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 verzeichnete 2.563 Straftaten gegen obdachlose Menschen – ein Anstieg um 17 Prozent gegenĂĽber dem Vorjahr. Besonders alarmierend: Während die Gesamtkriminalität in Deutschland um fast sechs Prozent zurĂĽckging, nahmen Gewalttaten gegen diese vulnerable Gruppe ĂĽberproportional zu. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe dokumentierte zwischen Oktober 2025 und März 2026 mindestens 14 Kältetote unter obdachlosen Menschen.
Die Fraktion Die Linke stellt in ihrer Kleinen Anfrage vom 8. Mai 2026 (BT-Drs. 21/5856) 32 detaillierte Fragen zur Entwicklung der Straftaten gegen obdach- und wohnungslose Menschen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 verzeichnete mit 2.563 Fällen einen Anstieg um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Entwicklung zeigt einen Kontrast zur allgemeinen Kriminalitätsentwicklung: Während die Gesamtkriminalität in Deutschland um fast sechs Prozent zurückging, nahmen Gewalttaten gegen diese vulnerable Gruppe zu. Dies ist bemerkenswert, da sich der Anstieg nach Angaben der Abgeordneten nicht mit dem Wachstum der Betroffenengruppe erklären lässt. Die Zahl untergebrachter wohnungsloser Personen wuchs im gleichen Zeitraum lediglich um acht Prozent.
Fragen zur Ursachenforschung
Ob die Bundesregierung spezifische wissenschaftliche Untersuchungen plant, will die Linken-Fraktion wissen. Hintergrund ist eine frühere Antwort der Regierung, die den Anstieg mit der allgemeinen Gewaltkriminalität erklärt hatte. Diese Argumentation kann nach Ansicht der Fragesteller nun nicht mehr aufrechterhalten werden.
Problematisch sieht die Fraktion die Datenerfassung. Die aktuelle „LeSuBiA“-Dunkelfeldstudie schlieĂźt Personen ohne feste Meldeadresse methodisch aus. Ein eigener Katalogwert fĂĽr „Wohnungslosigkeit“ fehlt zudem im Kriminalpolizeilichen Meldedienst fĂĽr Politisch Motivierte Kriminalität.
Konkrete Vorfälle erfasst die Anfrage ebenfalls: mutmaßliche Brandanschläge auf Schlafplätze in Stuttgart-Bad Cannstatt und eine Unterkunft in Kornwestheim. Zwischen Oktober 2025 und März 2026 dokumentierte die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe 14 Kältetote unter obdachlosen Menschen. Fünf Opfer tödlicher Gewalt verzeichnete die PKS.
Betroffen sind vor allem obdach- und wohnungslose Menschen als Opfer von Straftaten, aber auch Kommunen, Polizei und Sozialarbeiter. Die Anfrage thematisiert besonders die Situation wohnungsloser Frauen, die ĂĽberproportional von sexualisierter Gewalt betroffen sind.
Die Bundesregierung muss innerhalb der üblichen Frist von etwa sechs Wochen auf die 32 Fragen antworten. Die Antwort wird voraussichtlich detaillierte Daten zu regionalen Unterschieden, Präventionsmaßnahmen und geplanten Forschungsvorhaben enthalten.
- Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)
- Jährliche Statistik über alle von der Polizei bearbeiteten Straftaten in Deutschland, unterteilt nach Deliktarten und Opfergruppen.
- Kriminalpolizeilicher Meldedienst (KPMD-PMK)
- System zur Erfassung politisch motivierter Straftaten, das bisher 'Wohnungslosigkeit' nicht als eigenen Katalogwert fĂĽhrt.
- LeSuBiA-Dunkelfeldstudie
- Bundesweite Befragung zu Gewalterfahrungen, die Menschen ohne feste Meldeadresse methodisch ausschlieĂźt.























































