- Zementumsatz sank 2024 auf 3,196 Mrd. Euro gegenüber 3,385 Mrd. Euro (2023)
- Prozessemissionen fielen von 13.357 auf 9.831 Kilotonnen CO2 (2020–2024)
- Vier CCS-Projekte erhalten 686,5 Mio. Euro aus EU-Innovationsfonds
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6945 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die deutsche Zementindustrie steht unter doppeltem Druck: Die schwache Baukonjunktur und gestiegene Energiepreise haben den Branchenumsatz seit 2022 deutlich gedrückt. Zugleich erfordert die Klimaneutralität bis 2045 erhebliche Investitionen in CO2-Abscheidung, da rund zwei Drittel der Zementemissionen chemisch bedingt und mit herkömmlichen Mitteln kaum vermeidbar sind. Das novellierte Kohlendioxid-Speicherungs- und Transportgesetz (KSpTG) trat im November 2025 in Kraft und schafft erstmals eine rechtliche Grundlage für CO2-Leitungen und -Speicher in Deutschland. Im Mai 2026 richtete das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein Carbon Management Forum (CMF) ein, um den CCS-Hochlauf zu koordinieren.
- 3,196 Mrd. Euro — Umsatz der deutschen Zementindustrie 2024, nach 3,385 Mrd. Euro im Vorjahr.
- −29,3 % — Produktionsrückgang in der Herstellung von Erzeugnissen aus Beton, Zement und Kalksandstein von Februar 2022 bis März 2026 (saison- und kalenderbereinigt, Quelle: Destatis).
- 9.830,97 Kilotonnen CO2-Äquivalent — Prozessbedingte Emissionen der Zementproduktion 2024, gegenüber 13.357 Kilotonnen im Jahr 2020.
- 5 Mrd. Euro — Gesamtbudget der CCfD-Ausschreibungsrunde 2026, in der CCS/CCU erstmals förderfähig ist.
- ca. 3 TWh — Geschätzter Strombedarf für CO2-Abscheidung an allen deutschen Zement- und Kalkwerken bis 2045 (zum Vergleich: industrieller Gesamtstromverbrauch 2045 ca. 300–400 TWh).
Im Detail
Die Bundesregierung verfolgt das Ziel der Klimaneutralität 2045 in Deutschland mit einem Ansatz, der Klimaschutz, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und soziale Ausgewogenheit zusammenbringt und auf Innovationen setzt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6945, S. 3
Die deutsche Zementindustrie steht vor einem doppelten Kraftakt: Wirtschaftlich unter Druck durch schwache Baukonjunktur und hohe Energiepreise, muss sie gleichzeitig den Weg zur Klimaneutralität beschreiten. Die Bundesregierung hat auf 52 Fragen der Grünen-Fraktion (BT-Drs. 21/6945, übermittelt am 7. Juli 2026) geantwortet und dabei konkrete Zahlen sowie den Stand der Förderpolitik offengelegt.
Zementindustrie: Umsatz und Produktion unter Druck
Der Branchenumsatz sank 2024 von 3,385 Mrd. Euro auf 3,196 Mrd. Euro. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) ging die Produktion von Erzeugnissen aus Beton, Zement und Kalksandstein zwischen Februar 2022 und März 2026 saison- und kalenderbereinigt um 29,3 Prozent zurück. Als Ursachen nennt die Bundesregierung neben den gestiegenen Energiepreisen den Zinsanstieg, den Nachfragerückgang im Wohnungsbau sowie regulatorische Belastungen. Die Beschäftigung in der Zementindustrie ist mit rund 8.200 Mitarbeitenden laut Branchenverband VDZ über zwei Jahrzehnte stabil geblieben.
CO2-Emissionen: Deutlicher Rückgang seit 2020
Die prozessbedingten Emissionen der Zementproduktion — also jene, die chemisch beim Brennen von Kalkstein entstehen und kaum vermeidbar sind — sanken von 13.357 Kilotonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2020 auf 9.831 Kilotonnen im Jahr 2024. Dieser Rückgang ist allerdings wesentlich auf den Produktionseinbruch zurückzuführen und spiegelt nicht zwingend Effizienzgewinne wider. Rund zwei Drittel der Zementemissionen sind prozessbedingt; nur das verbleibende Drittel ist energiebedingt und über Elektrifizierung oder Wasserstoff prinzipiell vermeidbar.
CCS als Schlüsseltechnologie: Vier EU-geförderte Projekte
Da die prozessbedingten Emissionen mit herkömmlichen Mitteln kaum zu eliminieren sind, setzt die Bundesregierung stark auf Carbon Capture and Storage (CCS). Vier Projekte in der deutschen Zementindustrie erhalten Förderung aus dem EU-Innovationsfonds:
Carbon2Business (Holcim Deutschland): 109,8 Mio. Euro, geplante Inbetriebnahme Ende 2029. GeZero (Heidelberg Materials): 190,9 Mio. Euro, geplante Inbetriebnahme April 2030. EVEREST (Rheinkalk/Lhoist): 228,7 Mio. Euro, geplante Inbetriebnahme September 2031. CO2LLECT (CEMEX Deutschland/Linde): 157,1 Mio. Euro, geplante Inbetriebnahme Mai 2030. Zusammen ergibt das eine EU-Förderung von 686,5 Mio. Euro für diese vier Projekte. Belastbare Angaben zu bereits erfolgten Auszahlungen liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht vor — die Abwicklung erfolgt durch die EU-Behörde CINEA.
Dekarbonisierung der Zementindustrie: Was gilt heute?
Aktuell unterliegt die Zementindustrie dem europäischen Emissionshandel (EU-ETS). Im Jahr 2024 erhielt sie rund 16 Millionen Emissionszertifikate kostenlos zugeteilt, bei tatsächlichen Emissionen von 14,5 Millionen Tonnen CO2 — ein Ausstattungsgrad von 112 Prozent. Das seit November 2025 geltende novellierte KSpTG schafft erstmals die rechtliche Grundlage für CO2-Leitungen und -Speicher in Deutschland, überlässt den Infrastrukturaufbau aber den Marktakteuren. Konkrete staatliche Zeitpläne oder regionale Priorisierungen für ein CO2-Transportnetz gibt es laut Drucksache nicht.
Förderpolitik: 5 Mrd. Euro im CCfD-Verfahren 2026
Im Gebotsverfahren 2026 der CO2-Differenzverträge (CCfD) ist CCS/CCU erstmals förderfähig. Das Gesamtbudget der Runde beträgt 5 Mrd. Euro; Anträge können bis 7. September 2026 eingereicht werden. Ergänzend stehen die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) sowie die Energieeffizienzförderung (EEW) mit rund 1,1 Mrd. Euro pro Jahr zur Verfügung. Für den langfristigen Strombedarf durch CO2-Abscheidung an allen Zement- und Kalkwerken schätzt die Bundesregierung laut Langfristszenarien rund 3 TWh — eine im Vergleich zum industriellen Gesamtstromverbrauch von 300–400 TWh im Jahr 2045 geringe Menge.
Bis spätestens Juni 2027 plant die Bundesregierung zudem eine Rechtsverordnung, die öffentliche Auftraggeber verpflichtet, klimafreundlichen Zement und Stahl bevorzugt zu beschaffen. Damit soll ein Leitmarkt für emissionsarme Grundstoffe entstehen — ähnlich wie es der EU Industrial Accelerator Act mit einer 5-Prozent-Quote für emissionsarmen Beton vorsieht. Ob diese Quote ausreicht, kann die Bundesregierung laut Drucksache noch nicht abschließend beurteilen.
Weitere Informationen zu Industrieförderung und Klimaschutzpolitik finden sich in den täglichen Drucksachenübersichten auf drucksachlich.de:
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Unmittelbar betroffen sind die rund 8.200 Beschäftigten der deutschen Zementindustrie sowie die Unternehmen Holcim, Heidelberg Materials, CEMEX und Rheinkalk/Lhoist, die CCS-Projekte verfolgen. Mittelbar berührt das Thema alle Bauherren, Wohnungsbaugesellschaften und öffentliche Auftraggeber, da Klimaanforderungen an Baustoffe die Beschaffungskosten beeinflussen können.
Bei mehreren Fragen zur CO2-Transportinfrastruktur (Fragen 19, 29 und Unterfragen) verweist die Bundesregierung auf die Eigenverantwortung der Marktakteure und nennt weder Zeitpläne noch regionale Priorisierungen. Zu den genauen Abscheidequoten der geförderten CCS-Projekte liegen ihr nach eigenen Angaben keine belastbaren Informationen vor.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Klimaneutralität bis 2045: Wie will Deutschland Zement grün machen? →
- CCS/CCU
- Carbon Capture and Storage bzw. Utilization — Technologien zur Abscheidung von CO2 aus Industrieabgasen und dessen anschließender Speicherung oder Weiterverwendung.
- CO2-Differenzvertrag (CCfD)
- Staatliches Förderinstrument, das die Mehrkosten klimaneutraler Produktionsverfahren gegenüber konventionellen Verfahren ausgleicht und Unternehmen Planungssicherheit gibt.
- KSpTG
- Kohlendioxid-Speicherungs- und Transportgesetz — seit November 2025 geltendes Gesetz, das erstmals den rechtssicheren Bau von CO2-Leitungen und -Speichern in Deutschland ermöglicht.
Wie viel CO2 stößt die Zementindustrie aus?
Die prozessbedingten Emissionen sanken laut Umweltbundesamt von 13.357 Kilotonnen CO2-Äquivalent (2020) auf 9.831 Kilotonnen (2024). Energiebedingte Emissionen werden statistisch nicht separat ausgewiesen.
Welche CCS-Projekte gibt es in der deutschen Zementindustrie?
Vier Projekte werden aus dem EU-Innovationsfonds gefördert: Carbon2Business (Holcim, 109,8 Mio. Euro), GeZero (Heidelberg Materials, 190,9 Mio. Euro), EVEREST (Rheinkalk/Lhoist, 228,7 Mio. Euro) und CO2LLECT (CEMEX/Linde, 157,1 Mio. Euro).
Wie fördert der Bund die Dekarbonisierung der Zementindustrie?
Über CO2-Differenzverträge (CCfDs), die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) sowie die Energieeffizienzförderung (EEW) mit rund 1,1 Mrd. Euro pro Jahr. Im Gebotsverfahren 2026 sind 5 Mrd. Euro eingeplant.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6945 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































