- S15 fährt seit 15. Juni 2026 zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof
- Gesamtkosten 1. Bauabschnitt: 811,6 Mio. Euro – Schlussrechnungen noch offen
- Vollausbau bis Südkreuz frühestens Mitte/Ende der 2030er-Jahre geplant
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6667 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Projekt S21 Berlin verbindet den Berliner Hauptbahnhof mit dem S-Bahn-Ring und ist Teil des Gemeindeverkehrsfinanzierungsprogramms (GVFG) des Bundes. Die Bauarbeiten am 1. Abschnitt begannen im Jahr 2000; der ursprünglich deutlich früher geplante Betriebsstart wurde mehrfach verschoben. Als Hauptursachen nennt die DB AG Baumängel an der Haustechnik des Berliner Hauptbahnhofs, Pandemieauswirkungen sowie Engpässe bei Material und Personal. Der Bund stellt für alle drei Bauabschnitte insgesamt bis zu 1,607 Mrd. Euro aus dem GVFG-Bundesprogramm bereit.
- 811,6 Mio. Euro — Gesamtkosten des 1. Bauabschnitts (Gesundbrunnen–Hauptbahnhof) laut DB InfraGO AG
- 217 Mio. Euro — GVFG-Bundesmittel für den 1. Bauabschnitt (Nordringanbindung bis Hauptbahnhof)
- 530 Mio. Euro — GVFG-Bundesmittel für den 2. Bauabschnitt (Hauptbahnhof bis Potsdamer Platz)
- 860 Mio. Euro — GVFG-Bundesmittel für den 3. Bauabschnitt (Potsdamer Platz bis Yorckstraße/Südkreuz)
- ca. 2,5 Jahre — Geplante Dauer der Sperrung der Nord-Süd-S-Bahn für den Weiterbau nördlich des Potsdamer Platzes
Im Detail
Der Betrieb der S-Bahnlinie S15 wurde am 15. Juni 2026 aufgenommen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6667, S. 1
Nach 26 Jahren Bauzeit fährt die Berliner S-Bahnlinie S15 seit dem 15. Juni 2026 auf dem ersten Streckenabschnitt zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof. Das Bundesministerium für Verkehr hat am 24. Juni 2026 die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 21/6165) zu Zeitplan und Kosten des Projekts beantwortet (BT-Drs. 21/6667). Die Antwort gibt erstmals einen umfassenden Überblick über den Finanzierungsstand und die Planungshorizonte aller drei Bauabschnitte.
S-Bahn S15 in Betrieb – Kosten noch nicht abschließend beziffert
Laut Bundesregierung betragen die Gesamtkosten des 1. Bauabschnitts aktuell 811,6 Mio. Euro. Die Schlussrechnungen liegen der DB InfraGO AG allerdings noch nicht vor, sodass eine endgültige Kostenbilanz aussteht. Für diesen Abschnitt sind im GVFG-Bundesprogramm 217 Mio. Euro an Bundesfinanzmitteln vorgesehen; tatsächlich finanziert sind für den 1. Bauabschnitt (Interims- und Endzustand) nach Angaben der DB InfraGO AG rund 720,6 Mio. Euro. Die Kostensteigerungen gegenüber dem ursprünglichen Ansatz haben sich über zwei Jahrzehnte aufgebaut und spiegeln unter anderem Mängel an der Haustechnik des Berliner Hauptbahnhofs, Pandemieauswirkungen sowie Engpässe bei Material und Personal wider.
Was gilt aktuell beim S-Bahn-Projekt S21?
Der provisorische Bahnsteig unter der Invalidenstraße wird bis zum Beginn der Bauarbeiten für den endgültigen Zielbahnsteig in Betrieb bleiben. Das schadhafte Trägerrost der Humboldthafenbrücke wurde im Februar 2026 instandgesetzt; die Fertigstellung der Abfangplatten unterhalb des Trägerrostes ist für Anfang der 2030er-Jahre geplant. Erst danach können die regulären Tiefbauarbeiten am Hauptbahnhof-Bahnsteig fortgeführt werden.
Weiterbau: Potsdamer Platz erst in den 2030er-Jahren
Der 2. Bauabschnitt (Hauptbahnhof–Potsdamer Platz) hat am 9. Januar 2024 mit der Einreichung der Unterlagen beim Eisenbahn-Bundesamt das Planfeststellungsverfahren gestartet. Den Planfeststellungsbeschluss erwartet die DB InfraGO AG noch im Jahr 2026; die Inbetriebnahme ist für Mitte/Ende der 2030er-Jahre vorgesehen. Für diesen Abschnitt sind im GVFG-Programm 530 Mio. Euro an Bundesmitteln eingeplant, bislang sind rund 40,5 Mio. Euro finanziert.
Der 3. Bauabschnitt (Potsdamer Platz–Bahnhöfe Yorckstraße und weiter bis Berlin Südkreuz) befindet sich in einem deutlich früheren Planungsstadium. Teilabschnitt 3a (Potsdamer Platz–Yorckstraße) ist in der Grundlagenermittlung; die Entwurfsplanung soll 2027 starten. Für Teilabschnitt 3b (Yorckstraße–Südkreuz) steht die formelle Beauftragung durch das Land Berlin noch aus. Der Bund hat für den 3. Abschnitt insgesamt 860 Mio. Euro im GVFG-Programm eingeplant; gesichert finanziert sind derzeit rund 32,6 Mio. Euro.
Haltepunkt Perleberger Brücke: Eröffnung frühestens 2029
Der ursprünglich für 2026 vorgesehene Haltepunkt Perleberger Brücke wird sich nach Medienberichten auf frühestens 2029 verschieben. Das Land Berlin hat die Planung bestellt und dafür Landesmittel bereitgestellt; die formelle Baubewilligung steht jedoch noch aus. Die Bundesbeteiligung über das GVFG wird laut Bundesregierung noch geprüft. Wegen fehlender Berliner Bestätigung zur Vorplanung kann die DB InfraGO AG derzeit keine Aussagen zu Auswirkungen des Baus auf den laufenden Bahnbetrieb treffen.
Für die rund 12.000 Beschäftigten und Bewohner der Europacity nördlich des Hauptbahnhofs – darunter das neue DKB-Hochhaus mit 2.000 Mitarbeitenden – verweist die Bundesregierung auf die Zuständigkeit des Landes Berlin für das Verkehrskonzept. Auch die Frage, ob die Verzögerung beim Haltepunkt Perleberger Brücke durch ein anderes Verkehrsprojekt verursacht wurde, kann die Bundesregierung nicht beantworten; ihr liegen dazu keine Informationen vor.
Nord-Süd-Bahn: 2,5 Jahre Sperrung für Weiterbau
Für die bauliche Integration des S21-Projekts nördlich des Potsdamer Platzes wird die Nord-Süd-S-Bahn rund 2,5 Jahre unterbrochen sein. Das sogenannte Vorratsbauwerk „Heuboden“ kann zwar teilweise genutzt werden, muss jedoch auf einem definierten Abschnitt durch einen Neubau ersetzt werden. Das genaue Datum dieser Sperrung hängt vom Fortschritt der Planfeststellung im 2. Bauabschnitt ab.
Die Drucksache dokumentiert damit ein Infrastrukturprojekt, das seit dem Jahr 2000 in Realisierung ist und dessen Vollendung bis zum Berliner Südkreuz frühestens in zwei Jahrzehnten erwartet wird. Die Gesamtkosten aller drei Bauabschnitte können nach aktuellem Stand bis zu 1,607 Mrd. Euro an Bundesfördermitteln allein aus dem GVFG binden. Mehr zur Lage der deutschen Bahninfrastruktur und Verkehrsfinanzierung lesen Sie auch in verwandten Beiträgen auf drucksachlich.de.
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Pendler und Fahrgäste in Berlin, insbesondere zwischen dem nördlichen Stadtgebiet (Gesundbrunnen) und dem Hauptbahnhof, profitieren unmittelbar von der neuen Linie. Die rund 12.000 Beschäftigten und Anwohner der Europacity nördlich des Hauptbahnhofs sind auf weitere Erschließungsschritte angewiesen. Für den Ausbau der Folgeabschnitte sind Bund, Land Berlin und die DB InfraGO AG als Projektträger betroffen.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen, verweist bei Kostenfragen für Änderungen jedoch auf fehlende Schlussrechnungen und bei Zuständigkeitsfragen zur Europacity und zum Haltepunkt Perleberger Brücke auf das Land Berlin.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 24.06.2026) S-Bahn-Chaos in Berlin: Seit 2000 geplant, noch immer nicht fertig →
- GVFG
- Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz – Bundesgesetz, das Finanzhilfen für kommunale Verkehrsinfrastruktur (u. a. U- und S-Bahnen) regelt.
- Planfeststellungsverfahren
- Behördliches Genehmigungsverfahren für große Infrastrukturprojekte, das Öffentlichkeitsbeteiligung und Umweltprüfung einschließt und mit einem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen wird.
- DB InfraGO AG
- Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG, die seit 2024 für das Schienennetz und die Bahnhöfe in Deutschland zuständig ist.
Wann hat die S15 in Berlin ihren Betrieb aufgenommen?
Die S-Bahnlinie S15 fährt seit dem 15. Juni 2026 zwischen Gesundbrunnen und dem Berliner Hauptbahnhof.
Wie hoch sind die Gesamtkosten des 1. Bauabschnitts?
Laut DB InfraGO AG belaufen sich die Gesamtkosten des 1. Bauabschnitts auf 811,6 Mio. Euro. Die Schlussrechnungen liegen noch nicht abschließend vor.
Wann ist der vollständige Ausbau der S21 bis zum Südkreuz geplant?
Der 2. Bauabschnitt (Hauptbahnhof–Potsdamer Platz) soll Mitte/Ende der 2030er-Jahre in Betrieb gehen. Für den 3. Bauabschnitt (Potsdamer Platz–Südkreuz) steht die formelle Beauftragung durch Berlin noch aus.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6667 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































