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Home Themen Energie & Umwelt

Energieeffizienzgesetz: 21 Fragen zu Sparzielen und Wirtschaftsrisiken

durch Redaktion Bundestag
4. Juli 2026
in Energie & Umwelt
2
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/6801

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/6801

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VerfahrensstandKleine Anfrage
Beantwortet
✓
Einreichung
Eingereicht von einer Fraktion oder einzelnen Abgeordneten.
✓
Antwort der Bundesregierung
Die Regierung antwortet schriftlich innerhalb vorgeschriebener Fristen.
3
Veröffentlichung
Anfrage und Antwort werden als Drucksache veröffentlicht.
Vorgang VO336773 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/6801 | Kleine Anfrage | Original-PDF | dip.bundestag.de

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6801 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

⏱ 6 Min. Lesezeit🔄 Akt.: 04.07.2026
⚖️ Verfahrensstand
✅Beantwortet
📅 22.07.2026
⚡ Auf einen Blick
  • Energieverbrauch soll bis 2045 von 2 544 auf 1 400 TWh sinken
  • EU-Vertragsverletzungsverfahren läuft seit Oktober 2025
  • DIHK warnt: Einsparziele könnten BIP um 9 Prozent schrumpfen lassen
🔗 Hintergrund: Deutschland hat die EU-Umsetzungsfrist am 11. Oktober 2025 verpasst, woraufhin die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleitete. Das Bundeswirtschaftsministerium legte am 9. April 2026 einen Referentenentwurf zur Novellierung vor.
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  • Industrieemissions-Richtlinie: Bundesregierung reduziert Messverpflichtungen für Unternehmen

Hintergrund

Das deutsche Energieeffizienzgesetz (EnEfG) soll die EU-Richtlinie EED III (2023/1791) in nationales Recht umsetzen. Deutschland hat die Umsetzungsfrist am 11. Oktober 2025 verpasst, woraufhin die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleitete. Der deutsche Gesamtenergiebedarf sank zwischen 2009 und 2024 bereits von 2 544 TWh auf 2 246 TWh. Das Bundeswirtschaftsministerium legte am 9. April 2026 einen Referentenentwurf zur Novellierung vor, der die nationalen Reduktionsziele in § 4 EnEfG jedoch unverändert lässt. Der DIHK hatte bereits 2023 vor dem Gesetz gewarnt und berechnet, dass das BIP für eine vollständige Zielerreichung bis 2030 um rund 9 Prozent schrumpfen müsste.

📊 Zahlen auf einen Blick
  • 2 544 TWh — Gesamtenergiebedarf Deutschlands im Jahr 2009 (Ausgangswert).
  • 2 246 TWh — Tatsächlicher Energiebedarf Deutschlands im Jahr 2024.
  • 1 867 TWh — Gesetzliches Ziel für den deutschen Energieverbrauch bis 2030 laut EnEfG.
  • 1 400 TWh — Gesetzliches Ziel für 2045, was einer Reduzierung um fast die Hälfte gegenüber 2009 entspricht.
  • 9 Prozent — Um diesen Betrag müsste das BIP laut DIHK-Berechnung schrumpfen, damit Deutschland die Einsparziele bis 2030 erreicht.

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Infografik BT-Drs. 21/6801
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Im Detail

Von außen betrachtet ist es faktisch unmöglich, zu erkennen, ob das deutsche Energieeffizienzgesetz lediglich eine direkte Umsetzung der EU-Richtlinie 2023/1791 ist, oder ob hier nationales Gold-Plating (Übererfüllung von Vorgaben) betrieben wird.

— Vorbemerkung BT-Drs. 21/6801

Deutschlands Energieverbrauch soll bis 2045 auf 1 400 Terawattstunden sinken — das wäre gegenüber dem Ausgangswert von 2 544 TWh im Jahr 2009 annähernd eine Halbierung. Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) schreibt diese Ziele verbindlich vor und setzt damit die EU-Energieeffizienzrichtlinie EED III (2023/1791) in deutsches Recht um. Allerdings hat Deutschland die Umsetzungsfrist bereits verpasst: Am 11. Oktober 2025 lief die Frist ab, ohne dass das Gesetz vollständig umgesetzt war. Die EU-Kommission leitete daraufhin ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland ein.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundeswirtschaftsministerium am 9. April 2026 einen Referentenentwurf zur Novellierung des EnEfG vorgelegt. Laut der zugehörigen Synopse bleibt § 4 des Gesetzes — also die konkreten nationalen Reduktionsziele — dabei jedoch unverändert. Das bedeutet: Die Zielmarken von 1 867 TWh bis 2030 (Endenergie minus 26,5 Prozent gegenüber 2008) und 1 400 TWh bis 2045 (minus 45 Prozent) bleiben bestehen, auch wenn das Gesetz in anderen Teilen angepasst wird.

Energieeffizienzgesetz: Wo liegen die politischen Konfliktlinien?

Die Anfrage thematisiert einen zentralen Widerspruch: Während das Energieeffizienzgesetz sinkenden Verbrauch vorschreibt, wächst der Energiebedarf in mehreren Schlüsselsektoren. Rechenzentren — insbesondere durch den Boom von KI-Anwendungen — benötigen stetig mehr Strom. Die geplante heimische Wasserstoffproduktion erzeugt erhebliche Wirkungsgradverluste, und der massive Ausbau von Batteriespeichern erhöht den Primärenergiebedarf systemisch. All diese Entwicklungen waren 2020, als das EU-Referenzmodell erstellt wurde, in diesem Ausmaß nicht absehbar.

Hinzu kommt die Frage nach dem sogenannten Gold-Plating: Die EU-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten kollektiv, den EU-weiten Energiebedarf gegenüber der Prognose für 2030 um 11,7 Prozent zu senken. Das deutsche Gesetz sieht dagegen eine nationale Senkung um 26,5 Prozent (Endenergie) gegenüber dem Basisjahr 2008 vor. Da unterschiedliche Referenzrahmen, Ausgangswerte und prozentuale Ziele verwendet werden, ist es nach Einschätzung der Fragesteller von außen kaum nachvollziehbar, ob Deutschland die EU-Vorgaben lediglich umsetzt oder deutlich übererfüllt. Die Anfrage bittet die Bundesregierung um eine mathematisch nachvollziehbare Ableitung der deutschen Zielwerte aus den EU-Vorgaben.

Was gilt aktuell?

Das geltende Energieeffizienzgesetz schreibt vor, dass der Primärenergieverbrauch bis 2030 um 39,3 Prozent und der Endenergieverbrauch um 26,5 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2008 sinken muss. Zwischen 2008 und 2020 sank der deutsche Endenergieverbrauch bereits um rund 8,9 Prozent. Bis 2030 wäre also ein weiterer Rückgang um etwa 17 Prozent erforderlich. Der DIHK beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten einer vollständigen Zielerreichung drastisch: Laut seiner Berechnung müsste das Bruttoinlandsprodukt dafür um rund 9 Prozent schrumpfen — eine Größenordnung, die erhebliche Auswirkungen auf Beschäftigung und Wohlstand hätte.

Im internationalen Vergleich verbraucht Deutschland bereits heute deutlich weniger Energie pro Kopf als Länder mit ähnlichem oder höherem BIP. Laut einer McKinsey-Studie zum Zukunftspfad Stromversorgung (2026) hat unter vergleichbaren Volkswirtschaften lediglich die Schweiz einen geringeren Pro-Kopf-Energiebedarf. Kanada, die USA, Norwegen, Südkorea und Tschechien liegen deutlich höher. Aus diesem internationalen Vergleich leiten die Fragesteller ab, dass das verbleibende Einsparpotenzial in Deutschland bereits weitgehend ausgeschöpft sein könnte.

Energieeffizienzgesetz und Industriestandort Deutschland

21 Einzelfragen richten sich an die Bundesregierung. Neben dem Stand des Vertragsverletzungsverfahrens und dem Zeitplan der Novellierung fragen die Abgeordneten Marc Bernhard und Dr. Malte Kaufmann (AfD), welche Maßnahmen die Bundesregierung bei Zielverfehlung plant und welche Kosten eine zusätzliche Energieverbrauchsreduktion um 1 Prozent bis 2030 für Bürger, Wirtschaft und Bundeshaushalt hätte. Auch wird gefragt, ob ordnungsrechtliche Einschränkungen für den Individualverkehr zur Zielerreichung ausgeschlossen werden können und wie die Bundesregierung den Verbleib energieintensiver Industrie in Deutschland sicherstellen will. Ein weiterer Fragenkomplex betrifft die CO₂-Bilanz: Falls energieintensive Industrie aufgrund der Sparvorgaben aus Deutschland und der EU abwandert und in Ländern ohne entsprechende Vorschriften produziert, könnten die globalen Emissionen per saldo steigen statt sinken.

Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/6801) steht noch aus. Die gesetzliche Antwortfrist läuft bis zum 22. Juli 2026. Zum breiteren Kontext der Energiepolitik und Haushaltsfragen lesen Sie auch unseren Beitrag zur Schuldenbremse-Ausnahme für IT-Sicherheit im Bundeshaushalt.

Weiterlesen:

  • Reformpaket der Koalition ist eine herbe Enttäuschung
  • Bundestag 02.07.2026: Die wichtigsten Drucksachen
👥 Wen betrifft das?

Betroffen sind energieintensive Industrieunternehmen, die bei einer Verschärfung der Sparvorgaben mit Produktionseinschränkungen oder Abwanderungsdruck rechnen müssen. Auch Betreiber und potenzielle Investoren von Rechenzentren sind direkt betroffen, da der wachsende Strombedarf durch KI-Anwendungen mit den gesetzlichen Sparzielen kollidiert. Mittelbar berührt das Thema alle Strom- und Energieverbraucher in Deutschland, da Energiesparvorgaben Einfluss auf Preise und Versorgungssicherheit haben.

Parlamentarischer Fahrplan

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 22.07.2026) Energieeffizienzgesetz: Ziele 2030 und EU-Vertragsverletzungsverfahren →

⚖️ Erwähnte Gesetze
  • Energieeffizienzgesetz (EnEfG)
📖 Begriffe erklärt
Gold-Plating
Bezeichnet die Übererfüllung von EU-Vorgaben durch nationales Recht, also strengere nationale Anforderungen als von der EU-Richtlinie gefordert.
Vertragsverletzungsverfahren
Verfahren der EU-Kommission gegen einen Mitgliedstaat, der EU-Recht nicht oder nicht rechtzeitig umsetzt. Im Extremfall folgt eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.
EnEfG
Energieeffizienzgesetz — das deutsche Gesetz zur Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie, das verbindliche Ziele zur Senkung des Energieverbrauchs bis 2030 und 2045 festlegt.
❓ Häufige Fragen

Was ist das Energieeffizienzgesetz?

Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) setzt die EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED III) in deutsches Recht um und schreibt vor, den Energieverbrauch bis 2030 auf 1 867 TWh und bis 2045 auf 1 400 TWh zu senken.

Was ist Gold-Plating bei EU-Richtlinien?

Gold-Plating bezeichnet die Übererfüllung von EU-Vorgaben durch nationale Gesetzgebung, also strengere Anforderungen als von der EU-Richtlinie eigentlich verlangt.

Warum gibt es ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland?

Deutschland hat die Frist zur Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie am 11. Oktober 2025 verpasst, woraufhin die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet hat.

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Tags: AfDDrucksache 21/6801EnEfGEnergieeffizienzgesetzEnergiesparzieleEnergiewendeEU-Richtlinie 2023/1791Gold PlatingIndustrieMalte KaufmannMarc BernhardRechenzentrenVertragsverletzungsverfahrenVO336773

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Bundestag verlängert Kosovo-Einsatz: 400 Soldaten bis 2027

6. Juni 2026
COVID-Impfstoff-Studie

350.686 Verdachtsfälle: AfD fordert 80 Millionen für Impf-Forschung

5. Juni 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/7859

Tabaksteuer-Reform 2027: Bis zu 3,6 Mrd. Euro Mehreinnahmen

9. September 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache

Petitionswesen im Bundestag: Verfahren und aktuelle Entscheidungen

18
Aus den Ausschüssen – KW23/2026

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12
Plenarsaal des Deutschen Bundestages

Heute im Bundestag – 24.09.2026

12
Bundesförderung im Bundestag: Kontrolle, Transparenz und Millionenbeträge

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11
Bundestag 26.07.2026: Die wichtigsten Drucksachen

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10
Illustration: Bundestagsdrucksache

Begriff erklärt: Parlamentarische Kontrollrecht

9
Präventionswirkung von Strafverschärfungen: Forschungsstand und Erkenntnisse

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2. Oktober 2026
Bundestag 01.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen

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1. Oktober 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8269

Ehegattennachzug: 13.442 Visa-Ablehnungen wegen Sprachtest

1. Oktober 2026
Das bewegt Deutschland — 01.10.2026

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Begriff erklärt: Kanzlerwahlvorschlag

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1. Oktober 2026
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30. September 2026
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Tabaksteuer-Reform 2027: Bis zu 3,6 Mrd. Euro Mehreinnahmen

9. September 2026

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