- 1,3 Millionen Ausländer in Engpassberufen — Anteil seit 2015 fast verdoppelt
- Engpassbedarf bis 2029: 4,81 Mio. offene Stellen, nur 4,37 Mio. Zugänge
- EU-Nettozuwanderung sank von 143.515 (2022) auf nur noch 12.700 (2025)
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7546 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland verzeichnet seit Jahren in zahlreichen Berufen mehr offene Stellen als verfügbare Arbeitskräfte. Die Bundesagentur für Arbeit klassifiziert Berufe mit einer Engpassbewertung von 2,0 oder höher als Mangelberufe. Dazu zählen Pflegeberufe, Handwerksberufe, Berufskraftfahrer, Köche und viele Gesundheitsberufe. Zugleich prognostiziert das QuBe-Projekt (BIBB, IAB, GWS) bis 2029 eine Angebotslücke von rund 440.000 Personen auf dem gesamten deutschen Arbeitsmarkt. Die rückläufige EU-Nettozuwanderung sowie Studien wie der OECD-Talent Attractiveness Report 2023 und die DeZIM-Studie 2025 deuten darauf hin, dass Diskriminierungserfahrungen und ein negatives gesellschaftliches Klima die Attraktivität Deutschlands als Zielland für Arbeitskräfte beeinflussen.
- 8,8 Millionen — sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Engpassberufen in Deutschland im Juni 2025.
- 1,3 Millionen (14,6 %) — davon mit ausländischer Staatsangehörigkeit; 2015 waren es erst 7,6 Prozent.
- 4,81 Mio. vs. 4,37 Mio. — Bedarf an neuen Arbeitskräften bis 2029 übersteigt den prognostizierten Zugang um rund 440.000 Personen.
- 12.700 — EU-Nettozuwanderung 2025, gegenüber 143.515 im Jahr 2022.
- 34–37 % — Anteil von Eingewanderten und deren Nachkommen, die laut DeZIM-Studie 2025 Auswanderungserwägungen hegen.
Im Detail
Deutschland braucht qualifizierte Einwanderung. Die Bundesregierung setzt daher sowohl auf die Gewinnung von internationalen Arbeitskräften, als auch auf das Halten und Fördern bereits eingewanderter internationaler Arbeitskräfte.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7546, S. 6
In Deutschland arbeiten in Mangelberufen — von der Krankenpflege über den LKW-Fahrer bis zur Systemgastronomie — inzwischen rund 1,3 Millionen Menschen mit ausländischem Pass. Das entspricht einem Anteil von 14,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Engpassberufen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/7546) vom 10. August 2026 auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor.
Fachkräftemangel in Engpassberufen: Entwicklung seit 2015
Noch 2015 lag der Ausländeranteil in Engpassberufen bei lediglich 7,6 Prozent — er hat sich seitdem nahezu verdoppelt. Besonders dynamisch verlief dieser Anstieg in den Jahren nach 2020. Westdeutschland erreicht mit 15,5 Prozent einen deutlich höheren Ausländeranteil in Engpassberufen als Ostdeutschland (10,6 Prozent), wobei auch dort der Anstieg seit 2015 erheblich war: von 3,6 auf 10,6 Prozent. Baden-Württemberg (18,8 %), Bayern (18,0 %) und Hessen (18,4 %) weisen die höchsten Anteile auf. In einzelnen Berufsgruppen ist die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften besonders ausgeprägt: In der Systemgastronomie liegt der Ausländeranteil bei 60,8 Prozent, in der Fleischverarbeitung bei 57,3 Prozent und bei Köchinnen und Köchen bei 35,4 Prozent.
Was gilt aktuell beim Aufenthaltsrecht für Fachkräfte?
Fachkräfte aus Drittstaaten, die in Engpassberufen tätig sind, können unter bestimmten Bedingungen bereits nach kürzerer Voraufenthaltszeit eine Niederlassungserlaubnis erhalten. Maßgeblich sind die §§ 18a, 18b und 18c des Aufenthaltsgesetzes. Für EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörige gilt das Freizügigkeitsgesetz/EU. Laut BT-Drs. 21/7546 plant die Bundesregierung in diesem Bereich keine gesetzlichen Änderungen. Unter den Drittstaatsangehörigen in Engpassberufen (insgesamt rund 716.000 Personen im Juni 2025) verfügen 31,8 Prozent über eine Niederlassungserlaubnis — 2020 waren es noch 40,8 Prozent, der Anteil sinkt also bei wachsender Grundgesamtheit.
Arbeitskräftebedarf übersteigt Angebot deutlich
Nach Berechnungen des QuBe-Projekts (BIBB, IAB, GWS) wird bis 2029 der Bedarf zur Besetzung von Arbeitsplätzen mit 4,81 Millionen Personen den Zugang aus Bildungssystem und Zuwanderung (4,37 Millionen) um rund 440.000 übersteigen. Differenzierte Szenarien nach Ost und West liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht vor. Grundsätzlich erwartet die Bundesregierung jedoch, dass Ostdeutschland gemessen an seiner Bevölkerungsgröße eine höhere Nettozuwanderung benötigen wird als der Westen. Aktuelle Langfristprojektionen sollen Ende 2026 oder Anfang 2027 vorliegen — dann auch unter Einbeziehung der Ergebnisse des Zensus 2022, dessen Daten in der bisherigen Projektion noch fehlen.
EU-Zuwanderung bricht ein
Ein strukturell relevanter Befund in der Antwort betrifft die EU-Freizügigkeit: Die Nettozuwanderung aus EU-Ländern ist seit 2022 stark rückläufig. Zogen 2022 noch 143.515 nicht-deutsche Unionsbürgerinnen und Unionsbürger mehr zu als ab, waren es 2025 nur noch 12.700. Die Bundesregierung verweist zur Ursachenanalyse auf eine Studie der Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer vom März 2026 — darin werden Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Entwicklungen in den Herkunftsländern sowie strukturelle Faktoren in Deutschland genannt. Diese Entwicklung ist für den deutschen Arbeitsmarkt besonders relevant, da EU-Bürger bislang eine der größten Gruppen ausländischer Beschäftigter stellen — darunter allein 522.156 Polen, 525.481 Rumänen und 285.504 Ukrainerinnen und Ukrainer.
Diskriminierung als Abwanderungsgrund anerkannt
Die Bundesregierung erkennt an, dass Diskriminierungserfahrungen Auswanderungserwägungen befördern. Laut DeZIM-Studie 2025 hegen 34 bis 37 Prozent der Eingewanderten und ihrer Nachkommen solche Überlegungen; der IAB-Forschungsbericht kommt auf 26 Prozent. Konkrete Auswanderungspläne bleiben dabei laut Bundesregierung selten. Als Gegenmaßnahme verweist das BMAS auf die Förderrichtlinie der Integrationsbeauftragten zur Bekämpfung von Rassismus im Arbeitskontext (seit Dezember 2025) sowie auf 17 Regionale Integrationsnetzwerke Willkommenskultur (RINWA), die von 2026 bis Ende 2028 mit über 60 Teilvorhaben gefördert werden. Themenübergreifende Einordnungen zur Arbeitssituation in Deutschland liefern weitere parlamentarische Anfragen der laufenden Wahlperiode.
Weitere Daten zu Herkunftsländern, Aufenthaltsstatus und Berufsgruppen sind im umfangreichen Tabellenanhang der Drucksache 21/7546 auf der Website des Deutschen Bundestages abrufbar. Ergänzende Perspektiven auf Anfragen zu gesellschaftspolitischen Themen bietet auch die Übersicht zu aktuellen Drucksachen.
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Betroffen sind in erster Linie Branchen mit akutem Personalmangel: Pflege und Gesundheit, Gastronomie und Hotellerie, Transport und Logistik sowie Bau- und Handwerksberufe. Für Patientinnen und Patienten, Pflegebedürftige sowie Unternehmen in diesen Sektoren ist die Verfügbarkeit ausländischer Fachkräfte unmittelbar relevant. Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit in Ostdeutschland, wo die Engpassanteile ausländischer Beschäftigter zwar wachsen, aber mit 10,6 Prozent (Juni 2025) noch deutlich unter dem Westniveau von 15,5 Prozent liegen.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen substanziell und legt umfangreiches Datenmaterial vor. Bei der Frage nach dem jährlichen Nettozuwanderungsbedarf differenziert nach Ost und West verweist sie jedoch darauf, dass ein solches Szenario nicht vorliege. Frage 12 zur Migrationskonferenz der Bundesagentur für Arbeit wird sehr allgemein und ohne inhaltliche Schlussfolgerungen beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Fachkräftemangel: Ausländische Beschäftigte in Engpassberufen →
- Engpassberuf
- Ein Beruf gilt als Engpassberuf, wenn die Bundesagentur für Arbeit ihm eine Engpassbewertung von 2,0 oder höher zuweist — das bedeutet, es gibt deutlich mehr offene Stellen als Arbeitssuchende in diesem Berufsfeld.
- Niederlassungserlaubnis
- Ein unbefristeter Aufenthaltstitel für Drittstaatsangehörige in Deutschland. Fachkräfte in Engpassberufen können diesen unter bestimmten Voraussetzungen nach kürzerer Voraufenthaltszeit erhalten (§ 18c AufenthG).
- IQ-Programm
- Das ESF-Plus-Förderprogramm 'Integration durch Qualifizierung' unterstützt die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und berät Unternehmen sowie internationale Arbeitskräfte zur qualifikationsadäquaten Beschäftigung.
Wie viele Ausländer arbeiten in Engpassberufen?
Im Juni 2025 waren es laut Bundesagentur für Arbeit rund 1,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit ausländischer Staatsangehörigkeit, das entspricht 14,6 Prozent aller Beschäftigten in Engpassberufen.
Wie hat sich der Anteil seit 2015 entwickelt?
Der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen stieg von 7,6 Prozent im Juni 2015 auf 14,6 Prozent im Juni 2025 — eine nahezu Verdopplung innerhalb von zehn Jahren.
Plant die Bundesregierung gesetzliche Änderungen für Fachkräfte?
Nein. Laut Antwort sind im Bereich des Aufenthaltsrechts für Beschäftigte in Engpassberufen derzeit keine gesetzlichen Änderungen geplant. Bestehende Erleichterungen bei der Niederlassungserlaubnis bleiben bestehen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7546 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































