- 21,3 Prozent der Frauen ab 65 Jahren sind von Altersarmut betroffen
- In Ostdeutschland stammen 79 Prozent aller Alterseinkommen aus der GRV
- 25 Fragen zu Rente, Grundsicherung und Kommissionsvorschlägen gestellt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6827 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Paritätische Armutsbericht 2026 weist für das Jahr 2025 mehr als 13,3 Millionen armutsbetroffene Menschen in Deutschland aus. Menschen ab 65 Jahren sind dabei überproportional häufig betroffen, insbesondere Frauen. Der Alterssicherungsbericht 2024 dokumentiert zudem, dass in Ostdeutschland 79 Prozent aller Alterseinkommen aus der Gesetzlichen Rentenversicherung stammen — eine strukturelle Abhängigkeit, die Reformvorhaben besonders folgenreich macht. Gleichzeitig hat die Alterssicherungskommission Vorschläge vorgelegt, die die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung koppeln und das Rentenniveau nach 2031 absenken würden.
- 13,3 Millionen — Armutsbetroffene in Deutschland im Jahr 2025 laut Paritätischem Armutsbericht 2026
- 21,3 Prozent — Armutsquote bei Frauen ab 65 Jahren in Deutschland
- 17,3 Prozent — Armutsquote bei Männern ab 65 Jahren — deutlich unterhalb des Wertes für Frauen
- 79 Prozent — Anteil der GRV-Leistungen an allen Alterseinkommen der über 65-Jährigen in Ostdeutschland (Alterssicherungsbericht 2024, Tabelle BC.1)
- rund drei Viertel — Anteil der Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland, die ausschließlich GRV-Leistungen erhalten
Im Detail
Die erheblichen Unterschiede beim Alterseinkommen zwischen Männern und Frauen sind „das Resultat einer oftmals noch traditionellen geschlechterspezifischen Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit in der BRD“.
— Zitat aus dem 9. Altersbericht der Bundesregierung, BT-Drs. 20/14450, S. 59, wiedergegeben in BT-Drs. 21/6827
Mehr als 13,3 Millionen Menschen in Deutschland waren im Jahr 2025 von Armut betroffen — darunter überdurchschnittlich viele Ältere. Laut dem Paritätischen Armutsbericht 2026 liegt die Altersarmutsquote bei Frauen ab 65 Jahren bei 21,3 Prozent, bei gleichaltrigen Männern bei 17,3 Prozent. Damit ist statistisch etwa jede fünfte Person im Rentenalter von Altersarmut betroffen. Die Fraktion Die Linke hat dazu am 1. Juli 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6827 eingereicht und die Bundesregierung mit 25 Einzelfragen zu Daten, Ursachen und geplanten Gegenmaßnahmen konfrontiert.
Altersarmut: Ursachen und regionale Unterschiede
Laut der Anfrage sind die Ursachen für die besonders hohe Altersarmut bei Frauen strukturell: geringere Erwerbseinkommen durch Teilzeitarbeit und Erziehungspausen schlagen sich im Alter in niedrigeren Rentenansprüchen nieder. Die Bundesregierung selbst hält im 9. Altersbericht fest, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen im Alter das Resultat einer traditionellen Arbeitsteilung seien. Laut einer früheren Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/3685, Frage 77) sinken die Renten von Frauen im Westen mit steigender Kinderzahl sogar.
Für Ostdeutschland stellt die Anfrage eine besondere Abhängigkeit von der Gesetzlichen Rentenversicherung fest: Laut Alterssicherungsbericht 2024 stammen dort 79 Prozent aller Alterseinkommen aus der GRV, rund drei Viertel der Rentnerinnen und Rentner erhalten ausschließlich GRV-Leistungen. Kürzungen in der gesetzlichen Rente würden diese Gruppe deshalb besonders hart treffen.
Was gilt aktuell beim Rentenniveau?
Das gesetzlich verankerte Sicherungsniveau der Rente gilt bis 2031. Die Alterssicherungskommission hat Vorschläge erarbeitet, das Rentenniveau nach 2031 abzusenken, die Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung zu koppeln und die Rente für besonders langjährig Versicherte — die sogenannte Rente mit 63 — abzuschaffen. Die Linke fragt in ihrer Anfrage konkret nach den erwarteten Auswirkungen jedes dieser Vorschläge auf die Altersarmut, insbesondere für Menschen mit niedrigen Einkommen und körperlich belastenden Berufen.
25 Fragen zu Rentenstatistik und Reformfolgen
Die Anfrage deckt ein breites Spektrum ab: von der Entwicklung der Zahl der Pflichtversicherten gegenüber Rentnerinnen und Rentnern über den vergangenen Zehn-Jahres-Zeitraum (Frage 1) bis hin zur Altersarmut bei Menschen mit Migrationshintergrund (Frage 21). Konkret fragt die Fraktion unter anderem:
- Wie viele Rentnerinnen und Rentner mit mindestens 45 Versicherungsjahren erhalten eine Nettorente unter 1.446 Euro? (Frage 4)
- Wie entwickelten sich die Ausgaben für Grundsicherung im Alter nach SGB XII in den vergangenen zehn Jahren? (Frage 10)
- Wie viele Menschen ab 65 Jahren beziehen Wohngeld, und wie hat sich deren Zahl entwickelt? (Frage 13)
- Wie hat sich die Armutsgefährdungsquote der Bevölkerung ab 65 Jahren entwickelt? (Frage 14)
- Welche Personengruppen wären durch die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte besonders gefährdet? (Frage 24)
Ein eigener Schwerpunkt gilt der sogenannten „verschämten Altersarmut“ (Frage 12): Menschen, die trotz Anspruch keine Grundsicherung beantragen. Die Fraktion fragt, welche Maßnahmen die Bundesregierung plant, um dieses Phänomen systematisch zu erfassen und zu bekämpfen.
Politischer Kontext: Reformpaket und Rentenkommission
Die Anfrage steht im Zusammenhang mit der aktuellen rentenpolitischen Debatte. Die Koalition hat im Juli 2026 ein umfassendes Reformpaket vorgestellt, das auch die Arbeitsmärkte und Sozialleistungen betrifft. Die Linke sieht darin — ebenso wie beim Paritätischen Wohlfahrtsverband — keine ausreichenden Antworten auf das Altersarmutsproblem. Auch die Kritik der Fraktion am Reformpaket und die Abschaffung des Bürgergelds zugunsten einer neuen Grundsicherung stehen in diesem Zusammenhang. Die Anfrage zu IGeL und GKV-Versicherten zeigt, dass die Linke derzeit mehrere soziale Grundsatzfragen parlamentarisch bearbeitet.
Weiterlesen:
- Das Bürgergeld ist Geschichte – die neue Grundsicherung
- IGeL-Reform: Linke fordert Schutz für GKV-Versicherte
- Nebelkerze statt Riesenreform
Betroffen sind vor allem Rentnerinnen und Rentner ab 65 Jahren, insbesondere Frauen mit einer Armutsquote von 21,3 Prozent. Ostdeutsche Rentnerinnen und Rentner sind aufgrund ihrer starken Abhängigkeit von der GRV besonders exponiert gegenüber Rentenreformen. Darüber hinaus sind Menschen mit langen Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitbeschäftigte und Niedrigeinkommensbezieher als besonders gefährdete Gruppen identifiziert.
Die Linke: Heidi Reichinnek und Sören Pellmann kritisieren, laut Vorbemerkung der Drucksache, dass die Bundesregierung bisher keine konkreten Maßnahmen zur Bekämpfung der Altersarmut vorgelegt habe — eine Einschätzung, die auch der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Armutsbericht 2026 teile.
Die Linke: Nebelkerze statt Riesenreform → — Die Fraktion kritisiert das Reformpaket der Koalition als unzureichend für einkommensschwache Gruppen und Rentnerinnen und Rentner.
"Der Vorschlag der Rentenkommission ist ein Rezept für Altersarmut. Es sind gerade die hart arbeitenden Menschen mit zu geringer Entlohnung, die es nicht bis zur Rente schaffen. Um die, die heute oft schon mit Abschlägen in Frührente gehen, weil sie einfach nicht mehr können. Und für diese Menschen, die in… …
"Das ist keine Rentenreform, das ist ein Rentenkürzungsprogramm. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, soll künftig länger schuften, weniger Rente bekommen und darauf hoffen, dass die Börse gute Laune hat. Besonders dreist ist der Angriff auf die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Da reden wir über Menschen, die morgens um… …
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/6827) wurde am 2. Juli 2026 im Bundestag registriert. Die Bundesregierung hat gemäß den parlamentarischen Gepflogenheiten 21 Tage Zeit für eine schriftliche Antwort — die Antwortfrist läuft bis zum 23. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als eigene Drucksache veröffentlicht.
- GRV
- Gesetzliche Rentenversicherung — das staatliche Pflichtversicherungssystem, in das Arbeitnehmer und Arbeitgeber Beiträge einzahlen und aus dem im Alter Rente bezogen wird.
- Verschämte Altersarmut
- Begriff für ältere Menschen, die trotz Anspruch keine Grundsicherung beantragen — häufig aus Scham oder Unwissenheit. Diese Dunkelziffer erschwert die statistische Erfassung von Altersarmut.
- Rentenniveau
- Das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittslohn; ein sinkendes Rentenniveau bedeutet, dass Renten im Verhältnis zu Löhnen geringer werden.
Wie hoch ist die Altersarmutsquote bei Frauen in Deutschland?
Laut dem Paritätischen Armutsbericht liegt die Armutsquote bei Frauen ab 65 Jahren bei 21,3 Prozent, bei Männern bei 17,3 Prozent — damit ist etwa jede fünfte Person ab 65 Jahren von Altersarmut betroffen.
Warum sind Ostdeutsche besonders stark von GRV-Kürzungen betroffen?
Laut Alterssicherungsbericht 2024 stammen 79 Prozent aller Alterseinkommen der über 65-Jährigen in Ostdeutschland aus der Gesetzlichen Rentenversicherung; rund drei Viertel erhalten ausschließlich GRV-Leistungen.
Was plant die Alterssicherungskommission?
Die Kommission schlägt unter anderem eine Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung, die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte sowie eine Absenkung des Rentenniveaus nach 2031 vor.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6827 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































