- Fluglärm emittiert Infraschall, dessen Gesundheitsfolgen noch unzureichend erforscht sind
- Fehlende Messnormen erschweren verbindliche Grenzwerte für tieffrequenten Schall
- Aktuelle Studien belegen kardiovaskuläre und psychische Risiken durch Fluglärm
Infraschall durch Fluglärm: Forschungsstand und rechtlicher Rahmen
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im Juni 2026 eine Analyse zum Thema Infraschall durch Fluglärm vorgelegt (WD 8 – 3000 – 043/26). Das Dokument beleuchtet den aktuellen Stand der Messtechnik, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die gesundheitlichen Auswirkungen von tieffrequentem Schall und Infraschall im Zusammenhang mit dem Flugverkehr.
Grundlagen und Quellen von Infraschall
Als Infraschall werden Schallwellen unterhalb von 20 Hertz bezeichnet, die vom menschlichen Ohr nicht gehört, wohl aber über den Körper als Vibration wahrgenommen werden können. Der Flugverkehr zählt neben natürlichen Phänomenen wie Stürmen und künstlichen Quellen wie Wärmepumpen oder Biogasanlagen zu den Emittenten in diesem Frequenzbereich. Je tiefer die Frequenz, desto höher muss der Schalldruckpegel sein, damit der Mensch den Ton wahrnimmt. Die individuelle Wahrnehmungsschwelle variiert dabei erheblich.
Rechtlicher Rahmen bleibt lückenhaft
Die Analyse zeigt, dass der Schutz vor Fluglärm in Deutschland durch mehrere Gesetze geregelt ist – darunter das Bundes-Immissionsschutzgesetz, das Luftverkehrsgesetz und das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm samt drei Durchführungsverordnungen. Ein aktuelles Rechtsgutachten des Umweltbundesamtes kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Zweite Fluglärmschutzverordnung in wesentlichen Bereichen nicht mehr dem Stand der Lärmwirkungsforschung entspricht. Der nächste Evaluierungsbericht der Bundesregierung zum Fluglärmgesetz soll Ende 2027 vorgelegt werden.
Messtechnik für Infraschall noch nicht normiert
Für die Messung und Bewertung von tieffrequentem Schall und Infraschall fehlen bislang international anerkannte Normen. Der Entwurf zur Überarbeitung der maßgeblichen deutschen Norm DIN 45680 wurde zurückgezogen. Der zuständige DIN/VDI-Normenausschuss stellt fest, dass robuste Dosis-Wirkungs-Beziehungen fehlen und gesicherte Anhaltswerte noch nicht vorliegen. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) arbeitet an neuen Prüfverfahren; ein laufendes Forschungsprojekt mit mehr als 200 Probanden soll voraussichtlich 2026 abgeschlossen werden und in eine künftige Normrevision einfließen. Im Rahmen des europäischen EMPIR-Programms wird zudem an Kalibrierungseinrichtungen für niederfrequente Schallmessgeräte gearbeitet.
Gesundheitliche Risiken zunehmend belegt
Die Analyse fasst aktuelle Erkenntnisse der Lärmwirkungsforschung zusammen. Epidemiologische Studien belegen Zusammenhänge zwischen Fluglärmexposition und kardiovaskulären Erkrankungen wie Bluthochdruck, ischämischen Herzkrankheiten und Schlaganfall. Zunehmende Evidenz besteht auch für Diabetes mellitus Typ 2 und Depressionen, wobei Schlafstörungen als zentraler Vermittlungsfaktor gelten. Bei Kindern sind kognitive Beeinträchtigungen wissenschaftlich belegt. Speziell zu Infraschall zeigte eine Laborstudie, dass Pegel zwischen 85 und 105 dB zwar keine akuten Körperreaktionen auslösten, jedoch als belästigend empfunden wurden – besonders bei schwankendem Schallpegel. Laufende Vorhaben des Umweltbundesamtes und die RADIUS-Studie der PTB sollen weitere Erkenntnisse zu Langzeitwirkungen liefern.



































































