- 84,52 Mio. Euro humanitäre Hilfe für Südsudan über NGOs seit 2022
- 10 Millionen Menschen — drei Viertel der Bevölkerung — auf UN-Hilfe angewiesen
- UNMISS-Standorte wegen UN-Haushaltskürzungen um 25–30 Prozent reduziert
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7232 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Südsudan ist seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 2011 von wiederkehrenden Bürgerkriegen geprägt. Zum Jahreswechsel 2025/2026 kam es erneut zu einer Gewalteskalation, besonders im Bundesstaat Jonglei. Der anhaltende Krieg im benachbarten Sudan verschärft die Lage zusätzlich: Er unterbricht südsudanesische Ölexporte und treibt 1,1 Millionen Menschen als Flüchtlinge oder Rückkehrende in das ohnehin überlastete Land. Die UN-Mission UNMISS mit rund 20.000 Soldatinnen und Soldaten ist mandatiert, Zivilisten zu schützen — wird aber durch staatliche Stellen in ihrer Bewegungsfreiheit behindert und durch globale UN-Haushaltskürzungen geschwächt. Der Finanzierungsbedarf für humanitäre Hilfe lag 2025 bei 1,46 Mrd. US-Dollar, war jedoch laut UN OCHA bis Mai 2026 erst zu 25 Prozent gedeckt.
- 84,52 Mio. Euro — humanitäre Hilfe Deutschlands für den Südsudan über NGOs, 2022–2026
- 39,3 Mio. Euro — deutsche Einzahlungen in den humanitären Länderfonds Südsudan (UN OCHA), 2022–2026
- 10 Millionen Menschen — rund drei Viertel der südsudanesischen Bevölkerung sind laut UN auf humanitäre Hilfe angewiesen
- 132,3 Mio. Euro — freiwillige Beiträge Deutschlands an den UN Peacebuilding Fund seit 2022
- 25–30 % — Kürzung der UNMISS-Präsenz infolge globaler UN-Haushaltskürzungen, mit Schließung von Standorten in Aweil, Torit, Yei, Tambura und Pariang
Im Detail
Laut den Vereinten Nationen (VN) sind rund 10 Millionen Menschen bzw. drei Viertel der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7232, S. 2
Im Südsudan sind derzeit rund 10 Millionen Menschen — drei Viertel der Gesamtbevölkerung — auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Bundesregierung hat in der Drucksache 21/7232 vom 21. Juli 2026 auf 32 Fragen der Fraktion Die Linke zu ihrem Engagement im Südsudan geantwortet und dabei erstmals umfassende Zahlen zu Hilfsmitteln, Bundeswehreinsatz und Friedensdiplomatie vorgelegt.
Humanitäre Hilfe Südsudan: Umfang und Empfänger
Zwischen 2022 und 2026 hat die Bundesregierung rund 84,52 Mio. Euro für humanitäre Projekte im Südsudan über Nichtregierungsorganisationen bereitgestellt — finanziert ausschließlich aus dem Haushaltstitel 0501-68 732 des Auswärtigen Amts. Zu den Hauptempfängern zählen Organisationen wie Malteser Hilfsdienst, Diakonie Deutschland, Johanniter, Deutsche Welthungerhilfe, Plan International und World Vision. Zusätzlich flossen 39,3 Mio. Euro in den humanitären Länderfonds Südsudan (UN OCHA). Angaben zu Planungen für 2027 sind nach Regierungsangaben noch nicht möglich.
Zur Versorgung südsudanesischer Flüchtlinge in den Nachbarländern Uganda, Äthiopien und Kenia stellte Deutschland aus Mitteln der humanitären Hilfe weitere erhebliche Summen bereit: Allein 2022 flossen 21,4 Mio. Euro nach Uganda, 89,83 Mio. Euro nach Äthiopien und 28,83 Mio. Euro nach Kenia. Diese Mittel kommen Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und Aufnahmegemeinden zugute, ohne nach Herkunftsland aufzuschlüsseln.
Lage im Land: Ernährungskrise und Konflikt
Die Ernährungslage im Südsudan ist nach Angaben der Bundesregierung weiterhin katastrophal. Laut Welternährungsprogramm (WFP) sind aktuell 7,8 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. In Teilen des Bundesstaats Jonglei, etwa im Bezirk Akobo, besteht konkrete Gefahr einer Hungersnot. Beide Konfliktparteien behindern laut Bundesregierung die Arbeit humanitärer Organisationen. Besonders alarmierend: In den vergangenen drei Jahren wurden laut UN-Nothilfekoordinator OCHA 60 humanitäre Helferinnen und Helfer getötet.
Zum Ebola-Risiko teilt die Bundesregierung mit, dass es aktuell keine gemeldeten Fälle in Südsudan gibt, das Risiko einer Ausbreitung aus der Demokratischen Republik Kongo jedoch erhöht ist. WHO und die Regionalorganisation East African Community (EAC) haben mit Unterstützung Berlins Vorsorgevorkehrungen getroffen.
UNMISS: Bundeswehr und Haushaltskürzungen
Die deutsche Beteiligung an der UN-Mission UNMISS umfasst in den Jahren 2022 bis 2026 insgesamt 14 militärische Dienstposten in Führungsstäben und Militärbeobachtung. Zusätzlich stellte Deutschland seit August 2025 den Leiter der Polizeikomponente von UNMISS und entsendet zivile Experten über das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF). Deutschlands UN-Pflichtbeitrag für UNMISS schwankte stark: 2022 rund 100,35 Mio. Euro, 2024 rund 35,7 Mio. Euro, 2025 wieder rund 95,97 Mio. Euro.
Die Mission steht unter erheblichem Druck: Infolge globaler UN-Haushaltskürzungen wurden Standorte in Aweil, Torit, Yei, Tambura und Pariang geschlossen, die Gesamtpräsenz um 25 bis 30 Prozent reduziert. Die Bundesregierung verurteilt zudem die 66 registrierten Bewegungsrestriktionen durch südsudanesische Staatsstellen gegen UNMISS-Personal und fordert Juba auf, das Stationierungsabkommen mit der UN einzuhalten.
Diplomatie und Sanktionen
Auf diplomatischer Ebene unterstützt Deutschland die Vermittlung durch IGAD, die Afrikanische Union und den AU-Sondergesandten Jakaya Kikwete. Auf deutsche Initiative fand in Dschuba ein Botschaftertreffen westlicher und IGAD-Mitgliedstaaten mit einem gemeinsamen Friedensaufruf statt. Bezüglich der für den 22. Dezember 2026 angekündigten Wahlen bewertet die Bundesregierung es als fraglich, ob diese im Einklang mit dem Friedensabkommen von 2018 stattfinden können — angesichts von Sicherheitslage, fehlendem Rechtsrahmen und mangelnder Finanzierung.
Sanktionen gegen für Kriegsverbrechen Verantwortliche bestehen: Seit 2015 sind auf VN- und EU-Ebene neun Individuen mit Waffenembargo, Vermögenseinfrierungen und Einreiseverbot belegt. Die Bundesregierung prüft fortlaufend weitere Sanktionsmaßnahmen in Abstimmung mit EU-Partnern. Zur humanitären Hilfe im Rahmen der Sudan-Konferenz vom 15. April 2026 hat Deutschland insgesamt 232 Mio. Euro zugesagt, davon für Südsudan 2026 rund 25,86 Mio. Euro und 2027 weitere 8,09 Mio. Euro.
Der UN Peacebuilding Fund finanziert seit 2022 in Südsudan friedensfördernde Maßnahmen mit einem Gesamtumfang von rund 58 Mio. Euro in 20 Einzelprojekten. Deutschland hat seit 2022 freiwillig 132,3 Mio. Euro in diesen Fonds eingezahlt und war 2025 Vorsitz der UN Peacebuilding Commission.
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Unmittelbar betroffen sind rund 10 Millionen Menschen im Südsudan — drei Viertel der Gesamtbevölkerung —, die laut UN auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Davon befinden sich 4,1 Millionen in lebensbedrohlichen Notlagen. Besonders gefährdet sind 2,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren, die akut unterernährt sind, sowie schwangere und stillende Frauen. Hinzu kommen rund 1,1 Millionen Rückkehrende und Flüchtlinge aus dem Sudan.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich. Bei Fragen zu Details diplomatischer Gespräche (Frage 18) sowie zur Finanzausstattung von Rule-of-Law-Programmen (Frage 29) verweist sie auf fehlende eigene Erkenntnisse oder die Vertraulichkeit von Gesprächen. Die Planung für 2027 bei humanitären Mitteln wird als noch nicht möglich bezeichnet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. UNMISS im Südsudan: 32 Fragen zu Hilfe und Bundeswehreinsatz →
- UNMISS
- United Nations Mission in South Sudan — die UN-Friedensmission im Südsudan mit rund 20.000 Soldatinnen und Soldaten, mandatiert zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Sicherung humanitärer Zugänge.
- IGAD
- Intergovernmental Authority on Development — eine ostafrikanische Regionalorganisation, die Friedensverhandlungen im Südsudan koordiniert und vermittelt.
- UN Peacebuilding Fund (PBF)
- Ein Fonds der Vereinten Nationen zur Friedensförderung in Konfliktländern. Deutschland hat seit 2022 insgesamt 132,3 Mio. Euro freiwillig eingezahlt.
Wie viel Geld gibt Deutschland für Hilfe im Südsudan aus?
Von 2022 bis 2026 flossen rund 84,52 Mio. Euro humanitäre Hilfe über Nichtregierungsorganisationen sowie 39,3 Mio. Euro in den humanitären Länderfonds (UN OCHA). Zusätzlich trägt Deutschland jährlich seinen UN-Pflichtbeitrag für UNMISS — 2025 rund 95,97 Mio. Euro.
Wie viele Bundeswehrsoldaten sind im Südsudan?
Deutschland besetzt bei UNMISS insgesamt 14 militärische Dienstposten in Führungsstäben und Militärbeobachtung. Zusätzlich sind Polizeibeamte und zivile Experten im Einsatz.
Können die geplanten Wahlen im Dezember 2026 stattfinden?
Laut Bundesregierung ist es angesichts der aktuellen Sicherheitslage, des unklaren Rechtsrahmens und unzureichender Mittel derzeit fraglich, ob die für den 22. Dezember 2026 angekündigten Wahlen im Einklang mit dem Friedensabkommen durchgeführt werden können.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7232 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































