- 256 Biomethananlagen produzierten 2025 rund 12,3 TWh Biomethan
- Ungenutztes Potenzial bei Abfall- und Reststoffen liegt zwischen 40 und 71 TWh
- Bedarf 2045 von 200 TWh würde inländische Potenziale um das Vierfache übersteigen
Biomassepotenziale für die Biomethanerzeugung in Deutschland
Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im Juli 2026 eine Dokumentation zu den Biomassepotenzialen für die Biomethanerzeugung in Deutschland vorgelegt (WD 8 – 3000 – 055/26). Die Analyse fasst aktuelle Studien und Publikationen zusammen, die sich mit landwirtschaftlichen Abfall- und Reststoffen sowie Zwischenfrüchten als Ausgangsstoffe für die Biomethanproduktion befassen.
Aktuelle Lage der Biomethanproduktion
Im Jahr 2025 produzierten 256 Biomethananlagen in Deutschland 12,3 Terawattstunden (TWh) Biomethan. Hinzu kamen Importe von 1,5 TWh. Zusammen decken diese Mengen etwa 1,6 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs. Weitere rund 100 TWh wurden in Biogasanlagen erzeugt und vor Ort verbraucht, ohne ins Gasnetz eingespeist zu werden. Als Ausgangsstoffe dominieren nachwachsende Rohstoffe (43 Prozent) sowie Wirtschaftsdünger wie Gülle und Mist (48 Prozent).
Potenziale und künftiger Bedarf
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) beziffert das erschliessbare nationale Biomassepotenzial aus Abfall- und Reststoffen auf mehr als 50 TWh. Das ungenutzte und mobilisierbare Potenzial in diesem Bereich wird auf 40 bis 71 TWh geschätzt. Für das Jahr 2045 wird ein Bedarf von rund 200 TWh prognostiziert – ein Wert, der die inländischen Potenziale aus Abfall- und Reststoffen um das Vierfache übersteigen würde. Importe oder der Einsatz von Energiepflanzen wären demnach notwendig.
Ergebnisse aus Forschungsstudien
Mehrere vom Wissenschaftlichen Dienst ausgewertete Studien liefern konkrete Zahlen. Das Umweltbundesamt dokumentiert die Entwicklung der Einsatzstoffgruppen in Biomethananlagen von 2013 bis 2023 und zeigt dabei eine wachsende Bedeutung von Gülle und Abfällen. Das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) identifiziert in einer Ressourcendatenbank ein technisches Biomassepotenzial biogener Rest- und Abfallstoffe von 1.005 Petajoule (PJ), wovon 481 PJ noch ungenutzt sind. Den grössten Anteil am ungenutzten Potenzial haben Gülle und Mist (165 PJ), Stroh und Siedlungsabfälle (je 112 PJ) sowie Waldrestholz (84 PJ).
Eine DBFZ-Studie aus dem Jahr 2019 ermittelt für tierische Exkremente allein ein technisch nutzbares Potenzial von 153 bis 187 Millionen Tonnen Frischmasse pro Jahr, von dem rund zwei Drittel noch ungenutzt sind. Die technoökonomische Studie TATBIO kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz von Abfall- und Reststoffen gegenüber Anbaubiomasse die geringsten Gestehungskosten und Treibhausgasemissionen aufweist.
Einordnung
Die Dokumentation des Wissenschaftlichen Dienstes gibt keinen eigenen politischen Standpunkt wieder, sondern stellt den aktuellen Forschungsstand neutral zusammen. Sie verdeutlicht, dass erhebliche Biomassepotenziale in Deutschland noch unerschlossen sind, der langfristige Bedarf die heimischen Ressourcen jedoch deutlich übersteigen dürfte.

































































