Beantwortet am 30.04.2026
MZEB-Versorgung: Nur 64 Zentren für behinderte Erwachsene aktiv
Hintergrund
Medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB) wurden 2015 mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz eingeführt. Sie sollen eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung für diese Zielgruppe gewährleisten, da herkömmliche Arztpraxen oft nicht ausreichend auf die komplexen Bedürfnisse eingestellt sind.
Die Bundesregierung hat die Kleine Anfrage der Linken zur Versorgungslage von Medizinischen Behandlungszentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) beantwortet. Laut Drucksache 21/5715 vom 4. Mai 2026 sind bundesweit 67 MZEB ermächtigt. Allerdings sind nur 64 davon aktiv in der Versorgung tätig.
Große regionale Unterschiede prägen die Versorgungslandschaft, so die Regierung. Nordrhein-Westfalen führt mit 11 aktiven MZEB. Baden-Württemberg folgt mit 8 Zentren, Bayern mit 7. Dies ist bemerkenswert, da diese Bundesländer auch die bevölkerungsreichsten sind. Das Saarland verfügt über kein einziges MZEB. Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein haben jeweils nur ein Zentrum.
Die Linken-Abgeordneten Ates Gürpinar, Evelyn Schötz und Nicole Gohlke fragten nach „weißen Flecken“ in der Versorgung. Die Bundesregierung konnte jedoch keine Daten vorlegen, welche Regionen unzureichend versorgt sind oder wo Patienten mehr als 45 Autominuten bis zum nächsten MZEB fahren müssen.
Hindernisse beim Aufbau
Langwierige Zulassungsverfahren und komplizierte Vergütungsverhandlungen nennt die Regierung als Haupthindernisse für den MZEB-Aufbau. Diese gestalten sich regional sehr unterschiedlich. Hintergrund ist die Heterogenität des Versorgungsspektrums und die Komplexität der Bedarfsprüfung. Oft dauern die Verfahren Jahre.
MZEB sind spezialisierte Arztpraxen mit interdisziplinären Teams, die Menschen mit geistiger oder schwerer Mehrfachbehinderung behandeln – ähnlich wie Sozialpädiatrische Zentren für Kinder.
Die Bundesregierung verwies auf einen Aktionsplan für ein inklusives Gesundheitswesen vom Dezember 2024. Intensive Gespräche mit Ländern, Krankenkassen und Behindertenverbänden finden statt. Konkrete Lösungen für die Finanzierungsprobleme nannte sie jedoch nicht.
Betroffen sind erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen, die auf spezialisierte medizinische Versorgung angewiesen sind. Besonders im Saarland, aber auch in dünn besiedelten Regionen anderer Bundesländer fehlen entsprechende Behandlungsmöglichkeiten.
Die Bundesregierung hat einen Aktionsplan für ein inklusives Gesundheitswesen veröffentlicht und führt Fachgespräche mit Ländern, Krankenkassen und Behindertenverbänden. Weitere Maßnahmen zum Abbau von Barrieren im Gesundheitswesen sind geplant, konkrete Termine nennt sie nicht.
- MZEB
- Medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen. Spezialisierte Einrichtungen mit interdisziplinären Teams.
- KBV
- Kassenärztliche Bundesvereinigung – Dachorganisation der Kassenärztlichen Vereinigungen, die die ambulante ärztliche Versorgung organisiert.
- BAG MZEB
- Bundesarbeitsgemeinschaft für medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit Behinderung – Interessenvertretung der MZEB-Träger.























































