Kleine Anfrage eingereicht
Grüne fragen nach Jagdtrophäen geschützter Arten
Hintergrund
Deutschland ist nach Angaben der Grünen der zweitgrößte Importeur von Jagdtrophäen weltweit. 2025 wurden 651 Trophäen geschützter Arten eingeführt, weitere 50 genehmigte Einfuhren stehen noch aus. Auf der Messe Jagd und Hund 2026 wurde intensiv für Trophäenjagden geworben. Mehrere EU-Länder wie Belgien, Finnland und die Niederlande haben bereits Einfuhrverbote für bestimmte Jagdtrophäen beschlossen.
Die Grünen-Fraktion hat am 23. April 2026 eine umfassende Kleine Anfrage zur Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten eingereicht. Mit 33 detaillierten Fragen fordert sie die Bundesregierung auf, ihre Praxis bei der Genehmigung von Trophäenimporten offenzulegen.
651 Trophäen geschützter Arten importiert
Im Jahr 2025 wurden nach Deutschland insgesamt 651 Trophäen geschützter Arten eingeführt. Zusätzlich stehen noch 50 genehmigte, aber nicht eingeführte Jagdtrophäen aus. Die Grünen bewerteten diese Zahlen als „anhaltend hohes Niveau“. Dies ist bemerkenswert, da Deutschland damit zu den größten Importeuren in Europa zählt. Besonders problematisch bewerteten sie die intensive Werbung für Trophäenjagden auf der Messe Jagd und Hund im Januar 2026.
Deutsche Jäger bringen jährlich über 650 Trophäen von international geschützten Wildtieren nach Deutschland – darunter Elefanten, Löwen und Leoparden.
Harald Ebner und Dr. Jan-Niclas Gesenhues führten für ihre Fraktion an, dass Trophäenjäger bevorzugt die stärksten Tiere mit den besten genetischen Anlagen erlegten. Dies gefährde „Schlüsselindividuen“ der Arten. Hintergrund ist, dass diese überproportional zum Artenerhalt beitragen. Gleichzeitig ist die Datenlage zu Populationsgrößen und genetischer Vielfalt bei vielen betroffenen Arten unzureichend.
Kritik an wirtschaftlichen Argumenten
Als häufiges Argument für Trophäenjagden wird angeführt, sie bringt der lokalen Bevölkerung Einnahmen und unterstützt den Artenschutz. Die Grünen bezweifelten dies jedoch. Nach ihrer Einschätzung profitieren hauptsächlich ausländische Jagdreiseveranstalter, private Großgrundbesitzer und lokale Eliten – nicht die Gemeinden vor Ort.
Besonders kritisch bewerteten die Abgeordneten die Entwicklung in Botswana. Dort wurden die Abschussquoten für Elefanten und Leoparden seit 2019 jährlich erhöht. Sie verwiesen auf wissenschaftliche Studien, die vor zu hoch angesetzten Quoten warnen. Diese gefährden die Elefantenpopulation langfristig.
EU-weite Entwicklung zu Importverboten
Mehrere EU-Länder haben bereits gehandelt. Belgien, Finnland, die Niederlande und Frankreich haben Einfuhrverbote für Jagdtrophäen bestimmter geschützter Arten beschlossen. Die Grünen fragten, ob Deutschland ähnliche Schritte plant oder weiterhin als „Einfallstor“ für Jagdtrophäen fungiert.
In ihrer Anfrage forderten sie auch Klarstellungen zu aktuellen juristischen Einschätzungen. Demnach können Trophäenjagdangebote rechtssicher von Messen ausgeschlossen werden. Deutschland muss sich die Frage stellen, ob die derzeitige Praxis mit den Zielen des internationalen Artenschutzes und ethischen Tierschutzgesichtspunkten vereinbar ist.
Betroffen sind international geschützte Wildtiere wie Elefanten, Löwen, Leoparden und andere bedrohte Arten. Auch deutsche Jäger und Jagdreiseveranstalter sowie lokale Gemeinden in den Herkunftsländern der Trophäen sind von möglichen Regelungsänderungen betroffen.
Die Bundesregierung hat in der Regel acht Wochen Zeit, um auf die Kleine Anfrage zu antworten. Die Antwort wird voraussichtlich detaillierte Statistiken zu Trophäenimporten, Genehmigungsverfahren und der Position der Regierung zu möglichen Importbeschränkungen enthalten.
- CITES
- Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, regelt den Schutz bedrohter Arten im Handel.
- EU-Artenschutzverordnung 338/97
- Europäische Verordnung, die den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten in der EU regelt und Genehmigungsverfahren festlegt.
- FFH-Arten
- Arten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, die in Europa besonderen Schutz genießen, wie Braunbären in Kroatien und Rumänien.























































