- Bundesverwaltung 2024: durchschnittlich 20,51 Fehltage je Beschäftigten
- Höchstwert Bundesrat (25,15), niedrigster Wert Umweltministerium (7,37 Tage)
- Einfacher Dienst fehlt mit 34,66 Tagen dreimal so oft wie der Höhere Dienst (10,97)
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7655 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundesregierung veröffentlicht jährlich den Gesundheitsförderungsbericht (GFB) der unmittelbaren Bundesverwaltung, zuletzt für das Jahr 2024. Dieser Bericht dokumentiert Fehlzeiten nach Behörde, Statusgruppe und Laufbahngruppe. Der GFB 2022 hatte mit einem Wert von 21,71 Fehltagen je Beschäftigten einen Höchststand der jüngeren Vergangenheit verzeichnet. Für die vorliegende Antwort auf BT-Drs. 21/7476 wurden darüber hinaus eigene Tabellen für jede einzelne Behörde erstellt, die über den regulären Berichtsumfang hinausgehen.
- 20,51 Tage — Durchschnittliche Fehlzeit je Beschäftigten in der gesamten unmittelbaren Bundesverwaltung im Jahr 2024 (GFB 2024)
- 25,15 Tage — Höchster Wert unter den obersten Bundesbehörden 2024: Bundesrat
- 7,37 Tage — Niedrigster Wert unter den obersten Bundesbehörden 2024: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUV)
- 34,66 Tage — Durchschnittliche Fehlzeit im einfachen Dienst 2024 — gegenüber 10,97 Tagen im höheren Dienst
- 15,20 Tage — Durchschnitt der obersten Bundesbehörden 2024 (ohne Geschäftsbereichsbehörden), gegenüber 21,09 Tagen in den Geschäftsbereichsbehörden
Im Detail
Ausgehend von einem höheren Ausgangsniveau der krankheitsbedingten Abwesenheiten vor der Pandemie in 2019 gab es im Jahr 2020 einen deutlichen Rückgang bis 2021. Im Jahr 2022 stiegen die krankheitsbedingten Abwesenheiten wieder auf das vorpandemische Niveau und sind seitdem leicht rückläufig auf dem Niveau des Jahres 2015.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7655
Beschäftigte der unmittelbaren Bundesverwaltung fehlten im Jahr 2024 im Schnitt 20,51 Tage krankheitsbedingt — das entspricht rund einem Kalendermonat Arbeitszeit. Die Bundesregierung hat diese und weitere detaillierte Fehlzeitendaten in der Antwort auf BT-Drs. 21/7476 vom 18. August 2026 vorgelegt (BT-Drs. 21/7655). Die umfangreichen Tabellen liefern erstmals einen vollständigen Überblick über alle Bundesministerien, das Bundeskanzleramt und die obersten Bundesbehörden — aufgeschlüsselt nach Laufbahn- und Statusgruppen für die Jahre 2020 bis 2024.
Krankenstand Bundesverwaltung: Extreme Spannbreite zwischen Behörden
Unter den obersten Bundesbehörden ohne nachgeordnete Geschäftsbereiche reicht die Spannbreite der Fehlzeiten im Jahr 2024 von 7,37 Tagen (Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, BMUV) bis zu 25,15 Tagen beim Bundesrat und 22,34 Tagen beim Bundestag. Das Bundeskanzleramt lag mit 13,55 Tagen deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt von 15,20 Tagen für die obersten Bundesbehörden.
Bei den Ressorts einschließlich ihrer Geschäftsbereichsbehörden — also inklusive nachgeordneter Behörden wie Bundespolizei oder Zoll — lagen Bundesrat (BR) mit 25,15 Tagen und Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit 23,55 Tagen sowie das Verteidigungsministerium (BMVg) mit 23,33 Tagen an der Spitze. Das hohe Niveau bei Ressorts mit umfangreichen Vollzugstätigkeiten erklärt die Bundesregierung mit den spezifischen körperlichen Anforderungen: Behörden mit gefahrgeneigten Tätigkeiten wie Bundespolizei, Zoll oder der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung wiesen strukturell höhere Fehlzeiten auf. Einen direkten Zusammenhang zwischen Tätigkeitsprofil und Arbeitsunfähigkeit dokumentieren auch branchenübergreifende Statistiken der Berufsgenossenschaften.
Laufbahngruppen: Dreifacher Unterschied zwischen einfachem und höherem Dienst
Besonders auffällig ist der Unterschied nach Laufbahngruppen. Im einfachen Dienst lagen die Fehlzeiten 2024 bei durchschnittlich 34,66 Tagen — mehr als dreimal so hoch wie im höheren Dienst mit 10,97 Tagen. Der mittlere Dienst verzeichnete 25,45 Tage, der gehobene Dienst 17,63 Tage. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass in kleinen Beschäftigtengruppen wie dem einfachen Dienst einzelner Behörden bereits wenige Langzeiterkrankungen überproportional hohe Werte erzeugen können. Aus diesem Grund wurden Werte für bestimmte kleine Gruppen aus Datenschutzgründen nicht ausgewiesen.
Auch zwischen Beamten und Tarifbeschäftigten zeigt sich ein messbarer Unterschied: Während Beamtinnen und Beamte 2024 im Durchschnitt 20,13 Fehltage verzeichneten, lagen Tarifbeschäftigte bei 22,68 Tagen.
Was gilt aktuell? Entwicklung seit 2020
Laut Bundesregierung verlief die Entwicklung der Fehlzeiten seit 2020 in einer typischen Pandemiekurve: 2020 und 2021 sanken die Fehlzeiten deutlich — ein Effekt, der auch in der Privatwirtschaft beobachtet wurde und auf verstärktes Homeoffice sowie Schutzmaßnahmen zurückgeführt wird. 2022 stiegen die Werte wieder auf das vorpandemische Niveau (21,71 Tage je Beschäftigten), um seitdem leicht zu sinken. 2024 liegt der Gesamtwert nach Bundesregierungsangaben auf dem Niveau des Jahres 2015.
Die detaillierten Zeitreihendaten für die Jahre 2020 bis 2024 sind in den umfangreichen Tabellen der Anlage zu BT-Drs. 21/7655 enthalten. Für das Berichtsjahr 2025 lagen die Daten zum Zeitpunkt der Antwort noch nicht vor.
Maßnahmen: Kein behördenübergreifender Überblick möglich
Zu den ergriffenen Maßnahmen zur Reduktion von Fehlzeiten erklärte die Bundesregierung, dass der betriebliche Arbeits- und Gesundheitsschutz seit 2009 in den Behörden der Bundesverwaltung etabliert sei. Zentrale Instrumente sind das Betriebliche Eingliederungsmanagement sowie die nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes verpflichtende Gefährdungsbeurteilung. Eine behördenübergreifende Übersicht über konkrete Einzelmaßnahmen liegt der Bundesregierung eigenen Angaben zufolge jedoch nicht vor. Der spezifische Einfluss einzelner Maßnahmen auf die Fehlzeiten lasse sich aufgrund der Vielzahl von Einflussfaktoren nicht beziffern.
Weitere Informationen zu aktuellen Entwicklungen im Bundestagsgeschehen finden sich in der täglichen Übersicht der wichtigsten Drucksachen vom 30. August 2026.
Weiterlesen:
Betroffen sind alle Beschäftigten der unmittelbaren Bundesverwaltung — Beamtinnen und Beamte ebenso wie Tarifbeschäftigte in den Bundesministerien, dem Bundeskanzleramt und den obersten Bundesbehörden. Die Fehlzeitendaten werden als Kennzahl für das Personalmanagement und das betriebliche Gesundheitsmanagement genutzt und haben damit Auswirkungen auf Arbeitsorganisation und Personalplanung in den Behörden.
Die Bundesregierung hat die Fragen überwiegend vollständig beantwortet und umfangreiche Tabellen beigefügt. Für einzelne kleine Beschäftigtengruppen (einfacher Dienst) wurden Werte aus Datenschutzgründen nicht ausgewiesen; für das Jahr 2025 lagen die Daten zum Zeitpunkt der Antwort noch nicht vor. Detaillierte behördenspezifische Auswertungen nach Statusgruppen und Laufbahnen für Zeitreihen vor 2022 konnten bei einzelnen Behörden nicht vollständig geliefert werden.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Krankenstand Bundesverwaltung: AfD fragt nach Fehlzeiten seit 2020 →
- Gesundheitsförderungsbericht (GFB)
- Jährlicher Bericht des Bundesministeriums des Innern, der Fehlzeiten und Maßnahmen des Gesundheitsmanagements in der unmittelbaren Bundesverwaltung dokumentiert.
- Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
- Pflichtverfahren nach § 167 SGB IX: Arbeitgeber müssen Beschäftigten nach mehr als sechs Wochen Krankheit innerhalb von zwölf Monaten ein BEM-Gespräch anbieten, um die Rückkehr in den Beruf zu unterstützen.
- Laufbahngruppen
- Einteilung der Bundesbeschäftigten in einfachen, mittleren, gehobenen und höheren Dienst — je nach Bildungsabschluss und Aufgabenbereich.
Welche Behörde hat den höchsten Krankenstand 2024?
Unter den obersten Bundesbehörden verzeichnete der Bundesrat mit 25,15 Fehltagen je Beschäftigten den höchsten Wert, gefolgt vom Bundestag mit 22,34 Tagen.
Wie unterscheiden sich Beamte und Tarifbeschäftigte?
Laut Gesundheitsförderungsbericht 2024 lagen Beamtinnen und Beamte bei 20,13 Fehltagen, Tarifbeschäftigte bei 22,68 Tagen — ein Unterschied von rund 2,5 Tagen.
Warum sind die Fehlzeiten im einfachen Dienst so hoch?
Die Bundesregierung erklärt dies mit unterschiedlichen Tätigkeitsbedingungen, Alters- und Berufsstrukturen. Behörden mit körperlich belastenden oder gefahrengeneigten Tätigkeiten wie Bundespolizei oder Zoll weisen strukturell höhere Werte auf.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7655 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































