- Methan wirkt über 20 Jahre 80-mal klimaschädlicher als CO2
- Ministerin Reiche brach am 25. Juni Kabinettsabsprache im EU-Rat
- 48 Fragen zu Lobbyeinfluss, BAFA-Kontrolle und SEFE/Uniper-Verträgen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7742 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die EU-Methan-Verordnung (EU) 2024/1787 verpflichtet Öl-, Gas- und Kohleunternehmen zu Messung, Berichterstattung und Reduktion von Methanemissionen. Für Gasimporteure gilt ab dem 1. Januar 2027 eine Nachweispflicht über gleichwertige Standards im Exportland (MRV-Äquivalenz). Bundesumweltminister Carsten Schneider hat in der Regierungsbefragung des Bundestages am 8. Juli 2026 öffentlich bestätigt, dass Wirtschaftsministerin Katherina Reiche beim EU-Energieministerrat am 25. Juni 2026 eine dreijährige Verschiebung der Importpflichten gefordert hat — entgegen Kabinettsabsprachen. Laut POLITICO-Berichten, auf die die Anfrage verweist, hat der US-Branchenverband API eingeräumt, mit der Trump-Regierung zusammenzuarbeiten, um die Verordnung zu verändern.
- 80-fach — Klimawirkung von Methan gegenüber CO2 über 20 Jahre (laut IPCC, zitiert in der Vorbemerkung).
- 30 % — Anteil von Methan an der bisherigen globalen Erderhitzung seit der vorindustriellen Zeit.
- 3 Jahre — Verschiebung der Importpflichten, die Ministerin Reiche am 25. Juni 2026 beim EU-Energieministerrat gefordert haben soll.
- 48 Fragen — Gesamtzahl der Einzelfragen in der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7742.
- 1. Januar 2027 — Datum, ab dem Importeure die MRV-Äquivalenz nach der EU-Methan-Verordnung erfüllen müssen.
Im Detail
Methan ist ein hochaggressives Treibhausgas, dessen Klimawirkung jene von CO2 über einen Zeitraum von 20 Jahren um mehr als das 80-Fache übersteigt und das laut dem Weltklimarat IPCC für rund 30 Prozent der bisherigen globalen Erderhitzung seit der vorindustriellen Zeit verantwortlich ist.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7742
Methan erhitzt das Klima über einen Zeitraum von 20 Jahren mehr als 80-mal stärker als CO2 und ist laut dem Weltklimarat IPCC für rund 30 Prozent der bisherigen globalen Erderhitzung verantwortlich. Vor diesem Hintergrund steht die EU-Methan-Verordnung im Zentrum eines handfesten Koalitionsstreits: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche soll am 25. Juni 2026 im EU-Energieministerrat in Luxemburg eine dreijährige Verschiebung der Importpflichten gefordert haben — entgegen ausdrücklicher Kabinettsabsprachen. Bundesumweltminister Carsten Schneider hat diesen Vorgang in der Regierungsbefragung des Bundestages am 8. Juli 2026 öffentlich bestätigt und kritisiert.
Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7742 vom 26. August 2026 stellen die Abgeordneten Lisa Badum, Dr. Julia Verlinden und weitere Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen insgesamt 48 Fragen an die Bundesregierung. Die Anfrage thematisiert vier Themenkomplexe: den Verstoß gegen Abstimmungspflichten, mögliche Einflussnahme durch Lobbygruppen und die US-Regierung, die nationale Umsetzung der EU-Methan-Verordnung durch das BAFA sowie die Lieferverträge der staatlich kontrollierten Gasimporteure SEFE und Uniper.
EU-Methan-Verordnung: Was gilt aktuell?
Die EU-Methan-Verordnung (EU) 2024/1787 verpflichtet Unternehmen in der Öl-, Gas- und Kohlebranche zu Messung, Berichterstattung und Reduktion von Methanemissionen. Für Gasimporteure gilt ab dem 1. Januar 2027 die sogenannte MRV-Äquivalenz: Sie müssen nachweisen, dass die Methankontrolle ihrer ausländischen Lieferanten europäischen Standards entspricht. Bereits jetzt sind Unternehmen nach Artikel 27 der Verordnung verpflichtet, Berichte beim BAFA einzureichen. Die Grünen fragen unter anderem, wie viele Unternehmen ihrer Berichtspflicht pünktlich und vollständig nachgekommen sind, wie das BAFA Compliance prüft und wie viele Personalstellen dafür vorgesehen sind.
Lobbyeinfluss: Ölkonzerne und US-Regierung im Blick
Ein Schwerpunkt der Anfrage gilt der Frage, welche Akteure auf die Position von Ministerin Reiche eingewirkt haben. Laut Berichten des Nachrichtenportals POLITICO, auf die die Drucksache verweist, hat der US-Branchenverband API eingeräumt, mit der Regierung von Donald Trump zusammenzuarbeiten, um die EU-Methan-Verordnung zu verändern. US-Energieminister Chris Wright soll gemeinsam mit Energiechefs aus Katar und anderen Exportstaaten einen offenen Brief verfasst und mit Gasknappheit gedroht haben, falls die Regeln in Kraft treten. Die Abgeordneten fragen deshalb tabellarisch nach allen Treffen auf Leitungsebene zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und Vertretern der US-Regierung, der Gas- und Ölindustrie sowie der Zivilgesellschaft seit Januar 2026. Konkret erkundigt sich die Anfrage nach einem möglichen Treffen rund um den 25. Juni 2026 zwischen Ministeriumsbeamten und Vertretern des Center for LNG, einschließlich der Frage, ob dessen Chef Charlie Riedl anwesend war.
SEFE und Uniper: Staatliche Konzerne unter Beobachtung
Die staatlich kontrollierten Gasimporteure SEFE und Uniper stehen im zweiten Fragenkomplex im Mittelpunkt. Die Abgeordneten fragen, ob die seit dem 5. August 2024 abgeschlossenen LNG-Lieferverträge Klauseln enthalten, die Exporteure zur Sicherstellung der MRV-Äquivalenz verpflichten. Darüber hinaus thematisiert die Anfrage, ob SEFE und Uniper Risikoanalysen nach dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) für ihre Verträge mit den Produzenten Southern Energy und Ksi Lisims durchgeführt haben. Beim kanadischen LNG-Terminal in Kitimat sollen Grenzwerte für Luftverschmutzung und Abfackeln massiv überschritten worden sein — die Anfrage fragt, ob die Bundesregierung diese Berichte geprüft hat und welche Konsequenzen daraus für die Vertragsgestaltung gezogen wurden. Auch ob SEFE und Uniper von Ministerien angewiesen wurden, neue langfristige Lieferverträge abzuschließen, ist Gegenstand der Anfrage.
Die Frage nach geschwärzten Lobbygesprächen im Energiebereich ist kein Einzelfall: Auch bei der CERAWeek-Reise hatten die Grünen fehlende Transparenz über Industriekontakte der Bundesregierung bemängelt. Ebenso zeigt die Debatte um Arbeitssicherheit in der Stromerzeugung, dass Fragen zu Regulierungsstandards im Energiesektor parlamentarisch kontinuierlich verfolgt werden.
Die Antwort der Bundesregierung auf die 48 Einzelfragen steht noch aus. Sie wird als gesonderte Drucksache veröffentlicht und dürfte Aufschluss darüber geben, ob und in welchem Umfang externe Akteure auf die deutsche EU-Position zur Methan-Verordnung eingewirkt haben.
Betroffen sind Gasimporteure und Energieversorger, die unter die Berichtspflichten der EU-Methan-Verordnung fallen, darunter die staatlich kontrollierten Konzerne SEFE und Uniper. Mittelbar sind alle Gasverbraucher in Deutschland betroffen, da die Verordnung die Importbedingungen für Flüssigerdgas (LNG) gestaltet. Klimapolitisch relevant ist die Regelung für alle Bürgerinnen und Bürger, da Methan laut IPCC für rund 30 Prozent der bisherigen globalen Erderhitzung verantwortlich ist.
Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7742 ist am 26. August 2026 eingegangen. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Nach § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen; das genaue Zuleitungsdatum ist aus der Drucksache nicht ersichtlich. Eine schriftliche Antwort der Bundesregierung wird als gesonderte Drucksache veröffentlicht.
- MRV-Äquivalenz
- Monitoring, Reporting and Verification — Importeure müssen ab 2027 nachweisen, dass die Methanemissionen ihrer Lieferanten im Exportland nach gleichwertigen Standards gemessen und gemeldet werden.
- BAFA
- Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle — zuständige Behörde für die Kontrolle der Compliance von Gasimporteuren nach der EU-Methan-Verordnung in Deutschland.
- Flaring
- Abfackeln von Erdgas an Förder- oder Verarbeitungsanlagen, das zu erheblichen Methan- und CO2-Emissionen führt und durch die Methan-Verordnung eingeschränkt werden soll.
Was ist die EU-Methan-Verordnung?
Die EU-Methan-Verordnung legt Pflichten fest, wie Unternehmen Methanemissionen entlang der Lieferkette von Erdgas überwachen, melden und reduzieren müssen. Ab 2027 gilt eine Äquivalenzprüfung auch für Importeure.
Warum ist der Vorwurf gegen Ministerin Reiche politisch bedeutsam?
Reiche soll am 25. Juni 2026 im EU-Energieministerrat eine Verschiebung der Importpflichten gefordert haben, obwohl das Kabinett eine andere Position abgesprochen hatte. Umweltminister Schneider bestätigte dies öffentlich.
Welche Rolle spielen SEFE und Uniper?
SEFE und Uniper sind staatlich kontrollierte Gasimporteure. Die Anfrage fragt, ob ihre LNG-Verträge Klauseln zur Methankontrolle enthalten und ob sie dabei Anweisungen der Bundesregierung folgten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7742 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































