- 85.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an Sepsis
- Behandlungskosten auf rund 32,7 Mrd. Euro geschätzt
- Deutschland hat trotz WHO-Resolution von 2017 keine nationale Sepsis-Strategie
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7789 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Weltgesundheitsversammlung (WHO) verabschiedete im Mai 2017 die Resolution WHA70.7, die alle Mitgliedstaaten auffordert, Prävention, Diagnose und Behandlung von Sepsis zu verbessern. Deutschland gehörte zu den Initiatoren dieser Resolution. In der Folge haben mehrere Staaten — darunter Frankreich, Schweden, das Vereinigte Königreich und Australien — nationale Sepsis-Strategien eingeführt und ihre Sterblichkeitsraten gesenkt. In Deutschland stagniert die Sepsis-Sterblichkeit laut Drucksache seit rund 30 Jahren auf einem Niveau, das etwa doppelt so hoch liegt wie in diesen Vergleichsländern.
- 230.000 — Menschen erkranken in Deutschland laut Drucksache jährlich mindestens an Sepsis.
- 85.000 — Mindestanzahl der jährlichen Sepsis-Todesfälle in Deutschland.
- 32,7 Mrd. Euro — Geschätzte jährliche Behandlungskosten für Sepsis in Deutschland.
- ca. 75 % — Anteil der Überlebenden, die unter schwerwiegenden Langzeitfolgen leiden.
- 30 Jahre — Zeitraum, in dem die Sepsis-Sterblichkeit in Deutschland laut Drucksache auf hohem Niveau stagniert.
Im Detail
Deutschland, das die Resolution einst international vorangetrieben hat, verfügt bislang über keine eigene nationale Sepsis-Strategie.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7789, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Sepsis tötet in Deutschland jedes Jahr mindestens 85.000 Menschen und verursacht Behandlungskosten von rund 32,7 Milliarden Euro — dennoch fehlt dem Land neun Jahre nach einer maßgeblich von Deutschland selbst initiierten WHO-Resolution eine nationale Sepsis-Strategie. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu am 1. September 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7789 eingereicht und stellt der Bundesregierung 41 Einzelfragen.
Sepsis-Sterblichkeit stagniert seit 30 Jahren
Laut Drucksache erkranken in Deutschland jährlich mindestens 230.000 Menschen an einer Sepsis; mindestens 85.000 von ihnen sterben daran. Damit zählt die Erkrankung zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Besonders alarmierend: Die Sterblichkeitsrate stagniert nach Angaben der Fragesteller seit rund 30 Jahren auf hohem Niveau und liegt etwa doppelt so hoch wie in Ländern, die nationale Gegenmaßnahmen ergriffen haben. In Australien sank die Sepsis-Sterblichkeit durch gezielte Aufklärungskampagnen zwischen 2000 und 2012 von 35,0 auf 18,5 Prozent, in Großbritannien im selben Zeitraum von 45,5 auf 32,1 Prozent.
Was gilt aktuell?
Deutschland verfügt über keine eigenständige nationale Sepsis-Strategie. Die WHO-Resolution WHA70.7, die alle Mitgliedstaaten zur Verbesserung der Sepsis-Prävention, -Diagnose und -Behandlung verpflichtet, wurde zwar im Mai 2017 mit maßgeblicher Unterstützung Deutschlands verabschiedet — eine kohärente nationale Umsetzung blieb hierzulande jedoch aus. Länder wie Frankreich, Schweden, das Vereinigte Königreich und Australien haben seither eigene Strategien entwickelt. In Deutschland fehlen laut Drucksache einheitliche Standards in der Notfallkette, verbindliche Schulungen für medizinisches Personal und eine belastbare Datenbasis zur Versorgungssituation.
41 Fragen zum Stand der Sepsis-Versorgung
Die Anfrage thematisiert nahezu alle Ebenen der Sepsis-Versorgung: Von der Früherkennung durch Leitstellen und Rettungsdienste über die Ersteinschätzung in Notaufnahmen bis hin zur Langzeitversorgung von Überlebenden. Konkret erkundigen sich die Abgeordneten nach dem Stand der Sepsis-Surveillance des Robert Koch-Instituts, nach Datenlücken bei der Kodierung sowie nach dem geplanten bundesweiten Qualitätssicherungsverfahren zur Sepsis-Erkennung in Krankenhäusern, das ab 2026 vorgesehen ist. Daneben fragen sie, ob dieses Verfahren auch auf die stationäre Langzeitpflege ausgeweitet werden soll.
Besondere Aufmerksamkeit gilt vulnerablen Gruppen: Das Risiko für Neugeborene, an Sepsis zu sterben, liegt in Deutschland mit 12 Todesfällen pro 100.000 Geburten deutlich höher als etwa in Norwegen mit 7,5 Fällen. Rund drei Viertel aller Sepsis-Überlebenden leiden unter schwerwiegenden Langzeitfolgen, etwa ein Drittel wird dauerhaft pflegebedürftig.
Nationale Sepsis-Strategie: Geplant oder nicht?
Die Kernfrage der Anfrage lautet, ob die Bundesregierung die Erarbeitung einer nationalen Sepsis-Strategie nach dem Vorbild anderer Staaten plant — und wenn nicht, warum. Weitere Fragen betreffen die Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“, deren bisherige Bundesfinanzierung und Zukunftspläne, sowie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), das frühere Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Fragesteller erkundigen sich auch nach Haushaltsmitteln aus dem Einzelplan 15 für Patientensicherheitsmaßnahmen im Jahr 2027 sowie nach den Aufrufzahlen des Nationalen Gesundheitsportals gesund.bund.de zum Thema Sepsis.
Der Klimawandel erhöht nach Einschätzung der Fragesteller mittelfristig das Risiko, da eine Zunahme von Infektionserkrankungen erwartet wird — was die Dringlichkeit einer nationalen Strategie nach ihrer Ansicht zusätzlich unterstreicht. Die Bundesregierung hat sich zu diesen Einschätzungen noch nicht geäußert; ihre Antwort auf die Kleine Anfrage steht aus.
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Direkt betroffen sind die jährlich mindestens 230.000 Erkrankten sowie deren Angehörige. Besonders vulnerabel sind laut Drucksache Schwangere, Neugeborene und Pflegebedürftige. Auch ambulante Pflegedienste, Rettungsdienste, Notaufnahmen und das medizinische Personal insgesamt sind von den diskutierten Versorgungslücken betroffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7789) wurde am 1. September 2026 eingereicht. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt sieht § 104 GO-BT grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen vor.
- Sepsis
- Lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt; kann unbehandelt zu Organversagen und Tod führen.
- WHO-Resolution WHA70.7
- Im Mai 2017 von der Weltgesundheitsversammlung verabschiedete Resolution, die alle Mitgliedstaaten zur Verbesserung der Sepsis-Prävention, -Diagnose und -Behandlung auffordert.
- SmED
- Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland — ein standardisiertes System zur Triage von Patientinnen und Patienten in Notaufnahmen.
Was ist Sepsis und wie gefährlich ist sie?
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Fehlregulation des Immunsystems auf eine Infektion, die zu Organversagen und Tod führen kann. In Deutschland sterben laut Drucksache jährlich mindestens 85.000 Menschen daran.
Warum gibt es in Deutschland keine nationale Sepsis-Strategie?
Genau das ist Gegenstand der Kleinen Anfrage. Länder wie Frankreich, Schweden, das Vereinigte Königreich und Australien haben nach der WHO-Resolution von 2017 nationale Strategien verabschiedet; Deutschland bislang nicht.
Was kostet Sepsis das deutsche Gesundheitssystem?
Laut Drucksache werden die jährlichen Behandlungskosten in Deutschland auf rund 32,7 Milliarden Euro geschätzt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7789 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































