- Bildungserfolg hängt weiterhin stark von sozialer Herkunft ab
- Grüne fordern 1 Mrd. Euro mehr pro Jahr für frühkindliche Bildung
- Pseudonymisierte Bildungsverlaufsstatistik und Forschungsdatengesetz geplant
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7854 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Deutschland verfügt laut der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz über umfangreiche Bildungsdaten aus Lernstandserhebungen und internationalen Vergleichsstudien. Ein aktuelles SWK-Gutachten zeigt jedoch, dass die erhobenen Daten bisher selten zu konkreten Verbesserungen im Unterricht oder bei der Steuerung von Bildungsprogrammen führen. Der Bildungserfolg hängt in Deutschland nach wie vor stark von der sozialen Herkunft ab, und zu viele Schülerinnen und Schüler verfehlen die Mindeststandards in Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Grünen-Antrag BT-Drs. 21/7854 reagiert auf dieses Gutachten und die bestehenden strukturellen Lücken im deutschen Bildungsdatensystem.
- 1 Milliarde Euro — jährliche Mehrförderung des Bundes für frühkindliche Bildung, die der Antrag fordert
- 11 Forderungspunkte — umfasst der Antrag an die Bundesregierung, von der Bildungsverlaufsstatistik bis zum Berufsbildungsbericht
- 3 Bildungsübergänge — Kita–Grundschule, Grundschule–weiterführende Schule, Schule–Ausbildung/Studium werden als besondere Risikostellen identifiziert
Im Detail
Die Potentiale der datengestützten Bildungsentwicklung gilt es im Rahmen einer Nationalen Bildungsoffensive von Bund, Ländern und Kommunen mit verbindlichen Zielen, konkreten Maßnahmen und messbaren Fortschritten noch in dieser Legislaturperiode nutzbar zu machen.
— BT-Drs. 21/7854, Feststellungsteil
Zu viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen die Mindeststandards in Lesen, Schreiben und Rechnen nicht — und der Bildungserfolg hängt weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat mit BT-Drs. 21/7854 vom 7. September 2026 einen Antrag eingebracht, der eine grundlegende Reform der datengestützten Bildungsentwicklung in Deutschland fordert. Kernstück ist eine Nationale Bildungsoffensive, die Bund, Länder und Kommunen gemeinsam mit verbindlichen und messbaren Zielen noch in dieser Legislaturperiode umsetzen sollen.
Bildungsdaten vorhanden, Wirkung ausgeblieben
Deutschland erhebt seit Jahren umfangreiche Daten durch Lernstandserhebungen und internationale Vergleichsstudien wie PISA oder IQB-Bildungstrends. Ein aktuelles Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz zeigt laut Drucksache jedoch, dass diese Erkenntnisse selten zu konkreten Verbesserungen im Unterricht, der Schulentwicklung oder bei der Steuerung von Bildungsprogrammen führen. Der Antrag sieht darin ein strukturelles Problem: Erhobene Daten bleiben wirkungslos, weil rechtliche, institutionelle und technische Voraussetzungen für ihre Nutzung fehlen.
Was gilt aktuell?
Derzeit existiert keine bundesweite pseudonymisierte Bildungsverlaufsstatistik, die Bildungsbiografien über die gesamte Bildungskette — von der Kita bis zum Berufsabschluss — längsschnittlich erfasst. Die Zuständigkeit für Bildung liegt überwiegend bei den Ländern, was bundeseinheitliche Datenstandards erschwert. Ein Forschungsdatengesetz, das die rechtssichere Verknüpfung von Bildungsdaten mit anderen Datensätzen für die Forschung erlaubt, fehlt bisher. Auch eine länderübergreifend kompatible Bildungs-ID ist nicht vorhanden.
Nationale Bildungsoffensive und Forschungsdatengesetz
Der Antrag fordert die Bundesregierung in elf Punkten auf zu handeln. Zentral ist die Einrichtung einer pseudonymisierten Bildungsverlaufsstatistik gemeinsam mit den Ländern, deren Nutzung für Forschung und Berichterstattung ausschließlich in anonymisierter Form erfolgen soll. Ergänzend soll ein Forschungsdatengesetz vorgelegt werden, das die Verknüpfung von Bildungsverlaufsdaten mit anderen Datensätzen rechtssicher und grundrechtsschützend ermöglicht. Geprüft werden soll zudem, ob eine länderübergreifend kompatible Bildungs-ID unter strikter Einhaltung des datenschutzrechtlichen Zweckbindungsgebots eingeführt werden kann.
Eine Milliarde Euro mehr für frühkindliche Bildung
Besondere Dringlichkeit sieht der Antrag im frühkindlichen Bereich: Die Bundesregierung soll unverzüglich einen Gesetzentwurf für ein Qualitätsentwicklungsgesetz (QEG) für Kitas vorlegen. Zur Verbesserung der Qualität frühkindlicher Bildung fordert die Fraktion, jährlich eine Milliarde Euro mehr an Bundesmitteln bereitzustellen als bisher. Dies soll unter anderem verbindliche Sprachstandserhebungen, individuelle Förderangebote und bessere Fachkraft-Kind-Schlüssel finanzieren — mit gezielter Unterstützung für Einrichtungen in sozial benachteiligten Lagen.
Lehrkräfte stärken, Digitalpakt nutzen
Lehrkräfte und Schulleitungen sollen laut Antrag besser befähigt werden, Daten für Schul- und Unterrichtsentwicklung zu nutzen. Dazu soll die Neuauflage der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ einen Förderschwerpunkt zu Datenschutz und Data Literacy erhalten. Im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Digitales Lehren und Lernen“ des Digitalpakt 2.0 soll praxisorientierte Forschung zu datengestützter Unterrichtsentwicklung gefördert werden, einschließlich lernwirksamer Materialien und digitaler Unterrichtsassistenzen. Darüber hinaus sollen gemeinsam mit den Ländern Datendashboards für das Bildungssystem und eine Plattform für qualitätsgeprüfte diagnostische Instrumente entwickelt werden.
Berufsbildung und Hochschulübergänge im Blick
Der Antrag adressiert auch den Übergang von der Schule in Ausbildung und Studium. Der Berufsbildungsbericht soll zu einem politischen Steuerungsinstrument weiterentwickelt werden, das evidenzbasierte Wirkungsanalysen enthält und individuelle Bildungsverläufe — einschließlich Abbrüche und Übergänge — systematisch erfasst. Eine integrierte Berichterstattung über die Schnittstellen zum Hochschulbereich soll auch den sogenannten „Spurwechsel“ von Studienabbrechern in die berufliche Bildung evidenzbasiert verbessern.
Der Antrag wurde am 7. Juli 2026 in Berlin von Katharina Dröge, Britta Haßelmann und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gezeichnet und am 7. September 2026 als BT-Drs. 21/7854 veröffentlicht. Ausschussberatung und Abstimmung im Plenum stehen noch aus.
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Betroffen sind in erster Linie Kinder und Jugendliche an Schulen sowie Kinder in Kindertageseinrichtungen, insbesondere aus sozial benachteiligten Familien. Darüber hinaus betrifft der Antrag Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulaufsichtsbehörden sowie die empirische Bildungsforschung. Mittelbar sind auch Auszubildende und Studierende betroffen, da der Antrag Übergänge bis in den Berufsbildungs- und Hochschulbereich adressiert.
Der Antrag BT-Drs. 21/7854 ist am 7. September 2026 eingebracht worden und befindet sich noch vor der ersten Lesung im Bundestag. Im nächsten Schritt ist die Überweisung in den zuständigen Ausschuss — voraussichtlich den Ausschuss für Bildung und Forschung — vorgesehen. Anschließend folgen Ausschussberatung und abschließende Abstimmung im Plenum des Bundestages.
- Pseudonymisierung
- Verfahren, bei dem personenbezogene Daten so verändert werden, dass sie ohne zusätzliche Informationen nicht mehr einer bestimmten Person zugeordnet werden können.
- Data Literacy
- Die Fähigkeit, Daten kritisch zu lesen, zu verstehen, zu analysieren und sinnvoll einzusetzen — hier bezogen auf Lehrkräfte im Schulalltag.
- Zweckbindungsgebot
- Datenschutzrechtlicher Grundsatz, nach dem erhobene Daten nur für den ursprünglich festgelegten Zweck verwendet werden dürfen.
Was ist eine Bildungsverlaufsstatistik?
Eine pseudonymisierte Bildungsverlaufsstatistik erfasst Bildungsbiografien über die gesamte Bildungskette — von der Kita bis zum Berufsabschluss — und erlaubt so, Wirksamkeit von Programmen zu prüfen, ohne personenbezogene Daten preiszugeben.
Was soll das Forschungsdatengesetz regeln?
Es soll der Bildungsforschung erlauben, Bildungsverlaufsdaten rechtssicher mit anderen Datensätzen zu verknüpfen und dabei Datenschutzstandards sowie Grundrechte zu wahren.
Was ist eine Bildungs-ID?
Eine einheitliche, länderübergreifend kompatible Kennziffer für die gesamte Bildungsbiografie, die unter strikter Einhaltung des Datenschutzes individuelle Förderung und vereinfachte Verwaltungsabläufe bei Schulwechseln ermöglichen soll.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7854 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































