- 53.200 Arbeitsplätze in Energiebranchen seit 2022 verloren
- Industrieproduktion energieintensiver Branchen um 15,2 % gesunken
- AfD fordert Aussetzung von Energiesanktionen in Krisenlagen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7951 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Seit dem Wegfall russischer Energielieferungen im Zuge des Ukraine-Kriegs und der darauffolgenden EU-Sanktionen sind die Energiepreise in Deutschland deutlich gestiegen. Die Produktionsstatistik des Statistischen Bundesamtes weist für energieintensive Branchen einen Rückgang von 15,2 Prozent zwischen Februar 2022 und März 2026 aus. Hinzu kommt die Eskalation im Persischen Golf im Mai 2026, die den Brent-Rohölpreis zeitweise auf über 110 US-Dollar je Barrel trieb. Die AfD-Fraktion greift diese Entwicklung mit dem am 10. September 2026 eingebrachten Antrag BT-Drs. 21/7951 auf.
- -15,2 % — Rückgang der Produktion in energieintensiven Branchen von Februar 2022 bis März 2026 (saison- und kalenderbereinigt).
- -9,5 % — Rückgang der Gesamtindustrieproduktion (Verarbeitendes Gewerbe und Bergbau) im selben Zeitraum.
- 53.200 Arbeitsplätze — Verluste in energieintensiven Branchen; Beschäftigtenzahl sank von 847.700 auf 794.400 Personen.
- 75,6 % — Anteil energieintensiver Branchen am gesamten industriellen Energieverbrauch im Jahr 2024.
- +17,2 % — Anstieg der russischen LNG-Importe nach Europa im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal auf einen neuen Rekordstand.
Im Detail
„Wir zahlen in Deutschland die weltweit höchsten Preise für Strom und für Energie, und jede Industrie, jede Volkswirtschaft lebt und hängt gerade an einer vernünftigen, heißt also kostengünstigen, heißt also verfügbaren Energieversorgung.“
— Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender Evonik Industries, zitiert in BT-Drs. 21/7951
Hohe Energiepreise und sinkende Industrieproduktion stehen im Mittelpunkt eines Antrags der AfD-Fraktion, der am 10. September 2026 in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde. BT-Drs. 21/7951 verlangt von der Bundesregierung, energiebezogene Sanktionen und Embargos in Krisenzeiten auszusetzen oder aufzuheben — und dabei nationale Interessen gegenüber europäischen Vorgaben vorrangig zu berücksichtigen.
Energiesanktionen und ihre wirtschaftlichen Folgen
Die Begründung des Antrags stützt sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes: Die Produktion in energieintensiven Industriezweigen ist demnach von Februar 2022 bis März 2026 saison- und kalenderbereinigt um 15,2 Prozent zurückgegangen. Die Gesamtindustrie verzeichnete im selben Zeitraum einen Rückgang von 9,5 Prozent. Am stärksten betroffen sind laut Drucksache die Glas-, Keramik- und Steinverarbeitungsbranche mit minus 25,0 Prozent, die Papierindustrie mit minus 18,5 Prozent und die chemische Industrie mit minus 18,1 Prozent. Parallel dazu gingen rund 53.200 Arbeitsplätze verloren — die Beschäftigtenzahl in diesen Branchen sank von 847.700 auf 794.400 Personen, ein Rückgang von 6,3 Prozent. Trotz dieser Einbußen entfielen 2024 noch immer 75,6 Prozent des gesamten industriellen Energieverbrauchs auf diese Sektoren.
Als Ursachen benennt der Antrag den weitgehenden Wegfall russischer Energielieferungen, die europäischen Energiesanktionen sowie geopolitische Eskalationen im Nahen Osten. Besonders die Straße von Hormus rückt dabei in den Fokus: Über diese Meerenge wurden 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte transportiert — etwa 20 Prozent des weltweiten Petroleumverbrauchs und mehr als ein Viertel des gesamten Seeölhandels. Nach der Eskalation im Persischen Golf im Mai 2026 stieg der Brent-Rohölpreis zeitweise auf über 110 US-Dollar je Barrel, mit Tageshöchstständen von rund 112 US-Dollar.
Was der Antrag konkret fordert
Der Antrag formuliert vier Forderungen an die Bundesregierung: Erstens soll diese unverzüglich eigenständige Maßnahmen ergreifen, um eine bezahlbare und verlässliche Energieversorgung sicherzustellen. Zweitens soll Deutschland im Rahmen nationaler Krisenmaßnahmen eigenständig über Beschaffung und Priorisierung von Energieressourcen entscheiden können. Drittens soll die Bundesregierung auf nationaler und europäischer Ebene auf die Aussetzung, Nichtanwendung oder Aufhebung einschlägiger Energiesanktionen hinwirken, sofern diese die Versorgungssicherheit beeinträchtigen. Viertens sollen in Krisenlagen nationale Interessen und wirtschaftliche Stabilität bei energie- und wirtschaftspolitischen Entscheidungen Vorrang haben.
Industrievertreter mahnen seit Jahren
Die Antragsbegründung zitiert mehrere Wirtschaftsvertreter. Der damalige BASF-Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller verwies auf die Belastung der Profitabilität durch hohe Energiepreise und begründete damit Strukturmaßnahmen in Ludwigshafen. Evonik-Chef Christian Kullmann sprach von einem drohenden „energiepolitischen Desaster“. K+S-Chef Burkhard Lohr bezifferte auf der Hauptversammlung 2025, dass Gaspreise in Deutschland zuweilen das Sechsfache der Kosten am kanadischen Standort Bethune betragen. Diese Positionen der Wirtschaft sind als Partei-Standpunkte der Antragsteller einzuordnen, nicht als objektiver Befund.
Sanktionen und LNG-Paradox
Ein zentrales Argument des Antrags betrifft den Widerspruch zwischen dem Verbot russischer Pipeline-Gasimporte und dem gleichzeitig steigenden Import russischen LNG: Die russischen LNG-Importe nach Europa stiegen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17,2 Prozent auf einen neuen Rekordstand — ein Teil davon wird laut Drucksache nach Deutschland weitergeleitet. Aus Sicht der Antragsteller zeige dies die Wirkungslosigkeit der Sanktionen und verteure die Energieversorgung unnötig. Die Debatte um wirtschaftliche Belastungen und nationale Interessen beschäftigt den Bundestag seit Beginn der Legislaturperiode in verschiedenen Kontexten.
Der Antrag stellt die Frage, wie Deutschland in einer anhaltenden Energiekrise seine Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sichern kann, ohne auf günstige Bezugsquellen zu verzichten. Über die zugrundeliegenden Abwägungen — Solidarität mit EU-Partnern und Ukraine-Unterstützung auf der einen Seite, wirtschaftliche Entlastung auf der anderen — entscheidet letztlich das Plenum des Bundestages. Auch die Debatte um EU-Vorgaben und nationale Handlungsspielräume ist ein wiederkehrendes Thema im Bundestag.
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Unmittelbar betroffen sind energieintensive Industrien wie die chemische Industrie, Metallerzeugung, Papier-, Glas- und Keramikbranche. Laut Antragsbegründung verloren diese Branchen zwischen 2022 und 2026 rund 53.200 Arbeitsplätze. Daneben nennt der Antrag Landwirtschaft, Transport, Logistik, Bau und das Gesundheitswesen sowie private Verbraucher, die durch gestiegene Energiekosten belastet werden.
Der Antrag wurde am 10. September 2026 in den Bundestag eingebracht. Als nächste Schritte sind die Überweisung an den zuständigen Ausschuss, die Ausschussberatung und schließlich die Abstimmung im Plenum des Bundestages vorgesehen.
- Embargo
- Ein staatlich angeordnetes Einfuhr- oder Ausfuhrverbot für bestimmte Waren oder gegenüber bestimmten Ländern — hier: Verbote russischer Energieimporte.
- Straße von Hormus
- Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, über die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird und die als kritischer Engpass der globalen Energieversorgung gilt.
- Versorgungssicherheit
- Die Fähigkeit eines Landes, seinen Bedarf an Energie und anderen Grundstoffen dauerhaft und zuverlässig zu decken.
Was konkret fordert der AfD-Antrag?
Die Bundesregierung soll eigenständige Maßnahmen zur bezahlbaren Energieversorgung ergreifen und auf nationaler wie europäischer Ebene auf die Aussetzung von Sanktionen und Embargos hinwirken, die die Versorgungssicherheit beeinträchtigen.
Welche Branchen sind laut Antrag besonders betroffen?
Besonders hart getroffen sind laut Begründung die Glas-, Keramik- und Steinverarbeitung (-25 %), die Papierindustrie (-18,5 %) und die chemische Industrie (-18,1 %).
Was hat die Straße von Hormus mit dem Antrag zu tun?
Über die Straße von Hormus wurden 2024 täglich rund 20 Millionen Barrel Öl transportiert — rund 20 % des Weltverbrauchs. Störungen dort durch den Irankonflikt trieben die Rohölpreise laut Antrag bis auf über 110 US-Dollar je Barrel.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7951 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.































































