Anfrage eingereicht
AfD fragt nach CO2-Kompensation durch atmosfair-Kochöfen
Hintergrund
Seit 2014 kompensiert die Bundesregierung CO2-Emissionen aus Dienstreisen ihrer Beschäftigten. Der Bundestag beschloss 2020, auch Abgeordneten-Dienstreisen zu kompensieren. Ein aktueller Welt-Artikel kritisierte massive Lieferverzögerungen bei ähnlichen Projekten in Hamburg, was die Stadt dazu brachte, solche Kompensationsmaßnahmen einzustellen.
Die AfD-Fraktion stellt der Bundesregierung 17 kritische Fragen zur CO2-Kompensation von Bundestags-Dienstreisen. Im Fokus: ein Kochofenprojekt der atmosfair gGmbH in Ruanda. Das Umweltbundesamt hatte dieses empfohlen (Drucksache 21/5229 vom 8. April 2026).
Komplexes Geflecht von Organisationen
Die AfD kritisiert die vielschichtige Struktur um die atmosfair gGmbH, heißt es in der Anfrage. Das Unternehmen ist aus einer Kooperation von Germanwatch und dem Reiseveranstalterverband hervorgegangen und beschäftigt rund 40 Mitarbeiter in Berlin. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 46,3 Millionen Euro. Hinzu kommen Verflechtungen mit der Tochtergesellschaft Solarbelt FairFuel gGmbH und verschiedenen Stiftungen.
Für die Bundesregierung wickelt die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) die Kompensation ab – eine Behörde mit 210 Mitarbeitern. Sie berechnet die Klimawirkung und beschafft Emissionsgutschriften von internationalen Klimaschutzprojekten.
Der Bundestag kompensiert CO2-Emissionen seiner Dienstreisen durch den Kauf energiesparender Kochöfen in afrikanischen Ländern wie Ruanda.
Zweifel an Wirksamkeit und Effizienz
Die AfD bezweifelt die tatsächliche Klimawirkung der Maßnahmen. Sie fragt, wie die Verwendung von Brennholz – einem nachwachsenden Rohstoff – die CO2-Emissionen reduziert. Dies ist bemerkenswert, da 2023 ganze 46 Prozent der 33,4 Millionen Euro Einnahmen der atmosfair gGmbH in Kochofenprojekte in sechs afrikanischen Ländern geflossen sind.
Besondere Kritik übt die AfD an der doppelten Finanzierung. Hintergrund ist: Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert bereits seit Jahren „clean cooking“-Projekte – meist in Kooperation mit der GIZ und dem Green Climate Fund. Die Familien vor Ort müssen die Kochöfen für 30 bis 55 Euro dennoch selbst kaufen.
Ein Welt-Artikel vom Dezember 2025 hat über massive Auslieferungsverzögerungen bei ähnlichen Projekten in Hamburg berichtet. Der Landesrechnungshof Hamburg hat das dortige Kompensationsprojekt kritisch bewertet, woraufhin die Stadt solche Maßnahmen eingestellt hat.
Betroffen sind Steuerzahler, die die Kompensationsmaßnahmen finanzieren, sowie Familien in Ruanda, die die Kochöfen kaufen sollen. Auch Beschäftigte der über 250 Mitarbeiter bei DEHSt und atmosfair gGmbH in Berlin sind involviert.
Die Bundesregierung muss die 17 detaillierten Fragen zur Finanzierung und Kontrolle der CO2-Kompensationsmaßnahmen beantworten. Die Antwortfrist beträgt in der Regel einige Wochen nach Eingang der Anfrage.
- CO2-Kompensation
- Ausgleich von Treibhausgasemissionen durch Klimaschutzprojekte an anderer Stelle, meist in Entwicklungsländern
- Gold Standard
- Internationaler Zertifizierungsstandard für Klimaschutzprojekte, der hohe Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien gewährleisten soll
- Clean Cooking
- Förderung sauberer und effizienter Kochmethoden zur Reduzierung von Gesundheitsrisiken und Umweltbelastung























































