- 200 TWh Biogas-Bedarf bis 2045 — viermal mehr als heimisch verfügbar
- Bundesregierung hat bislang keine belastbare Biomassestrategie vorgelegt
- 48 Prozent der erneuerbaren Energien stammten 2025 aus Biomasse
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8014 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Biomasse ist laut Umweltbundesamt (UBA) der bedeutendste erneuerbare Energieträger in Deutschland: Im Jahr 2025 entfielen 48 Prozent der erneuerbaren Energiebereitstellung auf Biomasse. Gleichzeitig stellt das UBA fest, dass das nachhaltig nutzbare Biomassepotenzial in Deutschland begrenzt ist. Eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) prognostiziert für 2045 allein im Gebäudesektor einen Biogas-Bedarf von rund 200 TWh — das Vierfache der heimisch erschließbaren Mengen aus Abfall- und Reststoffen. Gesetzlich verankerte Mehrbedarfe, etwa durch das Gebäudemodernisierungsgesetz und die Biokraftstoff-Quoten nach der 38. Bundesimmissionsschutzverordnung, verstärken den Druck auf begrenzte Flächen zusätzlich.
- 48 % — Anteil von Biomasse an der erneuerbaren Energiebereitstellung in Deutschland im Jahr 2025 (Quelle: UBA).
- rund 200 TWh — Prognostizierter Biogas-Bedarf allein im Gebäudesektor bis 2045, laut dena das Vierfache der heimisch erschließbaren Menge.
- 2 % bis 9 % — Steigende Mindestquote für fortschrittliche Biokraftstoffe nach § 14 BImSchV, von 2026 bis 2040.
- 30 % — Flächenschutzziel der EU-Biodiversitätsstrategie 2030, das in Konflikt mit wachsendem Energiepflanzen-Anbau steht.
- 36 — Fragen umfasst die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8014 zu Biomasse, Flächenbedarf und Strategie.
Im Detail
Die Bundesregierung hat trotz bereits gesetzlich eingeplanter Mehrbedarfe wie beim Biokraftstoff sowie dem gestaffelt steigenden Anteil biogener Energieträger beim Gebäudemodernisierungsgesetz weiterhin aktuell keine belastbare Biomassestrategie vorgelegt.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8014
Biomasse liefert heute fast die Hälfte aller erneuerbaren Energie in Deutschland — und soll nach dem Willen des Gesetzgebers künftig noch mehr leisten. Genau darin liegt das Kernproblem, das die Drucksache 21/8014 vom 15. September 2026 aufwirft: Das Umweltbundesamt (UBA) stellt fest, dass das nachhaltig verfügbare Biomassepotenzial in Deutschland begrenzt ist. Gleichzeitig prognostiziert eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) für das Jahr 2045 allein im Gebäudesektor einen Bedarf von rund 200 TWh Biogas — das Vierfache der heimisch erschließbaren Mengen aus Abfall- und Reststoffen.
Biomasse-Strategie: Was gilt aktuell?
Im Jahr 2025 stammten 48 Prozent der gesamten erneuerbaren Energiebereitstellung in Deutschland aus Biomasse, womit sie die bedeutendste erneuerbare Energiequelle bleibt. Gleichzeitig fordert das UBA ausdrücklich, die energetische Nutzung von Anbaubiomasse nicht weiter auszubauen und die Energieversorgung langfristig davon zu entkoppeln. Eine nationale Biomassestrategie, die den konkurrierenden Ansprüchen aus Energieversorgung, Biodiversitätsschutz und Lebensmittelproduktion Rechnung trägt, liegt der Drucksache zufolge bis dato nicht vor.
Flächenkonflikt durch Gebäudemodernisierungsgesetz
Das Gebäudemodernisierungsgesetz verankert gestaffelt steigende Anteile biogener Energieträger beim Heizen — die sogenannte Biotreppe — sowie eine Grüngasquote. Die Fraktion Die Linke fragt die Bundesregierung konkret, mit welchem Biomasse-Mehrbedarf sie für diese Instrumente rechnet und welche Maßnahmen sie plant, wenn heimische Ressourcen nicht ausreichen. Zusätzlich sieht die 38. Bundesimmissionsschutzverordnung eine steigende Mindestquote für fortschrittliche Biokraftstoffe vor: von 2 Prozent im Jahr 2026 auf 9 Prozent im Jahr 2040. Auch hier erkundigt sich die Anfrage nach den Erfüllungsstrategien der Bundesregierung.
Für Heizende stellt sich die Frage, ob die steigende Nachfrage nach Biomasse zu Preiserhöhungen führt. Die Drucksache thematisiert daher auch, ob der Bundesregierung Berechnungen zu Kostensteigerungen beim Heizen mit Bioenergie für Endverbraucherinnen und Endverbraucher vorliegen — und wenn nicht, warum diese bislang fehlen. Wer heute eine Pelletsheizung oder einen Biogas-Anschluss betreibt, könnte von einer solchen Entwicklung direkt betroffen sein.
Biomasse-Strategie zwischen Biodiversität und Energiebedarf
Ein weiterer zentraler Fragekomplex betrifft den Konflikt mit den EU-Biodiversitätszielen: Die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 sieht einen Flächenschutz von 30 Prozent, einen Ökolandbau-Anteil von 25 Prozent sowie das Prinzip „Food First“ vor. Die Linke fragt, wie die Bundesregierung diese Ziele einhält, wenn zugleich mehr Fläche für Energiepflanzen benötigt wird. Auch die Auswirkungen auf Wälder stehen im Fokus: Die Anfrage thematisiert das Risiko, dass der wachsende Bedarf an biogenen Festbrennstoffen zu einer Intensivierung der Forstwirtschaft führt, die schützenswerte Wälder unter Druck setzt. Die Drucksache fragt nach einem verbesserten Rückverfolgungssystem für Holz und Biomasse sowie nach Maßnahmen zur Kaskadennutzung, bei der Holz zunächst stofflich verwertet und erst danach thermisch genutzt werden soll.
Umwelt- und Bodenschutz als Querschnittsthema
Neben der Flächenfrage beleuchtet die Anfrage Umweltfolgen des intensiven Energiepflanzen-Anbaus: Nitratauswaschungen ins Grundwasser, Humusverluste in Böden und die Überschreitung biogeochemischer Kreisläufe werden ebenso thematisiert wie der Einfluss häufigerer Dürre- und Starkregenereignisse auf künftig verfügbare Anbauflächen. Auch der Zielkonflikt mit dem nationalen Nachhaltigkeitsziel — den täglichen Flächenverbrauch bis 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag zu senken — wird in der Anfrage adressiert. Themen rund um nachhaltige Ressourcennutzung und Energieeffizienz gewinnen damit auch im parlamentarischen Raum an Gewicht.
Die Anfrage umfasst insgesamt 36 Fragen und verlangt detaillierte Aufschlüsselungen nach Jahren (2030, 2040, 2045), Bundesländern, Biomasse-Arten und Anwendungsfällen wie Verstromung, Wärmeerzeugung und Biomethaneinspeisung ins Erdgasnetz. Auch der Import-Export-Saldo der für Biomasse benötigten Flächen ist Gegenstand der Anfrage. Die breite Themenpalette spiegelt wider, wie eng Energiepolitik, Naturschutz, Landwirtschaft und Klimapolitik in der Biomasse-Frage miteinander verknüpft sind — ein Zusammenhang, den auch Debatten über systemische Risiken bei komplexen Infrastrukturen zunehmend beleuchten.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind Hauseigentümer und Mieter, die mit Holzpellets, Biogas oder Bioheizöl heizen: Übersteigt die Nachfrage das Angebot, drohen Preisanstiege. Betroffen sind außerdem Landwirte, die zwischen Nahrungsmittel- und Energiepflanzen-Anbau abwägen, sowie Naturschutzgebiete im In- und Ausland, die durch steigenden Flächendruck gefährdet sein können.
Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8014 ist am 15. September 2026 eingegangen. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Gemäß § 104 GO-BT ist grundsätzlich eine Antwort innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen; der genaue Zeitpunkt der Zuleitung ist der Drucksache nicht zu entnehmen.
- Biotreppe
- Regelung im Gebäudemodernisierungsgesetz, die gestaffelt steigende Anteile biogener Energieträger (z. B. Biogas, Holzpellets) bei Heizungsanlagen vorschreibt.
- Kaskadennutzung
- Prinzip, nach dem Holz zunächst möglichst hochwertig stofflich genutzt (z. B. als Baumaterial) und erst am Ende seines Nutzungslebens thermisch verwertet werden soll.
- LULUCF
- EU-Verordnung zu 'Land Use, Land Use-Change and Forestry' — regelt, wie Treibhausgasemissionen und -senken aus Landnutzung und Forstwirtschaft bilanziert werden.
Was ist das Kernproblem bei der Biomasse-Versorgung?
Laut einer dena-Studie wird für 2045 allein im Gebäudesektor ein Biogas-Bedarf von rund 200 TWh erwartet — das Vierfache der Menge, die in Deutschland aus Abfall- und Reststoffen erschlossen werden kann.
Was regelt die sogenannte Biotreppe im Gebäudemodernisierungsgesetz?
Das Gebäudemodernisierungsgesetz sieht gestaffelt steigende Anteile biogener Energieträger beim Heizen vor; Die Linke fragt, mit welchem Biomasse-Mehrbedarf die Bundesregierung dabei kalkuliert.
Welche EU-Vorgaben spielen beim Flächenkonflikt eine Rolle?
Die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 sieht einen Flächenschutz von 30 Prozent sowie einen Ökolandbau-Anteil von 25 Prozent vor; hinzu kommt das Prinzip 'Food First', das Nahrungsmittelerzeugung gegenüber Energiepflanzen vorrangig stellt.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8014 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































