- 2,4 Mrd. Euro für Fusionsforschung bis 2029 aus KTF und SVIK
- Drei Fusionshubs mit 125 Mio. Euro Erstförderung gestartet
- SPRIND-Meilensteinprogramm seit 7. Oktober 2026 aktiv
Hintergrund
Die Bundesregierung hat Fusionstechnologien im Koalitionsvertrag der 21. Legislaturperiode zu einem zentralen technologiepolitischen Schwerpunkt erklärt und den Aktionsplan „Deutschland auf dem Weg zum Fusionskraftwerk“ verabschiedet. Am 29. Juli 2026 gab das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Auswahl von drei Fusionshubs bekannt. Deutschland beteiligt sich zudem am IPCEI „Innovative Kerntechnologien“ auf europäischer Ebene, das den Aufbau europäischer Fusionswertschöpfungsketten unterstützen soll.
- 2,4 Mrd. Euro — Gesamtbudget für Fusionsstrategie der Bundesregierung in der Legislaturperiode 2025–2029
- 125 Mio. Euro (erste Förderphase) — Aufgeteilt auf VEGA (47,6 Mio.), STRIDE (42,5 Mio.) und MAT-TRIx (35,2 Mio. Euro)
- 810 Mio. Euro aus KTF — Für F&E-Projekte und Aufbau des Fusionsökosystems; 2027 davon 190 Mio. Euro
- 755 Mio. Euro aus SVIK — Für Infrastrukturaufbau und meilensteinbasierte Finanzierung; 2027 davon 120 Mio. Euro
- 500 Mio. Euro bis 2029 — Geplantes Volumen des SPRIND-Meilensteinprogramms; langfristig bis zu 2,5 Mrd. Euro vorgesehen
Im Detail
Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, dass das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland gebaut werden soll.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8717
Deutschland investiert bis 2029 rund 2,4 Milliarden Euro in die Fusionsforschung — mit dem erklärten Ziel, das erste Demonstrations-Fusionskraftwerk der Welt im eigenen Land zu errichten. Die Bundesregierung hat dazu in BT-Drs. 21/8717 vom 19. Oktober 2026 ausführlich auf 43 Fragen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN geantwortet und die Finanzierungsstruktur sowie die Governance der drei Fusionshubs offengelegt.
Was sind die Fusionshubs?
Am 29. Juli 2026 wählte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) drei spezialisierte Forschungskonsortien aus: Hub VEGA für Laserfusion (47,6 Mio. Euro Erstförderung), Hub STRIDE für Magnetfusion mit Schwerpunkt Stellarator (42,5 Mio. Euro) und Hub MAT-TRIx für Brennstoffkreisläufe und Materialentwicklung (35,2 Mio. Euro). Die Summe der ersten Förderphase beträgt rund 125 Mio. Euro, finanziert aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF). Die Managementprojekte der drei Hubs starteten am 1. August 2026; die eigentlichen F&E-Projekte befinden sich noch im Bewilligungsprozess.
An den Hubs sind insgesamt 34 Partner beteiligt — darunter Unternehmen wie Focused Energy GmbH, Marvel Fusion GmbH, Gauss Fusion GmbH und Proxima Fusion GmbH sowie Forschungseinrichtungen wie das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, das Karlsruher Institut für Technologie, DESY und mehrere Fraunhofer-Institute. Nach Angaben der Bundesregierung entfallen 56 Prozent der Zuwendungen auf private Unternehmen, 34 Prozent auf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und 10 Prozent auf Hochschulen.
Woher kommt das Geld für die Fusionshubs?
Das Gesamtbudget von 2,4 Mrd. Euro setzt sich aus mehreren Quellen zusammen: Aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) sind bis zu 755 Mio. Euro für Infrastrukturaufbau und meilensteinbasierte Finanzierung vorgesehen; aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) bis zu 810 Mio. Euro für F&E-Projekte. Den Rest deckt die institutionelle Förderung über die Einzelpläne 30. Allein für 2027 plant die Bundesregierung Ausgaben von rund 491,4 Mio. Euro aus verschiedenen Haushaltstiteln. Auf die von Bündnis 90/Die Grünen gestellte Frage, ob KTF-Mittel — eigentlich an Klimaziele gebunden — für ein noch nicht marktreifes Technologieprojekt geeignet seien, antwortet die Bundesregierung, Fusion habe als CO₂-neutrale Energiequelle langfristiges Klimaschutzpotenzial und trage zur Versorgungssicherheit bei.
Das SPRIND-Meilensteinprogramm
Parallel zu den Fusionshubs läuft seit dem 7. Oktober 2026 das Meilensteinprogramm der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Es kofinanziert Start-ups entlang ihrer eigenen Roadmaps zum Fusionskraftwerk und ist strikt leistungsorientiert: Öffentliche Mittel werden primär als Eigenkapitalbeteiligungen bereitgestellt, um privates Kapital zu hebeln. Bis 2029 sind 500 Mio. Euro vorgesehen, langfristig sieht der aktuelle Planungsstand bis zu 2,5 Mrd. Euro aus dem SVIK vor — wobei Mittel ab 2030 unter dem Vorbehalt der Haushaltsveranschlagung stehen. Phase 1 (2027–2029) finanziert mehrere technologische Ansätze parallel; Phase 2 (ab 2030) fokussiert auf Technologiedemonstratoren für ein Demonstrationskraftwerk.
Radioaktiver Abfall und Proliferation
Auf die Frage nach radioaktivem Abfall aus Fusionsanlagen erklärt die Bundesregierung, dass die Minimierung radioaktiver Abfälle aktiver Forschungsgegenstand ist. Für 2027 sind 5 Mio. Euro aus dem SVIK für regulatorische Fusionsforschung vorgesehen, unter anderem für die wissenschaftliche Beurteilung entstehender Abfälle. Grundsätzlich gelte das atomrechtliche Verursacherprinzip. Proliferationsrisiken werden im Rahmen des Forschungsvorhabens „ReFus“ untersucht; konkrete Budgetanteile nennt die Bundesregierung nicht. Fragen zum Fachkräftebedarf in Plasmaphysik, Lasertechnologie und Ingenieurwissenschaften beantwortet das vom BMFTR geförderte Projekt FIRE — Ergebnisse werden für Frühjahr 2027 erwartet.
Die Bundesregierung setzt dabei auf Technologieoffenheit: Eine feste Mittelverteilung zwischen Laser- und Magnetfusion ist nicht vorgesehen; Förderanteile sollen in wettbewerblichen Verfahren vergeben werden. Spin-off-Potenziale sieht die Bundesregierung etwa bei Hochtemperatursupraleitungsmagneten, Hochleistungslasern und Lithiumproduktion — Technologien, die auch in Medizintechnik, Energiesektor und Rechenzentren Anwendung finden könnten. Mehr zur Energiepolitik des Bundes und aktuellen Infrastrukturprojekten findet sich auch im Bericht zur Sicherheitsplattform Strom der Bundesnetzagentur.
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Betroffen sind Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen der Fusionsbranche sowie angrenzender Industrien wie Maschinen- und Anlagenbau, Energie- und Elektrotechnik, Werkstofftechnik, Photonik und Medizintechnik. Mittelbar sind alle Steuerzahler betroffen, da die Förderung aus Bundes- und Sondervermögensmitteln finanziert wird.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen beantwortet, verweist bei mehreren Detailfragen jedoch auf noch laufende Verfahren oder künftige Ergebnisse: Die Mittelverteilung für IPCEI-Projekte kann erst nach der nationalen Vorauswahl beziffert werden, und der Fachkräftebedarf wird erst im Frühjahr 2027 durch das FIRE-Projekt ausgewiesen.
Die Anfrage ist mit Schreiben des BMFTR vom 16. Oktober 2026 beantwortet worden; das Verfahren ist damit abgeschlossen. Die F&E-Projekte der ersten Einreichungsrunde der Fusionshubs befinden sich noch im Bewilligungsprozess; bis 2029 sind halbjährliche Einreichungsfristen für den Ausbau der Hubs vorgesehen. Das SPRIND-Meilensteinprogramm läuft seit dem 7. Oktober 2026 und geht ab 2030 in Phase 2 über, sofern der Bundeshaushalt die entsprechenden Mittel veranschlagt.
- Fusionshub
- Gefördertes Konsortium aus Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, das fusionsrelevante Technologien gemeinsam entwickelt und Wertschöpfungsketten aufbaut.
- IPCEI
- Important Project of Common European Interest — EU-Instrument, das staatliche Beihilfen für grenzübergreifende Schlüsseltechnologieprojekte rechtfertigt.
- SPRIND
- Bundesagentur für Sprunginnovationen, die über ein meilensteinbasiertes Programm Start-ups auf dem Weg zum Fusionskraftwerk kofinanziert.
Welche drei Fusionshubs wurden ausgewählt?
VEGA für Laserfusion, STRIDE für Magnetfusion mit Schwerpunkt Stellarator und MAT-TRIx für Brennstoffkreisläufe und Materialentwicklung. Die erste Förderphase umfasst insgesamt rund 125 Mio. Euro.
Woher kommt das Geld für die Fusionsstrategie?
Aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sind bis zu 810 Mio. Euro, aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) bis zu 755 Mio. Euro vorgesehen; den Rest deckt die institutionelle Förderung über die Einzelpläne 30.
Wann ist ein erstes Fusionskraftwerk in Deutschland realistisch?
Die Bundesregierung prognostiziert laut Fusionsroadmap der Hightech Agenda Deutschland ein erstes Pilotkraftwerk gegen Ende der 2030er-Jahre.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8717 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































